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Sind Frauen untreuer als Männer?

Es klingt verdammt stark nach Klischee, scheint aber fest in unseren Köpfen verankert zu sein: Die meisten Deutschen denken, Männer seien untreuer als Frauen. Aber stimmt das wirklich? Rein statistisch gesehen hat die Damenwelt in Sachen Affären mächtig aufgeholt, der Göttinger Theratalk-Studie zufolge etwa geben 49 Prozent der Männer an, schon einmal fremdgegangen zu sein, und 55 Prozent der Frauen bekannten, ihren Partner schon einmal betrogen zu haben. Das Untreueverhalten von Männern und Frauen hält sich diesen Fakten zufolge also nicht nur die Waage, nein: Frauen scheinen auch noch eine Schippe draufzulegen, was Fremdgehen anbetrifft. Aber ist das tatsächlich so? Gehört das Bild vom untreueanfälligen Kerl in die Klamottenkiste, gibt es mehr böse Mädels als unaufrichtige Jungs? Mal schauen, was unsere Experten dazu sagen: Weiter lesen

#1 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Das Geheimnis der Treue

Männer prahlen mit ihrer Potenz, Frauen halten sich da eher bedeckt – in Umfragen zu ihrem Untreueverhalten neigen darum Männer eher zum Übertreiben, Frauen dagegen untertreiben etwas, mittlerweile sei das bekannt, sagt Wolfgang Krüger. Wenn man das berücksichtige, schreibt er in »Das Geheimnis der Treue«, dann stehe es fifty-fifty: die Hälfte aller Männer und Frauen sei schon einmal fremdgegangen. Die Häufigkeit macht also keinen wesentlichen Unterschied, schon eher die Art des Fremdgehens. Wenn Männer fremdgehen, meint Krüger, suchen sie meist eine Geliebte, mit der sie ein sexuelles Verhältnis wünschen, ohne sich gleich (oder später) von der eigentlichen Frau trennen zu müssen. Frauen sind diesbezüglich konsequenter und aufrichtiger. Sie schenken laut Krüger dem Geliebten von Anfang an reinen Wein ein und sagen ihm, dass er nicht mit einer festen Bindung rechnen kann. Was dann aus der Episode wird, bleibt offen. Hält die Affäre länger als ein Jahr, dann entscheiden sich 55 Prozent der Frauen für ihren Liebhaber, aber nur 25 Prozent der Männer laufen zu ihrer Geliebten über. Fremdgehen an sich ist also laut Krüger bei beiden Geschlechtern verbreitet, nur Frauen sind in der Regel ein wenig entscheidungsfreudiger. So gehen mittlerweile 60 Prozent aller Trennungen auch von Frauen aus, die wohl eher den Mut haben, die Reißleine zu ziehen.

Autor: Dr. Wolfgang Krüger
Buch: Das Geheimnis der Treue

#2 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Wenn Liebe fremdgeht

In Deutschland sind Studien zufolge 40 Prozent der sechzigjährigen und 31 Prozent der dreißigjährigen Männer in ihrer gegenwärtigen Beziehung schon einmal fremdgegangen. Bei den Frauen waren 18 Prozent der Sechzigjährigen und 19 Prozent der Dreißigjährigen ihrem aktuellen Partner schon einmal untreu – das resümiert Ulrich Clement in »Wenn Liebe fremdgeht«. Der Unterschied scheint da nicht so groß zu sein, allerdings empfiehlt der Paartherapeut, derartige Erhebungen nicht unkritisch zu sehen: Solche Statistiken etwa über die Häufigkeit der sexuellen Untreue bei den Geschlechtern scheinen sehr von der Art der Befragung abhängig zu sein: So gaben bei anonymen Computerbefragungen weitaus mehr Männer und Frauen zu, untreu gewesen zu sein, als das in einem persönlichen Interview der Fall war. Theoretisch lehnen sowohl Männer als auch Frauen sexuelle Untreue in festen Beziehungen ab, praktisch offensichtlich weniger. Im Nachhinein scheinen viele Menschen ihre Einstellung auch ihrem Verhalten anzupassen: Wer selbst schon einmal untreu war, hat vermutlich mehr Verständnis fürs Fremdgehen anderer. Das aber nur am Rande, wichtiger für unsere Frage ist, dass sich bei Clement kein Hinweis darauf findet, dass Männer tatsächlich untreuer sind als Frauen. Sie tun Es nur anders und zu anderen Zeiten. So zitiert Clement eine Untersuchung, bei der herauskam, dass bei Frauen die Tendenz zu außerehelichem Sex mit der Beziehungsdauer abnimmt, während Männer eher ganz zu Beginn einer Partnerschaft und in langandauernden Ehen fremdgehen. Alles also eine Frage des Zeitpunkts? Nicht nur, auch der soziale Status spielt da eine Rolle: Frauen, die ihren Partnern intellektuell überlegen sind, gehen öfter fremd als solche, die den gleichen Bildungsstand haben. Und Männer mit hohem Sozialstatus und Einkommen gestatten sich häufiger außereheliche Affären, schreibt Clement. Was unter Umständen mit dem Thema Gelegenheit zusammenhängen könnte: Beruflich erfolgreiche Männer sind bisweilen viel unterwegs und oft getrennt von der Partnerin, wodurch sich ungeahnte Möglichkeiten fürs Fremdgehen ergeben könnten. Verallgemeinern lässt sich das aber sicherlich nicht, dieser Meinung ist auch Clement.

Autor: Dr. Ulrich Clement
Buch: Wenn Liebe fremdgeht

#3 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Die Geliebte

In die Rolle der Geliebten schlüpfen auch heute noch mehr Frauen als Männer, diese Ansicht vertritt die Journalistin Maja Langsdorff. Statistisch gesehen wird zwar die Hälfte aller Männer und Frauen im Laufe einer Beziehung untreu, allerdings werden vornehmlich Frauen zur dauerhaften Zweitliebe eines verheirateten Mannes, schreibt sie in »Die Geliebte«. Beim Fremdgehen würde mit zweierlei Maß gemessen: Tut es der Mann, wird es nicht selten als Kavaliersdelikt, wenn nicht als Zeichen seiner Potenz gewertet. Bei Frauen dagegen gilt der Liebesbetrug oft als Verrat. Das, so Langsdorff, habe auch mit der Erziehung zu tun. Mädchen wurden früher und werden auch heute noch auf die Bedürfnisse des Mannes hin erzogen, sie erdulden eher einen ungeklärten Beziehungszustand und sind insgesamt leidensfähiger als Männer. Vielleicht gibt es nicht mehr Männer als Frauen, die fremdgehen, aber Maja Langsdorff zufolge gibt es sicherlich mehr Frauen, die das Los der zweiten Geige im Fremdgehorchester zu spielen bereit sind.

Autor: Maja Langsdorff
Buch: Die Geliebte: Was es heißt die Andere zu sein

#4 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Warum hast Du mir das angetan

Ein beruflich etablierter Mann bricht aus einer langjährigen Beziehung mit einer nicht berufstätigen Frau, mit der er (fast) erwachsene Kinder hat aus, indem er mit einer jüngeren Frau eine Affäre eingeht – das sei rein statistisch gesehen noch immer der Klassiker, stellt Hans Jellouschek in »Warum hast du mir das angetan?« fest. Allerdings gebe es demgegenüber auch eine andere Entwicklung, für heutige Verhältnisse sei nämlich auch die Variante der Frau, die eine Außenbeziehung eingeht, typisch. Das habe mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen zu tun, in dessen Verlauf auch die Frauen eine andere Einstellung zu Treue und Ausschließlichkeit entwickelt hätten. Statistiken sprechen Jellouschek zufolge davon, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Männer und Frauen im Laufe ihrer Ehejahre fremdgehen, wobei Frauen mächtig aufgeholt haben und mit Männern in Sachen Fremdgehen gleichziehen. Noch vor wenigen Jahrzehnten, resümiert Jellouschek, sei die Frau in der Rolle der Untreuen undenkbar gewesen, weil das Fremdgehen für Männer und Frauen moralisch völlig unterschiedlich bewertet worden wäre: Bei Männern sei es ein verzeihlicher Fehltritt gewesen, bei Frauen wäre Fremdgehen jedoch als unverzeihliches Verbrechen gewertet worden.

Autor: Dr. Hans Jellouscheck
Buch: Warum hast Du mir das angetan?

#5 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Schattenliebe

Suchen Sie willkürlich 10 Männer, dann können Sie davon ausgehen, dass vier bis fünf von ihnen Seitenspringer sind – diese Rechnung stellt Gerti Senger auf. Allerdings fügt sie hinzu, es sei zu einfach, sich darauf zu berufen, dass Männern die Untreue einfach im Blut liege. Es gebe keinen rein biologischen Zwang, der gebundene Männer in fremde Betten treibt, lediglich seien bestimmte Bedingungen auszumachen, die das Fremdgehen bei Männern begünstigen, schreibt sie in »Schattenliebe – Nie mehr Zweiter(r) sein«. Diese sei dann doch ein typisch weibliches Phänomen. Denn auch wenn Frauen sich ebenso wie Männer nach sexueller Abwechslung und intensiven erotischen Erlebnissen sehnen, schreibt Senger, seien Frauen insgesamt abhängiger und gezwungenermaßen zu Beziehungsinvestitionen bereiter. Und warum? Tja, da kommt dann doch die gute (?), alte Evolution ins Spiel: Die Tatsache, dass Frauen die Kinder bekommen, hat zur Folge, dass sie noch immer zumindest während der Aufzucht des Nachwuchses eher auf eine stabile Beziehung angewiesen sind. Für einen Mann, so Senger, sei es oft entlastender, eine Affäre mit einer verheirateten Frau zu haben, weil er so den Sex genießen kann, ohne gleich die volle Verantwortung zu übernehmen. Die Koppelung zwischen sexueller Lust und Lust an der Fruchtbarkeit bringe Frauen zwangsläufig in eine abhängige Position. Was nichts weniger heißt, als dass untreue Frauen in der Regel mehr zu verlieren haben und deswegen vielleicht vorsichtiger sind.

Autor: Prof. Dr. Gerti Senger
Buch: Schattenliebe –  Nie mehr Zweite/r sein

#6 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Treue ist auch keine Lösung

Männer wollen Sex und suchen diesen auch außerhalb der Beziehung, wenn es sein muss. Frauen wollen Liebesgefühle, die sich beim Fremdgehen nicht so schnell einstellen – ist das so? Nein, von dem Klischee, Frauen könnten Sex ohne Gefühle nicht genießen, sollten wir uns ein für allemal verabschieden. Denn das stimmt so ganz und gar nicht, meinen Lisa Fischbach und Holger Lendt. In ihrem Buch »Treue ist auch keine Lösung« schreiben Sie, Männer sind nicht nur triebgesteuerte Tiere, die nicht anders können, als fremdzugehen, wenn sie in der eigentlichen Beziehung frustriert sind. Und auch Frauen lieben richtig guten Sex, ohne Verpflichtung, wie er mitunter nur in einem Untreueszenario zu haben ist. Beide Geschlechter tun es, jedes auf seine Art und Weise, aber von der Häufigkeit her unterscheiden sich heutzutage Männer und Frauen kaum, meinen die Diplompsychologen.

Lisa Fischbach / Holger Lendt
Buch: Treue ist auch keine Lösung

#7 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Die Kirschen in Nachbars Garten

Dass Menschen fremdgehen, sei eine alte Kiste, konstatiert Julia Onken. Mehr als zwei Drittel aller Männer würden es tun, schreibt die Schweizer Psychologin in »Die Kirschen in Nachbars Garten«. Auch Frauen hätten seit Erfindung der Pille diesbezüglich ordentlich zugelegt und seien – was Seitensprünge und Co. angeht – der Gleichstellung von Mann und Frau näher als in vielen anderen Bereichen. Die statistischen Angaben varieren zwar, meint Onken, da aber auch heute trotz aller offensichtlichen Offenheit Fremdgehen eher geheimgehalten werde, seien Zahlen, die auf Selbstaussagen beruhen, ohnehin mit Vorsicht zu genießen. Ob also Männer häufiger fremdgehen als Frauen, lässt sich wohl kaum verlässlich über Umfragen oder Statistiken belegen, Tatsache ist: Beide Geschlechter gehen im Laufe von festen Beziehungen fremd. Sie gehen nur ein wenig anders damit um.

Autor: Julia Onken
Buch: Die Kirschen in Nachbars Garten

#8 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Er war doch nur Sex!

Jaja, es hält sich verdammt hartnäckig, das Klischee vom fremdgehenden Mann, findet Andrea Bräu. Die These, dass Männer aufgrund ihrer genetischen Veranlagung früher oder später einfach fremdgehen müssen, scheint noch immer in unseren Köpfen herumzuspuken. Zu Unrecht, wie die Paartherapeutin in »Es war doch nur Sex!« erläutert. Zwar mag es für unsere männlichen Vorfahren überlebenstechnisch von Vorteil gewesen zu sein, mit möglichst vielen verschiedenen Frauen Sex zu haben, um dafür Sorge zu tragen, dass die Gene breit gestreut werden. Wir hätten uns jedoch in den letzten Jahrtausenden weiterentwickelt, auch in Hinsicht auf unseren genetischen Verhaltenscode. Pauschale Urteile seien heutzutage völlig verfehlt. Andrea Bräus Meinung nach gibt es keine Ausschließlichkeit, was Treue und Untreue anbelangt. Weder auf das Geschlecht, den Beruf oder andere Faktoren bezogen. Ob jemand fremdgeht oder nicht, hänge in erster Linie von der persönlichen Einstellung ab – bei Männern und auch bei Frauen. Zudem sei die Annahme, Männer gingen angeblich besser fremd als Frauen, ebenso fraglich wie Behauptungen darüber, dass Männer besser Sex von Gefühlen trennen können. Andrea Bräu konnte bei ihrer praktischen Arbeit bisher keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen ausmachen.

Autor: Andrea Bräu
Buch: Es war doch nur Sex

DAS SAGT DIE STATISTIK

Fazit: Gehen nun Frauen oder Männer häufiger fremd?

Frauen warten treu und brav Zuhause, während ihre Göttergatten sich in fremden Laken räkeln? Diese Ansicht entstammt anscheinend einem anderen Jahrhundert, heutzutage ziehen Frauen mit Männern auch in puncto Fremdgehen gleich – wenn sie nicht gar einen draufsetzen: Eine US-Studie etwa kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass Frauen sogar noch untreuer sind als Männer. Dass wir glauben, Männer seien das untreue Geschlecht, liege an unserer Interpretation. Aus rein biologischer Sicht müssten Weibchen im Tierreich nicht nur irgendein Männchen finden, dass ihnen Schutz für die Aufzucht der Nachkommen gewähren kann – sondern sie müssen zunächst einmal sicherstellen, dass sie überhaupt das beste Männchen, also das mit dem wertvollsten Zeugungsmaterial, ergattern. In der Vogelwelt etwa gibt es Damen, die über Tage hinweg das Sperma möglicher Begatter sammeln, wer dann tatsächlich der Vater der Brut wird, entscheiden letzlich Tempo und Qualität des Spermas. Natürlich würde in unseren Tagen wohl kaum eine Frau die Ergüsse potenzieller Partner sammeln. Aber rein theoretisch spricht diese These ja schon dafür, dass auch Frauen plausible Gründe haben, promisk zu sein.

Fremdgehen ist laut Untersuchungen aber unter bestimmten Umständen immer noch eher Männersache, etwa wenn die Frau mehr als ihr Angetrauter verdient. Jawohl, sie haben richtig gelesen: US-Wissenschaftler fanden heraus, dass Männer öfter untreu werden, wenn ihr Gehalt geringer ist als das ihrer Frau. Die Erklärung dafür klingt nachvollziehbar: Wenn ein Mann weniger verdient als seine Partnerin, fühlt er sich nicht als echter Kerl, weil es die traditionelle Vorstellung vom Mann als Ernährer in Frage stellt. Dieses Phänomen zeigt sich übrigens besonders häufig in südamerikanischen Ländern, wo das Machotum noch ziemlich weit verbreitet ist.

Noch eine interessante Studie belegt, dass Frauen eher fremdgehen, wenn sie sexuell unzufrieden sind. Männer dagegen schmeißen sich an andere Damen heran, wenn sie Angst haben, ihre eigentliche Partnerin könnte sexuell unzufrieden sein. Wir können also beruhigt feststellen: Männer und Frauen geben sich allem Anschein nach heutzutage nichts in Sachen Untreue. Allein unsere von Klischees, Stereotypen, sozialen und gesellschaftlichen Zwängen gelenkte Sichtweise lässt uns anderes mutmaßen.


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