Seite 4 von 7: Die Vorboten einer Trennung: Die größten Beziehungskiller

Mann und Frau haben Beziehungsprobleme

Rückzung und Mauern in Beziehungen

Kritik, Verachtung und Rechtfertigungsverhalten führen im schlimmsten Fall zu einem Kreislauf, der neue Kritik, neue Verachtung und neue Rechtfertigungen produziert. Irgendwann wird sich einer der Partner so von der Negativität überflutet fühlen, dass er »dichtmacht« und sich ganz zurückzieht. In 85 % der Fälle ist es der Mann, der die Schotten dicht macht, den Raum verlässt oder scheinbar emotionslos verstummt.

Woran denken Sie beim Wort »Mauer«? Vielleicht an Berlin oder China? An die historische Stadtmauer Ihres Wohnorts? Oder an das Kommunikationsklima in Ihrer Beziehung?

Wir erinnern uns: Nach Kritik und Verachtung galoppiert der dritte apokalyptische Reiter herbei. Der Arsch mit dem vielsagenden Namen »Rückzug«. Er vertreibt das Gezeter, das Türenknallen und die tränenreichen Gespräche aus Ihrem Beziehungsalltag mit gespenstischer Stille. Warum?

Weil jeder Mensch, der nicht gerade aus Waschbeton besteht, nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr streiten kann. Oder will. Sondern lieber der Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Ganz besonders, wenn sie zuletzt von schmerzhafter Verachtung geprägt war. Leider betrifft dieses Thema überwiegend Männer, Ihre Partnerin kann also relativ wenig gegen den großen Rückzug ausrichten. Weshalb viele Frauen aus lauter Frust ihrerseits Mauern errichten.

Menschen bauen Mauern, um sich vor Feinden zu schützen – oder um sich einzusperren. Zieht ein Mann in der Beziehung Mauern hoch, tut er beides: sich einsperren und seiner Partnerin signalisieren, dass sie nicht mehr erwünscht ist. Doch die Stille, die durch den Mauerbau entsteht, ist keineswegs friedlich. Sie ist aufgeladen mit eisiger Gefühlskälte. Die Botschaft des Rückzugs an die Partnerin lautet:

Du bist Luft für mich!

Und das ist übler als jede Türenknall-Auseinandersetzung. Streit wird nicht mehr ausgetragen, sondern vermieden. Damit rückt auch die Chance auf eine Aufarbeitung des zugrunde liegenden, älteren Konflikts in weite Ferne. Der Rückzug bedeutet nicht nur das Ende jeglicher Streiterei, sondern verhindert auch jede emotionale Nähe. Das nachfolgende Szenario liest sich alptraumhaft. Wenn Sie dabei Beklemmungen bekommen: gut so. Denn wo diese Abläufe Normalität sind, trampelt einer der gefährlichsten apokalyptischen Reiter auf dem Allerheiligsten der Beziehung herum.

Beispiel: Sie sitzen in Ihrem Arbeitszimmer. Ihre Partnerin telefoniert mit einer Freundin. Sie hatten beide an diesem Tag viel zu tun und bisher kaum miteinander gesprochen. Dann begegnen Sie sich in der Küche, weil Sie zufällig gleichzeitig etwas aus dem Kühlschrank holen möchten. Sie sprechen über die Gas- und Stromabrechnung, über Winterreifen und den Besuch bei den Schwiegereltern am ersten Wehnachtsfeiertag. Ihre Partnerin druckst ein wenig herum und lässt durchblicken, dass sie etwas auf dem Herzen hat. Ihnen ist überhaupt nicht nach einem Problemgespräch. Dennoch fragen Sie nach, was denn los sei. Ihre Partner fast sich ein Herz und erklärt Ihnen, dass es ihr unangenehm ist, von Ihrer Schwiegermutter ständig danach gefragt werden, wann denn endlich mit Enkelkindern zu rechnen sei. Ihre Partnerin empfindet das als übergriffig und respektlos. Weshalb für sie das bevorstehende Familientreffen mit Unbehagen verbunden ist.

Natürlich spüren Sie genau, dass es Ihrer Partnerin schwer fällt, das Thema anzuschneiden, und dass sie auf Ihre Unterstützung hofft. Andererseits erinnern Sie sich auch, dass Gespräche darüber in der Vergangenheit oft in Streit ausarteten. Weil Ihre Partnerin Sie darum bat, sich klar zu positionieren und Ihrer Mutter Grenzen aufzuzeigen, wenn es darum geht, Fortpflanzungsabsichten beim weihnachtlichen Essen zu erörtern, noch dazu im Beisein der restlichen Familie.

Weil Sie keine Lust haben, sich gegen Ihre Mutter und auf die Seite Ihrer Partnerin zu stellen, gehen Sie dem Thema aus dem Weg. Schon seit einiger Zeit. Bei den letzten Gesprächen taten Sie die Wünsche Ihrer Partnerin noch verharmlosend ab mit »so ist meine Mutter halt, die meint das nicht böse, du nimmst alles immer viel zu persönlich, irgendwie kann man sie ja auch verstehen, in deinem Alter war sie schon zweifache Mutter ...«

In diesem »Wegbügeln« waren bereits die apokalyptischen Ritter Kritik und Verachtung heftig am Werk. Doch nun gehen Sie einen Schritt weiter: Sie lassen Ihre Partnerin stehen. Statt das Thema ernst zu nehmen und sich auf die Seite Ihrer Partnerin zu stellen, tun Sie erst so, als seien Sie gesprächsbereit, lassen Ihre Partnerin dann aber gegen eine Mauer rennen, zucken mit den Schultern und gehen aus der Küche. Wer nichts mehr sagt, macht sich auch nicht angreifbar.

Ihre Partnerin fühlt sich zu Recht im Stich gelassen und von Ihnen verraten. Einzig logische Schlussfolgerung: Sie sind am Fortbestehen der Beziehung nicht mehr interessiert. Ja, so tief geht das! War Ihnen das bewusst?

Schweigen als Schutz vor Verletzungen

Das große Schweigen kommt nicht zwangsläufig als dritter apokalyptischer Reiter daher. Manchmal trabt es auch schon vorher durch Ihr Wohnzimmer und gibt einen Warnschuss ab. Wetten, dass es auch bei Ihnen schon Situationen gab, in denen Sie einfach keine Lust mehr hatten, auf die Befindlichkeiten Ihrer Partnerin einzugehen? Weil Sie müde waren, einen Film sehen wollten oder Ihnen das Gerede einfach nur auf die Nerven ging?

So menschlich das ist, aber Sie müssen wissen, dass Schweigen in solchen Situationen mehr schmerzt als eine klare Ansage. Die muss keineswegs druckreif sein. Ein schlichtes »Schatz, sei nicht böse, aber ich bin total k.o., können wir das morgen besprechen?« reicht schon. Ohne Augenrollen oder vorwurfsvolles Seufzen. Ach, das ist normal bei Ihnen? Wunderbar. Dann haben Sie den Mauerbau in Ihrer Beziehung bisher erfolgreich verhindert. Weiter so!

Wenn allerdings bei Ihnen solche Schweige-Szenarien an der Tagesordnung sind, sollten Sie dringend aktiv werden.

Die ultimative Machtgeste: abwürgen, blocken, ignorieren

Schweige-Themen gibt es viele. Familienprobleme. Kinderwünsche. Ein Konflikt mit einem guten Freund. Spirituelles oder Religiöses. Eifersucht. Ex-Partner. Berufliche Veränderung. Geldsorgen. Und der Dauerbrenner: Sex. Dummerweise erhalten ausgerechnet diese Themen zu bestimmten Jahreszeiten eine besondere Brisanz, zum Beispiel zu Weihnachten. Das Unausgesprochene steht penetrant im Raum und nervt. Da genügt ein falsches Stichwort, um den großen Krach zu entzünden. Also schweigen Sie.

Beispiel: Sie reden nicht gerne über Ihr gemeinsames Sexleben. Weil es bedeutet, dass Sie sich verletzlich machen. Dinge preisgeben, die Sie vielleicht lieber für sich behalten würden. Über Intimes, womöglich Peinliches sprechen. Nähe zulassen. Und nachdem das bereits etliche Male in Streit gipfelte, wurde es zu einem Schweige-Thema. Dass sich das nicht grade förderlich auf Ihr gemeinsames Sexleben auswirkt, ist klar. Das nehmen Sie aber in Kauf. Hauptsache, es herrscht Ruhe. Pardon: eisiges Schweigen.

Wer schweigt, tut etwas für den Haussegen? Irrtum!

Wollen Sie etwas richtig Gruseliges wissen? Laut Statistischem Bundesamt spricht ein deutsches Ehepaar durchschnittlich acht Minuten täglich miteinander. Mehr nicht. Wie finden Sie das?

Wenn Sie jetzt ungläubig die Augenbrauen hochziehen und feststellen, dass es bei Ihnen eher 80 Minuten oder noch mehr sind, dann schätzen Sie sich glücklich und machen Sie weiter so. Falls nicht, gibt’s nur eines: Bitte werden Sie aktiv. Sofort. Bevor es zu spät ist. Denn der Rückzug erfolgt nicht immer bewusst. In vielen Beziehungen geschieht er sogar unbewusst, und die Beteiligten merken es erst, wenn sie sich schmerzhaft die Nasen an den Mauern stoßen

Nach dem Motto »wenn ich die Klappe halte, gibt’s auch keinen Streit« gleiten viele Paare in das große Schweigen ab, ohne bewusst zu mauern. Schuld daran sind anerzogene Hausfrauenregeln und Psycho-Irrtümer. Natürlich muss man sich nicht über jede Kleinigkeit Fransen an den Mund reden. Aber Schweige-Themen in der Beziehung zu etablieren und sie dann konsequent zu umschiffen, ist der falsche Weg.

Wie schon bei den anderen apokalyptischen Untergangsboten, so helfen auch hier einfachste Rituale, die gefährlichen Mechanismen zu durchbrechen.

Planen Sie Gespräche genau wie andere Termine ein. Ihre partnerschaftliche Gesprächszeit ist kostbar, also behandeln Sie sie auch so! Schreiben Sie sich Mails und verabreden Sie sich zu einem Date in Ihrer Lieblingskneipe, wie Sie es auch mit einem Kumpel machen würden. (Wann waren Sie zuletzt gemeinsam dort?)

Und dann: Reden Sie miteinander. Nicht gleich über das »heiße« Thema, Sie brauchen nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Wenn es Ihnen leichter fällt, tasten Sie sich langsam dorthin. Reden Sie über einen Fernsehbeitrag, ein Bücher, einen Film, eine schräge Geschichte aus der Nachbarschaft. Albern Sie herum. Über die Musik, über eine schrägen Typen am Tresen oder was Ihnen sonst einfällt. Hauptsache, Sie schaffen ein Klima, in dem Sie sich beide locker austauschen können. In dieser Zeit kühlt das Reizthema gemütlich ab und Sie können es in Angriff nehmen, ohne dass einer von Ihnen sofort an die Decke geht oder neue Mauern baut.

Keine Angst, es kann nichts passieren. Außer dass Sie sich hinterher viel, viel besser fühlen. Apokalyptische Reiter hassen nämlich zwei Dinge: gemeinsames Lachen und offene Gespräche. Also tun Sie genau das!

Die Alternative wäre, dass Sie beide hinter Ihren Mauern langsam eingehen. Und eines Tages feststellen, dass Sie Ihre Liebe totgeschwiegen haben.

Geht’s noch schlimmer?

Ja, leider. Nach Kritik, Verachtung und Rückzug kann die Situation komplett kippen und in eine brutale Machtdemonstration ausarten. Hier ist dann vorbei mit Schweigen, aber auf eine andere Art, als Ihnen lieb sein kann. Betritt dieser apokalyptische Reiter die Szene, wird mit harten Bandagen gekämpft. Was das bedeutet, und wie Sie sich dagegen schützen können, darüber mehr im nächsten Teil!

Wie wäre es, wenn Sie jetzt mal eben Ihre Partnerin anrufen oder ins Nebenzimmer gehen und ihr erzählen, was Sie gerade gelesen haben?

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