SEITE 5 von 8: SO BEWÄLTIGEN SIE DEN SEITENSPRUNG IHRES PARTNERS

5. Phase: Versuch der Normalität

Sie atmen auf – endlich scheint alles wieder normal zu laufen und das Drama vorbei zu sein. Aber irgendetwas fühlt sich falsch an, weil das Vertrauen noch nicht wiederhergestellt ist und Sie sich nicht mit den Grundüberzeugungen auseinandergesetzt haben, die in der ersten Phase zerbrochen sind.

Die Welt meint es gut mit uns. Die Welt hat einen Sinn, nichts geschieht grundlos. Ich bin wertvoll, darum widerfährt mir nur Gutes. Sie mögen jetzt unbewusst befürchten, dass die Welt böse und ohne Sinn ist und Sie selbst wertlos sind (sonst wäre Ihnen das alles nicht passiert).

Verunsicherung ist nicht ungewöhnlich

Genießen Sie die Momente der Normalität, aber seien Sie nicht überrascht, wenn immer eine unterschwellige Sorge an Ihnen nagt, die sich fast so anfühlen kann wie der Zustand kurz vor der Aufdeckung der Affäre. Sie spüren, dass die Reise noch nicht am Ende angelangt ist. Es kann jetzt zu Nachbeben kommen, wenn Sie neue Einzelheiten herausfinden – oder auch scheinbar aus dem Nichts. Viele Menschen halten sich in dieser Phase der Verunsicherung an eine der folgenden Strategien: Unterdrückung, Besessenheit oder übermäßige Wachsamkeit:

Unterdrückung – da sind Missverständnisse vorprogrammiert

Wenn Sie nicht ständig auf Ihren Partner einhacken wollen, wenn Sie genug davon haben, dass alles wieder und wieder durchgekaut wird, werden Sie womöglich Ihre Gefühle unterdrücken und nur unter der Oberfläche gären lassen. Das führt dazu, dass Sie beim geringsten Anlass streiten, weil Ihre Körpersprache etwas anderes sagt als Ihre Worte. Doch Körpersprache ist Interpretationssache. Wenn Sie den Subtext Ihrer Körpersprache, die unausgesprochene Kommunikation an die Oberfläche bringen, löst sich der Konflikt häufig von selbst in Wohlgefallen auf.

Besessenheit – im Chaos der Gefühle

Besessenheit wird dagegen oft von anfallartigen Rückblenden ausgelöst, die so intensiv sein können, dass Sie das Haus anzünden möchten. Typische Verhaltensmuster hierbei sind Überflutung (die Emotionen in einer riesigen gedankenlosen Sturzflut über den Partner ausschütten, auf die Gefahr hin, dass er mauert und alles heillos eskaliert) oder endloses Grübeln. Für den letzten Fall empfiehlt Marshall, den Inhalt des Grübelns aufzuschreiben, so wie es Ihnen in den Kopf kommt. Oft erkennen Sie dadurch den einen Punkt, auf den es wirklich ankommt und mit dem Sie sich beschäftigen sollten, und bemerken, wie viel Unzutreffendes Ihnen durch den Kopf geht (»Ich werde niemals darüber hinwegkommen, sie wird mich bis in alle Ewigkeit hinterrücks überfallen ...«).

Übermäßige Wachsamkeit macht Sie zum Vollzeitdetektiv

Und das kann zur Sucht werden. Typischerweise unterdrückt der Überführte in den Nachbeben seine Gefühle, der Überführende wird besessen und übermäßig wachsam. Dadurch rutscht das Paar in die Rollen »Großinquisitor kontra Angeklagter«. Je dringender der Inquisitor Antworten verlangt, desto mehr muss sich der Angeklagte verteidigen, wie auf einer Wippe, deren eine Seite immer weiter nach unten gehen muss, um die andere in die Höhe zu heben. Vereinbaren Sie, wenn möglich, einen Mittelweg. Als überführter Partner könnten Sie weiterhin über Ihre Aktivitäten berichten, aber auch sagen, bei welcher Art Kontrolle Sie sich besonders unwohl fühlen. Sie können auch eine »Fragestunde« pro Woche einrichten, in welcher (und nur dann!) der Inquisitor alle Fragen stellen und neue »Beweise« auf den Tisch bringen kann und der »Angeklagte« ehrlich antwortet. Nach einigen Wochen werden Sie vermutlich feststellen, dass Sie die Fragestunde nicht mehr brauchen.

In dieser Phase ist der richtige Zeitpunkt (wenn es noch nicht geschehen ist), wieder miteinander zu schlafen. Manchmal muss das regelrecht neu gelernt werden, weil selbst beiläufige körperliche Nähe inzwischen vermieden wird, damit sie nicht als Aufforderung zum Sex missverstanden wird. Eine gute Möglichkeit ist hier, eine Woche lang Sex kategorisch auszuschließen, so dass beide wissen, dass Kuscheln oder eine Massage nicht als Einladung zu deuten sind. Das führt womöglich schon zu gelösterem Umgang und vielen Witzen über das »Noch-nicht-dürfen« und wird als Befreiung erlebt. In der darauffolgenden Woche sind auch Zärtlichkeiten ohne Bekleidung erlaubt, aber immer noch kein Sex, in der dritten Woche wird der Bann aufgehoben.

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