Notfallhilfe nach einer Trennung: Warum es so weh tut, welche Trennungsphasen Sie durchstehen müssen und was gegen Liebeskummer hilft, für Sie zusammengefasst.

Frau vermisst Ihren Partner

Warum Trennungsschmerz gut ist und wie Sie ihn heil(er) überstehen

Liebe kann so schön sein. Umso schrecklicher ist das Beziehungsende. Trennungsschmerz macht sich nicht nur seelisch bemerkbar, er kann auch körperlich Spuren hinterlassen. In jedem Fall aber ist die Zeit nach einer Trennung oder Scheidung eine schwierige Phase, die uns viel abverlangt. Und da sollten wir gut durchkommen. Denn wer eine zerbrochene Partnerschaft richtig verarbeitet, startet besser in die nächste.

»In der ersten Zeit hilft: Wenig grübeln, sondern aktiv sein: Sich mit Freunden treffen, Sport machen, wenig Alkohol trinken und sich in die Arbeit stürzen oder die Wohnung aufräumen.«

Dr. Wolfgang Krüger im Interview mit seitensprung-fibel.de

In diesem Artikel erfahren Sie ...

Es gibt unzählige Gründe für eine Trennung: Unterschiedliche Lebenspläne, häufiger Streit, Fremdgehen, oder Sie hatten einen Narzissten als Partner, der sie wie eine zu eng gewordene Jeans ausgetauscht hat.

Eines trifft aber auf jede Trennung zu: Sie ist schmerzhaft und hinterlässt seelische Wunden. Der Verlust eines Partners, mit dem man längere Zeit zusammen war, bedeutet nicht nur das Ende dieser Liebesgeschichte, sondern auch den Abschied von Träumen und einem wichtigen Lebensabschnitt.

Wenn Sie verlassen wurden, fühlen Sie sich vielleicht einsam und hilflos wie nie zuvor. Eine Welt bricht zusammen und Sie sitzen im Scherbenhaufen und versuchen, die Bruchstücke Ihres Selbst wieder zusammenzusetzen. Es hat den Anschein, dass Sie nie mehr in Ihrem Leben glücklich sein können. Sie fühlen sich dem Trennungsschmerz machtlos ausgeliefert und glauben, ihn niemals verwinden zu können.

Wir versprechen Ihnen: Doch, das können Sie! Sie werden den Kummer irgendwann los, Sie können wieder glücklich sein und das Ende dieser Beziehung ist keineswegs das Ende Ihres Lebens. Vielmehr kann es der Anfang einer neuen, glücklicheren Lebensphase sein.

Lesen Sie hier, warum Ex-Partnerschaften wichtiger sind, als uns lieb ist, und wie wir daraus einen Segen machen können

Um dahin zu gelangen, müssen Sie aber leider durch ein Tal der Tränen, ohne Schmerz gelingt es kaum, das Ende einer langjährigen Partnerschaft zu verwinden. Aber Sie haben es in der Hand, wie lange dieser Trennungsschmerz Sie in seiner Gewalt hat. Um eine Trennung zu verarbeiten und loslassen zu können, ist es hilfreich zu wissen, mit welchen Gefühlen oder körperlichen Reaktionen sie rechnen und welche Phasen Sie nach einer Trennung oder Scheidung durchlaufen müssen. Zwar hat Ihr Partner Sie verlassen – aber für Ihren Schmerz sind Sie zuständig.

Liebeskummer – mehr als nur ein schmerzliches Gefühl

Der Verlust des Liebespartners erschüttert uns wie kaum ein anderes Ereignis. Das Ende einer Beziehung löst bei manchen Menschen sogar nahezu traumatische Krisen aus. Nicht nur, dass ein Mensch plötzlich aus dem Leben »verschwindet«, man sich neu aufstellen, sich von Gewohnheiten und Sicherheiten verabschieden muss, es stellt auch die eigene Person infrage und erschüttert das Selbstwertgefühl: Warum passiert mir das? Wieso werde ich verlassen, bin ich es nicht wert, geliebt zu werden?

Viele Menschen erleben das als Extremsituation, der sie hilflos ausgesetzt sind. Dann können sich körperlich wie seelisch Folgen einstellen:

  • Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann auch durch eine Trennung ausgelöst werden, wenn einen der Partner verlässt, obwohl man selbst die Beziehung nicht aufgeben will. Ein Gefühl emotionaler Betäubung, Niedergeschlagenheit bis zur Depression, ein zwanghaftes Durchleben des Trennungsgeschehens und Panikattacken sind Anzeichen.
  • Mit der Trennung ebbt die Produktion von bestimmten Glückshormonen ab, haben Neurologen festgestellt. Der Verlassene hat dann regelrechte Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schweißausbrüche und Nervosität.
  • Durchfall, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Gewichtsverlust… die Liste der möglichen Konsequenzen des Liebesleidens ist ellenlang. Und bei jedem grundverschieden.
  • Liebeskummer setzt den gesamten Körper unter Stress. Darauf reagiert unser Gefühlszentrum, indem es die Produktion von Stresshormonen veranlasst. Sind zu viele davon im Umlauf, kann der Herzmuskel verkrampfen. Folge: Engegefühl in der Brust und Herzrhythmusstörungen – also Symptome, die denen bei einem Herzinfarkt ähneln. Ärzte sprechen dann vom Broken-Heart-Syndrom.
  • Wissenschaftlich erwiesen ist tatsächlich der Zusammenhang von emotionalem und körperlichem Schmerz. Amerikanische Forscher untersuchten die Hirnaktivität von Probanden, wenn diese ein Foto ihres Ex-Partners ansahen und wenn sie einem Hitzeschmerztest ausgesetzt wurden. Das Ergebnis: Sowohl beim seelischen als auch beim körperlichen Schmerz wiesen die zuständigen Hirnareale eine ähnliche Aktivität auf.

Schlimmer geht leider immer – 3 No-Gos nach einer Trennung

Für jedes Beziehungsjahr braucht man einen Trauermonat, wer 4 Jahre zusammen war, ist nach 2 Jahren damit durch, die Stärke der Liebe multipliziert mit der Dauer der Beziehung ergibt die Länge der Trauerzeit – Faustregeln oder Richtwerte dafür, wie lange Liebesschmerz anhält, haben nur bedingte Gültigkeit. Denn jeder Mensch geht ganz anders mit einer gescheiterten Beziehung und dem Trennungsschmerz um. Der eine vergräbt sich in seinem Kummer, der andere stürzt sich in eine Übergangsbeziehung, um sich über die schlimmste Kummerphase hinwegzutrösten. In jedem Fall müssen Sie herausfinden, was Ihnen jetzt hilft und was den Schmerz lindert – vermeiden sollten Sie jedoch diese Verhaltensweisen. Denn sie könnten Ihren Kummer verstärken:

1) Über den Ex bei anderen herziehen

Zunächst fühlt sich das vielleicht gut an, seien Sie aber vorsichtig mit Lästerattacken, etwa auf den Sozialen Medien oder im Freundeskreis. Sie wollen gut aus der Sache herauskommen, Ihr Ex-Partner hat auch ein Recht darauf: Geben Sie sich Mühe, vernünftig mit der Trennung umzugehen. Zurückweisung in der Liebe ist die schlimmste Kränkung, die einem wiederfahren kann, sagt die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki. Verständlich ist also, dass Sie Rückhalt bei anderen suchen, diese gegen Ihren Ex aufbringen möchten, um sich besser zu fühlen. Aber dieser Schuss könnte gewaltig nach hinten losgehen – denn wenn Sie Ihren verflossenen Partner verunglimpfen, schießen Sie sich letztlich womöglich selbst ins Aus.

2) Racheaktionen einfädeln

Ebenso verhält es sich mit dem Heimzahlen. Rache ist zwar im ersten Moment süß, wird Ihnen aber vielleicht bitter aufstoßen. Denn Ihr Bedürfnis, dem Ex weh zu tun oder sich dafür zu rächen, dass Sie jetzt so leiden, könnte zu einem Rückschlag werden. Je weiter Sie sich in wütende Rachefantasien versteigen, umso tiefer wühlen Sie sich in Ihren Kummer und erreichen nie das eigentliche Ziel: loszulassen.

3) Den Ex stalken

Mal schauen, was er auf Facebook so postet, bei Whatsapp schnüffeln und öfter mal in der gemeinsamen Stammkneipe aufschlagen – was Sie da im Namen des Liebeskummers treiben, wird Ihnen denselben kaum austreiben. Wenn Sie Ihrem Ex auflauern, tun Sie sich nur selber immer wieder weh, weil es Sie daran erinnert, was Sie verloren haben. Auch von nächtlichen Anrufen mit Heulattacken, Mails mit Vorwürfen oder flehentlichen Überfallbesuchen, bei denen Sie den Ex bitten, zu Ihnen zurückzukommen, sei dringend abgeraten. Das potenziert Ihren Kummer, denn mit solchen Aktionen geben Sie den Rest Ihres Selbstwertgefühls auf.

4 Phasen der Trennung – und wie Sie besser durchkommen

1) Schock und Unglauben – die Nicht-Wahrhaben-Wollen-Phase

Vielleicht haben Sie es kommen sehen, wahrscheinlich gab es viele Konflikte und Ihr Sexleben lag ewig brach. Aber damit, dass Ihr Partner Nägel mit Köpfen und Schluss macht, hätten Sie niemals gerechnet. Das ist ein Schock, ein Schlag ins Gesicht, eine totale Katastrophe. Serviert von dem Menschen, den man so sehr geliebt oder noch liebt. Im ersten Moment fällt es schwer, klar zu denken. Sie sind wie in Trance, können es nicht fassen. Sie wollen das Offensichtliche nicht wahrhaben, klammern sich an den letzten Hoffnungsstrohhalm und glauben daran, dass es sich der andere noch mal anders überlegen wird. Zu diesem Nicht-Wahrhaben-Wollen gehört, dass man sich in Überlegungen verliert, wie man den anderen zurückgewinnen kann, Aussagen und Handlungen des Partners fehlinterpretiert und sich falsche Hoffnungen macht.

Das hilft jetzt

  • Der Schreck sitzt gewaltig tief, dennoch müssen Sie den Tatsachen ins Auge sehen. Dazu gehört, dass Sie die Trennung nicht vor Familie und Freunden geheimhalten. Sie müssen ja nicht gleich mit dieser Nachricht hausieren gehen, aber erleichtern Sie sich, indem Sie nicht Energie dafür aufwenden, so zu tun, als ob Ihre Beziehung noch im Lot wäre.
  • Gehen Sie auch auf Distanz zu Ihrem (Ex-)Partner, brechen Sie eine Zeit lang den Kontakt ab, um zu Atem zu kommen. Der Abstand hilft Ihnen, Gefühle zu sortieren.

2) Durcheinander und Trauer – die Gefühlschaos-Phase

Es ist aus und es bleibt aus: In der zweiten Phase haben Sie eingesehen, dass Ihre Beziehung vorbei ist. Aber so richtig akzeptiert haben Sie das noch nicht. Zumal Sie immer wieder von massiven Trauergefühlen überwältigt werden. Ein Song, der Sie an Ihren letzten Urlaub erinnert, und Sie brechen in Tränen aus. Sie finden einen Socken Ihres Ex – schon überspült Sie die Traurigkeit. Dann wiederum reagieren Sie trotzig, jubeln innerlich, den Ex los zu sein. Diese starken Stimmungsschwankungen und der andauernde Herzschmerz sind belastend, und können dazu führen, dass man immer wieder in Phase 1 zurückfällt und doch noch hofft, es könnte alles wieder gut werden. Viele verlassene Menschen leiden nun unter Selbstzweifeln, fühlen sich nicht mehr attraktiv und haben Angst davor, alleine zu bleiben. Die zerbrochene Beziehung wird in positivem Licht gesehen, Gewohnheiten werden schmerzlich vermisst und die Lücke, die die verlorene Partnerschaft geschaffen hat, als unfüllbar erlebt. Oft ist diese Phase die längste – und die schmerzhafteste.

Das hilft jetzt

  • Leben Sie Ihre Gefühle und unterdrücken Sie diese nicht. Gestehen Sie sich die Trauer ein und stellen Sie sich der Verletzung.
  • Psychologen raten, Tagebuch zu schreiben oder seine Gedanken in einem Brief an den Ex-Partner zu formulieren, ohne ihn aber abzuschicken. Chaotische Gefühle sortieren sich bisweilen, wenn man sie schriftlich ausdrückt.
  • Je nachdem wie schwerwiegend der Trennungsschmerz ist, kann es jetzt wichtig sein, professionelle Hilfe etwa bei einem Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle zu suchen.

3) Abschied und Hoffnung – die Neuorientierungs-Phase

In Gedanken sind Sie noch oft bei Ihrem Ex-Partner, die Gefühle sind noch da. Aber es wird besser, langsam geht es bergauf. Die Trennung ist organisatorisch vollzogen, Neues hat die alten Gewohnheiten ersetzt und der Dauer-Dialog mit dem Ex-Partner verstummt. Auch die Sehnsucht nach dem Ex lässt nach, Sie sehen ein Licht am Ende des Tunnels und empfinden wieder mehr Lebensfreude. In der Phase der Neuorientierung nehmen Sie neue Möglichkeiten für das eigene Leben wahr, sehen die gescheiterte Beziehung realistischer, und erkennen, dass sie keine Chance hatte. Nicht nur das: Sie können auch das Gute an der Trennung erkennen, etwa, dass die ständigen Reibereien passé sind und die quälende Ungewissheit ein Ende hat. Psychologen sehen in dieser Trennungsphase die Chance, auch die eigene Verantwortung zu sehen und aus der Opferrolle zu finden. Auch Sie tragen einen Anteil am Scheitern der Liebe, jetzt sind Sie imstande, das zu realisieren und in Energie für einen Neustart umzuwandeln.

Das hilft jetzt

  • Was wollten Sie schon immer einmal machen, konnten es in Ihrer Ex-Beziehung aber nie umsetzen, weil Sie auf Ihren Partner Rücksicht nehmen mussten? Welche Ziele möchten Sie verwirklichen, welche Wünsche haben Sie?
  • Befreit von der Last der alten Partnerschaft sollten Sie in Ihre persönliche Zukunft blicken, Pläne schmieden, neue Leute kennenlernen und vielleicht sogar eine Ortsveränderung anpeilen.

4) Auf zu neuen Ufern – die Neubeginn-Phase

In dieser Phase haben Sie sich nicht nur arrangiert mit der Situation, Sie leben sie. Wenn Sie noch über Ihre Ex-Beziehung reden, dann tun Sie dies mit gebührendem Abstand: Sie sind nicht mehr tottraurig, wenn Sie sich erinnern. Sie hadern nicht mehr mit der Trennung, haben diese halbwegs verarbeitet und können sich wieder vorstellen, eine neue Partnerschaft einzugehen. Trauer und Wut verblassen, der Ex-Partner gehört zur Vergangenheit, nun wartet eine neue Zukunft – und Sie wissen, dass die Trennung auch für Sie gut war. Die Trennungserfahrung gibt Ihnen Kraft für die Zukunft, Sie haben Ihr inneres Gleichgewicht wiedergefunden.

Das hilft jetzt

  • Es gibt ein Leben nach der Trennung, dessen sind Sie nun gewiss. Machen Sie etwas daraus – manchen Menschen hilft es jetzt, mit dem Ex-Partner auf einer anderen Ebene in Kontakt zu bleiben oder wieder ins Gespräch zu kommen.
  • Denken Sie daran: Die zerbrochene Partnerschaft ist ein wesentlicher Teil Ihrer Biografie, sie hat Sie geprägt und bewegt. Jetzt kann es wichtig sein, auch das Gute zu betrachten.

Sie schaffen das! Unsere 6 Tipps gegen Trennungsschmerz

Ein Wort vorab: Wir neigen zwar dazu, Liebeskummer zu bagatellisieren, der Trennungsschmerz kann aber überwältigend werden und Sie in eine gefährliche seelische Krise treiben. Wenn Sie das merken, sollten Sie nicht zögern, sich professionelle Hilfe zu holen: Die Telefonseelsorge, Therapeuten in Ihrer Nähe, Beratungsstellen der Caritas oder Diakonie sind gute Anlaufstellen in solchen Fällen.

1) Lassen Sie Ihren Kummer raus!

Es ist normal, dass Sie nach einer Trennung leiden – und zwar über einen längeren Zeitraum. Unterdrücken Sie die Traurigkeit nicht, kämpfen Sie nicht krampfhaft dagegen an, sondern stehen Sie zu Ihrem Kummer. Viele Menschen empfinden das Scheitern einer Beziehung als persönliche Niederlage, für die sie sich schämen. Dazu besteht kein Grund, Liebe kommt und Liebe geht. Fast jeder Mensch macht im Leben mindestens einmal die Erfahrung, dass eine Partnerschaft in die Brüche geht. Die Trauer darüber sollten Sie teilen, nicht verstecken.

2) Reden Sie, aber mit den richtigen Personen!

Intensives Reden unterstützt tatsächlich dabei, den Verlust des Partners zu verarbeiten. Herausgefunden hat das die amerikanische Psychologin Grace Larson von der Northwestern University. Wer seinen Kummer verbal verarbeiten kann, fühlt sich weniger einsam und leidet seltener unter Gefühlsausbrüchen. Also fassen Sie Ihren Kummer in Worte! Richtig gute Freunde hören Ihnen auch noch zu, wenn Sie zum xten Mal über Ihre Ex-Beziehung sprechen. Mitunter zeigt sich auch nach einer Trennung, wer Ihnen wirklich nahesteht – öffnen Sie sich den Menschen, die Ihnen auch in den dunkelsten Stunden zur Seite stehen und Sie bestärken in der Hoffnung, dass der Schmerz vergeht.

3) Verkriechen Sie sich nicht in Ihrem Schneckenhaus!

Raus mit Ihnen: Gehen Sie aktiv vor gegen harte Kummerphasen, ziehen Sie sich Sportschuhe an und laufen Sie eine stramme Runde durch den Wald. Sport, das ist wissenschaftlich erwiesen, führt zur Ausschüttung von Glückshormonen, und die haben Sie nun bitter nötig. Außerdem sorgt Bewegung dafür, dass Sie besser aus der Grübelspirale herausfinden – und Ihre Gedanken die Richtung ändern können.

4) Suchen Sie Gleichgesinnte – sprechen Sie sich Ihre Erfahrung von der Seele!

Sie sind nicht der erste Mensch, der eine Trennung zu verschmerzen hat. Und Sie werden nicht der letzte sein: Es gibt unendlich viele Menschen, die Ihr Schicksal teilen und Verständnis für Ihre Situation haben. Es kann gut tun, wenn Sie sich mit Gleichgesinnten austauschen. Ob Sie sich mit Gleichgesinnten in Online-Communities vernetzen [z.B. Brigitte.de, Elitepartner.de Lovehelp.de, Trennungsschmerzen.de] oder Selbsthilfegruppen aufsuchen, im Bekanntenkreis oder mit Freunden sprechen: Geteiltes Leid ist oft halbes Leid. Vielen tut es auch gut, die eigenen schmerzlichen Erfahrungen anderen mitzuteilen – etwa in einem aufrichtigen Bericht. Das unterstützt nicht nur andere bei der Bewältigung ihrer Trennung, sondern hilft auch Ihnen, das Geschehene zu verarbeiten.

5) Misten Sie aus – aber vernichten Sie keine Erinnerungsstücke!

Alles muss raus! Dies mag der erste Impuls nach der Trennung sein und Sie verspüren den Drang, nicht nur sämtliche Klamotten Ihres Ex zu vernichten, sondern auch Erinnerungsstücke wie den Ehering, die Liebesbriefe aus der Anfangszeit und all die Fotos aus glücklicheren Tagen. Tun Sie es nicht! Denn damit vernichten Sie einen Teil Ihrer Vergangenheit, und nehmen sich die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt mit etwas Abstand Bilanz zu ziehen. Besser ist es, Sie räumen diese Dinge erst einmal weg, packen sie in einen Karton und stellen ihn bei einer guten Freundin unter. So sind Erinnerungsstücke außer Reichweite – aber nicht verloren.

6) Flirten Sie drauflos!

Flirten ist gut fürs Ego, trägt dazu bei, dass Sie sich nicht mehr so mies fühlen und spüren, wie attraktiv Sie noch sind. Wie weit Sie dabei gehen, ist Ihre Sache. Allerdings kann es auch heilsam sein für manchen, wenn er relativ schnell nach der gescheiterten Beziehung eine neue Partnerschaft findet. Eine amerikanische Studie zeigte, dass Menschen, die sofort nach dem Liebesaus eine neue Beziehung eingingen, glücklicher und selbstbewusster waren, als diejenigen, die alleine blieben.

Geschafft: 5 Zeichen, dass Sie die Trennung/Scheidung überwunden haben

1) Erinnerungen tun nicht mehr weh

Am Anfang ist das unvorstellbar, aber fast immer wird es wahr: Es kommt der Moment, da schmerzt es nicht mehr, an die verlorene Beziehung zu denken. Im Gegenteil: Dann schwappen Erinnerungen hoch, die einen sentimental machen, aber nicht mehr erschüttern können.

2) Treffen mit dem Ex lassen Sie kalt

Begegnungen mit dem Ex-Partner sind mal so, mal so – aber nie mehr verspüren Sie das Bedürfnis, ihm um den Hals zu fallen oder darüber zu reden, ob Ihre Liebe nicht doch noch eine klitzekleine Chance hat.

3) Sie empfinden Dankbarkeit – für die schönen Momente

Negative Gefühle wie Wut, Enttäuschung, Ärger oder sogar Hass haben Sie überwunden – und haben losgelassen. Das geht soweit, dass Sie Ihrem Ex-Partner dankbar sind für die schönen Momente, die es auch in Ihrer Beziehung gab. Diese Dankbarkeit hilft Ihnen, sich vollständig von der Beziehung zu lösen.

4) Sie haben eine neue Partnerschaft

Vorbei ist die eine Liebe eigentlich erst, wenn eine neue sie ersetzt, das behaupten manche Psychologen. Damit könnten sie recht haben. Denn erst wenn neue Erlebnisse die alten überlagern, wenn Sie eine Beziehung eingehen, die Sie glücklicher und zufriedener macht, dann sind Sie absolut über den Berg.

5) Sie gönnen Ihrem Ex eine neue Liebe – von Herzen

Können Sie sich freuen, wenn Sie erfahren, dass Ihr Ex eine neue Freundin hat? Gönnen Sie ihm das, ohne Neid oder Missgunst? Dann sind Sie echt drüber weg. Wenn die Vorstellung, dass der verlorene Partner mit jemand anderem eine Beziehung hat, nicht mehr all Ihre negativen Gefühle hervorquellen lässt, ist es wirklich vorbei.

»Trennung ist ein Ausnahmezustand«

Paartherapeut Dr. Wolfgang Krüger im Interview

Kommt es zur Trennung, ist der emotionale Schaden groß. Aber er kann behoben werden, sagt der Berliner Paartherapeut Dr. Wolfgang Krüger. Regeln zur Bewältigung kann man nur bedingt aufstellen, meint er. Aber man kann Beziehungskrisen vorbeugen und seine Partnerschaft verbessern, wie Krüger in seinem Buch »So gelingt die Liebe – auch wenn der Partner nicht perfekt ist« erklärt. Wir haben mit Dr. Wolfgang Krüger über Trennungsschmerzen gesprochen.

Die Seitensprung-Fibel: Lieber Herr Dr. Krüger, wie gehen Menschen mit Liebeskummer um, gibt es ein typisches Verhalten nach einer Trennung?

Dr. Wolfgang Krüger: Ich gehe vom Liebeskummer der Person aus, die verlassen wurde. Sie lebte für einige Tage und Wochen in einem Ausnahmezustand. Es ist nicht nur eine Kränkung, sondern es ergibt sich durch die neue Situation eine seelische Instabilität, die durch Aktivitäten gefüllt werden muss. Freunde helfen hier viel, bis es zu einer ersten Beruhigung kommt. Dann kann man auch darüber nachdenken: Warum ist die Trennung passiert, welchen Anteil hatte ich daran und was kann ich jetzt tun?

Die Seitensprung-Fibel: Unterscheidet sich das bei Männern und Frauen?

Dr. Wolfgang Krüger: Ja, Frauen trauern und wollen ihre Liebesbeziehung erst einmal verarbeiten, bevor sie für eine neue Partnerschaft offen sind. Männer gehen oft sofort eine neue Beziehung ein, die dann aber oft nur ein Tröstungserlebnis ist.

Die Seitensprung-Fibel: Gibt es so etwas wie eine »schmerzlose« Trennung?

Dr. Wolfgang Krüger: Nein, zumindest ist jede Trennung nach einer längeren Beziehung immer ein kleiner Weltuntergang. Der andere hatte für mich eine große Bedeutung und es ist immer schmerzhaft, wenn diese Liebe scheitert.

Die Seitensprung-Fibel: Muss es denn weh tun, wenn eine Liebe zerbricht?

Dr. Wolfgang Krüger: Ja, obwohl die eigentliche Trennung dann oft eine Erleichterung ist. Schmerzhaft ist meist die Desillusionierung in der Partnerschaft, häufig gibt es dann jahrelange Streitigkeiten und eine zunehmende Entfremdung. Dann ist der Partner, der sich trennt, nur noch glücklich – obwohl auch er langfristig Trauerarbeit leisten muss.

»Und egal, wie schwierig die Partnerschaft war:
In jeder Beziehung verliert man etwas,
das man nie mehr bei einer anderen Person bekommt.«

Die Seitensprung-Fibel: Warum ist es wichtig, eine Art Trauerphase durchzustehen?

Dr. Wolfgang Krüger: Immer gab es Erwartungen und Hoffnungen, die man begraben muss. Und egal, wie schwierig die Partnerschaft war: In jeder Beziehung verliert man etwas, das man nie mehr bei einer anderen Person bekommt. Wenn man das nicht durcharbeitet, verarmt das Leben und man ist in Gefahr, alle Beziehungs-Muster zu wiederholen

Die Seitensprung-Fibel: Liebeskummer ist Gift für das Selbstwertgefühl. Manche Menschen lenken sich dann durch Sexaffären ab, die womöglich in einen warmen Wechsel münden. Was halten Sie davon, wenn jemand so egoistisch die Bewältiugng angeht?

Dr. Wolfgang Krüger: Es ist verständlich, dass man sich mit kurzfristigen Affären tröstet und sein Selbstwertgefühl stabilisiert. Doch langfristig verliert man sich dabei selbst, weil der Lebensschwerpunkt zu sehr nach außen verlagert wird. Und man hinterlässt eine Spur enttäuschter Sex-Partner. Moralisch ist dies nicht, wenn man es als unsere Aufgabe ansehen würde, auch die Mitmenschen glücklich zu machen.

Die Seitensprung-Fibel: Und was halten Sie davon, wenn jemand sich sofort zum Trost einen neuen Partner sucht?

Dr. Wolfgang Krüger: Nichts, das mag für das Ego kurzfristig gut sein, aber man ist noch nicht fähig, sich wirklich auf eine neue Beziehung einzulassen, die dann meist scheitert.

Die Seitensprung-Fibel: Wovon hängt es Ihrer Einschätzung nach ab, wie gut oder schlecht man über eine gescheiterte Beziehung hinweg kommt?

Dr. Wolfgang Krüger: Das hängt vor allem davon ab, wie selbständig und selbstbewusst man ist und wieder sein eigenes Leben führen kann.

Die Seitensprung-Fibel: Woran liegt es, dass manche Menschen unsäglich unter einer Trennung leiden, selbst wenn die Beziehung offensichtlich kaputt war?

Dr. Wolfgang Krüger: Weil selbst dann der andere eine große Bedeutung hat, weil man abhängig ist, da man zu wenige Freundschaften pflegt und innerlich vor allem auf den schwierigen Partner bezogen ist. Oft hatte man schon in der Kindheit eine kämpferische Beziehung mit den Eltern, dieses Muster wiederholt sich dann in der Partnerschaft.

Die Seitensprung-Fibel: Ist Liebeskummer eine einseitige Angelegenheit, also bleibt derjenige davon verschont, der Schluss gemacht hat?

Dr. Wolfgang Krüger: Teilweise ja, wer sich trennt, hat ja meist eine neue Liebesperspektive. Aber auch der sich Trennende muss trauern, oft allerdings erst Monate nach der Trennung. Dann wird ihm bewusst, dass auch er etwas verliert, was er in einer neuen Beziehung nie mehr finden wird.

Die Seitensprung-Fibel: Und gibt es so etwas wie goldene Regeln für die vernünftige Verarbeitung einer Trennung?

Dr. Wolfgang Krüger: Letztlich muss man sich immer mit der Frage konfrontieren: Was ist eigentlich passiert, warum ist die Partnerschaft gescheitert? Was muss ich selbst ändern? Was muss ich bei der Partnerschaftswahl beachten? Oft weiß man das allerdings erst, wenn man eine neue Beziehung eingeht, die glücklicher ist.

Die Seitensprung-Fibel: Was sind aus Ihrer Perspektive betrachtet 3 No-Gos nach einer Trennung?

    Dr. Wolfgang Krüger:
  • Den Ex beschimpfen, ihm die Schuld geben, ihn ständig anrufen und trotzdem den Wunsch verspüren, die Beziehung fortzusetzen.
  • Sich zurückziehen, Alkohol trinken und in einer ständigen Melancholie versinken.
  • Der Vorstellung nachhängen: Jetzt ist mein Leben zu  Ende, ich werde nie mehr…

Die Seitensprung-Fibel: Welche 3 Ratschläge haben Sie für eine bessere Bewältigung des Liebeskummers nach einer Trennung?

    Dr. Wolfgang Krüger:
  • Schon in der Partnerschaft immer darauf achten, dass man so aktiv ist, dass man auch allein leben kann.
  • Das Bewusstsein pflegen: Ich finde wieder einen neuen Partner, weil…
  • Einen großen Freundeskreis pflegen, der mich auch stützt und ermutigt, wenn ich einen langwährenden Liebeskummer habe und drei Wochen lang immer nur von ihm rede.

Fazit: Augen auf – und durch!

Ex und hopp funktioniert bei einer Trennung oder Scheidung wohl kaum. Darüber müssen Sie sich im Klaren sein. So weh es auch tut, so gut kann es letztlich für Sie sein. Denn Tatsache ist: Eine Beziehung scheitert meist nicht ohne Grund. Immer gibt es unlösbare Konflikte, Unstimmigkeiten in Lebensstil und Zukunftsplanung, Sexprobleme oder andere Schwierigkeiten. All dies sind regelrechte Glücksverhinderer. Denn als Zutaten einer befriedigenden Partnerschaft kann man sie wohl kaum bezeichnen. Behalten Sie dies immer im Hinterkopf:

Es hat einen Grund, dass diese Beziehung nicht geklappt hat. Und das Ende davon ist der Anfang von etwas Neuem – und führt Sie womöglich in eine wahrhaft glückliche Beziehung, wenn auch nicht auf dem geradesten Weg.

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SOS-Hilfe für Verlassene direkt aus der Liebeskummer-Praxis: Die Psychologinnen Helga Felbinger und Silvia Fauck, die in Berlin eine Liebeskummer-Praxis betreibt, machen es mit dem Vorgeplänkel kurz und erklären, was bei Liebeskummer passiert, um dann gleich zum Wichtigsten zu kommen: Sie geben Soforttipps, mit denen Sie die erste Akutphase der Trennung überstehen können. Dort finden sich wertvolle Tipps wie Rezeptideen für Anti-Liebeskummer-Ernährung, eine Anleitung dafür, wie man mittels einer Strichliste seine Gefühle ordnet und wie man den Alptraum Wochenende übersteht. Die Autorinnen gehen nach dieser praxisnahen Unterstützung noch einen Schritt weiter: Sie zeigen auf, wie man aus dem Kummer in neues Liebesglück findet. Wer mitten in einer Trennungskrise steckt, dem sei dieses Buch dringend als Erste Hilfe empfohlen.

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Doris Wolf arbeitet seit über 35 Jahren als Psychotherapeutin. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass einem bei einer Trennung der Boden unter den Füßen weggezogen wird und sich der verlassene Partner mit Selbstzweifeln, Verlust- und Schuldgefühlen quält. Mit ihrem Buch will sie Betroffenen helfen, diese Phase gut zu bewältigen. Auf sehr kundige und verständnisvolle Weise hilft Wolff in ihrem Ratgeber, Schmerz und Verzweiflung abzubauen, Hass und Verbitterung aufzugeben und Selbstzweifel und Schuldgefühle zu überwinden. Dazu gehört vor allem auch, ein Verständnis dafür zu entwickeln, warum diese Beziehung gescheitert ist und sich mit diesen Erkenntnissen gut auf eine neue und erfolgreiche Partnerschaft vorzubereiten.

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