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Die apokalyptische Reiter – Die typischen Vorboten einer Trennung
Advent Special – Die VIER apokalyptischen Reiter

Schweigen als Schutz vor Verletzungen

Das große Schweigen kommt nicht zwangsläufig als dritter apokalyptischer Reiter daher. Manchmal trabt es auch schon vorher durch Ihr Wohnzimmer und gibt einen Warnschuss ab.

Wetten, dass es auch bei Ihnen schon Situationen gab, in denen Sie einfach keine Lust mehr hatten, auf die Befindlichkeiten Ihrer Partnerin einzugehen? Weil Sie müde waren, einen Film sehen wollten oder Ihnen das Gerede einfach nur auf die Nerven ging?

So menschlich das ist, aber Sie müssen wissen, dass Schweigen in solchen Situationen mehr schmerzt als eine klare Ansage. Die muss keineswegs druckreif sein. Ein schlichtes »Schatz, sei nicht böse, aber ich bin total k.o., können wir das morgen besprechen?« reicht schon. Ohne Augenrollen oder vorwurfsvolles Seufzen. Ach, das ist normal bei Ihnen? Wunderbar. Dann haben Sie den Mauerbau in Ihrer Beziehung bisher erfolgreich verhindert. Weiter so!

Wenn allerdings bei Ihnen solche Schweige-Szenarien an der Tagesordnung sind, sollten Sie dringend aktiv werden.

Die ultimative Machtgeste: abwürgen, blocken, ignorieren

Schweige-Themen gibt es viele. Familienprobleme. Kinderwünsche. Ein Konflikt mit einem guten Freund. Spirituelles oder Religiöses. Eifersucht. Ex-Partner. Berufliche Veränderung. Geldsorgen. Und der Dauerbrenner: Sex. Dummerweise erhalten ausgerechnet diese Themen zu bestimmten Jahreszeiten eine besondere Brisanz, zum Beispiel zu Weihnachten. Das Unausgesprochene steht penetrant im Raum und nervt. Da genügt ein falsches Stichwort, um den großen Krach zu entzünden. Also schweigen Sie.

Beispiel. Sie reden nicht gerne über Ihr gemeinsames Sexleben. Weil es bedeutet, dass Sie sich verletzlich machen. Dinge preisgeben, die Sie vielleicht lieber für sich behalten würden. Über Intimes, womöglich Peinliches sprechen. Nähe zulassen. Und nachdem das bereits etliche Male in Streit gipfelte, wurde es zu einem Schweige-Thema. Dass sich das nicht grade förderlich auf Ihr gemeinsames Sexleben auswirkt, ist klar. Das nehmen Sie aber in Kauf. Hauptsache, es herrscht Ruhe. Pardon: eisiges Schweigen.

Wer schweigt, tut etwas für den Haussegen? Irrtum!

Wollen Sie etwas richtig Gruseliges wissen? Laut Statistischem Bundesamt spricht ein deutsches Ehepaar durchschnittlich acht Minuten täglich miteinander. Mehr nicht. Wie finden Sie das?

Wenn Sie jetzt ungläubig die Augenbrauen hochziehen und feststellen, dass es bei Ihnen eher 80 Minuten oder noch mehr sind, dann schätzen Sie sich glücklich und machen Sie weiter so. Falls nicht, gibt’s nur eines: Bitte werden Sie aktiv. Sofort. Bevor es zu spät ist. Denn der Rückzug erfolgt nicht immer bewusst. In vielen Beziehungen geschieht er sogar unbewusst, und die Beteiligten merken es erst, wenn sie sich schmerzhaft die Nasen an den Mauern stoßen

Nach dem Motto »wenn ich die Klappe halte, gibt’s auch keinen Streit« gleiten viele Paare in das große Schweigen ab, ohne bewusst zu mauern. Schuld daran sind anerzogene Hausfrauenregeln und Psycho-Irrtümer. Natürlich muss man sich nicht über jede Kleinigkeit Fransen an den Mund reden. Aber Schweige-Themen in der Beziehung zu etablieren und sie dann konsequent zu umschiffen, ist der falsche Weg.

Wie schon bei den anderen apokalyptischen Untergangsboten, so helfen auch hier einfachste Rituale, die gefährlichen Mechanismen zu durchbrechen.

Planen Sie Gespräche genau wie andere Termine ein. Ihre partnerschaftliche Gesprächszeit ist kostbar, also behandeln Sie sie auch so! Schreiben Sie sich Mails und verabreden Sie sich zu einem Date in Ihrer Lieblingskneipe, wie Sie es auch mit einem Kumpel machen würden. (Wann waren Sie zuletzt gemeinsam dort?)

Und dann: Reden Sie miteinander. Nicht gleich über das »heiße« Thema, Sie brauchen nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Wenn es Ihnen leichter fällt, tasten Sie sich langsam dorthin. Reden Sie über einen Fernsehbeitrag, ein Buch, einen Film, eine schräge Geschichte aus der Nachbarschaft. Albern Sie herum. Über die Musik, über eine schrägen Typen am Tresen oder was Ihnen sonst einfällt. Hauptsache, Sie schaffen ein Klima, in dem Sie sich beide locker austauschen können. In dieser Zeit kühlt das Reizthema gemütlich ab und Sie können es in Angriff nehmen, ohne dass einer von Ihnen sofort an die Decke geht oder neue Mauern baut.

Keine Angst, es kann nichts passieren. Außer dass Sie sich hinterher viel, viel besser fühlen. Apokalyptische Reiter hassen nämlich zwei Dinge: gemeinsames Lachen und offene Gespräche. Also tun Sie genau das!

Die Alternative wäre, dass Sie beide hinter Ihren Mauern langsam eingehen. Und eines Tages feststellen, dass Sie Ihre Liebe totgeschwiegen haben.

Geht’s noch schlimmer?

Ja, leider. Nach Kritik, Verachtung und Rückzug kann die Situation komplett kippen und in eine brutale Machtdemonstration ausarten. Hier ist dann vorbei mit Schweigen, aber auf eine andere Art, als Ihnen lieb sein kann. Betritt dieser apokalyptische Reiter die Szene, wird mit harten Bandagen gekämpft. Was das bedeutet, und wie Sie sich dagegen schützen können, darüber mehr im nächsten Teil!

Wie wäre es, wenn Sie jetzt mal eben Ihre Partnerin anrufen oder ins Nebenzimmer gehen und ihr erzählen, was Sie gerade gelesen haben?

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Kommentare
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Booby || 24.09.2011 19:08:40
Bin mehr zufällig auf diese gestoßen und irre überrascht. Also dieser Artikel über die Kumpanen hoch zu Roß ging mir schon ziehmlich nahe. Natürlich ist mir der Eine oder Andere schon begegnet, warum sonst sollte ich mich auf dieser Seite umsehen. Anfangs um mir Infos über einen eventuellen Seitensprung zu holen.
Doch nun hat sich das Blatt entschieden gedreht. Ich bin davon überzeugt, wenn etwas gibt, wofür es sich zu "kämpfen" lohnt, dann die Beziehung zu meiner Frau. Nicht zuletzt, da wir eine gemeinsame Tochter haben. Bin selbst ein Scheidungskind und schwor mir: "Deine Kinder sollen sowas nicht durchmachen!"
Vielen Dank an die RedakteureInnen für diesen Artikel und der Leuterung. Auf in den "Kampf". Ich reite selbst gern, die können was erleben :)
[Gast] Ben || 13.12.2009 12:42:47
Hallo,
ich habe das Buch von Bas Kast selbst gelesen, und musste leider feststellen, dass die hier vorgestellten apokalyptischen Reiter sich auch in mein Leben eingeschlichen haben. Ich kann das Buch wirklich jedem nur wärmstens empfehlen. Meiner Beziehung hat es geholfen, ein Umdenken provoziert.
Wichtig ist, dass auch ein Umdenken auf beiden Seiten – insbesondere in der gemeinsamen Kommunikation passiert, denn nur das Wissen über die apokalyptischen Reiter rettet keine Beziehung...
Meiner Meinung nach, bringt die folgende Zusammenfassung die unterschiedlichen Phasen einer „gefährdeten“ Beziehung sehr prägnant auf den Punkt:

Phase 1: Man hat das Gefühl, dass Probleme in der Partnerschaft schwerwiegend und unlösbar sind

Phase 2: Man sieht keinen Sinn mehr, die Probleme mit dem Partner zu besprechen

Phase 3: Man lebt zwar zusammen, aber nicht mehr miteinander. Jeder macht sein eigenes Ding. Es gibt nur noch wenige Sachen, die sie gemeinsam machen.

Phase 4: Man ist einsam zu zweit, fühlt sich unverstanden, allein und isoliert

Bei der vierten Phase sehnt man sich nach Aufmerksamkeit und Nähe. An diesem Tiefpunkt angelangt, sucht man die fehlende Nähe außerhalb der Partnerschaft. Affären und Seitensprünge sind die Folgen.
[Gast] Peter || 08.12.2009 14:23:34
Toller Artikel! Ich lese hier immer wieder gerne, weil jeder Artikel fundierten Inhalt mit sich bringt...
[Gast] U2CanDo || 05.12.2009 22:51:36
Wow, habe den Artikel mit großem Interesse gelesen, echt super und einfach genial!!! Ich fand mich in manch einer darin beschriebenen Situation wieder. Ja, ja, ja… ich könnte sogar mit Bestimmtheit sagen, der erste Reiter hat sich schon zuweilen in unserer Ehe ganz schön viel Raum eingenommen und die Fronten verhärtet. Wie hilfreich solche Tipps sind, wie in diesem Artikel beschrieben, kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen.
Warte schon gespannt auf den nächsten interessanten Artikel. Ihr seid klasse! Endlich eine Seite die Fachkompetenz aufweist. Macht weiter so. Großes Kompliment an die Redaktion.

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