SEITE 2 von 8: SO BEWÄLTIGEN SIE DEN SEITENSPRUNG IHRES PARTNERS

2. Phase: Intensives Fragen

Sobald der erste Schock nachlässt, stellen sich viele Fragen. Jetzt ist die Chance am größten, durch intensive Gespräche das Warum zu verstehen, um den Seitensprung dann nach einiger Zeit auch verarbeiten zu können. Hilfreich sind dabei offene Fragen wie »Wann habt ihr euch das erste Mal getroffen?« statt »Fing es vor sechs Monaten an?«.

Aber Vorsicht: Vorschnelle Urteile Ihrerseits bringen den Partner dazu, sich zu verschließen. Fragen Sie, wie es Ihrem Partner ging, als es anfing, und führen Sie ihn Schritt für Schritt durch die Ereignisse (»Und dann?«), um das Ganze zu verstehen. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben, sonst lässt Ihr Partner wichtige Dinge aus, um Sie nicht noch mehr aufzuregen, oder belügt Sie. Wiederholen Sie wichtige Sätze, um Ihren Partner dazu zu bringen, sie weiter auszuführen. Fragen Sie, statt voreilige Schlüsse zu ziehen (»Wolltest du mich damit bestrafen?«). Schweigen Sie oder nicken Sie stumm, das hilft oft, entscheidende Details offenzulegen. Erwarten Sie nicht, dass ein einziges Gespräch alle Fragen klärt.

Halten Sie mit Ihren Gefühlen nicht hinter dem Berg

Teilen Sie Ihrem Partner Ihre eigenen Gefühle mit, etwa: »Ich verstehe, dass du dich vernachlässigt gefühlt hast. Was ich nicht verstehe, ist ...«, und erklären Sie, warum Ehrlichkeit so wichtig für Sie ist. Fragen Sie sich, ob die Angst Ihres Partners vor einer umfassenden Beichte begründet ist. Werden Sie ihn / sie hinauswerfen oder die Kinder gegen ihn / sie ausspielen? Beobachten Sie dabei auch Ihre Reaktion auf neue Informationen. Wenn Sie Ihrem Partner beweisen, dass er keine Angst haben muss, dass Sie überreagieren, wird er wesentlich mitteilsamer sein.

Sexuelle und emotionale Untreue

Es ist schmerzlich genug, dass eine Affäre Ihr Sexualleben so ins Scheinwerferlicht zerrt, aber noch schlimmer ist, dass sie auch völlig unterschiedliche – bisher vielleicht noch gar nicht wahrgenommene – Einstellungen der Partner offenlegen kann. Für manche Menschen bedeutet Sex Liebe, für manche einfach nur Sex, auch wenn das im Beziehungsgespräch so kaum jemand offen sagt. Statistisch gesehen sind Männer eher von sexueller Untreue verstört, als von emotionaler, bei Frauen ist es umgekehrt. Noch schwieriger wird das Ganze dadurch, dass Pornografie so leicht zugänglich ist. Ist es Untreue, wenn sich der Partner Pornos anschaut oder einen pornografischen Chatroom aufsucht? Wo fängt das Fremdgehen an? Jedes Paar muss selbst entscheiden, wo die Grenze zwischen akzeptablem und unannehmbarem Verhalten liegt.

Die Seitensprung-Formel

In dieser – der zweiten – Phase geht es darum, das Ausmaß des Problems zu erkennen und den Schmerz des betrogenen Partners zu akzeptieren. Es ist jetzt noch nicht der Zeitpunkt für eine vorschnelle Entscheidung, ob die Beziehung gerettet werden kann oder nicht. Versuchen Sie, diese Unsicherheit und das Gefühlschaos für den Moment hinzunehmen. Es geht darum, die Gründe für den Seitensprung zu verstehen. Die Umstände können sehr unterschiedlich sein, doch die Ursachen einer Affäre lassen sich gewöhnlich mit dieser Gleichung zusammenfassen:

Problem + schlechte Kommunikation + Versuchung = Untreue

Das Problem, der zugrundeliegende Auslöser kann außerhalb (Kündigung, Midlife-Crisis) oder innerhalb der Beziehung liegen (sich ungeliebt fühlen, schlechter / zu seltener Sex etc.) Wenn man nicht darüber reden kann, wächst die Verzweiflung. Kommt dann die Versuchung in Form einer verständnisvollen Person, der man alles erzählen kann, dazu, ist ein Seitensprung fast zu erwarten.

Ziel der Phase des intensiven Fragens ist, den Anteil Ihrer persönlichen Verantwortung am Geschehen zu ermitteln. Dafür sollten Sie den mittleren Punkt der Gleichung untersuchen: die schlechte Kommunikation. Warum können Sie nicht gut miteinander reden? Wie gut hören Sie sich zu? Wenn Sie Ihren Beitrag zum Scheitern verstehen, haben Sie einen Baustein, um die Beziehung zu retten oder etwas daraus zu lernen.

Die häufigsten Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit fremdzugehen erhöhen:

  • Scheu vor Konflikten
  • Starkes Bedürfnis nach Zustimmung anderer
  • Das Leben in unterschiedliche Schubladen aufteilen, die nichts miteinander zu tun haben
  • Die Bedürfnisse anderer Menschen nicht bedenken
  • Angst vorm Verlassenwerden
  • Geringe sexuelle oder körperliche Selbstachtung
  • Streit über Autonomie und Kontrolle

Bei den betrogenen Partnern findet sich oft

  • Perfektionismus
  • Streitschlichterrolle in der Kindheit, so dass man immer Wogen zu glätten versucht, statt Konflikte auf den Tisch zu bringen
  • Angst vorm Verlassenwerden
  • Geringes Selbstwertgefühl

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