Geschafft: Neuanfang mit Geliebten – Kein Hoffen und warten mehr

Eine Geliebte hat den Kampf um den verheiraten Mann fr sich entschieden

Wenn der Geliebte bleibt: echte Liebe oder nur die Absprungfrau?

Eine Geliebte hat es nicht leicht. Sie weiß, dass sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent niemals eine Partnerschaft mit dem Mann ihres Herzens leben wird. Männer, die sich für einen Neuanfang mit ihrer Geliebten entscheiden, tun dies spätestens nach sechs Monaten – oder gar nicht. Der emotionale Spagat zwischen heimlichen Stunden voller Glück und der Realität kostet Kraft, Zeit und häufig viele Jahre Herzschmerz.

Wie geht es den 10 Prozent aller Affärenfrauen, deren Geliebter mit ihnen den Sprung ins neue Glück wagt? Wie lässt sich der Übergang bewältigen? Gibt es einen Weg, eine Affäre ohne Verletzungen und Tragödien in eine echte Beziehung zu verwandeln?

Das erwartet Sie in diesem Artikel

Das uralte Drama: Ehefrau gegen Geliebte

In fast jeder Affäre taucht irgendwann der Begriff »Kampf« auf. Gekämpft wird an allen Fronten: Geliebte gegen Ehefrau, Affärenpaar gegen Außenwelt, und meist kämpfen beide Frauen um den Mann. Diesen Formulierungen haftet etwas trauriges an, denn dieser Kampf kennt keine Sieger.

Spielen wir ein wenig Kopfkino. Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Ehefrau, die herausfindet, von ihrem Mann betrogen zu werden. Nicht per One-Night-Stand, sondern mit einer seit Monaten andauernden Zweitbeziehung. Vielleicht haben Sie E-Mails oder SMS gelesen, in denen Ihr Mann seiner Geliebten die große Liebe schwört oder gar eine Scheidung in Aussicht stellt. Ohne dass er Ihnen gegenüber ein Sterbenswörtchen verlauten ließ. Sie fragen sich: Ist das wahr? Plant er heimlich den Absprung? Oder gehört das Ganze nur zum romantischen verbalen Rahmenprogramm einer harmlosen Liebelei? Wie konnte es passieren, dass Sie nichts davon mitbekommen haben? Waren Sie so blind? Oder ist er ein exzellenter Schauspieler?

Obwohl Sie in dieser Situation genug damit zu tun haben, Ihren Schmerz und Ihre offenen Fragen zu sortieren, stehen Sie unter dem Druck, Entscheidungen treffen zu müssen. Wie reagieren Sie? Den Mann sofort konfrontieren? Schweigen und abwarten, ob sich die Affäre von selbst erledigt? Beziehungsgespräche führen? Eheberatung? Trennung? Was ist mit dem Vertrauen in Ihren Mann? Auch wenn es oft scheint, als sei die betrogene Ehefrau nur ein passives Opfer: Von diesen Optionen wird das 10:1-Verhältnis entscheidend beeinflusst!

Angenommen, Sie gehören zu den 10 Prozent ...

Besetzen wir das Kopfkino neu. Stellen Sie sich vor, Sie sind die Geliebte und warten darauf, dass Ihr Geliebter sich von seiner Ehefrau trennt. Eines Abends eröffnet er Ihnen, er habe genau das vor. Alles sei geklärt, er habe mit seiner Frau über die Trennung gesprochen, einem Neuanfang stünde nichts im Wege. Bei ca. drei Millionen Geliebten in Deutschland wären Sie immerhin eine von 300.000 Frauen. Angesichts der Dunkelziffer, die doppelt so hoch liegen dürfte, stehen Ihre Chancen noch besser. Wie fühlt es sich an? Ist es ein Sieg? Ein filmreifes Happy-End?

Beziehungspsychologen kennen das »Prinzip Absprungfrau«, bei dem die Geliebte erst dann zur Haupt-Partnerin aufsteigt, wenn die Ehefrau sich aktiv für eine Trennung entscheidet. Ein zweifelhafter »Sieg«, denn in diesen Fällen trifft der Mann keine Entscheidung, sondern wechselt lediglich als Reaktion auf die Trennung in die offenen Arme der Zweitfrau. Rein statistisch ist dies in ca. 50 Prozent aller Fälle so. Um bei dem offiziellen Beispiel zu bleiben: Von 300.000 Geliebten werden 150.000 nur deshalb zur Partnerin, weil die Ehefrau sich zurückzieht.

Wer hat nun gewonnen? Die Geliebte, die nie wissen wird, ob ihr Partner aus Liebe oder nur aus Bequemlichkeit zu ihr kam? Der Mann, weil er die Trennung nicht zu verarbeiten braucht, sondern in eine neue Beziehung wechseln kann? Oder die Ehefrau, die einen Befreiungsschlag vollzogen und Rückgrat bewiesen hat?

Geschafft: Neuanfang mit einem gebrauchten Mann

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind eine von 300.000 Geliebten, die aus dem Schatten einer Affäre hinaus ins Licht einer offiziellen Beziehung treten dürfen. Vielleicht sind Sie sogar eine von 150.000, deren Geliebter nicht von seiner Ex-Frau in Ihre Arme geschubst wurde, sondern aus freien Stücken zu Ihnen kam. In jedem Falle dürfen Sie tun, wovon 2,7 Millionen Frauen träumen: mit Ihrer großen Liebe neu anfangen. Alles hinter sich lassen, sich vom alten Leben befreien ... – stopp. Genau hier beginnt ein Denkfehler, der Sie das Liebesglück kosten kann! Falls zu diesen alten Leben Kinder gehören, müssen Sie als neue Partnerin fast übermenschlich viel Einfühlungsvermögen aufbringen. Vergessen Sie niemals: Ihr Partner hat eine Familie. Und die hört nicht auf zu existieren, nur weil er nun jeden Morgen bei Ihnen aufwacht. Er bleibt Vater seiner Kinder. Schaffen Sie das?

Können Sie ihn dabei unterstützen, faire und kinderfreundliche Lösungen zu finden, was Sorgerecht, Besuchszeiten, Unterhaltszahlungen, Familienfeiern und »Vatersein« betrifft? Bringen Sie es fertig, sich immer wieder zurückzunehmen und ihn die Beziehungen zu seinen Kindern und seiner Ex-Frau so gestalten zu lassen, wie er das für richtig hält? Ohne ihm reinzureden und eifersüchtig zu werden? Oder, und das wäre die noch schwierigere Alternative, eine Freundin, Bezugsperson und Zweit-Mutter für seine Kinder zu sein?

Falls Ihnen hier Zweifel kommen, überlegen Sie sich gut, ob Sie sich nicht in der Rolle der Geliebten wohler fühlen. Mit allen Einschränkungen, aber eben auch ohne die Pflichten und Verantwortlichkeiten, die Ihnen als Partnerin eines »gebrauchten Mannes mit Anhang« auferlegt würden. Auch ohne Kinder kann der Neuanfang einige Tücken und psychologische Fallen bereithalten.

Glück auf dem Unglück anderer aufbauen?

Natürlich ist es gefährlich, das eigene Liebesglück mit dem Scherbenhaufen einer gescheiterten Ehe in Zusammenhang setzen zu wollen. Allzu leicht drängt sich hier das Klischee von der Geliebten als böse Familienzerstörerin auf. Das Dumme ist: Ein Körnchen Wahrheit steckt natürlich schon darin. Denn Ihr neues Glück begann mit Lügen, Heimlichkeiten und Intrigen. Selbst wenn die Ehe Ihres Geliebten bereits erkaltet oder unglücklich war – er war derjenige, der einer Klärung aus dem Weg ging und sich heimlich neu orientierte. Er weigerte sich, zu seiner Frau zu stehen, gemeinsam mit ihr nach Auswegen zu suchen und im Zweifelsfall eine einvernehmliche Trennung zu vollziehen. Auch als Sie in sein Leben traten, schwieg er, belog seine Frau und ließ ihr keine Chance, selbst zu entscheiden, ob sie in einer Dreiecksbeziehung leben möchte oder nicht.

Sie lieben diesen Mann und vertrauen ihm, obwohl er seine Frau so behandelt hat? Und sind sicher, dass er Sie liebt? Gut. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass diese Seite zu ihm gehört. Irgendwann wird auch bei Ihnen die Euphorie verfliegen und ein ruhiger, geregelter Beziehungsalltag Einzug halten. Und dann?

Das konfliktscheue Verhalten Ihres neuen Partners, seine Fähigkeit zur Lüge und die illoyale Haltung seiner Ehefrau gegenüber sind Teile seiner Persönlichkeit, die Sie nicht wegblenden dürfen! Wenn Sie nicht wollen, dass es Ihnen eines Tages ebenso ergeht wie seiner Ex, dann sprechen Sie so offen wie möglich mit ihm über das Thema Treue, Lügen und Seitensprünge. Und vereinbaren Sie klare Regeln für den Fall der Fälle.

Schmerzhafte Alternative

Sie möchten weder Absprungfrau noch Scheidungsgrund sein? Sie wollen Ihr Glück nicht auf einer Lüge aufbauen und möchten deshalb, dass Ihr Geliebter zunächst prüft, ob er seine Ehe wirklich beenden will, ggf. die Trennung vollzieht, verarbeitet und erst dann mit Ihnen neu anfängt? Gute Idee, und aus moralischer wie psychologischer Sicht genau das Richtige. Ein nahtloser Partnerwechsel sorgt dafür, dass Beziehungsprobleme und unterschwellige Trennungsgründe nicht aufgearbeitet werden, sondern als Ballast in die neue Beziehung wandern. Und dort unter Umständen dieselbe Wirkung entfalten wie bereits in der Ehe.

Es wäre also der Königsweg, die Affäre vorerst zu beenden und dem (noch) gebundenen Mann Gelegenheit zu geben, sein Leben zu ordnen und klare Verhältnisse zu schaffen. Leider kostet diese Variante ungeheuer viel Energie. Denn um diesen Weg gehen zu können, müssen Sie Ihren Geliebten freigeben. Freundschaftlicher Kontakt ist erlaubt, auch Zukunftspläne dürfen im Raum stehen, doch alles andere ist vorerst tabu.

Selbst wenn Sie diese Entscheidung treffen, Ihr Geliebter wird sie vermutlich nicht mittragen. Geschätzte zwei Prozent aller Affärenfrauen entschließen sich zu diesem Schritt – und stellen häufig fest, dass ihr Geliebter die Pause nicht zur Trennungsanbahnung nutzt, sondern es sich in seinem alten Leben wieder gemütlich macht. Weil die Absprungfrau fehlt, weil es bequemer ist, oder weil die Ehe nicht halb so schlecht ist, wie es der Geliebten gegenüber gerne dargestellt wird.

Die Frage aller Fragen: ist es wirklich Liebe?

Ein verheirateter Mann, der eine Affäre beginnt, muss sich vieles anhören. Midlife-Crisis, Torschlusspanik, zweiter Frühling, Angst vor dem Älterwerden ... Auch die Geliebte steht unter Beschuss. Sie wird zum Trennungsgrund stilisiert und immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob das denn wirklich Liebe sein kann, wenn es mit Heimlichkeiten verbunden ist. Kann es?

Ja, es kann. Und es gibt genau zwei Menschen, die darüber Auskunft zu geben imstande sind: den Mann und seine Geliebte. Weder Ehefrau noch Freunden, Familie oder Arbeitskollegen steht hierüber ein Urteil zu. Zwei Menschen lernen sich kennen, verlieben sich und stellen fest, ja, da entsteht Liebe. Dass die äußeren Bedingungen alles andere als günstig für eine Beziehung sind, hat mit dieser Verbindung grundsätzlich nichts zu tun. Mit ihrer »Lebbarkeit« natürlich schon. Falls Sie nach objektiv messbaren Kriterien suchen, an denen Sie ablesen können, ob es sich nun um Liebe oder ein Strohfeuer handelt – vergessen Sie’s. Die gibt es nicht. Es gibt jedoch Indizien, die Ihnen zeigen, dass es KEINE Liebe ist!

Der Unterschied zwischen Liebe und Habenwollen

Gleicht Ihre Affäre einer Achterbahnfahrt? Glücksgefühle und Tränen wechseln sich ständig ab? Ihre Auseinandersetzungen drehen sich nicht um konkrete Probleme, sondern um große Gefühle, Missverständnisse und Grundsatzfragen? Beinhaltet Ihr Vokabular viele Superlative und verzweifelte Liebesschwüre? Strapazieren Sie in diesem Zusammenhang Begriffe wie Seelenverwandtschaft und Schicksal?

Dann erleben Sie ein beziehungstechnisches Naturgesetz in praktischer Anwendung: je wackliger die emotionale Basis, umso größer das Bedürfnis, jede Menge heiße Luft, Drama und Pseudo-Konflikte zu inszenieren. Das vermittelt Leidenschaft, man spürt sich – ist aber keine Liebe. Sondern deutet auf Besitzanspruch, Eitelkeit, Projektion, emotionale Abhängigkeit, Manipulation und Misstrauen hin. Liebe benötigt nichts von alledem. Das bedeutet nicht, dass Liebe immer harmonisch und konfliktfrei wäre, im Gegenteil! Doch in der Tiefe Ihres Herzens wissen Sie selbst im Streit, dass Sie sich Ihrem Geliebten zugehörig fühlen, ihn annehmen, mit allem, was zu ihm gehört, inklusive Ehefrau und Familie.

Es ist Liebe. Und nun?

Hier lautet die Frage, wie wichtig Ihnen eine Beziehung ist – und welchen Preis Sie und Ihr Geliebter dafür zu bezahlen bereit sind. Manchmal scheint der Preis zu hoch. Ein Mann, der nach 30 Ehejahren noch aufrichtige Liebe für seine Frau empfindet, aber gleichzeitig seine Geliebte von ganzem Herzen liebt, steckt in der Klemme. Eine Entscheidung ist hier schlicht unmöglich.

So bitter es klingt, aber: In diesem Fall wäre der größte Liebesbeweis, den eine Geliebte erbringen kann, den Geliebten loszulassen und abzuwarten, was die Zukunft bringt. Vielleicht trennt sich das Ehepaar einige Monate später? Vielleicht brennen Sie übermorgen zusammen durch? Vielleicht raufen sich die Eheleute wieder zusammen? Vielleicht stellen Sie fest, das Sie gar keine Partnerschaft mit Ihrem Geliebten möchten? Vielleicht entscheiden sich alle Beteiligten für eine offene Beziehung? Vielleicht bleiben Sie Freunde?

Für Liebe gibt es zwar kein Echtheitszertifikat, aber einen klaren Indikator: Sie wird gelebt. Welche Bezeichnung und Ausdrucksform Sie dafür finden, ist zweitrangig.

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