Wetten, dass es auch bei Ihnen schon Situationen gab, in denen Sie einfach keine Lust mehr hatten, auf die Befindlichkeiten Ihrer Partnerin einzugehen? Weil Sie müde waren, einen Film sehen wollten oder Ihnen das Gerede einfach nur auf die Nerven ging?
So menschlich das ist, aber Sie müssen wissen, dass Schweigen in solchen Situationen mehr schmerzt als eine klare Ansage. Die muss keineswegs druckreif sein. Ein schlichtes »Schatz, sei nicht böse, aber ich bin total k.o., können wir das morgen besprechen?« reicht schon. Ohne Augenrollen oder vorwurfsvolles Seufzen. Ach, das ist normal bei Ihnen? Wunderbar. Dann haben Sie den Mauerbau in Ihrer Beziehung bisher erfolgreich verhindert. Weiter so!
Wenn allerdings bei Ihnen solche Schweige-Szenarien an der Tagesordnung sind, sollten Sie dringend aktiv werden.
Die ultimative Machtgeste: abwürgen, blocken, ignorieren
Schweige-Themen gibt es viele. Familienprobleme. Kinderwünsche. Ein Konflikt mit einem guten Freund. Spirituelles oder Religiöses. Eifersucht. Ex-Partner. Berufliche Veränderung. Geldsorgen. Und der Dauerbrenner: Sex. Dummerweise erhalten ausgerechnet diese Themen zu bestimmten Jahreszeiten eine besondere Brisanz, zum Beispiel zu Weihnachten. Das Unausgesprochene steht penetrant im Raum und nervt. Da genügt ein falsches Stichwort, um den großen Krach zu entzünden. Also schweigen Sie.Beispiel. Sie reden nicht gerne über Ihr gemeinsames Sexleben. Weil es bedeutet, dass Sie sich verletzlich machen. Dinge preisgeben, die Sie vielleicht lieber für sich behalten würden. Über Intimes, womöglich Peinliches sprechen. Nähe zulassen. Und nachdem das bereits etliche Male in Streit gipfelte, wurde es zu einem Schweige-Thema. Dass sich das nicht grade förderlich auf Ihr gemeinsames Sexleben auswirkt, ist klar. Das nehmen Sie aber in Kauf. Hauptsache, es herrscht Ruhe. Pardon: eisiges Schweigen.
Wer schweigt, tut etwas für den Haussegen? Irrtum!
Wollen Sie etwas richtig Gruseliges wissen? Laut Statistischem Bundesamt spricht ein deutsches Ehepaar durchschnittlich acht Minuten täglich miteinander. Mehr nicht. Wie finden Sie das?Wenn Sie jetzt ungläubig die Augenbrauen hochziehen und feststellen, dass es bei Ihnen eher 80 Minuten oder noch mehr sind, dann schätzen Sie sich glücklich und machen Sie weiter so. Falls nicht, gibt’s nur eines: Bitte werden Sie aktiv. Sofort. Bevor es zu spät ist. Denn der Rückzug erfolgt nicht immer bewusst. In vielen Beziehungen geschieht er sogar unbewusst, und die Beteiligten merken es erst, wenn sie sich schmerzhaft die Nasen an den Mauern stoßen
Nach dem Motto »wenn ich die Klappe halte, gibt’s auch keinen Streit« gleiten viele Paare in das große Schweigen ab, ohne bewusst zu mauern. Schuld daran sind anerzogene Hausfrauenregeln und Psycho-Irrtümer. Natürlich muss man sich nicht über jede Kleinigkeit Fransen an den Mund reden. Aber Schweige-Themen in der Beziehung zu etablieren und sie dann konsequent zu umschiffen, ist der falsche Weg.
Wie schon bei den anderen apokalyptischen Untergangsboten, so helfen auch hier einfachste Rituale, die gefährlichen Mechanismen zu durchbrechen.Planen Sie Gespräche genau wie andere Termine ein. Ihre partnerschaftliche Gesprächszeit ist kostbar, also behandeln Sie sie auch so! Schreiben Sie sich Mails und verabreden Sie sich zu einem Date in Ihrer Lieblingskneipe, wie Sie es auch mit einem Kumpel machen würden. (Wann waren Sie zuletzt gemeinsam dort?)
Und dann: Reden Sie miteinander. Nicht gleich über das »heiße« Thema, Sie brauchen nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Wenn es Ihnen leichter fällt, tasten Sie sich langsam dorthin. Reden Sie über einen Fernsehbeitrag, ein Buch, einen Film, eine schräge Geschichte aus der Nachbarschaft. Albern Sie herum. Über die Musik, über eine schrägen Typen am Tresen oder was Ihnen sonst einfällt. Hauptsache, Sie schaffen ein Klima, in dem Sie sich beide locker austauschen können. In dieser Zeit kühlt das Reizthema gemütlich ab und Sie können es in Angriff nehmen, ohne dass einer von Ihnen sofort an die Decke geht oder neue Mauern baut.
Keine Angst, es kann nichts passieren. Außer dass Sie sich hinterher viel, viel besser fühlen. Apokalyptische Reiter hassen nämlich zwei Dinge: gemeinsames Lachen und offene Gespräche. Also tun Sie genau das!
Die Alternative wäre, dass Sie beide hinter Ihren Mauern langsam eingehen. Und eines Tages feststellen, dass Sie Ihre Liebe totgeschwiegen haben.
Geht’s noch schlimmer?
Ja, leider. Nach Kritik, Verachtung und Rückzug kann die Situation komplett kippen und in eine brutale Machtdemonstration ausarten. Hier ist dann vorbei mit Schweigen, aber auf eine andere Art, als Ihnen lieb sein kann. Betritt dieser apokalyptische Reiter die Szene, wird mit harten Bandagen gekämpft. Was das bedeutet, und wie Sie sich dagegen schützen können, darüber mehr im nächsten Teil!Wie wäre es, wenn Sie jetzt mal eben Ihre Partnerin anrufen oder ins Nebenzimmer gehen und ihr erzählen, was Sie gerade gelesen haben?















