Unser Buchtipp des Autors Dr. Hans Jellouschek

Warum hast du mir das angetan? Untreue als Chance

Kurzbeschreibung

Etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Männer und Frauen gehen im Laufe einer dauerhaften Beziehung fremd – die Statistiken bringen ans Licht, wie es um die Treue bestellt ist. Moralische Bewertungen seien hier absolut fehl am Platze, findet Hans Jellouschek. Die Frage danach, wer Schuld hat, wenn es zu einem Seitensprung kommt, solle man außen vor lassen. Wichtiger ist es, zu erkennen, welches Entwicklungspotenzial eine Affäre für das Paar mit sich bringt. Jellouschek hilft, dieses zu sehen.

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An wen richtet sich die Buchempfehlung?

Für Paare, in deren Zweisamkeit ein Dritter eingedrungen ist. Für Partner, die erkennen möchten, was hinter der Untreue steckt und die ihrer Beziehung trotz allem eine Chance geben wollen. Denn dieses Potenzial hat eine Affäre immer, meint Hans Jellouschek. Er beschreibt, welche Konstellationen es bei Dreiecksbeziehungen gibt, analysiert, wie es zum Seitensprung kommen kann und was die Beteiligten daraus gewinnen können. Wenn Sie rational dem Dreiecksgeschehen auf den Grund gehen möchten, finden Sie hier praktische Lösungsvorschläge.

Erkenntnisse aus diesem Sachbuch

Es ist wie es ist – und bedeutet nicht zwangsläufig das Aus für die Beziehung. Hans Jellouschek, renommierter Paartherapeut, zeigt anhand der Geschichte von drei Paaren, welche Ursachen eine Affäre außerhalb der Beziehung haben kann. Die Gründe dafür, warum jemand fremdgeht, sind so komplex wie subtil, ihnen nachzuspüren sieht Jellouschek als Herausforderung für die Partner. Denn Untreue ist immer ein Zeichen dafür, dass etwas fehlt, was mit dem Seitensprung ausgeglichen werden soll. Jellouschek zeigt auch Wege zum richtigen Umgang mit der Untreue auf – sachlich, psychologisch fundiert und sehr vernünftig.

Produktinformationen

  • Titel: Warum hast du mir das angetan? Untreue als Chance
  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 12. (1. August 2003)
  • ISBN-10: 3492238920
  • ISBN-13: 978-3492238922
  • Preis: EUR 8,99

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Ausführliche Beschreibung

Das moderne Dreieck: Abschied von der Mangelbeziehung

Trotz aller Liberalisierung und der medialen Offenheit ist Untreue noch immer ein gesellschaftlich tabuisierter Bereich. Wenn ihre Freundin Ihnen erzählt, dass ihr Mann sie betrügt, werden Sie vermutlich den Fremdgeher als Täter identifizieren. Ihre Freundin in der Opferrolle kann sich Ihres Mitleids sicher sein – wer aus einer Zweierbeziehung ausschert, bekommt vom Umfeld meistens Schelte. Schließlich hat er sich eines gesellschaftlich geächteten Liebesverbrechens schuldig gemacht: Er hat betrogen.

Hier liege eines der Probleme, schreibt Jellouschek. Wir urteilen und richten anhand weniger Aspekte, die Begleitumstände eines Seitensprungs blieben uns meist verborgen. Und den betroffenen Paaren ebenso. Genau hier sieht der erfahrene Paartherapeut Jellouschek den Ansatzpunkt: Man müsse versuchen, die Hintergründe zu erforschen, dann könne auch ein schmerzhafter Seitensprung die Kernbeziehung bereichern. Weil die Untreue offenbart, was in der Beziehung ungesagt blieb und was fehlt.

Emotionales Thema – sachliche Ansichten

Werfen wir mal einen ganz nüchternen Blick auf die Tatsachen: Wer heutzutage liebt, tut dies in erster Linie aus Egoismus. Das Bedürfnis des Einzelnen nach Selbstverwirklichung zieht auch den Wunsch nach sattem Beziehungsglück nach sich. Früher standen Versorgung und Fürsorge im Mittelpunkt einer Beziehung. Ehen wurden auch aus praktischen Gründen geschlossen. Heute ist jeder der Partner auf Autonomie bedacht, die Liebe – früher als Krönung einer funktionsfähigen Verbindung eher zweitrangig – tritt in den Vordergrund.

Treue, so Jelluoschek, hat deswegen heutzutage einen anderen Stellenwert. Paare bleiben einander treu, weil sie ihre Beziehung als erfüllend und sinnhaft erleben – nicht in erster Linie aus ökonomischen, familiären oder weltanschaulichen Gründen. Also steht die Liebestreue auch beständig auf dem Prüfstand. Und stellt sich in Krisenzeiten unter Umständen als wankelmütig heraus.

Viele Wege führen in die Liebesfremde: Drei Paare, drei Betrugsgeschichten

Heutige Partner, darauf weist Jellouschek ausdrücklich hin, haben in der Regel eine Art »neoromantisches« Liebesideal. Sie stellen höchst unrealistische Beglückungs- und Befriedigungserwartungen aneinander. Dadurch steigt die Enttäuschung vor allem desjenigen, der betrogen wird, ins Überdimensionale. Der Liebesbetrug wird häufig als etwas Existenzielles, als radikale Aufkündigung eines ganzen Lebenskonzeptes empfunden. Und kann so Entwicklungsmöglichkeiten geradezu blockieren.

Jellouschek macht seine Erörterung an drei typischen Paaren, in deren Zweisamkeit ein Dritter eindringt, fest. In verschiedenen Varianten begegnen Jellouschek diese Dreiecksbeziehungen immer wieder in der paartherapeutischen Praxis.

Theo und Maria sind der Klassiker: Er ist 55 Jahre alt und hat als Wirtschaftsingenieur eine flotte Karriere hingelegt. Maria, 51, hat ihren Beruf aufgegeben, um ihren Mann und die beiden Söhne zu versorgen. Sie ist das typische Heimchen am Herd, er der Jäger und Sammler, der sich in der Welt draußen beweisen muss. Zunächst funktioniert das. Doch dann verliebt sich Theo in eine junge Mitarbeiterin – und bricht aus der funktionalen, doch erkalteten Ehe aus. Was folgt, ist ein Drama mit starken Emotionen, Schuldgefühlen, Trennungs- und Wiedervereinigungsversuchen.

Bei Alf und Dorothea ist die Frau diejenige, die aus dem selbst geschaffenen Liebeskäfig ausbricht. Sie steht dabei für die Frauen, die laut Jellouschek in Sachen Untreue – die bis vor einigen Jahren noch als Männerdomäne galt – mittlerweile mächtig aufgeholt haben. Alf ist Ende 50 und hat eine gescheiterte Ehe hinter sich, als er die 20 Jahre jüngere Dorothea kennen und lieben lernt. Dorothea stürzt sich Hals über Kopf ins Familienleben – und verliebt sich schließlich in einen gleichaltrigen Freund. Sie hat eine wichtige Lebensphase übersprungen, indem sie vom Elternhaus zügig in ihre eigene Familienhütte zog. Alf war ihr als Vaterfigur wichtig, die leidenschaftliche Liebe fehlte.

Als modernes Beziehungsdreieck stellt Jellouschek schließlich Ria und Thomas vor. Sie sind beide 33, nicht verheiratet und leben das, was man eine gleichberechtigte Beziehung nennen könnte. Zumindest möchten sie das gerne, eigentlich haben sie einfach nur die Rollen getauscht: Ria macht Karriere, während Thomas beruflich kürzer tritt, um den gemeinsamen Sohn und den Haushalt zu versorgen. Totale Offenheit haben die beiden am Beginn ihrer Beziehung vereinbart. So gesteht Ria Thomas auch sofort, dass sie eine Affäre mit einem Kollegen hat. Sie liebt und schätzt Thomas als verlässlichen Partner, das Feuer der Leidenschaft entfacht er bei ihr allerdings kaum.

Falle für die Liebe: das Gefälle zwischen Geben und Nehmen

Bei allen drei Paaren deutet der Seitensprung auf die Defizite in der Beziehung hin. Irgendetwas Wesentliches fehlt, der betrügende Partner macht es offensichtlich. Die Affäre wird zum sichtbaren Zeichen eines Mangels, unter dem letzlich beide Seiten leiden. Häufig fehlt bei Paaren, deren Partnerschaft durch eine Außenbeziehung in Frage gestellt wird, die Balance zwischen Geben und Nehmen. Es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Nähe und Distanz, zwischen Autonmie und Bindung.

Wenn Beziehungen in einem ungutem Gleichgewicht zu erstarren drohen, kann eine Außenbeziehung der radikale Versuch sein, diese Erstarrung aufzulösen und einen Transformationsprozess zu einem neuen, angemessenen Gleichgewicht in Gang zu setzen. Das Gute daran sei, so Jellouschek, dass der als Liebeskatastrophe angesehene Betrug als biografieförderndes Erlebnis die Paarbeziehung voranbringen und den Weg für eine erfüllendere Liebeszukunft ebnen kann.

Lösungsversuche: Auf zu neuen Liebesufern

Man kann eine Außenbeziehung verheimlichen, bei Entdeckung abbrechen. Der betrogene Partner kann sie akzeptieren oder gar zum Viereck erweitern, indem er selbst fremdgeht. Ein Lösungsversuch besteht auch darin, die Dreiecksbeziehung offen zu leben. Das alles seien Bewältigungsstrategien, durch die das verunsichernde Lebensereignis seinen Schrecken verlieren soll, schreibt Jellouschek.

Ganz gleich, wie man mit dem Betrug umgeht, eine Paartherapie kann bei der Bewältigung helfen. Man müsse sich mit den Geschehnissen auseinandersetzen, rät Jellouschek, die Phasen der Beratung unterstützen dabei.

Zunächst gelte es, Entscheidungsspielraum zu gewinnen, um den Prozess einer Problemlösung anzuregen. Dazu müsse man die gegenwärtigen Beziehungsmuster verstehen und die Entwicklung der eigentlichen Paarbeziehung mit einbeziehen. Auch die Vergangenheit komme dabei ins Spiel. Sie ist eine Basis für die Entscheidungen, die getroffen werden: Trennt man sich, strebt man eine Wiedergutmachung des Betrugs an oder wagt man gemeinsam einen völligen Neubeginn? Vor diesen Fragen stehe jedes Paar, dass sich mit einer Dreiecksbeziehung konfrontiert sieht.

Eine gewaltige Herausforderung ist das in jedem Fall. Aber auch eine große Chance für die Liebe. Es lohnt sich, einen sachlichen Blick auf das Betrugsgeschehen zu werfen und vielleicht am Ende einen neuen Treueversuch zu starten. Denn der, so sieht es Hans Jellouschek, kann in eine Tiefe der Liebe führen, die uns mit wahrem Lebensglück erfüllt.

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