Unserer Buchtipp des Prof. Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann

Liebesaffären. Zur Psychologie leidenschaftlicher Beziehungen

Kurzbeschreibung

Dies ist ein Buch für passionierte Leser, die aus literarischen Schilderungen Impulse, Anregungen und Trost für die Bewältigung eigener Probleme oder Lebenskrisen gewinnen können und wollen. Wolfgang Hantel-Quitmann, Professor für klinische Psychologie und Familienpsychologie in Hamburg, erläutert die Psychologie leidenschaftlicher Beziehungen sehr anschaulich anhand vieler Beispiele aus der Weltliteratur von Ovid über Bertold Brecht bis Gabriel Garcia Márquez. Dabei kommt natürlich der fachlich-psychologische Aspekt nicht zu kurz. Aber Hantel-Quitmann baut auf die emotionale Tiefenwirkung von Beschreibendem – denn bei aller Liebe zur Psychologie komme diese, so der Autor, doch bisweilen recht trocken rüber. Seine Thesen untermauert er außerdem mit Fallbeschreibungen aus seiner langjährigen Praxis als Paartherapeut sowie mit historischen Beispielen. So entsteht ein umfassendes, vielschichtiges Bild der Liebe und von Liebesaffären. Unsere Empfehlung: Lesen Sie dieses gehaltvolle Buch bedachtsam in Etappen. Denn die darin enthaltenen Erkenntnisse bringen bei sorgsamer Lektüre gewaltig zum Nachdenken.

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An wen richtet sich diese Buchempfehlung?

  • Für psychologisch und literarisch Interessierte
  • Für Menschen, die fremdgegangen sind oder betrogen wurden
  • Für alle, die tiefere Erkenntnisse über die Wirkung und Folgen von Liebesaffären im Positiven und auch Negativen erlangen möchten
  • Für alle, die mehr über das Phänomen Liebe erfahren möchten

Erkenntnisse aus diesem Buch

Eine Liebesaffäre ist der Anfang vom Ende und die Langzeitehe ein Friedhof für die Liebe – das glauben viele Menschen. Weder das eine noch das andere stimmt. Liebe und Affären haben unendlich viele Facetten. Wir alle tragen in uns eine einzigartige Liebessehnsucht, die mit unserer Beziehungsrealität irgendwie in Einklang gebracht werden muss. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Der Wunsch nach ewiger Liebe ist heute absurder denn je. Wir leben immer länger, lieben immer früher und haben in der Regel meherer längere und/oder kürzere Beziehungen. Liebesaffären haben Motive. Selten sind diese isoliert zu betrachten, oft werden sie erst durch die Beziehungsbiografie sichtbar. Eine Liebesaffäre kann in der Partnerschaft überlebt werden – wenn die Liebesbasis stimmt und Verzeihen möglich ist.

Produktinformationen

  • Titel: Liebesaffären. Zur Psychologie leidenschaftlicher Beziehungen
  • Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
  • Verlag: Psychosozial; Auflage: 1. (7. Mai 2005)
  • ISBN-10: 3898063941
  • ISBN-13: 978-3898063944
  • Preis: EUR 22,90

Ausführliche Beschreibung

Was uns Liebesaffären geben können

Wahre Liebe hält ewig. Ein Seitensprung ist der Anfang vom Liebesende. Affären zerstören Beziehungen. Diese und viele andere Meinungen sind weit verbreitet. Wolfgang Hantel-Quitmann widerlegt einige der Urteile über Liebesaffären, ihre Ursachen und ihre Wirkungen. Denn die, das zeigt der Autor anhand vieler literarischer und historischer Belege sowie durch Beispiele aus der Paartherapie, unterliegen der individuellen Interpretation. Eine Liebesaffäre kann alles sein: Fluch und Segen, Anfang und Ende. Es kommt darauf an, was wir daraus machen. Ein Seitensprung kann eine Ehe retten oder endlich zur längst fälligen Trennung führen. Sie kann neu beleben, aufrütteln oder eben zerstören. In jedem Fall bewirkt sie etwas und hat Ursachen. Ihnen nachzuspüren ist Aufgabe in Krisensituationen, als Paar oder mit therapeutischer Unterstützung. Denn dann können wir auch bittere Liebeserfahrungen in etwas Positives verwandeln.

Liebesaffären sind menschlich, universell und zeitlos: Untreue hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Allerdings, das räumt Wolfgang Hantel-Quitmann ein, sind Liebesaffären kulturell und historisch gefärbt. Wir alle sind Kinder unserer Zeit, was die gesellschaftliche Moral uns vorgibt, dient uns bewusst und unbewusst als Orientierung. Im Guten wie im Schlechten.

Die entscheidende Frage ist jedoch nicht die nach gut und böse, sondern danach, was wir daraus machen. Alleine schon deswegen lohnt sich ein Blick auf die Erfahrungen anderer Menschen, auch in anderen Zeiten. Um den Verständnishorizont für Liebe und Affären möglichst weit zu spannen, blättert Wolfgang Hantel-Quitmann unzählige Romane, Erzählungen sowie Fachbücher auf, öffnet seinen eigenen Erfahrungsschatz und greift auf die Erkenntnisse anderer Experten zurück. Im Kern geht es um die Liebe, ihre Freiheit, ihre Grenzen und ihre Wandelbarkeit.

Wir alle wollen eins sein: Von der Sehnsucht nach der perfekten Liebe

In Geschichte und Literatur, in den Medien, im Freundeskreis – überall zeigt sich etwas, das wir eigentlich nicht gern wahrhaben wollen: Die Liebe ist an sich eigentlich ziemlich unzulänglich. Meist kommt sie, wenn wir gar nicht damit rechnen und sie macht sich gerne hinterrücks vom Acker. Nichtsdestotrotz haben wir alle in uns eine tiefe Sehnsucht nach der großen Liebe, nach sexueller und emotionaler Erfüllung. Und die meisten von uns haben auch recht präzise Vorstellungen davon, wie sie aussehen soll, die große Liebe.

Wieviel Illusion darin steckt, erfährt Hantel-Quitmann immer wieder bei seiner Arbeit mit Paaren. So sei etwa der Wunsch nach lebenslanger Dauer heutzutage mehr denn je utopisch. Denn in Zeiten der stetig zunehmenden Lebensdauer bekommt der Wunsch nach ewiger Liebe etwas absurdes: Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren, einem immer früheren Beginn der Pubertät, einem Erstheiratsalter von 29 und einer durchschnittlichen Ehedauer von 4 bis 5 Jahren, müsse man den Realitäten ins Auge sehen, schreibt Hantel-Quitmann. Die Menschen lieben immer früher fest, haben in der Regel meherer längere und/oder kürzere Beziehungen, heiraten im Schnitt immer früher und trennen sich immer schneller.

Soviel also zu unseren unrealistischen Vorstellungen bezüglich der großen Liebe – die vielleicht auch erst wirklich am Lebensende als solche klassifiziert werden kann. Wenn sie nämlich alle lebensgeschichtlichen Hürden genommen und trotz aller Liebeshindernisse gehalten hat. Im Voraus eine Liebe als die große zu bezeichnen, scheint beinah vermessen. Und auch was die Qualität der Partnerschaft anbelangt, kann man kaum allgemeingültige Aussagen machen. Nur die Liebenden selbst können beurteilen, welchen Wert ihre Partnerschaft hat.

Darum ist es auch verfehlt, Ratschläge oder verbindliche Verhaltensmaßstäbe zu propagieren, wenn eine Beziehung etwa durch eine Liebesaffäre bedroht wird. Der Blick über den eigenen Tellerrand, etwa durch die vielen Beispiele in Wolfgang Hantel-Quitmanns Buch, kann zu einem Erkenntnisgewinn führen, der letzlich das eigene Erleben verständlicher macht – und damit zu einer positven Interpretation auch negativer Liebeserfahrungen beiträgt.

Die Ökonomisierung der Liebesbeziehungen: Gib mir was, dann kriegste was

Kennen Sie Paare, bei denen Sie sich fragen, warum die beiden eigentlich zusammen sind? Von außen betrachtet wirkt manch eine Beziehung seltsam, es gibt viele Konstellationen, bei denen man sich wundert, was einer am anderen findet oder vielmehr: Was der eine dem anderen eigentlich gibt. Und da wären wir auch schon bei einem der neuzeitlichen Probleme: Wir neigen dazu, auch die Liebe nach kapitalistischen Wertmaßstäben zu beurteilen: Wer etwas gibt, der muss dafür etwas bekommen. Möglichst im gleichen Gegenwert.

Viele Menschen, schreibt Hantel-Quitmann, gestalten und bewerten ihre Beziehung nach Kosten-Nutzen-Rechnungen: Was bringt mir die Beziehung, wie viel muss ich investieren, welche Alternativen habe ich? Irgendwie scheinen wir heutzutage darauf getrimmt zu sein, auch in unseren Beziehungen Bilanz zu ziehen im Wunsch, Defizite möglichst schnell auszugleichen. Einerseits treibe uns in Liebesbeziehungen das irrationale Gefühl der romantischen Liebe, andererseits habe uns das rationale, ökonomische Kalkül voll im Griff, wenn die Liebe nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen. Und das beginne schon bei der Partnerwahl: Die meisten von uns suchen sich doch jemanden, der eine Aufwertung des eigenen Selbstwertgefühls, eine befriedigende Sexualität und hohe Verlässlichkeit bzw. Verantwortlichkeit bietet. Der andere muss mir etwas geben, ansonsten lohnt sich das nicht.

Und wo bleibt da die Liebe? Die völlig unkontrollierbar und irrational ist? Die eben nicht mit dem Taschenrechner dasitzt und dafür sorgt, dass unterm Strich ein dickes fettes Plus rauskommt? Liebe entzieht sich einer derartigen Logik. Ebenso wie auch Liebesaffären.

Eine Liebesaffäre, viele Motive

Am Anfang steht ein Dilemma. Denn, so erklärt Hantel-Quitmann, wenn wir uns für einen Partner entscheiden, entscheiden wir uns gleichzeitig gegen alle anderen potenziellen Partner. So sieht es zumindest unsere monogame Weltanschauung vor. Und das zweite Dilemma, mit dem wir uns konfrontiert sehen, ist das eigentlich unvereinbare Bedürfnis nach Egoismus und Altruismus: Wie viel bewahren wir uns von uns selbst und unseren Bedürfnissen innerhalb der Partnerschaft und wie viel geben wir für den anderen auf?

Diese unlösbaren Konflikte ziehen etliche weitere Probleme nach sich. Zum Beispiel die nach Nähe und Distanz, Autonomie und Abhängigkeit. Wie innerhalb einer Partnerschaft damit umgegangen wird, ist eine unkalkulierbare und unvorhersehbare Sache – die sich manchmal erst dann offenbart, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sprich: Wenn die Beziehung durch eine Liebesaffäre ins Wanken gerät.

Und dafür gibt es in der Regel Motive. Selten seien die isoliert zu betrachten, meint Hantel-Quitmann. Oft würden sie erst durch die Beziehungsbiografie sichtbar, sie könnten einzeln oder zu mehreren auftauchen. Liebesaffären können etwa als Veränderungswunsch in einer stagnierten Beziehung, als Ausdruck eines Trennungswunsches oder als Zeichen der Bindungsunfähigkeit gedeutet werden. Sie können aber auch Ausdruck eines Nachholbedürfnisses, einer Liebes- und Lebenslust, die in der Kernbeziehung nicht ausgelebt werden kann, einer emotionalen Unterernährung oder einer narzisstischen Eroberungsliebe sein.

Die Gründe, warum jemand fremdgeht, sind selten auf einen Auslöser zurückzuführen. Entsprechend groß ist wohl auch das Veränderungspotenzial, das Liebesaffären in sich bergen – wenn man sie in ihrer Relevanz erkennt. Auf einer grundsätzlichen Ebene, schreibt der Autor, begreifen wir die Liebesaffäre eines der Partner als ein Symptom der Paarbeziehung. Und das ist nüchtern betrachtet ein Problem unter vielen, mit denen sich Paare herumschlagen müssen. Natürlich gibt es Partnerschaften, die niemals durch einen Betrug in Frage gestellt werden. Wenn aber genau das passiert, dann sollten sich die Partner ganz konkret fragen, was die Liebesaffäre vor dem Hintergrund ihrer Beziehung bedeutet und welche tieferen Probleme möglicherweise dahinterstecken.

Vom Leben mit Liebesaffären

Ja, grundsätzlich kann man mit der Affäre leben. Man kann sie erleben, überwinden oder hinter sich lassen. In einer Partnerschaft, schreibt Hantel-Quitmann, könne die Affäre eines der Partner überlebt werden – sofern die Basis der Liebesbeziehung stimmt und ein Verzeihen möglich ist. Das klingt sehr nach schöner Theorie, in der Praxis ist das bisweilen ein steiniger Pfad. Zumal die Art und Weise, wie die Betroffenen ihren Weg in oder aus der Affäre finden, sehr unterschiedlich ist.

Natürlich könne man auch zwei Menschen gleichzeitig lieben, schreibt Hantel-Quitmann. Wenn es sich um Eltern, Geschwister, Freunde handelt. Aber bei der leidenschaftlichen Liebe ist diese Gleichzeitigkeit doch immer ambivalent und Ausgangspunkt vieler Konflikte. Wer in einer festen Beziehung ist und zugleich eine leidenschaftliche Affäre hat, steht oft zwischen den Stühlen. Die daraus resultierende quälende Zeit der Ambivalenz habe im Kern einen inneren psychischen Konflikt. Und den, so Hantel-Quitmann, könne kein anderer lösen als der Betroffene selbst.

Manche schaffen sich eine Art Parallelwelt zur eigentlichen Beziehungsrealität und fahren damit ganz gut. Andere verzweifeln an dem Hin und Her, der Heimlichtuerei und der Achterbahnfahrt der Emotionen. Den Weg aus dem Konflikt heraus können nur diejenigen beschreiten, die in diesem Dilemma stecken. Wie die Betroffenen – Geliebte, Betrogene und Seitenspringer – das für sich lösen, ist individuell sehr verschieden. Und ob sie es mit Unterstützung einer Paarberatung, einer Einzeltherapie tun, ob sie Rat bei anderen Betroffenen suchen oder sich eben in der Literatur Trost holen, das bleibt ganz ihnen selbst überlassen.

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Liebesaffären von W. Hantel-Quitmann

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