Seite 5 von 7: Die Vorboten einer Trennung: Die größten Beziehungskiller

Mann und Frau haben Beziehungsprobleme

Machtdemonstration in Beziehungen

»Mecker du ruhig, bis du blau im Gesicht bist, das ist mir doch egal.« Wer seine Macht auf diese Weise demonstriert, signalisiert dem anderen: Deine Bedürfnisse sind mir egal, ich habe kein Interesse an Kompromissen, ich setze meinen Willen durch, koste es, was es wolle. Klar, dass das das Todesurteil jeder glücklichen Beziehung ist.

Die Lichterketten glitzern um die Wette, in Fußgängerzonen und Einkaufspassagen wird Weihnachtsfröhlichkeit verbreitet – nur hinter verschlossenen Türen kracht’s zu Weihnachten wieder heftig. Von Besinnlichkeit ist in vielen Beziehungen und Familien wenig zu spüren. Geht es bei Ihnen auch so zu?

Dass Sie sich damit in bester Gesellschaft befänden, wissen Sie ja schon. Auch haben wir Ihnen bereits drei Fieslinge vorgestellt, die nur darauf lauern, Ihren Haussegen in Schieflage zu bringen: die apokalyptischen Reiter Kritik, Verachtung und Rückzug. Es gibt noch einen. Gefährlicher und gemeiner als seine drei Kollegen. Er kommt nicht zwangsläufig erst nach den dreien in Ihre Beziehung geritten, sondern manchmal sogar am Anfang. Oder zwischendurch, wenn Sie gereizt und gestresst sind, aber kein Ventil dafür finden. Seine Waffe: die kalte, kalkulierte Machtdemonstration.

Im Unterschied zum Rückzug ist die Machtdemonstration keine typische Männerdomäne. Frauen beherrschen sie ebenfalls sehr gut. Manchmal sogar noch perfider als Männer. Gegen diesen Reiter müssen Sie also als Paar unbedingt gemeinsam kämpfen, wenn Sie ihn besiegen wollen!

Boykottieren, im Stich lassen, provozieren

Zu Machtdemonstrationen lassen wir uns alle mal hinreißen. Wenn Sie z.B. im Job von einem Kollegen permanent gedrängelt werden, obwohl Sie Ihre Zeitpläne immer exakt einhalten, wirkt es befreiend, einfach mal absichtlich einen Termin platzen zu lassen. Und damit dem Gegenüber zu signalisieren: »schau, ich kann auch anders, also hör auf, mich zu nerven.« Es kann durchaus sein, dass diese Machtdemonstration den allzu ungeduldigen Kollegen in seine Schranken weist. Zumindest vorübergehend.

Innerhalb einer Beziehung lassen sich solche Situationen normalerweise vernünftig besprechen, ohne dass einer von beiden zu solch drastischen Mitteln greifen muss. Doch manchmal will man es einfach nicht. Manchmal reitet einen ein kleines Teufelchen und man möchte dem Partner einfach kurz mal einen Dämpfer verpassen. Insgeheim weiß man natürlich, wie unfair das ist. Aber Trotz und Stolz, vielleicht auch latente Aggression überdecken jede Empathie und lassen einen fies werden. Kennen Sie das Gefühl?

Beispiel. Sie und Ihre Partnerin nutzen gemeinsam ein Auto. In der Vergangenheit gab es öfter Knatsch zwischen Ihnen, weil die Dame manchmal das Auto spontan nimmt, um ihre Freundinnen zu besuchen, obwohl Sie angekündigt hatten, es zu brauchen. Ärgerlich, aber keine große Sache. Sie könnten darüber reden.

Nun haben Sie das schon oft genug versucht, ohne dass es etwas verändert hätte. Also sagen Sie nichts. Sondern schmollen vor sich hin. Dann kommt Ihre große Gelegenheit. Ihre Partnerin hat sich mit Freundinnen zu einem Konzert verabredet. Sie wissen genau, wie sehr sie sich seit Monaten darauf freut. Sie wissen auch, wann sie spätestens los muss, damit die Mitfahrerinnen pünktlich eingesammelt werden können. Eine Alternative gibt es nicht; öffentliche Verkehrsmittel wären zu umständlich, ein Taxi zu teuer. Doch statt rechtzeitig Feierabend zu machen und das Auto zu übergeben, arbeiten Sie länger. Obwohl Sie es nicht müssten. Selbstverständlich rufen Sie auch nicht an, um Bescheid zu sagen. Sie kommen erst nach Hause, als das Konzert schon begonnen hat und tun so, als hätten Sie es vergessen. Ihre Partnerin ist zu Recht stinksauer. Aber statt sich zu entschuldigen, pochen Sie darauf, dass die Überstunden unverzichtbar und viel wichtiger als so ein Konzert seien, denn schließlich verdienen Sie ja den größeren Teil des gemeinsamen Haushaltsbudgets usw.

Mal abgesehen davon, dass die Tickets verfallen sind, bringen Sie Ihre Partnerin auch in eine peinliche, erniedrigende Situation. Denn Ihre Machtdemonstration enthält eine doppelte Botschaft. Nummer 1, nach außen formuliert: Meine Frau ist abhängig von mir, und wenn ich nicht mitspiele, klappt gar nichts. Nummer 2, direkt an Ihre Partnerin gerichtet: Deine Bedürfnisse sind mir nicht nur egal, ich boykottiere sie sogar. Als unsichtbare dritte Botschaft schmuggeln Sie noch ein paar aus dem Keller geholte Vorwürfe mit hinein, die gar nichts mit dem Sachverhalt zu tun haben, z.B. das Thema Geldverdienen. Autsch!

Nun ist diese Art der Machtdemonstration ja relativ leicht als solche zu enttarnen. Sie können (nein, müssen) sich hinsetzen und darüber reden. Es gibt aber noch eine subtilere Variante, Macht zu zeigen und auszuspielen.

Mit Ängsten und Altlasten spielen

Sie fürchten, demnächst Ihren Job zu verlieren. Ihre Partnerin weiß das. Nun tüfteln Sie seit einer Weile an einem Geschäftsmodell, mit dem Sie sich selbständig machen möchten, um unabhängig von Ihrem Arbeitgeber zu werden. Sie sprechen mit Ihrer Partnerin darüber. Sie ist verständnisvoll, unterstützt Sie, redet Ihnen gut zu, motiviert Sie. Wunderbar.

Wenn da nicht diese kleinen, merkwürdigen Nebensätze wären. »Und wenn’s nichts wird, können wir immer noch meine Eltern um Geld bitten, sie sagen ja immer, wir sollen uns keine Sorgen machen.« Oder »auch wenn du nicht so der Cheftyp bist, du wächst bestimmt schnell in die Rolle rein.« Noch doppelbödiger: »Also, ich hab gelesen, dass mit dieser Idee schon einige baden gingen, aber du schaffst das bestimmt, Schatz.«

Übersetzen wir das mal. »Meine Eltern halten dich für einen Versager und wären nicht überrascht, wenn wir sie anpumpen müssten. Deine Führungsqualitäten sind nicht existent, du bist ein Weichei, und zu glauben, dass deine Idee funktioniert, ist absurd.«

Ihre Partnerin hat mit wenigen Sätzen Ihr Selbstbewusstsein untergraben, obwohl sie Ihnen mit freundlichem Gesicht und scheinbar unterstützend gegenübersitzt! Paradoxe Botschaften nennt man so etwas. Die fieseste Machtdemonstration überhaupt. Weil man sie zuerst nur spürt, aber nicht klar benennen kann. Wer hat schon ständig ein Wörterbuch für die verschlüsselten Attacken apokalyptischer Reiter neben sich liegen?

Klassische Themen, mit denen zwecks Machtdemonstration gespielt wird, sind berufliche oder finanzielle Ängste, sexuelle Versagensängste, gerne auch in Kombination mit Eifersucht und das Vertrauen in nahestehende Freunde oder Verwandte.

Auch immer gerne genommen: uralte Kamellen, frisch aufgewärmt. Ein Streit, der schon Jahre her ist, eignet sich prima als Machtdemonstration. Wahlweise auch ein Seitensprung. Die Botschaft des Aufwärmens lautet hier: »Ich habe dir zwar damals verziehen, aber scheiße war es trotzdem von dir. Also sorge ich ab und zu mal dafür, dass du es nicht vergisst und dich immer wieder mir gegenüber schuldig fühlst.« Auf diese Weise können Sie Ihren Partner sekundenschnell jeden Wind aus den Segeln nehmen und dafür sorgen, dass er sich richtig schlecht fühlt. Sehr unfair.

Jeder, wirklich jeder ist hier angreifbar. Nicht von außen. Aber von demjenigen, mit dem er sein Leben teilt, und der alle Ängste und Altlasten des Anderen genau kennt. Das Wissen um Unsicherheiten und Ängste auszunutzen, ist eine vernichtende Machtdemonstration und führt, wenn sie sich als fester Bestandteil in der Beziehung etabliert, zu deren Ende. Weil der einzige Schutz gegen derartige Verletzungen ein konsequentes Abblocken aller Emotionen ist. Kein vorübergehender Mauerbau, sondern der finale Rückzug. Allerdings nicht sofort. Sie ahnen, worauf es hinausläuft, oder?

Streicheleinheiten von außen als Balsam für die Seele

Ob per Internet oder im Reallife, plötzlich begegnet Ihnen ein Mensch, der so ganz ohne Machtspielchen auszukommen scheint. Mit dem Sie nur schöne, stressfreie Gespräche führen. Ohne bedrückende subtile Aggression, keine gehässigen Unterströmungen. Da ist nur liebevolles Interesse und natürlich ein erotisches Knistern. Ein fremder Mensch findet Sie toll, ist gerne in Ihrer Nähe, stellt Fragen, hört zu, lacht ausgelassen und unbeschwert mit Ihnen, sagt irgendwie immer das Richtige. Sie erleben also genau das, was die apokalyptischen Reiter erfolgreich aus Ihrer Beziehung vertrieben haben! Die idealen Bedingungen für eine nette, kleine erotische Affäre. Natürlich wissen Sie, dass das nicht die große Liebe sein kann. Aber die Kompensation eines Defizits. Es fühlt sich doch soooo gut an. Und ist eine weitere Machtdemonstration Ihrem Partner gegenüber. Botschaften: Ich brauche dich nicht. Dein Bedürfnis nach Treue und Offenheit ist mir egal, ich boykottiere es. Und ich weide mich an deiner Unsicherheit. Vielleicht rede ich dir sogar ein, du siehst Gespenster, wenn du mir auf die Schliche kommst ...

Auch wenn das jetzt nach Spielverderber klingt: lassen Sie’s. Es wäre ein Pflaster auf Ihrer wunden Seele, aber gleichzeitig auch der Todesstoß für Ihre Beziehung. So komisch es klingt, aber eine »gesunde« Beziehung verkraftet einen kleinen Seitensprung viel besser als eine, in der die apokalyptischen Reiter ungehindert ein- und ausgehen und die Beziehungsbasis vergiften.

Liebe braucht keine Machtspielchen

Wirken Sie unbedingt rechtzeitig dagegen, wenn Sie diese Tendenzen bei sich beobachten! Auch wenn sie noch nicht so ausgeprägt sind wie in unseren Beispielen.

Ihre Partnerin ist eifersüchtig? Weil sie vielleicht in der Vergangenheit einmal Grund dazu hatte? Gehen Sie nicht darüber hinweg. Natürlich können Sie ihr diese Ängste nicht nehmen. Aber Sie können sich authentisch und liebevoll verhalten und sie so nicht noch weiter anfachen. Gerade jetzt, wo vielleicht Überstunden, Firmenfeiern oder ungeplante Termine anstehen. Reden Sie darüber. Ganz besonders dann, wenn Sie spüren, dass dieser fiese, gemeine Zorn in Ihnen hochkocht. Statt also das Auto zu blockieren oder (im umgekehrten Falle) eine Geschäftsidee mieszureden, sprechen Sie über das Gefühl dahinter! »Schatz, ich weiß, das kommt jetzt plötzlich, aber wir müssen reden. Hier läuft grade zwischen uns ein ganz doofes Machtspielchen ab, das will ich nicht.«

Ja, das auszusprechen, erfordert Mut. Probieren Sie es! Ohne Dramatik, ohne Geschrei. Es könnte sein, dass Sie eine Überraschung erleben. In dem Moment, wo Machtgelüste und sich anbahnende Machtdemonstrationen laut formuliert werden, lösen sie sich nämlich meist spurlos in Luft auf. Dieser vierte apokalyptische Reiter verkrümelt sich ganz schnell, wenn Sie ihn beim Namen nennen. Und Sie können sich in aller Ruhe auf Augenhöhe mit dem tatsächlichen Problem beschäftigen. Ob es sich dabei um ein verzerrtes Rollenverhalten handelt, um Alltagszwänge oder nur um die Autonutzung, werden Sie dann feststellen.

Übrigens: Eltern und Schwiegereltern bilden klassische Macht-Instanzen. Ein Grund, warum es bei vielen Familientreffen zu Weihnachten so gezwungen zugeht. Aber wenn Sie beide innerhalb Ihrer Partnerschaft damit aufgeräumt haben, kann Ihnen auch von außen keiner etwas auf dieser Ebene anhaben. Und Sie werden etwaige Sticheleien von dieser Seite ganz locker wegstecken. Allein deshalb lohnt es sich, darüber zu reden. Wie wäre es gleich nachher?

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