LiebesIdeal Treue: Müssen wir noch sexuell treu sein?

Mann schaut beim Heirtatsantrag einer sexy angezogenen Frau hinterher

Ist die Monogamie ein großes Opfer und langfristig unnatürlich für das Zusammensein?

Das Webzwonull macht's möglich: Ein Seitensprung scheint im Jahr 2016 zur Ehe zu gehören wie das kostenlose WLAN zur Stammkneipe. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Frauenpsychologin Maryse Vailant. Die Französin schreibt in ihrem Buch »Les hommes, l'amour, la fidélité« (Die Männer, die Liebe, die Treue), dass Monogamie in der Ehe ein großes Opfer und langfristig ungesund für das Zusammensein sei.

Sie begründet ihre Thesen damit, dass die Institution Ehe ein von Menschen geschaffenes Konstrukt sei, das allein aufgrund der traditionellen Verpflichtung zur Monogamie unnatürlich sei. Um häusliche Harmonie und ein ausgeglichenes Miteinander leben zu können, sei es notwendig, dass der Ehemann (und nur der!) regelmäßig fremdgeht und sich dabei anderweitig sexuell vergnüge. Was in den Ohren notorischer Fremdgänger wie Musik klingt, hört sich für überzeugte Mongamisten und Feministinnen an wie ein Alptraum. Stimmt es wirklich, dass eine monogame Ehe automatisch defizitär sein muss?

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Verheiratet und fremd: Ehepaare kennen sich nicht gut genug

Einer Forsa-Umfrage zufolge erwarten 80 Prozent aller fremdgehenden Männer eheliche Treue von ihren Frauen. Für 45 Prozent aller Männer und Frauen ist ein Seitensprung sogar unverzeihlich. Dem gegenüber steht eine andere Forsa-Umfrage: 57 Prozent aller Männer und 66 Prozent der befragten Frauen geben an, mit ihrem aktuellen Partner während der gesamten Beziehung noch kein einziges Mal ganz offen über sexuelle Phantasien und Wünsche gesprochen zu haben. Und weil das unglaublich ist, noch einmal ganz langsam: Über die Hälfte aller Paare tauschen sich niemals über ihre sexuellen Präferenzen aus!

Es sind also im schlimmsten Falle zwei Menschen miteinander verheiratet, die völlig unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse und damit auch verschiedene Treuevorstellungen haben, ohne das voneinander zu wissen. Ein Auseinanderdriften der sexuellen Intimität ist hier nahezu vorprogrammiert. Bei solch schweigsamen Paaren bringt oft erst das Drama um einen Seitensprung die Diskussion ins Rollen, und falls es zu spät ist, auch den Scheidungsanwalt ans Telefon. Wäre es da nicht ratsam, rechtzeitig über diese Themen zu sprechen? Am besten bevor beide vor den Traualtar treten? Schließlich wird über Kinderwünsche, Wohnort oder Hauskauf ebenso intensiv diskutiert. Wäre es nicht wichtig, sich vor dem Ja-Wort gut genug zu kennen, um zu wissen, ob in puncto Monogamie Einigkeit herrscht, statt dies nur stillschweigend zu vermuten?

Warum wir schwach werden: Einmal Fremdgänger, immer Fremdgänger

Mit diesem bösen Spruch wurden schon im Prä-Internetzeitalter Männer gebrandmarkt, deren Affären oder Seitensprünge aufgeflogen waren. Laut Vailant ist an diesem Satz aber etwas dran. Denn ob ein Mann in einer monogamen Beziehung erfüllt und glücklich sein kann oder immer wieder den Drang nach fremder Haut verspürt, ist eine Frage der sexuellen Identität und Prägung.

Vailants Meinung nach gibt es tatsächlich typische Fremdgänger, nämlich Männer, die körperliche Intimität nicht als Liebemachen, als Hingabe zu einem einzigen Menschen erleben, sondern als etwas, das sie theoretisch jederzeit mit jedem machen können – und manchmal auch wollen. Die Zuneigung zur Partnerin einerseits und die sexuelle Gier zu anderen Frauen, die ins Beuteschema passen, sind für diese Männer kein Widerspruch, sondern zwei Facetten ihrer Persönlichkeit, die beide gleich stark im Alltag wirken. Vailant: »Dieser Männertyp ist überzeugt, dass er die Ehe intakt hält, wenn er sich hier und dort eine kleine Freiheit herausnimmt. Aus seiner Sicht stimmt das auch: Er ist so in der Lage, seine Frau weiter zu lieben, gerade weil er sich Affären gönnt. Er will sie auf keinen Fall verlassen, und er fühlt sich als guter Ehemann. Deshalb hegt er keinerlei Schuldgefühle. In Bezug auf meine Ehe verstehe ich keinen Spaß, sagt er sogar. Er liebt die Gattin von Herzen und denkt, dass ein Seitensprung Teil der Ehe sei.«

Diese Einstellung, ebenso wie das Bedürfnis nach Monogamie, entsteht bereits in früher Kindheit und gehört, wie auch die sexuelle Orientierung und Ausrichtung, zu den unveränderlichen Persönlichkeitsmerkmalen eines Menschen. Bei Männern wie bei Frauen. Leider glauben manche Paare, dass es sich hier um verhandelbare Variablen handelt, und viele lassen sich aus Liebe oder Harmoniesucht darauf ein, gegen ihre Natur zu leben. So landen monogam veranlagte Frauen beim Therapeuten, weil sie es entgegen aller Vorsätze nicht schaffen, die wiederholten Affären und Seitensprünge ihres Mannes zu ertragen. Monogame Männer wiederum gehen die Wände hoch vor Schmerz und Eifersucht, wenn ihre Frau mit ihrem »besonderen Freund« wieder einmal über Nacht verschollen ist und niemand weiß, ob beide nur fröhlich ein paar gehaltvolle Cocktails in einer Bar vernichten oder sich bis zum Morgengrauen in einem Hotelbett wälzen...

Im Grunde genommen werden wir nicht wirklich »schwach«, sondern leben vielmehr so, wie es unsere sexuelle Identität verlangt. Wo es hapert, ist die Ehrlichkeit, diese Identität klar zu erkennen, anzunehmen und dazu zu stehen. Egal, in welche Richtung sie tendiert.

Der Mythos vom Erkalten der Ehe

»Es ist doch normal, dass nach drei Jahren der Sex nicht mehr so prickelnd ist ...« Diesen Satz hört man immer wieder. Paare finden sich damit ab, dass das Sexleben nach der ersten heißen Phase zu dümpeln beginnt. Da stellt sich die Frage, warum sich beide so bereitwillig damit arrangieren. Aus Angst, intime Themen offen diskutieren zu müssen? Aus Scham?

In jedem Fall scheint ein Kommunikationsblock dafür zu sorgen, dass die Lust auf Sex immer weiter auf der Prioritätenliste nach unten rutscht. Bis es einer – laut Vailant der Ehemann – nicht mehr aushält, aus der Ehe ausbricht und anderweitig die Sehnsucht nach Leidenschaft stillt. Was grundsätzlich ja kein Verbrechen wäre, wenn dieser Ausbruch nicht häufig mit heimlichen Seitensprüngen und Vertrauensbrüchen einher ginge. Auch Vailant sagt, dass jede Ehe zwangsläufig erkaltet und Leidenschaft erlischt. Was natürlich Unsinn ist, aber leider verkaufen sich solch negative Pauschalisierungen besser als »hey, wir sind 20 Jahre verheiratet und unser Sex ist heute geiler als je zuvor!« Vielleicht durfte die Autorin diese Variante noch nie kennenlernen? Ihr Fazit liest sich sehr traurig und ist ein lupenreines Plädoyer für die gefühllose Vernunftehe: »Man beginnt an die Zukunft, Kinder, Geld, Ziele zu denken. Wenn in diesem Fall eine gelegentliche und emotional unbedeutende Untreue des Mannes oder der Frau dazukommt, dann muss das nicht tragisch sein. Und wenn man davon ausgeht, dass Liebe und Begehren nicht identisch sein müssen, kann dies sogar ermöglichen, dass die Ehe auf die Dauer hält.« Die Ehe soll also wie in grauer Vorzeit zur reinen Wirtschaftsgemeinschaft degenerieren, jenseits von Liebe und Zärtlichkeit. Wäre es nicht so deprimierend, man müsste bei dem Gedanken laut lachen.

Schlüssel zum Eheglück: Weg mit dem »Zwei-Welten-Prinzip«

In einem Punkt erhält Vailant gleichermaßen Zustimmung von Monogamisten und Fremdgehern: Sie rät Frauen davon ab, sich zu verbiegen, um ihren Ehemännern zu gefallen: »Zur Verzweiflung treiben mich die Ratschläge in den Frauenmagazinen. Lernen Sie Striptease, um Ihren Mann zu behalten, oder: Nehmen Sie fünf Kilo ab! Meinen Sie, ein Mann bleibe seiner Gattin treu, weil sie ein paar Kilo verliert? Er liebt und begehrt sie, wie sie ist, oder eben nicht.«

Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Genau das definiert eine gute Partnerschaft: Liebe als Gesamtpaket, ohne Ausschlussklauseln und Bedingungen. Und ohne wichtige Gefühlsbereiche wegzulügen.

Beziehungspsychologen kennen das Zwei-Welten-Prinzip, nach welchem fremdgehende Ehemänner leben. Ehe, Familie und häusliche Nähe gehören in eine Welt, sexuelle Neugier und hemmungslose Lust in die andere. Ohne Überschneidungen. Umgekehrt flüchten Frauen sich gerne in heimliche Affären und holen sich den Extrakick Romantik mit virtuellen Flirts, von denen der Ehemann nichts ahnt. Beide Privatsphären haben ihre Berechtigung. Doch warum muss zwischen diesen eine Mauer aus Schweigen bzw. Lügen stehen? Reden Sie darüber, was Sie zum Glücklichsein brauchen. Am besten gleich!

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