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Neigen Narzissten eher zum Seitensprung?

Wer zu selbstbewusst auftritt, extreme Freude an penetranter Selbstdarstellung hat und womöglich die Gefühle anderer Menschen damit verletzt, wird heutzutage oft als Narzisst bezeichnet. Doch was ist das eigentlich, ein Narzisst? Welche (unangenehmen) Eigenschaften bringt er mit, wie verhält er sich in Beziehungen, geht er womöglich eher fremd? Ehe wir zum Kern unserer Frage kommen, lohnt sich ein Blick ins Detail:

Der Begriff Narzissmus leitet sich von einer griechischen Sage ab. Narziss war ein schöner Göttersohn, der heftig von der Damenwelt umworben wurde. Entsprechend arrogant wies er so auch die Liebe der Nymphe Echo zurück. Deshalb bestrafte ihn Nemesis, die Göttin des gerechten Zorns, woraufhin Narziss eine unstillbare Liebe zu seinem Spiegelbild im Wasser entwickelte. So geht in Kürze der Mythos, der namensgebend für eine Persönlichkeitstendenz ist, die sich zu einer massiven Störung auswachsen kann. Narzissten sind auf sich selbst bezogene Menschen, die andere vernachlässigen und egozentrische Wesensmerkmale zeigen. Eine gewisse Portion Narzissmus ist okay, vermutlich ist ein gesundes Selbsbewusstsein gekoppelt mit einem positiven Selbstbild heutzutage ganz nützlich. Schwierig wird es nur, wenn die Selbstbezogenheit überhand nimmt, dann spricht man auch von negativem Narzissmus. Dieser basiert auf mangelndem Selbstwertgefühl, das auf einer Säugling-Elternteil-Beziehung beruht, die dem Kind nicht genügend Einfühlungsvermögen und Bestätigung entgegenbrachte.

Ein ausgeprägter Narzissmus bedeutet, dass diese Menschen vorwiegend sich selbst zugewandt sind, ein eher passives Liebesbedürfnis haben und lieben, nur um geliebt zu werden. Ein Narzisst nimmt in einer Beziehung ausschließlich, der andere muss geben. Narzissten sind kaum oder gar nicht zu Empathie fähig, sind auf ständige Bestätigung angewiesen und werten oft andere ab, um das eigene Ego aufzuwerten. Und das kann in Bezug auf Treue zum Problem werden. Wir fassen hier fundierte Expertenmeinungen dazu zusammen: Weiter lesen

#1 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Schattenliebe

Treu zu bleiben, sei dann schwierig, wenn ein Mensch in seiner frühkindlichen Entwicklung übermäßigen Traumatisierungen ausgesetzt war und seine elementaren Bedürfnisse nach Nähe, Bindung und Sicherheit nicht befriedigt wurden, schreibt Gerti Senger. Unter diesen Umständen, so die Psychologin weiter in »Schattenliebe – Nie mehr Zweiter(r) sein«, würden sich psychische Hemmmechanismen nur unzureichend ausbilden und die Impulskontrolle sei herabgesetzt. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit haben oft gerade in diesem Bereich Defizite, eine reduzierte Impulskontrolle kann unter Umständen zur Folge haben, dass er oder sie sich unbedachter auf eine Dreiecksbeziehung einlässt, etwa, weil er die Konsequenzen, die sich daraus ergeben können, nicht richtig einschätzt. Oder weil sie ihm womöglich egal sind: Wer zum Beispiel laut Gerti Senger über eine nicht sehr ausgeprägte Frustrationstoleranz verfüge, könne in Versuchungssituationen manchmal keinen Triebverzicht leisten, gerade auch in Krisen. Narzisstische Männer sind bisweilen zudem bindungsunfähig, auch wenn sie augenscheinlich viele Beziehungen haben. Ihnen gehe es Senger zufolge vorwiegend darum, so viele Frauen wie möglich flachzulegen. Zur eigenen Frau und den flüchtigen Seitensprüngen bestehe eine innere Distanz. Mit ihrer notorischen Untreue würden sich diese Männer zwanghaft ihre Männlichkeit beweisen wollen. Und damit also den Mangel an echtem, männlichen Selbstwertgefühl zu kompensieren versuchen.

Autor: Prof. Dr. Gerti Senger
Buch: Schattenliebe –  Nie mehr Zweite/r sein

#2 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Das Geheimnis der Treue

Narzissmus wird heutzutage im Alltagsgebrauch mit Selbstliebe gleichgesetzt. Doch mit wirklicher Liebe habe das sehr wenig zu tun, das stellt Wolfgang Krüger fest. Es könne zwar nach außen hin so wirken, als würde ein narzisstischer Mensch sich selbst besonders toll finden, weil es ihm gelingt, sich selbst zu inszenieren, in den Mittelpunkt zu stellen und alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, schreibt Krüger in »Das Geheimnis der Treue«. In Wirklichkeit aber sehe es düster in der vermeintlich selbstverliebten Seele des Narzissten aus: Der wandele nämlich wie ein Seiltänzer über einem tiefen Abgrund – denn er habe nie erlebt, dass er grundlegend geliebt wurde. Er schwankt stets zwischen übertriebenen Größen- und Kleinheitsgefühlen hin und her. In einer Partnerschaft sei er auf übermäßige Anerkennung angewiesen, die ihn aber letzlich niemals zufriedenstellt – weil er sie gar nicht wirklich zur Kenntnis nehmen kann. Das hat zur Folge, dass bei Beziehungskrisen der narzisstische Partner laut Krüger schnell die Flinte ins Korn schmeißt und aufgrund einer mangelnden echten Bindung schon bei kleinen Problemen die Partnerschaft aufkündigt. Aber nicht nur das: Jede größere Lebensbelastung sei, so Krüger weiter, für narzisstische Menschen eine Sollbruchstelle, denn sobald sie sich minderwertig fühlen, müssen sie sich zurückziehen – und neigen dann auch dazu, ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl durch erotische Eroberungen wiederherzustellen. Auslöser für einen Seitensprung können bei einem narzisstischen Menschen Lebenskrisen sein, die an ihrem Selbstwertgefühl zehren und mit der Güte der Beziehung bisweilen nicht wirklich etwas zu tun haben. Was laut Krüger oft dazu führe, dass die Untreue für die betrogenen Frauen überraschend kommt, da der Anlass für das Fremdgehen offensichtlich nicht in der unglücklichen Partnerschaft liegt. Grundsätzlich lässt sich aus Krügers Überlegungen folgern, dass er narzisstische Menschen, insbesondere Männer, für untreuegefährdeter hält, als Menschen mit austariertem Selbstwertgefühl, weil sie erstens auch in Beziehungskrisen sehr egozentrisch und unbedacht reagieren und Versuchungen schlechter widerstehen können, wenn die Aussicht besteht, dass etwa ein Seitensprung das Ego aufpeppen kann.

Autor: Dr. Wolfgang Krüger
Buch: Das Geheimnis der Treue

#3 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Narzissmus – Das innere Gefängnis

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung habe viele Facetten und Ausdrucksformen, schreibt Heinz-Peter Röhr in seinem Buch »Narzißmus. Das innere Gefängnis«. Das gehe von leichten, kaum erkennbaren Formen der übertriebenen Selbstliebe bis hin zu krankhafter Charakterveränderung. Immer aber würden diese Menschen auf die ein oder andere Art unter sich selbst leiden – und vor allem große Probleme im zwischenmenschlichen Bereich haben. Sie können andere nicht an sich heranlassen, obwohl sie ein sehr starkes Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung haben. Oft sind sie laut Röhr auch extrem selbstsüchtig und auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse fixiert. Narzissten träumen ihm zufolge auch oft von der idealen Partnerschaft, aber eigentlich ist ihnen niemand gut genug – so investieren sie sehr viel in die Eroberung einer neuen Flamme, sobald die Sache aber im Kasten ist, verliert die Beziehung an Reiz. Zudem glauben narzisstische Menschen, dass die Lösung für manche Probleme, eben auch die in einer Beziehung, mitunter von anderen Personen zu erwarten ist – was hieße, aus einer als unbefriedigend erlebten Partnerschaft kann ein Seitensprung erlösen. Insgesamt konstatiert Heinz-Peter Röhr, dass viele Menschen in unseren Breitengraden Probleme mit dem Selbstwertgefühl haben, aber nicht jeder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt. Gesunde Selbstliebe, schreibt er, sei eine wesentliche Triebfeder der Weiterentwicklung, auch für das menschliche Zusammenleben sei sie wichtig. Wenn es allerdings überhand nimmt, dann kann eine stark ausgeprägte narzisstische Tendenz Fremdgehen begünstigen, können wir aus Röhrs Überlegungen folgern.

Autor: Heinz-Peter Röhr
Buch: Narzissmus –  Das innere Gefängnis

#4 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Ohrfeige für die Seele

Bärbel Wardetzki wundert sich, dass wir im Zeitalter des Narzissmus so wenig über Kränkungen sprechen, dabei seien diese doch ein wesentliches Merkmal der narzisstischen Persönlichkeit. In ihrem Buch »Ohrfeige für die Seele« beschreibt sie, wieso uns allen Kränkungen und Zurückweisungen so nahe gehen und wie wir besser damit umgehen können. In diesem Zusammenhang widmet sie auch ein Kapitel dem Thema Narzissmus. Im Allgemeinen verstehe man darunter das In-sich-selbst-Verliebtsein, eine narzisstische Störung sei dadurch gekennzeichnet, dass das Selbstwertgefühl beeinträchtigt sei und sich dadurch eine Entfremdung von sich selbst ergebe. Ein Narzisst ist demnach ein Mensch, der sich selbst nicht so einschätzen kann, wie er wirklich ist. Er schwankt zwischen extremer Überheblichkeit und desolater Selbstverachtung – ein gesundes Mittelmaß kann er in sich selbst nicht finden. Das mache ihn, so Wardetzki, besonders anfällig für Kränkungen. Jede Ablehnung, Kritik oder Zurückweisung stellt dann eine Bedrohung dar, die den Narzissten verunsichert und dem unrealistischen Ideal, das er von sich selbst hat, massiv widerspricht. Auf unsere Frage bezogen lässt sich daraus schon ableiten, dass narzisstische Menschen eher zur Untreue neigen – weil sie auch im Beziehungsgeschehen mit Krisen, Kränkungen oder Ablehnung schlecht umgehen können und unter Umständen auf eine Konfliktsituation in der Kernbeziehung mit einem Seitensprung reagieren, um ihr angeknackstes Selbstwertgefühl wieder in den Griff zu bekommen.

Autor: Dr. Bärbel Wardetzki
Buch: Ohrfeige für die Seele

#5 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Die Kirschen in Nachbars Garten

Entwertung und Kränkungen in Partnerschaften treffen uns besonders, für Dritte ist manchmal kaum verständlich, wie eine harmlose Äußerung zu massiven emotionalen Reaktionen führen kann. Schon hinter kleinsten Details werden Gleichgültigkeit und Missachtung vermutet, schreibt Julia Onken in »Die Kirschen in Nachbars Garten«. Es sei durchaus möglich, dieses innerpartnerschaftliche Verhalten als übertriebene, neurotische Reaktion und auch als Ausdruck eines gestörten Selbsbildes und einer narzisstischen Überbewertung der eigenen Person zu interpretieren. Menschen, die sich in ihrer Selbstwürde verletzt fühlen, haben mehrere Möglichkeiten, mit diesem unangenehmen Gefühl umzugehen, meint Onken. Verdrängung, Aggressivität oder auch narzisstische Selbstüberhöhung dienten da im natürlichen Selbstregulierungssystem als Schadensbegrenzer. Und eine beliebte Reperaturwerkstätte für erlittene Kränkungen und verletzte Würde sei der Fremdsprung, wie es Julia Onken nennt. Das Fremdgehen diene dabei dazu, die Entwertung aufzuheben, rückgängig zu machen und Verletzungen zu kurieren. Demzufolge sind narzisstische Menschen potenziell gefährdeter, über das Fremdgehen um ihr Selbstwertgefühl zu kämpfen, denn sie reagieren wesentlich empfindlicher auf die Herabsetzung durch den Partner, ganz gleich, wie nachvollziehbar das nach außen hin wirkt.

Autor: Julia Onken
Buch: Die Kirschen in Nachbars Garten

DAS SAGT DIE STATISTIK

Fazit: Sind Narzissten eher untreu?

Sie sind unterhaltsam und sehr charmant, sie wirken auf den ersten Blick einfühlsam und stellen ihre Attraktivität gekonnt zur Schau – Narzissten sind mitunter sehr beliebte Zeitgenossen. Untersuchungen zufolge findet man sie recht häufig in den Medien, auf den Bühnen dieser Welt und in Führungspositionen. Auch in Gruppen nehmen die selbstverliebten Selbstdarsteller oft eine herausragende Position ein und gehören überproportional häufig zu den sogenannten Alphatierchen. Dass die narzisstische Grundhaltung allerdings problematisch ist, zeigt sich nicht zuletzt im Beziehungsverhalten, das haben Experten herausgefunden.

Eine amerikanische Studie kam so zu dem Schluss, dass Narzissten zwar Beziehungen eingehen, diese aber eher spielerisch sehen. Zudem haben sie mehr Angst vor festen Bindungen – und sind untreuer. Einen Partner mit einem narzisstischen Charakterzug kann man nur schwer an sich binden, zu diesem Schluss kommen sowohl die Experten, die wir zurate gezogen haben, als auch etliche andere Fachleute. Erkennen kann man einen Narzissten daran, dass er sich schon zu Beginn der Beziehung eher bedeckt hält und kaum verlässliche Zusagen macht. Auch Zukunftspläne schmiedet er kaum, redet mit Vorliebe von sich selbst und seinen Vorhaben und zuckt vor zu viel Nähe ganz offensichtlich zurück. Narzissten neigen zum Seitensprung, diese Aussage scheint belegt, denn sie bestätigen ihr Selbstwertgefühl gern durch Fremdgehen. Allerdings muss ein narzisstischer Partner nicht zwangsläufig untreu werden – bisweilen, das zeigen andere Untersuchungen, suchen sie sich intutiv passende Partner, die sich auf das narzisstische Spielchen nicht so schnell einlassen.


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