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Für immer treu – ist der Mensch dafür geschaffen, ein Leben lang treu zu sein?

Ja, es gibt sie tatsächlich, diese Geschichten von zwei Menschen, die einander treu sind ein Leben lang, auch wenn Letzteres die Treue oftmals auf die Probe gestellt hat und der gemeinsame Weg nicht immer pures Zuckerschlecken war. Und es gibt diese Paare nicht nur in Schmonzetten oder kitschigen Romanen – irgendwo da draußen existieren die treuen Liebesseelen in echt. Aber allzu häufig anzutreffen sind solche Ewigtreuen nicht, heutzutage herrscht die serielle Monogamie, wir haben mehrere Partner und also mehrere Beziehungen im Laufe unseres Lebens. Können wir also gar nicht treu sein, schon gar nicht ein Leben lang einer einzigen Person? Sind wir möglich von unserer genetischen Veranlagung, aufgrund von gesellschaftlichen Entwicklungen oder wegen unserer Anspruchshaltung gar nicht dafür geschaffen, dauerhaft treu zu sein? Auf diese tiefschürfenden Fragen haben wir Antworten gesucht: Weiter lesen

#1 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Schattenliebe

Für immer dein – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit in Zeiten der Seitensprunginflation und Schattenliebenexplosion. Und in Zeiten der hohen Ansprüche an den Partner. Lebenslange Treue fordert nämlich so oder so einen Preis: Die Beziehung muss exquisit und erfüllend sein (möglichst ständig und immerfort). Und da das Umfragen, Statistiken und Ähnlichem zufolge im Laufe einer Beziehung immer unwahrscheinlicher wird, ist auch das mit der lebenslangen Treue so eine Sache. 62 Prozent aller Paare, die mehr als 15 Jahre zusammen sind, sagen, der andere rufe keine emotionale Resonanz mehr bei ihnen hervor, schreibt Gerti Senger. Entsprechend häufig komme es in dieser Zeit zur »Schattenliebe – Nie mehr Zweiter(r) sein«, so auch der Titel ihres Sachbuches. Leidenschaftliches Begehren, das belegen ebenfalls Untersuchungen, lässt zwangsläufig in längeren Beziehungen nach. Erotisches Begehren wird zum langweiligen Begatten, die sexuelle Kür verkommt zur leidigen Pflichtübung. Und wenn man nun als Basis für Treue gerade diese Anziehungskraft, gespeist aus Leidenschaft und Begehren, heranzieht, wird auch bei Gerti Senger glasklar: Für lebenslange Treue in diesem Sinne ist ein Teil von uns, nämlich der dem Eros zugewandte, kaum geschaffen. Das biologische Moment, schreibt Senger, steuere unser Treueverhalten. Ein Beweis dafür ist der erwiesene Zusammenhang zwischen dem Alter und der Bereitschaft zu einer außerehelichen Affäre. Sengers Untersuchungen zeigen, dass bei Männern die Wahrscheinlichkeit für Untreue ab dem 40. Lebensjahr sprunghaft ansteigt, während Frauen signifikant häufiger vor Erreichen der magischen 40-Jahr-Grenze fremdgehen. Untreue, so folgert Senger, beginnt also beim Mann zu einem Zeitpunkt, bei dem es bei der Frau langsam zum Ende kommt. Und das prädestiniert uns allem Anschein ja nicht gerade für lebenslange Treue.

Autor: Prof. Dr. Gerti Senger
Buch: Schattenliebe –  Nie mehr Zweite/r sein

#2 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Lob der offenen Beziehung

Stellen Sie sich mal vor, jemand würde Ihnen hier und jetzt prophezeien, dass Sie mit Ihrem derzeitigen Partner bis an Ihr Lebensende Sex haben (müssen). Ist für Sie diese Vorstellung schön oder eher etwas, naja, erschreckend? Falls Sie frisch verliebt sind, freuen Sie sich bestimmt eher bei der Aussicht auf ewige Sinnesfreuden mit Ihrem Liebesobjekt. Wenn Sie allerdings schon seit 5, 10 oder womöglich 15 Jahren fest liiert oder gar verheiratet sind, könnte Ihre Meinung da schon etwas differenzierter ausfallen. Für die meisten, glaubt zumindest Oliver Schott, sei diese sexuelle Exklusivität über viele Jahrzehnte hinweg schier eine Zumutung. In »Lob der offenen Beziehung« schreibt er, Monogamie sei die von uns nach wie vor favorisierte Beziehungsnorm, und zu dieser gehöre nun mal die Treue. Wir hinterfragen Treue selten und gaukeln uns vor, sie habe das Zeug zur Ewigkeit. Das ist absurd, ebenso absurd wie unsere heuchlerische Haltung der Treue gegenüber: Nacheinander ist erlaubt, gleichzeitig absolut tabu. Dass jemand im Laufe von 10 Jahren drei feste Partner in treuen Beziehungen verschleißt, wird allgemein als okay angesehen. Hat einer aber zwei Partnerinnen zur gleichen Zeit, denen er über etliche Jahre die Treue hält, dann wird das als falsch betrachtet. Mit der Zeit wird Sex immer mit derselben Person vielleicht intensiver und vertrauter, vorausgesetzt, zwei Menschen harmonieren hinsichtlich ihrer erotischen Bedürfnisse. Aber genau das ist nicht immer der Fall – wenn man sich dann ewige Sextreue abverlangt, nimmt man sich doch Erfahrungsreichtum und Entwicklungspotenzial, meint Oliver Schott. Aus seinem Buch können wir folgern, dass er lebenslange Treue zwar für durchaus irgendwie mit Einschränkungen möglich hält, aber nicht wirklich als wünschenswert für unser aller Liebesglück findet.

Autor: Oliver Schott
Buch: Lob der offenen Beziehung

#3 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Lob der Untreue

Holen wir doch mal ein bisschen weiter aus: Ehen, schreibt Franz Josef Wetz in »Lob der Untreue«, seien heute nicht mehr in erster Linie rational geschlossene Versorgungsbündnisse. Vor allem seien Partnerschaften heutzutage erotische Erlebnisgemeinschaften und so etwas wie Gefühlsallianzen, die auf affektiver Zuneigung, sexueller Anziehung und letztlich Liebe beruhen. Und gerade deswegen seien sie so dermaßen störanfällig und brüchig. Die Erwartungen, die wir an Beziehungen haben, sind nämlich schier unerfüllbar – vor allem die nach dauerhafter Treue. Wir wollen, dass die Leidenschaft und das Liebesglück des Beziehungsanfangs möglichst unendlich lange auf gleichem Niveau erhalten bleibt. Und sind total enttäuscht, wenn dem nicht so ist. Wetz schreibt Klartext: dauerhafte Leidenschaft gebe es im wirklichen Leben ebenso wenig wie zeitlich unbegrenzte erotische Leidenschaft. Und gerade sexuelle Interessen lassen sich, wenn überhaupt, nur äußerst selten ein ganzes Leben lang auf ein und dieselbe Person fixieren. Leidenschaft wird auf Dauer zu Langeweile, Lust führt zu Überdruss. Und dann kommt sie ins Spiel, die Frage nach der Treue. Angesichts dieser ernüchternden Tatsachen erübrigt sich die beinah. Denn wenn es, wie Wetz sagt, gar nicht möglich ist, einen einzigen Menschen über etliche Jahre hinweg nahezu gleichbleibend erotisch, aufregend und toll zu finden, sind wir doch eigentlich nicht automatisch für die Treue geschaffen. Denn wenn die Begeisterung für den anderen nach einer gewissen Zeit abgeflaut ist, muss nur eine Versuchung des Weges kommen, und schon wird sich erweisen, ob einer für Treue geschaffen ist – oder eben nicht.

Autor: Prof. Franz Josef Wetz
Buch: Lob der Untreue

#4 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Mythos Liebe

Wir alle sitzen dem modernen Mythos der Machbarkeit in der Liebe auf, die uns allerorten weisgemacht wird. Heutzutage, schreibt Michael Mary, würden unzählige Beziehungsfachleute behaupten, die Liebe folge bestimmten Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Als modernden Mythos bezeichnet Mary in »Mythos Liebe« die weit verbreitete These, lebenslang liebevolle und lebendige Beziehungen seien gestaltbar, formbar und also machbar. Was letzlich dann bedeutet, dass Paare über Dauer und Qualität ihrer Beziehung bestimmen können. Genau dem widerspricht Mary aber aufs Entschiedenste. Die Idee der gestaltbaren Beziehung hält er für geradezu gefährlich. Denn den meisten Menschen gelinge es aus welchen Gründen auch immer nicht, eine lebenslange und lebendige Liebe zu ein und derselben Person zu verwirklichen. Also ist Mary zufolge auch das mit der ewigen Treue hinfällig. Denn wenn lebenslange Erfüllung in der Partnerschaft schwer, wenn nicht gar unmöglich ist, wird auch dauerhafte und unbedingte Treue zu einer sehr unrealistischen Erwartung.

Autor: Michael Mary
Buch: Mythos Liebe

#5 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Freiheit von Eifersucht

Eine glückliche, lebenslange Partnerschaft hat eher Seltenheitswert, meint auch Thomas Deutschbein. Viel häufiger kommen Untreue, Trennung, Beziehungsverödung und Dauerstreit vor. Wir betrachten Treue dabei als etwas Unhinterfragtes, etwas Gegebenes und verknüpfen diese Ansicht ganz eng mit unseren überzogenen Erwartungen: Ein Leben lang zusammen bleiben, Geborgenheit und Glück, Sicherheit und ewige Treue benennt Deutschbein in »Freiheit von der Eifersucht« als die überlieferten Erwartungen, die wir an Beziehungen heutzutage haben und mit denen unsere Kinder in der Regel noch großwerden. Treue, meint er sichere in erster Linie unser eigenes emotionales Wohl, wir wollen vom anderen geliebt werden und fordern das auch ein – über den Umweg der Treue. Du sollst mir gehören und mir keine Liebe wegnehmen, fordern wir unbewusst. Das muss ja daneben gehen in einer Zeit, in der alle haben wollen, aber keiner geben möchte. Für Dr. Deutschbein ist es offensichtlich, dass unser herkömmlicher, romantisch-verkitschter Treuebegriff nicht mehr unbedingt alltagstauglich ist. Ob es in Ausnahemfällen oder wieder häufiger lebenslang treue Paare gibt, ist eigentlich nebensächlich. Denn wir brauchen unbedingt eine neue Definition, nicht nur für die Liebestreue.

Autor: Dr. Thomas Deutschbein
Buch: Freiheit von Eifersucht

#6 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Wahre Liebe lässt frei

Grundsätzlich hat jeder Mensch die Freiheit der Wahl, in welche Richtung er sein Leben ausrichten will, meint Robert Betz. Gleichzeitig, schreibt er in »Wahre Liebe lässt frei«, wirken aber auch noch ganz andere Kräfte in uns, wie zum Beispiel die Kraft des Eros, also das sinnliche Verlangen. Wird jemand untreu, dann hat er grundsätzlich vielleicht schon die Wahl gehabt, sich für oder gegen den Seitensprung zu entscheiden. Aber die Tatsache, dass die betreffende Person sich für die Untreue entscheidet, gibt ihr eine Berechtigung. Was Betz zufolge nicht heißt, dass wir mit jedem attraktiven Menschen ins Bett gehen müssen, wenn sich uns die Gelegenheit bietet. Aber wenn es denn passiert, ist es gut, wenn wir uns dieser erotischen Macht hingeben und sie in vollen Zügen genießen. Auf unsere Frage bezogen hieße das mit Betz gesprochen: Grundsätzlich geht dauerhafte Treue, sie wird bei den meisten von uns aber lebenslang auf die Probe gestellt. Manches können wir da beeinflussen, anderes haben wir nicht in der Hand. Folgt man Betz, bedeutet das letzlich: Weder sind wir von Natur aus für ewige Treue geschaffen, noch eignen wir uns überhaupt nicht dafür.

Autor: Dr. Robert Betz
Buch: Wahre Liebe lässt frei

DAS SAGT DIE STATISTIK

Fazit: Ist Monogamie nur ein grosser Betrug an uns selbst?

Wenn es so wenigen Menschen gelingt, lebenslang in treuer Liebe verbunden zu bleiben, dann erübrigt sich die Frage danach, ob wir dafür eigentlich geschaffen sind oder eher nicht. Denn beides ist theoretisch ja möglich: dass man mit ein und derselben Person lebenslang zusammenbleibt, aber auch, dass man mit verschiedenen Menschen nacheinander lange Beziehungen hat. Ebenso geht ja auch die gleichzeitige Liebe zu mehreren Menschen. Ewige Treue ist also kein Ding der Unmöglichkeit, aber unserer Erkenntnis nach sehr abhängig von vielen äußeren Faktoren. Manche Menschen bleiben immer beieinander, auch wenn sie längst schon keine guten Gespräche, spannenden Erlebnisse geschweige denn aufregenden Sex mehr miteinander haben. Ob diese Menschen einfach eher für ewige Treue geschaffen sind, oder aber aus einer gewissen Notwendigkeit heraus zusammen geblieben sind, ist dann eigentlich ziemlich egal.


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