Zum Thema »Seitensprung beichten oder nicht« gab es an dieser Stelle ja schon Gedankenanstöße und Tipps. Doch das ist nur der Anfang. Was kommt danach? Ist es möglich, das Vertrauen innerhalb einer Partnerschaft wieder herzustellen und den Seitensprung nicht nur zu verzeihen, sondern auch die Folgen zu überwinden?
Diese Folgen können nämlich beträchtlich sein und sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Und doch muss ein Seitensprung keine Katastrophe sein. Wichtig ist, dass Sie beide nicht in Hysterie verfallen und den Seitensprung überdramatisieren. Auch das Gegenteil, ein Verdrängen und Verharmlosen um der Harmonie Willen, funktioniert nicht.
Schauen wir uns die Sache aus der Nähe an und versuchen, den Seitensprung als das zu betrachten, was er ist: eine sexuelle Begegnung mit einem Außenpartner. Nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.
Regel Nr. 1: kein Schnulzenalarm bitte
Und zwar seitens des Seitenspringers. Angenommen, Sie sind ein männlicher Fremdgänger und noch bis unter den Haaransatz voll mit Endorphin. Sie hatten grandiosen Sex. Gut. Sie haben Ihren Partner betrogen. Nicht so gut. Und es liegt maßgeblich an Ihnen, ob daraus ein irreparabler Bruch oder nur eine vorübergehende Dissonanz wird. Versuchen Sie daher, einen klaren Kopf zu bekommen.Wenn es sich wirklich nur um einen Seitensprung handelte, sollten Sie ihn auch so behandeln. Das heißt: keine hormonvernebelten Liebeserklärungen per SMS am nächsten Morgen, in denen sich bereits die nächste Sex-Episode anbahnt. Auch keine melodramatischen Kofferpack-Aktionen à la »ich muss auf der Stelle mein Leben verändern«.
Auch wenn Sie es nicht gerne hören: Damit Sie als Paar einen Seitensprung gut überstehen, müssen Sie jedes kopflose Rumeiern und Aufbauschen vermeiden. Nur wenn Sie sich eindeutig positionieren, hat Ihre Beziehung eine Chance, den Seitensprung zu verkraften. Dazu gehört auch, dass Sie sich ein paar Gedanken zum Thema Sex machen.
Was bedeutet Sex für Sie?
Denken Sie kurz über diese Frage nach, bevor Sie weiterlesen, denn die Antwort ist ausschlaggebend für einen konstruktiven Umgang mit einem Seitensprung.In vielen langjährigen monogamen Beziehungen spielt Sex eine untergeordnete Rolle. Andere Werte stehen weiter oben in der Präferenzenliste. Tiefe Liebe, gemeinsame Unternehmungen, Intimität, Zärtlichkeit, Vertrauen, Zukunftspläne, Loyalität. Das gemeinsame eheliche Sexleben plätschert in ruhigem Fahrwasser dahin, findet zwar regelmäßig statt, erfüllend, sinnlich, aber ohne das große Erdbeben, bei dem Bettgestelle zu Bruch gehen und die Nachbarn sich über Ruhestörung beklagen. Klingt unspektakulär, ist aber für sehr viele Liebespaare eine bewährte Formel zum Glücklichsein, weil es ja kein vordergründiges Defizit-Empfinden gibt. Bis... ja, bis einer von beiden »zufällig« in fremden Armen landet und den absolut tollen, ungewohnten, längst vergessenen lustvollen Sex erlebt.
Wieder zuhause steht der »Ausbrecher« vor einem Problem. Er hat etwas Verbotenes, Schönes, Geiles, Aufregendes erlebt und ist noch ganz berauscht von dieser Erfahrung. In diesen Rauschzustand mischt sich die Erkenntnis, welchen Preis er dafür zahlen muss: den geliebten Partner verraten und die partnerschaftliche Intimität zerstört zu haben. Und das »nur« für Sex? Von wegen »nur«.
Wenn Sie der fremdgehende Partner waren, dann fragen Sie sich bitte ganz direkt: Können oder wollen Sie auf diese Art Sex künftig verzichten? Oder ist sie zu wichtig, um eine unerfüllte Sehnsucht zu bleiben? Können Sie sich vorstellen, diesen Sex mit Ihrem Partner innerhalb der Beziehung zu leben? Oder reicht Ihnen der Seitensprung als einmalige Erfahrung, und Sie möchten in Ihrer Beziehung gar nichts verändern?
Seite 1: Wie übersteht man einen Seitensprung?
Seite 2: Wieviel Wahrheit verträgt ein betrogener Partner?
Seite 3: Verlustschmerz – Ein Thema, über das keiner spricht














