Auch wenn es »nur« eine bedeutungslose Sexbegegnung war: Sie haben einen fremden Menschen an sich herangelassen, weil Sie sich sehr zueinander hingezogen fühlten. Sie haben mit ihm etwas geteilt, das eigentlich dem Beziehungspartner vorbehalten ist, und Sie wissen, dass Sie diese Begegnung nie wieder haben werden, es sei denn, Sie sind an einer Fortsetzung Ihrer Basispartnerschaft nicht interessiert.
Was Sie das spüren, ist die Light-Version einer echten Trennung. Versuchen Sie, diesen Schmerz von den Schuldgefühlen gegenüber Ihrem Partner zu trennen, denn in der Kombination sind die beiden »Gefühlspakete« sehr schwer zu tragen. Gestatten Sie sich, die Trennung von Ihrem Seitensprung-Partner zu betrauern. Ganz egoistisch und für sich allein. Das steht Ihnen zu. Was Sie da fühlen, ist menschlich und darf nicht bagatellisiert oder durch Schulgefühle überdeckt werden.
Natürlich könnten Sie versuchen, sich Ihrem Partner mitzuteilen. Erwarten Sie aber nicht zuviel Verständnis. Im Idealfall fasst Ihr Partner das als Vertrauensbeweis auf. Weitaus wahrscheinlicher ist es aber, dass Sie Sprüche ernten wie »na toll, du tauerst ihm/ihr ja hinterher, warum springst du nicht gleich wieder mit ihm/ihr ins Bett?«
Und diese Reaktion ist verständlich. Schütten Sie daher lieber einem guten Freund Ihr Herz aus, und belasten Sie Ihren Partner nicht damit. Je eher Sie Ihren privaten Verlustschmerz bewältigt haben, umso schneller können Sie mit dem Wiederaufbau Ihrer gemeinsamen Vertrauensbasis beginnen.
Worüber erst recht keiner spricht: Chaos im Bett
Ein Seitensprung bedeutet Sex ohne Vertrauensbasis. Animalischer Sex, der ausschließlich auf Bedürfniserfüllung abzielt und gerade deshalb so geil ist. Sex in einer Partnerschaft ist etwas völlig Anderes. Hier offenbaren sich zwei Menschen, weil sie sich lieben. Sex ist dabei kein Spannungsabbau und keine Egopolitur, sondern Teil dieser Liebe. Nach einem Seitensprung fehlt die Vertrauensbasis hierfür.Manche betrogenen Frauen empfinden Ekel vor ihrem Mann und können sich nicht vorstellen, je wieder Sex mit ihm zu haben. Diese Phase kann ein paar Tage bis hin zu einem Jahr dauern. Umgekehrt gibt es betrogene Männer, die ihre Partnerin am liebsten mehrmals täglich im Ehebett vergewaltigen würden, um den Eindruck zu verscheuchen, den der fremde Mann hinterlassen haben könnte.
Manche Paare haben direkt nach dem gebeichteten Seitensprung exzessiven Sex, aber nicht genussvoll, sondern aggressionsgeladen. Und dann gibt es den »ich verzeih dir«-Sex, der sehr einfühlsam, bewusst und zärtlich stattfindet und sagt: »scheiß drauf, so ein Seitensprung kann uns nicht auseinanderbringen.«
Sie sehen: Nach einem Seitensprung kann Sex heilsam sein – oder genau das Falsche. Wenn Sie diese Ambivalenz spüren, dann verfallen Sie nicht in Panik. Das Durcheinander ist normal, und Sie können es nur bedingt beeinflussen.
Wichtig ist, dass Sie Details wie Infektionskrankheiten oder eine mögliche Schwangerschaft als Folge des Seitensprungs unbedingt abklären. Ganz ehrlich: Haben Sie das Kondom »vergessen«? Dann stehen Sie dazu, gehen Sie zum Arzt und praktizieren Sie ausschließlich Safe Sex, bis Sie den Befund haben. Sie müssen Ihrem Partner neben dem Vertrauensbruch nicht auch noch das Risiko von Chlamydien, Pilzinfektionen oder Hepatitis zumuten. Von AIDS ganz zu schweigen. Außerdem ist so ein Test ein wichtiges Signal an Ihren Partner, dass Sie Verantwortung zu übernehmen bereit sind.
Fazit: Klare Verhältnisse für die Liebe schaffen
Wie sich der Seitensprung bei Ihnen auswirkt, lässt sich nicht vorhersagen. Wenn Sie aber entschlossen und bereit sind, Ihre Partnerschaft weiterzuführen und das zerstörte Vertrauen wieder aufzubauen, dann müssen Sie etwas dafür tun.Egal, wer von Ihnen beiden fremdgegangen ist: der Kontaktabbruch zum Außenpartner ist Pflicht. Versuchen Sie keinen Eiertanz wie »wir sind nur Freunde«, das funktioniert nie. Diese berühmte Grauzone zwischen Sexfreundschaft und Affaire ist Gift für Ihre Beziehung. Falls Sie nicht mehr ohne den erotischen Kick von außen leben möchten, dann reden Sie mit Ihrem Partner Klartext. Vielleicht ist er ja zu einer Öffnung der Monogamie bereit. Vielleicht bedeutet es auch die Trennung. Auf jeden Fall sollten Sie Ihre Energie nicht in Vertuschungsaktionen oder Heimlichkeiten investieren, sondern in Ihre Beziehung.
Übrigens: Die Frage nach dem »Warum« steht ganz unten auf der Liste! Setzen Sie sie nicht zu früh auf die Tagesordnung, sonst bekommt sie den Charakter eines Alibis. Motto: »Ich musste ja fremdgehen, weil du...« usw.
Erst wenn die hier genannten Themen geklärt sind – und das braucht seine Zeit – besteht eine gemeinsame Basis für die Ursachenforschung. Aber Kopf hoch, wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, dann stehen Ihre Chancen dafür sehr gut!
Seite 1: Wie übersteht man einen Seitensprung?
Seite 2: Wieviel Wahrheit verträgt ein betrogener Partner?
Seite 3: Verlustschmerz – Ein Thema, über das keiner spricht














