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Unter welchen Umständen sollte ich meinen Seitensprung für mich behalten?

Sie leben in einer festen Beziehung und es passiert: Ihnen läuft jemand über den Weg und Sie können der Versuchung nicht widerstehen? Was dann: Beichten oder verschweigen? Lügen oder gestehen? Wann ist es ratsam, reinen Tisch zu machen und dem Partner von der Affäre zu erzählen und unter welchen Umständen ist es besser, das Ganze mit sich selbst auszumachen? Fachleute haben dazu verschiedene Meinungen. Weiter lesen

#1 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Wenn Liebe fremdgeht

Gegenfrage: Wie wichtig ist Ihnen Ihre Beziehung? Möchten Sie mit Ihrem Partner zusammenbleiben und ist Ihre Affäre nur so etwas wie ein Ausrutscher? Oder steckt mehr dahinter? Bevor Sie über eine Beichte nachdenken, sollten Sie das erstmal für sich klären. Sobald die Geschichte herauskommt, egal auf welchem Wege, ist der Partner, der sich auf eine Außenbeziehung eingelassen hat, dran, schreibt Ulrich Clement. Dann gibt es kein Zurück mehr, die Zeit der beziehungsmäßigen Unschuld ist passé. Nun müssen Sie Farbe bekennen und Verantwortung übernehmen. Die Offenlegung einer Affäre ist für beide Beteiligten eine schwierige Situation, schreibt Clement in »Wenn Liebe fremdgeht«. Offenheit könne mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Wer meint, dem anderen alles haarklein mitteilen zu müssen, nimmt nicht nur Ärger und Kummer in Kauf – sondern schadet seinem Partner auch, bisweilen sogar aus niederen Beweggründen. Etwa, um das eigene Gewissen zu erleichtern, Absolution erteilt zu bekommen oder es dem anderen heimzuzahlen, was auch immer das sein mag. Wägen Sie daher vor einem Geständnis ab, was dieses bringt. Um es mit Clement zu sagen: Würdevoll zu lügen, kann besser sein als brutal zu gestehen.Und: Es kann rücksichtsvoller und sogar liebevoller sein, dem Partner die Affäre ganz zu verschweigen.

Autor: Dr. Ulrich Clement
Buch: Wenn Liebe fremdgeht

#2 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Lob der Untreue

Offenheit bedeutet nicht immer Ehrlichkeit, meint Franz Josef Wetz. Lügen ist manchmal nicht die schlechtere Alternative, auch wenn uns das eingebläut wird. In »Lob der Untreue« beleuchtet der Philosoph die Frage, ob man einen Liebesbetrug beichten oder geheimhalten sollte, mal von einer etwas anderen Seite. Möglicherweise verfügen wir ja über die Fähigkeit zu lügen, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. Die Wahrhaftigkeit sei zwar zweifellos für zwischenmenschliche Beziehungen unverzichtbar. Aber in manchen Fällen sind auch Lügen durchaus ethisch gerechtfertigt. Etwa, wenn ein belangloser Seitensprung oder eine leidenschaftliche Affäre vertuscht wird, um die Partnerschaft oder die Familie zu schützen. Wenn Sie als untreuer Partner sich gedrängt fühlen, mit der unschönen Wahrheit rauszurücken, sollten Sie, empfiehlt Wetz, zuvor überlegen, ob Ihre Ehrlichkeit möglicherweise mehr Schaden anrichtet, als Nutzen bringt. Etwa, wenn Sie ein derartiges Geständnis aus falsch verstandener Loyalität ablegen.

Autor: Prof. Franz Josef Wetz
Buch: Lob der Untreue

#3 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Lob der Vernunftehe

Arnold Retzer sieht das wohltuend nüchtern. Er plädiert nämlich für die Vernunftehe, in deren Verlauf auch die Offenbarung einer Affäre oder Ähnlichem einen eher pragmatischen Charakter erhalten sollte. Im Falle der Untreue, schreibt Retzer in »Lob der Vernunftehe«, sei der Schadensfall unumkehrbar eingetreten und damit stelle sich die Frage nach der Gerechtigkeit. Und nach einer Art Schadensersatz. Oder es geht um Vergeltung: Gleiches soll mit Gleichem wettgemacht werden. Wenn Sie also Ihre Affäre gestehen, müssen Sie eventuell damit rechnen, dass Ihr Partner zum Gegenschlag ansetzt. Ist es das wert?

Autor: Dr. Arnold Retzer

Buch: Lob der Vernunftehe

#4 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Treue ist auch keine Lösung

»Übernimm Verantwortung für deine Gefühle – sie sind dein Eigentum!«, dazu fordern Lisa Fischbach und Holger Lendt in »Treue ist auch keine Lösung« auf. Für die Liebespraxis bedeutet das: Wenn Sie eine Affäre haben, sind Sie allein schuld an Ihren Gefühlen – das ist aber im positiven Sinne gemeint. Mit einem Geständnis übernehmen Sie zwar die Verantwortung für Ihre außereheliche Gefühlen, aber bürden dem anderen dadurch auch eine gewaltige Gefühlslast auf. Außerdem: Viele Fremdgehverhältnisse führen offenbar keineswegs zu massiven Beziehungsproblemen – vor allem, wenn sie geheimgehalten werden. Allerdings beobachten Fischbach und Lendt in der Praxis oft, dass Seitenspringer sich noch Ewigkeiten mit bohrenden Schuldgefühlen herumplagten und womöglich ein spätes Geständnis servieren – um das eigene Gewissen endlich zu erleichtern. Dieser egoistische Wunsch ist ein Desaster für die Beziehung. Selbst wenn beide Partner sich irgendwann einmal in solchen Dingen vollkommene Ehrlichheit vorgenommen haben, ist offen, was dann in der Realität tatsächlich passiert.

Lisa Fischbach / Holger Lendt
Buch: Treue ist auch keine Lösung

#5 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Wahre Liebe lässt frei

Was spricht eigentlich dafür, den Seitensprung zu beichten? Ist es Ihr schlechtes Gewissen, sind es Schuldgefühle? Falls dies der Fall sein sollte, rät Robert Betz zu Bedachtsamkeit: Treiben Sie Schuldgefühle dazu, den Fehltritt Ihrem Partner zu gestehen, so schreibt der Motivationscoach in »Wahre Liebe lässt frei«, dann sei das oft der unbewusste Wunsch, sich von der Sache zu entlasten. Dafür belasten Sie dann Ihren eingeweihten Partner nach dem Motto »Ich habe es gestanden«. Damit hat dann Ihr Partner das Problem und muss überlegen, wie er mit Ihrem Geständnis umgeht. Er habe schon etliche Menschen getroffen, die ihm sagten, sie gönnten sich ab und an einen Seitensprung, würden das aber niemals ihrem Partner, den sie lieben, sagen, schreibt Robert Betz. Denn das, so die Begründung, würde ihn nur verletzen. Also bleibt es Ihnen überlassen, wie Sie damit umgehen und wie viel Wahrheit Sie Ihrem Partner zumuten wollen und können.

Autor: Dr. Robert Betz
Buch: Wahre Liebe lässt frei

#6 ANTWORT

Resümee aus dem Buch: Das Geheimnis der Treue

Wenn der Seitensprung nicht sehr bedeutsam war und beendet ist, plädiert Wolfgang Krüger dafür, zu schweigen. In »Das Geheimnis der Treue« schreibt er, eine Beichte könne zwar für beide Partner eine Entlastung sein – der Betrogene ahnt schon länger etwas, der Betrüger trägt schwer an seinem schlechten Gewissen. Die Frage sei aber, so der Psychotherapeut, was genau mit der Offenlegung der Untreue gewonnen werde und ob die Beichte grundsätzlich sinnvoll sei. Also empfiehlt Krüger zunächst einmal, sich drei Fragen zu stellen: Warum wollen Sie beichten? Möchten Sie Ihren Partner vor möglichen Gefahren von AIDS warnen? Oder wollen Sie eine Trennung provozieren, zu der Sie sich selbst nicht entschließen können? Sie sollten laut Krüger also abwägen, welche Bedeutung der Seitensprung für Sie und für Ihren Partner hat – und dann überlegen, ob eine Beichte wirklich sinnvoll ist.

Autor: Dr. Wolfgang Krüger
Buch: Das Geheimnis der Treue

DAS SAGT DIE STATISTIK

Fazit: Sollte ich meine heimliche Affäre für mich behalten?

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß? Wohl schon irgendwie: Mehr als die Hälfte aller Deutschen würde einen Seitensprung vertuschen, das ist das Ergebnis einer Umfrage für die Frauenzeitschrift Petra. Eine GfK-Umfrage für die Apotheken Umschau ergab, dass jeder fünfte Mann, der in einer festen Beziehung lebt, sich vorstellen kann, fremdzugehen. Und auch für viele Frauen ist ein Seitensprung längst schon kein absolutes No go mehr, selbst in leidlich glücklichen Partnerschaften. Allerdings belegen etliche Umfragen zum Thema, dass trotz dieser geheimen Gelüste eine aufgeflogene Affäre noch immer Auslöser für jede Menge fliegender Beziehungsfetzen ist. Psychologen raten außerdem zu einer Geheimniskultur in Partnerschaften: Der andere sollte nicht mit allem behelligt werden – vor allem nicht bei so heiklen Sachen wie einer Affäre. Wenn die Geschichte nebenbei an Ihren Gefühlen für Ihren eigentlichen Partner nichts ändern und zudem noch vorübergehender Natur ist, sollten Sie vielleicht lieber nichts beichten. Der Kluge schweigt und genießt – dieses Sprichwort könnte hier angebracht sein.


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