Die Lichterketten glitzern um die Wette, in Fußgängerzonen und Einkaufspassagen wird Weihnachtsfröhlichkeit verbreitet – nur hinter verschlossenen Türen kracht’s in diesen Tagen wieder heftig. Von Besinnlichkeit ist in vielen Beziehungen und Familien wenig zu spüren. Geht es bei Ihnen auch so zu?
Dass Sie sich damit in bester Gesellschaft befänden, wissen Sie ja schon. Auch haben wir Ihnen bereits drei Fieslinge vorgestellt, die nur darauf lauern, Ihren Haussegen in Schieflage zu bringen: die apokalyptischen Reiter Kritik, Verachtung und Rückzug.
Es gibt noch einen. Gefährlicher und gemeiner als seine drei Kollegen. Er kommt nicht zwangsläufig erst nach den dreien in Ihre Beziehung geritten, sondern manchmal sogar am Anfang. Oder zwischendurch, wenn Sie gereizt und gestresst sind, aber kein Ventil dafür finden. Seine Waffe: die kalte, kalkulierte Machtdemonstration.
Im Unterschied zum Rückzug ist die Machtdemonstration keine typische Männerdomäne. Frauen beherrschen sie ebenfalls sehr gut. Manchmal sogar noch perfider als Männer. Gegen diesen Reiter müssen Sie also als Paar unbedingt gemeinsam kämpfen, wenn Sie ihn besiegen wollen!
Boykottieren, im Stich lassen, provozieren
Zu Machtdemonstrationen lassen wir uns alle mal hinreißen. Wenn Sie z.B. im Job von einem Kollegen permanent gedrängelt werden, obwohl Sie Ihre Zeitpläne immer exakt einhalten, wirkt es befreiend, einfach mal absichtlich einen Termin platzen zu lassen. Und damit dem Gegenüber zu signalisieren: »schau, ich kann auch anders, also hör auf, mich zu nerven.« Es kann durchaus sein, dass diese Machtdemonstration den allzu ungeduldigen Kollegen in seine Schranken weist. Zumindest vorübergehend.Innerhalb einer Beziehung lassen sich solche Situationen normalerweise vernünftig besprechen, ohne dass einer von beiden zu solch drastischen Mitteln greifen muss. Doch manchmal will man es einfach nicht. Manchmal reitet einen ein kleines Teufelchen und man möchte dem Partner einfach kurz mal einen Dämpfer verpassen. Insgeheim weiß man natürlich, wie unfair das ist. Aber Trotz und Stolz, vielleicht auch latente Aggression überdecken jede Empathie und lassen einen fies werden. Kennen Sie das Gefühl?
Beispiel. Sie und Ihre Partnerin nutzen gemeinsam ein Auto. In der Vergangenheit gab es öfter Knatsch zwischen Ihnen, weil die Dame manchmal das Auto spontan nimmt, um ihre Freundinnen zu besuchen, obwohl Sie angekündigt hatten, es zu brauchen. Ärgerlich, aber keine große Sache. Sie könnten darüber reden.
Nun haben Sie das schon oft genug versucht, ohne dass es etwas verändert hätte. Also sagen Sie nichts. Sondern schmollen vor sich hin. Dann kommt Ihre große Gelegenheit. Ihre Partnerin hat sich mit Freundinnen zu einem Konzert verabredet. Sie wissen genau, wie sehr sie sich seit Monaten darauf freut. Sie wissen auch, wann sie spätestens los muss, damit die Mitfahrerinnen pünktlich eingesammelt werden können. Eine Alternative gibt es nicht; öffentliche Verkehrsmittel wären zu umständlich, ein Taxi zu teuer. Doch statt rechtzeitig Feierabend zu machen und das Auto zu übergeben, arbeiten Sie länger. Obwohl Sie es nicht müssten. Selbstverständlich rufen Sie auch nicht an, um Bescheid zu sagen. Sie kommen erst nach Hause, als das Konzert schon begonnen hat und tun so, als hätten Sie es vergessen. Ihre Partnerin ist zu Recht stinksauer. Aber statt sich zu entschuldigen, pochen Sie darauf, dass die Überstunden unverzichtbar und viel wichtiger als so ein Konzert seien, denn schließlich verdienen Sie ja den größeren Teil des gemeinsamen Haushaltsbudgets usw.
Mal abgesehen davon, dass die Tickets verfallen sind, bringen Sie Ihre Partnerin auch in eine peinliche, erniedrigende Situation. Denn Ihre Machtdemonstration enthält eine doppelte Botschaft. Nummer 1, nach außen formuliert: Meine Frau ist abhängig von mir, und wenn ich nicht mitspiele, klappt gar nichts. Nummer 2, direkt an Ihre Partnerin gerichtet: Deine Bedürfnisse sind mir nicht nur egal, ich boykottiere sie sogar. Als unsichtbare dritte Botschaft schmuggeln Sie noch ein paar aus dem Keller geholte Vorwürfe mit hinein, die gar nichts mit dem Sachverhalt zu tun haben, z.B. das Thema Geldverdienen. Autsch!
Nun ist diese Art der Machtdemonstration ja relativ leicht als solche zu enttarnen. Sie können (nein, müssen) sich hinsetzen und darüber reden. Es gibt aber noch eine subtilere Variante, Macht zu zeigen und auszuspielen.















