Bärbel Wardetzki zeigt in diesem Vortrag, dass wir Kränkungen nicht hilflos ausgeliefert sind und wie wir gelassen damit umgehen können

Unser Buchtipp der Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki

Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können

Kurzbeschreibung

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sitzen in einem überfüllten Restaurant und wollen endlich zahlen. Seit geschlagenen 25 Minuten warten Sie auf die Rechnung. Handzeichen und Rufe bemerkt der Kellner nicht, fast scheint es so, als würde er Sie absichtlich übergehen. Wie fühlen Sie sich in dieser Situation? Sind Sie wütend, werden Sie aggressiv? Oder kränkt Sie das Verhalten des Kellners? Trifft Letzteres zu, dann gehören Sie zu den vielen Menschen, die das Verhalten anderer sehr persönlich nehmen. Allzu menschlich sei diese Empfindung, sagt Bärbel Wardetzki. Die uns allerdings zu viel Kummer bereitet und bisweilen sogar Beziehungen zerstört. Wie man das verhindern kann, erklärt die Psychotherapeutin.

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An wen richtet sich die Buchempfehlung?

Sind Sie schnell gekränkt? Fühlen Sie sich oft nicht richtig anerkannt und leiden Sie sehr unter Zurückweisungen? Mit Hilfe von Bärbel Wardetzkis Buch können Sie herausfinden, warum das so ist und wie Sie mit Kränkungen, Beleidigungen und dergleichen besser umgehen, sprich: sie nicht so sehr an sich heranlassen. Die Psychotherapeutin erklärt, warum manch einer gefühlsmäßig wie ein rohes Ei ist und Handlungen anderer auf die Goldwaage legt und wie man lernt, gerade in Beziehungen nicht alles total persönlich zu nehmen.

Erkenntnisse aus diesem Sachbuch

Wir alle kränken andere, jegliche Kommunikation nimmt Kränkungen in Kauf, ja, muss es sogar tun. Denn wir können es nicht immer allen recht machen, schreibt Wardetzki. Wir können Kränkungen also nicht immer verhindern, manchmal setzen wir sie sogar ganz bewusst ein. Aber wir können emotionale Verletzungen uminterpretieren und herausfinden, was dahintersteckt. Denn eine beabsichtigte Herabwürdigung unserer Person ist es nicht immer. Häufig sind Kränkungen vielmehr eine Folge unterschiedlicher (Er-)Lebenserfahrungen.

Produktinformationen

  • Titel: Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können
  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag (1. Januar 2004)
  • ISBN-10: 3423340576
  • ISBN-13: 978-3423340571
  • Preis: EUR 7,90

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Ausführliche Beschreibung

Wenn die eigenen Gedanken zur Kränkung führen

Viele zwischenmenschliche Probleme sind auf Kränkungen zurückzuführen. Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten, Streit oder sogar Beziehungsabbrüche sind häufig Resultat von Kränkungen. Die eingangs erwähnte Situation verdeutlicht das: Sie fühlen sich durch das Verhalten des Kellners herabgewürdigt und mies behandelt. Ihre emotionale Reaktion darauf ist Gekränktsein. Denn Sie interpretieren die Tatsache, dass der Kellner Sie kaum beachtet, als einen Affront gegen Ihre Person.

Dass sich der Kellner vielleicht gar nicht mit Ihnen auseinandersetzt, weil er ganz andere Probleme hat, können Sie in der Situation nicht erkennen. Unsere Wahrnehmung, schreibt Wardetzki, sei immer auf uns selbst gerichtet, wir neigen dazu, Dinge auf uns zu beziehen. In der Regel nehmen wir das Negative sehr persönlich. Das Positive hingegen ignorieren wir oder schreiben es den anderen, dem Zufall oder gar dem Glück zu.

Das Alltagsphänomen Kränkung

Jeder kennt das: Ein unüberlegtes Wort, ein vorschneller Kommentar, eine Bemerkung am Rande, ja, sogar eine einfache Geste können fatale Folgen haben. Kränkungen, so Wardetzki, seien psychische Verletzungen, die das Gefühl der Minderwertigkeit, des Versagens oder der persönlichen Beleidigung auslösen. Sie berühren ganz unmittelbar unser Selbstwertgefühl. Wir fühlen uns nicht wertgeschätzt, respektiert, angenommen und verstanden, wir schämen uns. Daraus kann eine tiefe Verunsicherung werden.

Jemand kritisiert Sie, weist Sie zurück, erteilt Ihnen eine Absage oder verschmäht ein Geschenk von Ihnen. Jemand schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit, hört Ihnen nicht zu, stellt Sie vor anderen bloß oder macht sich lustig über Sie – es gibt unendlich viele Kränkungszenarien.

Oft sind es Kleinigkeiten, die jemand als negative Botschaft auffasst. Bisweilen merkt der Kränkende gar nicht, was er verursacht. Denn der Gekränkte zieht sich eher zurück und versteift sich aufs Beleidigtsein, anstatt sich mit seinem Gegenüber auseinanderzusetzen. Andere Menschen werden so als potenzielle Feinde wahrgenommen, die einem Böses wollen – eine Folge der sogenannten Projektion, wie Wardetzki erklärt. Das sei ein psychologischer Mechanismus, bei dem man Eigenschaften, Gefühle und Wünsche, die man bei sich selber ablehnt, einfach auslagert.

Das Negative lastet man den Anderen, den Kränkenden an und distanziert sich so davon. In einem gewissen Rahmen ist das normal. Wir alle kränken und werden gekränkt und müssen irgendwie damit umgehen. Der eine verdaut eine Kränkung recht schnell oder entkräftet sie durch eine entsprechende Reaktion. Manch einer jedoch zehrt lange von einer gefühlsmäßigen Verletzung. Das müsse nicht sein, sagt Wardetzki. Denn wir seien Kränkungen nicht hilflos ausgeliefert, wir gestalten sie aktiv mit – und können auch dafür sorgen, dass sie uns nicht so nahegehen.

Kränkungen in der Partnerschaft: die stille Beziehungsgefahr

Auch wenn Sie das Verhalten des ignoranten Kellners massiv gestört hat, legen Sie den Fall vielleicht schnell zu den Gefühlsakten – schließlich können Sie zukünftig das Restaurant meiden oder ordentlich über den Kerl schimpfen.

Was aber ist, wenn Sie derart Verletzendes in intimen Beziehungen erleben? Hier käme es am häufigsten zu Kränkungen, schreibt Wardetzki. Menschen, die uns nahestehen, können uns am nachhaltigsten emotional verletzen. Denn wir nehmen Aussagen von Freunden oder dem Partner immer eher persönlich als die von Fremden. Schließlich kennen diese Menschen uns ja, glauben wir. Darum muss an ihrer Kritik ja etwas dran sein. Oder?

Neben dem schmerzhaften Gefühl, vom anderen abgelehnt und nicht ebenso intensiv geliebt zu werden benennt Wardetzki ein weiteres großes Kränkungspotenzial: Die Zurückweisung körperlicher und sexueller Nähewünsche. Damit umzugehen ist deutlich schwieriger, als eine verletzende Bemerkung zu verdauen.

Am schwersten wiegt natürlich die ultimative Kränkung, das Verlassenwerden. Sie kann so tief gehen, dass die Rache mörderisch ausfällt. Am gefährlichsten sei der Mann für die Frau, die sich von ihm abwendet oder ihn verlässt, zitiert Wardetzki beispielsweise einen deutschen Kriminologen.

Eifersucht, Verlassenwerden, Liebeszurückweisung

Kränkungen haben in Beziehungen einen ganz besonderen Stellenwert. Flirtet Ihr Mann vor Ihren Augen mit einer anderen Frau, werden Sie sich sicherlich nicht toll fühlen. Bestimmt werden Sie gekränkt sein. Denn allem Anschein nach zieht Ihr Mann eine andere Frau Ihnen vor und stuft Sie damit auf seiner Liebesskala herunter. Das könnten Sie zumindest denken. Je nachdem, wie es um Ihre Partnerschaft insgesamt so bestellt ist, kann eine derartige Lappalie durchaus in eine handfeste Beziehungskrise münden.

Vor allem, wenn die Kränkungsthemen der Beteiligten deckungsgleich aufeinanderpassen, könne es zu einer unüberwindbaren Entzweiung kommen, sagt Wardetzki. Zum Beispiel, wenn die Frau ständig an der Liebe des Mannes zweifelt und in all seinen Handlungen nach Beweisen für seine Zuneigung sucht, der Mann dagegen ein ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis hat. Sie reagiert an ihm ihre Verlassenheitsängste ab, er hält mit seinem Unabhängigkeitsbestreben dagegen – eine Kränkungskonstellation, die unlösbar scheint.

Ursachen: das frühere Leben im späteren

Kränkungserlebnisse sind unflexible Antworten auf Zurückweisung. Unfexibel deswegen, weil sie geprägt sind von früheren Erfahrungen, die wir in Gegenwart und Zukunft projizieren.

Wer als Kind sichere Liebe nicht erlebte, von den Eltern emotional ausgebeutet oder misshandelt wurde, trägt im späteren Leben vielleicht die tiefe Angst vor Zurückweisung in sich und ist sehr empfänglich für Kränkungen. Diese ausgeprägte Sensibilität kann Beziehungen sehr belasten – wenn wir es zulassen. Man könne lernen, mit Kränkungen konstruktiv umzugehen. Entweder alleine oder mit therapeutischer Unterstützung.

Ein erster Schritt ist, das man sich Kränkungen eingesteht. Wer zurückgewiesen, verlassen oder beleidigt wurde, hat das Recht, gekränkt zu sein. Er darf es sich aber im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu Herzen nehmen. Oft ziehen sich Gekränkte verletzt zurück und verweigern sich jeglicher Kommunikation. Dieser Rückzug hat oft einen Kontaktabbruch zur Folge – und potenziert die Kränkung noch. Besser sei es, so Wardetzki, sich mit seinem Gegenüber auseinanderzusetzen und verletzte Gefühle offen zuzugeben.

Die Blickrichtung ändern: Versöhnung mit sich selbst und dem Kränkenden

Wichtig sei auch, dass man sich mit seinem lebensgeschichtlichen Hintergrund befasse: Woher komme ich? Wie habe ich die ersten Beziehungen in meinem Leben erlebt? Was hat mir gefehlt, welche Ängste trage ich in mir? Wer sich diesen Fragen stelle, könne eine Veränderung in Gang setzen. Denn er hat die Chance, seine Gefühle – eben auch die des Gekränktseins – in ihrer Komplexität zu erkennen.

Wardetzki empfiehlt in engen Beziehungen außerdem Mitgefühl für den Kränkenden. Wenn Sie auf jemanden wütend sind, weil er Sie gekränkt hat, dann versetzen Sie sich doch mal in dessen Lage. Vielleicht ist die Kränkung seine Reaktion auf eine erlittene Kränkung? Vielleicht ist sie Ausdruck einer Hilflosigkeit oder auch Bedürftigkeit, die Sie in Ihrem Zorn nicht wahrnehmen können?

Wenn Sie in heiklen Situationen Ihren Blick auf den anderen richten, kann es Ihnen vielleicht gelingen, über das emotionale Vehikel Verständnis die erlebte Kränkung zu relativieren – und damit für Ihr Ego schachmatt zu setzen.

Ein wünschenswertes Ergebnis wäre sicherlich die Versöhnung. Wie heißt es doch so schön bei Bärbel Wardetzki: »Wir haben so viele Gründe, glücklich zu sein. Wieso wollen wir uns durch Kränkungen unglücklich machen?«

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Buchtipp: Ohrfeige für die Seele

Buchcover: Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können

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