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Kann eine Dreiecksbeziehung [auf Dauer] funktionieren?

Drei sind einer zuviel – für die meisten von uns gehören in unserer Vorstellung zur Liebe doch immer nur genau zwei Menschen. Kommt ein dritter hinzu, wird das in der Regel als Einbruch aufgefasst: Jemand dringt in die Beziehung ein und nimmt etwas weg. Aber was denn eigentlich? Ist es tatsächlich unmöglich, in einer Dreiecksbeziehung zu leben, in der alle Beteiligten zufrieden lieben und – um es mal ganz plakativ auszudrücken – auf ihre Kosten kommen? Was ist, wenn zwei sich lieben, der eine aber Sex wie die Luft zum Atmen braucht, der andere jedoch mit dem Kapitel Erotik lang schon abgeschlossen hat? Was spricht dagegen, wenn dann ein Dritter die Bedürfnisse erfüllt, denen der eine nicht nachkommen kann? Ist das nicht eher eine Bereicherung des Paarlebens, denn eine Gefährdung? Und kann so eine Dreiecksbeziehung funktionieren und womöglich auf Dauer gut gehen? Wir lesen mal nach

#1 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Freiheit von der Eifersucht

Es geht, meint Thomas Deutschbein. Beziehungskonstellationen mit drei, vier oder auch fünf Beteiligten sind duchaus möglich – wenn wir es wollen. In »Freiheit von der Eifersucht« stellt der Schweizer Autor Alternativen zum klassischen Partnerschaftsmodell vor, in dem Eifersucht einfach keinen Platz hat. Es gäbe sie, die Paare, die Dritte nicht per se ausschließen, sondern ihnen bei Bedarf eine Art Besuchervisum ausstellten. Für diese Paare bedeutet Liebe nicht sexuelle Ausschließlichkeit, sondern emotionale Verbundenheit. Wenn sich drei Menschen gegenseitig tolerieren, sich Freiheiten zugestehen und sich vor allem – das ist der Kern bei Thomas Deutschbein – frei machen von fesselnden Eifersuchtsgefühlen, dann können sie eine Dreiecksbeziehung auch auf Dauer glücklich ausleben. Dazu gehört allerdings neben einer großen Portion Toleranz auch ein gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein.

Autor: Dr. Thomas Deutschbein
Buch: Freiheit von Eifersucht

#2 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Wenn Liebe fremdgeht

Auch Ulrich Clement hält es für möglich, in der Liebe im Dreieck zu navigieren. Das sei dann so etwas wie Partnerschaft für Fortgeschrittene. Es gebe Paare, so der Paartherapeut in Wenn Liebe fremdgeht, die einen kreativen Umgang mit Affären und dergleichen schafften und die unkonventionelle Partnerschaftsmodelle wie eben auch Dreiecksarrangements verantwortungsvoll und glücklich leben. Meist seien das Menschen, die sich gegenseitig Freiheiten zugestehen und Besitzansprüche für sich anders definieren. Clement benennt in diesem Zusammenhang einige Regeln, die es den Paaren erlauben, auch Dreiecksbeziehungen auf Dauer zu leben. Loyalität seit diesen Paaren wichtiger als sexuelle Treue, sie stellen Respekt vor Rivalität, respektieren die bzw. den Geliebten, akzeptieren den sexuellen Unterschied, fordern keine sexuelle Treue und vermeiden Konkurrenzgerangel zwischen Primärpartner und Nebenpartner. Das, kombiniert mit einem ausbalancierten Mix aus Offenbarung und Geheimhaltung kann eine Dreiecksverbindung unter Umstädenn zu einer Bereicherung für alle machen.

Autor: Dr. Ulrich Clement
Buch: Wenn Liebe fremdgeht

#3 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: 111 Gründe, offen zu lieben

Jawoll, geht! Würden sicherlich Corneila Jönsson und Simone Maresch antworten. In Ihrem Buch »111 Gründe, offen zu lieben«, zeigen sie anschaulich, dass man nicht nur zu dritt, sondern auch zu viert oder fünft eine, zwei, drei, vier erfüllende Beziehungen führen kann. Genau das tun nämlich die Hauptfiguren in diesem Buch, die alle offene Beziehungen führen. Die Eckpfeiler sind dabei Toleranz, gegenseitige Wertschätzung, ein offener Umgang mit Eifersuchtsgefühlen und ein Wohlwollen anderen Lieben gegenüber. Denn die Liebe, das meinen und leben die Autorinnen, wird mehr, wenn man sie teilt. Wichtigste Voraussetzung allerdings ist die gleiche Einstellung: Nur wer anderen das zugesteht, was er selbst für sich beansprucht, kann auf Dauer in einer Dreiecksbeziehung sein Glück finden. Oder in einer Vierecks-, Fünfecks- oder Sechsecksbeziehung...

Autoren: Cornelia Jönsson und Simone Maresch
Buch: 111 Gründe offen zu lieben

#4 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Lob der offenen Beziehung

Auch der Philosoph Oliver Schott hält Dreiecksbeziehungen auf Dauer für realisierbar – wenn wir uns vom altherbebrachten Monogamiemonopol befreien. Wer dieses überwinde, indem er erkennt, dass monogame Besitzansprüche und Wertvorstellungen heutzutage fast so etwas wie ein Widerspruch in sich selbst sind, der könne offener lieben – also auch im Dreierverbund. In Lob der offenen Beziehung schreibt Schott, man könne mehrere Menschen zugleich lieben. Vor allem dann werde das relevant, wenn die emotionale Basis der Beziehung noch stimmt, anderes aber brachliegt. Wer dann ablasse von den Exklusivitätsansprüchen à la »Du sollst nur mich lieben«, der könne emotionale oder auch erotische Verbindungen zu Dritten ausleben – auch in Absprache mit dem Primärpartner.

Autor: Oliver Schott
Buch: Lob der offenen Beziehung

#5 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Die Rolle der Geliebten in der Dreiecksbeziehung

Dr. Hans Jellouschek findet, Dreiecksbeziehungen seien eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Denn sie seien normalerweise die erste Beziehungskonstellation, die wir erleben: nämlich die Triade Vater – Mutter – Kind. Wir alle tragen dieses Bild in uns, die geteilte Liebe, die sich im Dreieck entfaltet. In Die Rolle der Geliebten in der Dreiecksbeziehung erklärt er anhand der griechischen Mythologie, wie Dreierkonstellationen im späteren Leben zustande kommen, welche Gefahren sie mit sich bringen, aber auch welche Chancen sie bieten. Dreiecksbeziehungen hafte immer etwas Skandalöses an, sie seien eigentlich ein Tabu. Vor allem auch dann, wenn sie zu funktionieren scheinen. Die Frau, die die Geliebte ihres Mannes akzeptiert, wird oftmals als naiv oder einfach nur dumm dargestellt, die Geliebte wiederum kommt ebenfalls nicht gut weg im allgemeinen Urteil. Und der Mann steht als Betrüger beziehungsweise als Verursacher der prekären Lage ohnehin im Kreuzfeuer der Kritik. Wie kann das gut gehen? Hans Jellouschek fällt da kein Urteil, er deutet nur an, dass es grundsätzlich möglich sei, eine Dreiecksbeziehung zu leben. Warum sollte das Zusammenleben zu dritt nur eine schöne Fantasie bleiben, warum sollte es nicht zu verwirklichen sein? Man könne und solle dieser Beziehungsform eine Chance geben – Hans Jellouschek erlebte immer wieder einen offenen, progressiven Umgang mit Dreiecksbeziehungen. Und dort, wo sich die Beteiligten dem, was durch eine Dreiecksbeziehung angestoßen wird, wirklich stellen, findet ein umfassender Wandlungs- und Erneuerungsprozess statt. Für den wir allerdings weder Hilfen, Vorbilder noch Traditionen haben. Da bleibt dann wohl nur eins: Ausprobieren, ob es zu dritt klappt.

Autor: Dr. Hans Jellouscheck
Buch: Die Rolle der Geliebten in einer Dreiecksbeziehung

#6 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Die Geliebte

Wenn drei sich lieben, kommt einer zu kurz – das entspricht der Auffassung von Maja Langsdorff. Und zwar geht ihrer Meinung nach ein Dreiecksarrangement meist auf Kosten der Geliebten. Denn die steht im Schatten und leidet mehr als das Paar, in dessen Zweierbeziehung sie eingedrungen ist, schreibt die Autorin, die selbst jahrelang in einer Dreiecksbeziehung lebte, in Die Geliebte. Zwar leiden ihrer Meinung nach alle, also klassischerweise Ehefrau, Ehemann und Freundin, unter der Dreiecksbeziehung. Der Leidensdruck sei bei der Geliebten aber besonders groß, denn die wäre zur Passivität verdammt. Tatsache ist laut Maja Langsdorff, dass es im Spannungsfeld der Dreieckskonstellation keine umfassend befriedigende bzw. Ideallösung geben kann, solange an der Illusion der Monogamie festgehalten werde und Menschen mit Gefühlen wie Eifersucht, Velrustangst und Besitzanspruch nicht umgehen können. (230)

Autor: Maja Langsdorff
Buch: Die Geliebte: Was es heißt die Andere zu sein

#7 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Schattenliebe

Auf Dauer geht das äußerst selten gut, findet Gerti Senger. In ihrem Buch Schattenliebe – Nie mehr Zweiter(r) sein forscht sie nach Gründen für die Entstehung von Dreiecksbeziehungen und fragt nach, wie zerbrechlich solche Liebesdreiecke sind. Rein theoretisch sei es möglich, dass aus einer Dreiecksbeziehung jeder einen gleich großen Vorteil ziehe. Praktisch sei das aber so gut wie nie der Fall. Zwar könne eine eingeschlafene Lebensgemeinschaft durch einen Dritten aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Allerdings gelinge das nur, so lange die Partnerschaft gefährdet sei. Danach, so Senger, ist es fast genauso langweilig wie vorher, dann geht es eher um Macht und Besitzansprüche, denn um die reine Liebe zum Partner. Schattenbeziehungen nennt Gerti Senger Konstellationen, in denen drei Personen beteiligt sind. Für die meisten Menschen beginne eine Schattenliebe fast immer harmlos, schreibt Senger. Kaum einer beabsichtige, dass aus einem lockeren Flirt eine feste Nebenbeziehung wird. Aber genau das ist dann oft doch der Fall, hat die Psychologin beobachtet: Was unbeschwert beginnt, kann sich zum Drama auswachsen – und in eine langjährige Dreiecksbeziehung münden. Diese verlange allen Beteiligten unendlich viel ab, Frustrationen, Eifersucht und Verlustängste sind nur einige der Gefühle, die sie zu bewältigen haben. Vom Stress, den derartige Konstellationen auf allen Seiten verursachen, mal ganz zu schweigen. In der Liebe, meint Gerti Senger, könne eben nicht geteilt werden.

Autor: Prof. Dr. Gerti Senger
Buch: Schattenliebe –  Nie mehr Zweite/r sein

DAS SAGT DIE STATISTIK

Fazit: Kann eine Dreiecksbeziehung gut gehen?

Drei sind einer zuviel – auch im Beziehungsgeschehen. Psychologen zufolge ist eine Dreierkonstellation immer schwierig, denn wir sind klassischerweise auf eins plus eins konditioniert. Zwei sind eben ein Paar, kommt ein Dritter hinzu, gerät das Verhältnis mitunter aus dem Gleichgewicht. Das muss aber nicht sein, auch wenn die Statistik sagt, dass nur wenige Menschen dauerhaft in glücklichen Dreieckspartnerschaften leben. Die polyamore Lebenseinstellung bildet da vielleicht eine der vielen Ausnahme: Deren Grundauffassung ist eben gerade die (Ver)Teilbarkeit der Liebe auf mehrere Personen gleichzeitig. Tatsache ist, dass eine Dreiecksbeziehung immer extrem viel Toleranz, Verständnis und auch Selbstbewusstsein von allen Dreien voraussetzt. Und im Kern auch eine differenzierte Haltung der traditionellen Monogamieauffassung gegenüber.


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