Stephanie Urbat-Jarren im Interview

»Liebe sollte kein Was wäre wenn, kein Vielleicht und kein Irgendwann kennen«

Ein Gespräch mit der Autorin Stephanie Urbat-Jarren

Zu Unrecht gilt die Geliebte auch in heutiger Zeit noch vielen als die Böse, die anderen den Mann wegnimmt und ganze Familien zerstört. Dabei sind Frauen, die sich mit einem vergebenen Mann einlassen, alles andere als männerklauende Vamps, dieser Ansicht ist auch Stephanie Urbat-Jarren. Viele schlittern unverhofft in die Rolle der Zweitfrau, lassen sich hinhalten und hangeln sich von Hoffnung zu Hoffnung. Manchmal sogar bis zur Selbstaufgabe, findet die Autorin.

Buchcover: Seelenband – Die Geschichte einer Geliebten zwischen Herz und Verstand Wenn man einmal genauer hinschaut und zum Beispiel Stephanie Urbat-Jarrens einfühlsames Buch »Seelenband – die Geschichte einer Geliebten zwischen Herz und Verstand« liest, bleibt nicht mehr viel übrig von dem klischeebehafteten Bild der berechnenden Männerdiebin. Dann wird nämlich recht schnell klar, wie viel Leid und Kummer auch die Geliebte zu ertragen hat.

Stephanie Urbat-Jarren, 1975 geborene Autorin, Traumfrau 1A und Bloggerin, blickt tief in die Seele ihrer Hauptfigur und schildert, wie es tatsächlich in einer Geliebten aussieht, was sie fühlt und wie sie unbabsichtigt immer tiefer in den Emotionsstrudel zwischen Herz und Verstand hineingerät. Wir haben mit Stephanie Urbat-Jarren, die auf goettinhh.blogspot.de aus ihrem Leben, über Gefühle und über ihre Arbeit bloggt, über eigene Erfahrungen, die Chancen einer Geliebten und Auswege gesprochen.

Seitensprung-Fibel.de: Sie schildern sehr eindrücklich die Gefühlslage einer Geliebten, das Auf und Ab der widersprüchlichen Emotionen. Wie viel von Ihren eigenen Erfahrungen steckt darin?

Stephanie Urbat-Jarren: Wenn ich ehrlich bin, dann eine ganze Menge. Jedoch auch viel aus den Geschichten von anderen Frauen und Männern, die ich durch meine Recherchen zu »Seelenband« kennenlernen durfte. Erschreckend war für mich zu erkennen, dass sich die meisten Geschichten deckten. Jeder dachte »Bei uns ist es anders, es ist etwas Besonderes«, aber es waren zwar andere Orte, andere Personen, aber die Geschichten – bis auf wenige Abweichungen – immer dieselben.

Seitensprung-Fibel.de: Was meinen Sie, wie könnte es Ihrer Hauptfigur jetzt gehen? Hat sie ihre unglückliche Liebesgeschichte verwunden?

Stephanie Urbat-Jarren: Ich glaube zu wissen, dass meine Hauptfigur erkannt hat, dass es viel wichtiger ist, die Liebe zu sich selber zu finden und auf sich zu achten, als sich für jemand anderen kaputt zu lieben. Liebe sollte kein »Was wäre wenn«, kein »Vielleicht« und kein »Irgendwann« kennen – sie ist, oder sie ist nicht. Wenn einer leidet und der andere sich hinter falscher Verantwortung versteckt, dann kann es keine Liebe sein.

Seitensprung-Fibel.de: Kann man Ihrer Meinung nach an die Liebe mit Logik herangehen und ist Beziehung überhaupt planbar?

Stephanie Urbat-Jarren: Wie der Erfolg der Partnerbörsen zeigt, scheint zumindest die Partnersuche in gewisser Weise planbar zu sein. Die Liebe ist es sicher nicht.

Seitensprung-Fibel.de: Und mal ein bisschen weiter gesponnen: Wie könnte es dem Ex-Geliebten Daniel mittlerweile gehen? Kann sich auch in seinem Leben etwas geändert haben, ist es wahrscheinlich, dass er sich in der Zwischenzeit von seiner Freundin getrennt hat?

Stephanie Urbat-Jarren: Ich glaube es kam so, dass Carmen sich schlussendlich von Daniel getrennt hat, weil sie erkannte, dass der Bruch zwischen den beiden so tief war, dass er nicht mehr heilen konnte und Daniels Herz nicht mehr bei ihr war und nie wieder sein wird. Nach einigen Monaten nahm Daniel all seinen Mut zusammen und stand vor der Tür der Hauptfigur, um ihr seine Liebe zu gestehen und jetzt endlich das »Happy End« herbeizuführen, das so lange fällig war. Jedoch war es zu spät, denn jeder Mensch darf Hunderte von Fehlern machen, nur nicht den einen, der alles kaputt macht und den hat Daniel, dadurch dass er die Hauptfigur immer versteckt und verheimlicht hat, begangen. Sie ist glücklich – ohne ihn.

Seitensprung-Fibel.de: Sie beschreiben den Geliebten Daniel als nicht sonderlich attraktiv, etwas weltfremd, beruflich unstet und finanziell eher klamm – was hat ihn für Ihre Hauptfigur so faszinierend gemacht, zumal sie ja von Anfang an wusste, dass da noch seine Freundin mit im Spiel ist?

Stephanie Urbat-Jarren: Ich wollte damit klar machen, dass es tatsächlich stimmt, was alle schon gehört haben, und was auch meine Omi schon sagte: »Liebe macht blind!«. Man kann noch so bodenständig, vernünftig und abgeklärt sein, das alles ist bedeutungslos in dem Moment, in dem man sich verliebt.

Seitensprung-Fibel.de: Mit Ihrem sehr ergreifenden Bericht sprechen Sie vielen betroffenen Frauen, die in die Situation einer Geliebten geraten, aus der Seele. Was ist die wichtigste Botschaft, die Sie vermitteln wollen?

Stephanie Urbat-Jarren:Ich war rückblickend schockiert über mich selber und genau das wurde mir von anderen Betroffenen immer wieder bestätigt. Man verändert sich in so einer Beziehung. Man vernachlässigt sein Umfeld, seine Freunde und seine Familie. Man grübelt und fängt an sich einzuigeln.

Wenn man kritisiert wird – von Menschen die es gut mit einem meinen – fühlt man sich angegriffen und schottet sich noch mehr ab. »Er muss doch der richtige sein! Er liebt mich doch! Keiner versteht uns – dabei sind wir doch Seelenpartner.« Ich kann und will niemanden belehren, jedoch hoffe ich, mit »Seeleband« die Betroffenen wachzurütteln oder zumindest dazu zu bewegen, sich selber und eine krank machende Beziehung zu überdenken.

Seitensprung-Fibel.de: Die Liebesbeziehung zu einem vergebenen Mann bringt Ihrer Hauptfigur viel Kummer und Schmerz. Warum kann sie sich erst nach längerem Kampf daraus befreien? Was hat Ihre Ich-Erzählerin davon abgehalten, der unerträglichen Situation ein wirkliches Ende zu bereiten?

Stephanie Urbat-Jarren: Das Leben in einer Scheinwelt ist einfacher, als man denkt. Man kann sehr schnell dort einziehen und sich ausmalen, wie es wäre, wenn sie real wäre. Da ist natürlich alles rosarot. Man nimmt ja die wenigen Zeiten, die man sich sieht, als Grundlage. Gestohlene Stunden, die aufregend, erotisch und leicht sind. Man fängt an, den anderen zu Idealisieren und es dauert eine ganze Weile, bis man beginnt, klarer zu sehen und sich selber und die jetzige Lebenssituation in Frage zu stellen. Wenn »er« dann auch noch immer wieder Versprechungen macht und Hoffnung in Aussicht stellt, dann kann es leider länger dauern, als einem gut tut.

Seitensprung-Fibel.de: Warum ist Ihrer Meinung nach die Geliebte allgemein so geächtet und wird zum Sündenbock erklärt?

Stephanie Urbat-Jarren: Weil sie uns Angst macht. Weil die Geliebte unsere Existenz bedroht, weil sie unmoralisch ist und hinterhältig und uns etwas wegnehmen will. Ich glaube, das sind die Beweggründe, die die Geliebte nach außen so schlecht dastehen lassen. Dabei ist es doch so, dass uns keiner jemanden wegnehmen kann, der sich nicht schon längst selber uns weggenommen hat, oder? Vielleicht auch, weil wir Menschen so erzogen worden sind?

Wenn man es mal ganz genau nimmt, dann sind wir nun mal nicht monogam veranlagt, aber es wird uns von klein auf so anerzogen. Damit will ich jetzt nicht sagen: »Los! Fallt alle wild übereinander her!«. Aber kein Mensch ist das Eigentum eines anderen. Eventuell müssen wir mehr Toleranz lernen oder zumindest mehr Liebe zu uns selber, dann würden uns andere Frauen auch nicht so bedrohlich vorkommen. Ein Thema über das man sicher seitenlang diskutieren kann...

Seitensprung-Fibel.de: Was würden Sie einer Frau raten, die sich in einen verheirateten Mann verliebt hat, der Ihr verspricht, sich bald zu trennen? Soll sie der Sache eine Chance geben oder besser schnell das Weite suchen?

Stephanie Urbat-Jarren: Ich würde ihr raten, klare Ansagen zu machen: Trenne dich, dann können wir beide uns kennenlernen. Oder bleibe bei deiner Frau, aber dann lass mich in Ruhe.

Seitensprung-Fibel.de: Statistisch gesehen trennt sich nur einer von 10 Männern für die Geliebte von seiner Frau. Oder andersherum formuliert: Rein rechnerisch besteht eine Chance von 1 zu 10, dass sich der Mann doch für die Geliebte entscheidet – lohnt es sich im Einzelfall also nicht doch, der Liebe unter diesen Umständen eine Hoffnung zuzugestehen?

Stephanie Urbat-Jarren: Natürlich! Ich habe Frauen kennengelernt, die jetzt glücklich mit ihrer Affäre zusammenleben. Aber auch hier ist es so, dass die Männer vor ein Ultimatum gestellt wurden. Sie oder Ich! Je länger es von der Geliebten geduldet wird, die zweite Geige zu spielen, desto geringer die Chance, dass »er« sich wirklich trennt. Warum denn auch? Er hat doch beides! Das sichere Heim und die aufregenden Stunden. Perfekt, oder?

Seitensprung-Fibel.de: Was meinen Sie, wie schaffen es Frauen am Besten, sich aus so einer Geliebtenexistenz zu befreien? Was hilft?

Stephanie Urbat-Jarren: Im Grunde doch nur eine Frage, die die Geliebte sich selber stellen sollte: »Bin ich glücklich?« Wenn die Antwort »Nein« lautet, dann muss sich etwas ändern – wenn nicht mit, dann ohne Ihn – so weh es auch tut! Auch wenn es ein schwacher Trost ist, aber kein Mensch liebt nur einmal im Leben.

Seitensprung-Fibel.de: Glauben Sie, dass eine Erfahrung als Geliebte davor schützen kann, noch einmal die Geliebte eines vergebenen Mannes zu werden? Oder könnte das unter bestimmten Umständen doch immer wieder passieren?

Stephanie Urbat-Jarren: Man darf niemals nie sagen, aber ich für meinen Teil weiß, dass es so nicht wieder passieren wird. Ich nehme mich selber heute viel wichtiger als damals. Habe gelernt, mich selber gefunden und entwickelt. Klare Ansagen, klare Verhältnisse und die Erkenntnis, dass es nicht gut zu mir passt, als zweite Geige zu versauern, helfen dabei. Das Leben ist viel zu spannend und zu schön, um hinter einem Telefon, das sowieso nicht klingelt, zu versauern!

Liebe Frau Stephanie Urbat-Jarren, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

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