Doch da gibt es einen feinen Unterschied zwischen alberner Grimassenschneiderei und kaltem, verächtlichen Spott. In einem Streitgespräch die Augen zu verdrehen, mit dem Kopf zu schütteln, spöttisch die Luft durch die Nase zu ziehen oder hämisch zu lachen, sind klare Signale an Ihr Gegenüber. Ich halte dich für dämlich, du nervst mich, deine Worte sind reiner Schwachsinn, ich nehme dich nicht ernst. Das sagen Sie mit diesen Gesten aus! Wollen Sie das wirklich?
Superfies: Intimitäten als Waffe einsetzen
Bei dieser Disziplin fühlt sich der apokalyptische Reiter in seinem Element. Wenn nicht mehr nur allgemein verletzt und beleidigt, sondern strategisch an den wundesten Punkten angesetzt wird, tut Verachtung am meisten weh und kann das Vertrauen zwischen Ihnen nachhaltig zerstören!Liebende vertrauen einander Dinge an, die sonst niemand weiß. Träume, Lebensängste, Erinnerungen, Spirituelles, Kummer, sexuelle Unsicherheiten. Dieses Wissen verbindet, es stärkt die partnerschaftliche Basis – und es lässt sich leider auch als potente Vernichtungswaffe einsetzen.
Beispiel. Sie wissen, dass Ihre Partnerin Schuldgefühle hat, als berufstätige Mutter nicht genug Zeit mit den Kindern zu verbringen. Nun streiten Sie beide über eine Nichtigkeit, und plötzlich sagen Sie: »Das ist so typisch für dich, du hast ja auch als Mutter total versagt und vernachlässigst die Kinder. Das sagst du ja selbst!« So ein Spruch wäre an sich schon eine fiese Anschuldigung, aber mit dem Wissen um den wunden Punkt Ihrer Partnerin ist es wirklich gemein. Und es tut weh.
Fast jedes intime Thema lässt sich so missbrauchen. Eine Altlast aus der Kindheit, eine Ess-Störung in Teenagerzeiten, eine heimliche Familientragödie, Versagensängste, Komplexe, Unsicherheiten. Nichts schmerzt mehr, als wenn ausgerechnet solche heiklen Details plötzlich als Bumerang zurückkommen. Wenn Sie das tun, haben Sie ein dringendes Problem zu lösen, wenn Sie Ihre Beziehung nicht gänzlich auf’s Spiel setzen wollen. Suchen Sie nach dem schwelenden Konflikt. Das ist Ihre einzige Chance. Doch vorher schaffen Sie die Attacken aus der Welt.
Glück im Unglück: Der Reiter tarnt sich nicht
Verachtung erkennen Sie im Gegensatz zur Kritik sofort. Dieser apokalyptische Reiter tarnt sich nicht, sondern gibt sich ganz offen zu erkennen. Sie wissen genau, wann Sie die Grenze von harmlosen Frotzeleien zu gezielter Verachtung überschritten haben. Also hauen Sie den Reiter vom Pferd!Wenn Ihnen so eine Gemeinheit rausgerutscht ist, dann lassen Sie sie nicht im Raum stehen, sondern gehen Sie sofort zu ihrem Partner und entschuldigen Sie sich. Unmittelbar, nicht erst Stunden später. Auch wenn Sie lieber schmollen möchte, springen Sie bitte über Ihren Schatten. Egal, wie groß Stress und Ärger sind. Im Gegensatz zu »normalen« Beleidigungen wächst über Verachtung kein Gras, sondern sie behält ihre ätzende Wirkung und frisst sich wie Säure durch Ihre Beziehung. Das ist keine blumige Metapher. Nehmen Sie das bitte wörtlich.
Entschärfen, bevor es zu spät ist!
Natürlich wiegen Beleidigungen dieser Art schwer. Und über die Gründe, die Sie beide zu solchen Aussagen treiben, sollten Sie sich ausführlich Gedanken machen. Wie gesagt: Suchen Sie den zugrundeliegenden Konflikt. Aber erst später. Direkt nach so einem schlimmen Krach gibt es Wichtigeres, nämlich die Schadensbegrenzung. Verarzten Sie erstmal die Wunden, die Sie sich zugefügt haben.Eine Entschuldigung ist zwar »nur« eine Geste, doch in diesem Zusammenhang ein wichtiges Signal. Nachdem Sie sich entschuldigt haben und Sie beide Ihre Ausraster ehrlich bereuen, dann nehmen Sie den Beleidigungen die Spitze. Machen Sie z.B. Witze darüber. Verulken Sie die Attacken. Ihre Partnerin hat Sie als blöden Arsch bezeichnet? Na prima, dann melden Sie sich am Handy das nächste Mal, wenn sie anruft, brottrocken mit »blöder Arsch auf Fortbildung, schönen guten Tag!«
Oder ritualisieren Sie das Ganze. Schreiben Sie sich gegenseitig kleine Entschuldigungs- und Liebesbriefe, in denen Sie explizit für das Gesagte um Verzeihung bitten. Und legen Sie die Briefchen neben die Kaffeetasse beim Frühstück, wenn die Stimmung entspannt und »ungefährlich« ist. Hauptsache, die Waffen des Reiters werden schnell stumpf, und Sie können die Vertrautheit wieder herstellen.
Noch einmal: Hier ist Eile geboten. Warten Sie nicht zu lange. Falls Sie unnötig viel Zeit mit Beleidigtsein und Stillschweigen verschwenden, lassen Sie dem nächsten apokalyptischen Reiter einladend die Zugbrücke runter. Dieser Untergangsbote ist nun wirklich ein blöder Arsch. Ein hinterhältiger noch dazu. Er kommt nämlich ohne Wutausbrüche oder Beschimpfungen daher, sondern ist ganz und eiskalt. Sein Name: Rückzug. Diesem Reiter widmen wir uns im nächsten Teil.
A propos widmen. Wollten Sie Ihrem Schatz nicht vorhin schon sagen, dass Sie ihn lieben?















