Auch wenn Sie grade im Stress sind: Legen Sie für einen Moment Terminkalender oder Blackberry zur Seite und hören Sie in sich hinein. Wie fühlt es sich an, wenn Sie über den letzten Beziehungsstreit nachdenken? Beklommen? Gleichgültig? Tut es weh? Gehört Kritik bei Ihnen zum »guten Ton«?
Haben Sie zu verletzenden Äußerungen gegriffen, um Ihren Partner mundtot zu machen? Oder wurden Ihnen unerwartet heftige Attacken um die Ohren gehauen? Dinge, bei denen Sie sich fragen, warum sich zwei liebende Menschen so etwas überhaupt sagen können? Dann hat nach Kritik und Verteidigung ein weiterer apokalyptischer Reiter bei Ihnen Einzug gehalten: die Verachtung.
Gezielt verletzen trotz aller Liebe
Wenn Sie glauben, verletzende Dinge würden nur im Affekt, in der Hitze des Gefechts gesagt, dann täuschen Sie sich. Ihr Unterbewusstsein produziert diese scharfen Äußerungen nicht grundlos. Sie deuten vielmehr auf einen schwelenden, ungelösten Konflikt hin. Dieser Konflikt hat bereits die Kritik in Ihre partnerschaftliche Kommunikation integriert. Verachtung baut auf diesem Beziehungsschaden auf und verschlimmert ihn. Je länger Sie sich gegenseitig kritisieren und herabwürdigen, umso leichter wird sich die Verachtung in Ihrem Alltag einnisten.Sie erkennen sie an typischen Veränderungen. Zum Beispiel darin, dass Sachverhalte dazu benutzt werden, persönliche Beleidigungen zu vermitteln. Beispiel. Die Bitte, nach dem Duschen die Kacheln der Duschkabine von den Wassertropfen zu befreien, damit es keine Kalkflecken gibt, kann man auf vielerlei Arten äußern, ohne dass ein Drama draus wird. Aber »kein Wunder hat dein Chef dich auf dem Kieker. Du schaffst es ja nicht mal, die Dusche trockenzulegen, da kann ich mir vorstellen, wie lausig du deinen Job machst« gehört gewiss nicht dazu.
Es geht nicht mehr um die verkalkte Dusche. Sondern darum, dass hier jemand gezielt seinem Gegenüber einen Stich zufügen will. Den Menschen als Gesamtkunstwerk beleidigen, verunsichern, verletzen. Und dazu wird ein so lächerlich unwichtiges Vehikel wie Kalkflecken missbraucht.
Auch beliebt und gemein: Sticheleien im falschen Moment
Angenommen, Sie sind gerade dabei, das Haus zu verlassen und wollen zu einer Weihnachtsparty. Ihre Partnerin fragt Sie etwas unsicher, ob ihr Po in dem gewählten Kleid zu dick wirkt. Nun könnten Sie charmant lächeln und sagen, dass Sie lieber nicht genau über das nachdenken möchten, was unter dem Kleid steckt, weil sich der Aufbruch sonst deutlich verschieben könnte. Oder einfach feststellen, dass Ihre Partnerin prima aussieht und sich keinen Kopf machen soll, sondern die Party genießen.Aber Sie sind genervt. Also nutzt Ihr Unterbewusstsein die Chance und platziert eine Gemeinheit. »Musst du dich immer so aufdonnern? Kein Wunder halten dich manche für arrogant. Pass auf, nachher lästert XY wieder über dich, und ich muss mir das dann in der Firma anhören....«
Wahlweise auch: »Was interessiert mich denn jetzt dein Hintern. Keine Angst, da werden eine Menge Frauen ganz anderen Kalibers auftauchen, du wirst kaum auffallen.« Peng. Gürtellinie. Sie glauben nicht, wie oft solche gehässigen Sätze zwischen Tür und Angel gesagt werden! Wobei es wie im Duschkabinen-Beispiel einzig darum geht, den Partner zu verletzen, zu verunsichern und ihm das Gefühl zu geben, irgendwie unzulänglich zu sein.
Natürlich lässt Ihre Partnerin das nicht auf sich sitzen, sondern schlägt mit gleichen Waffen zurück. »Tja, dass ich neben dir aufgedonnert wirke, ist kein Wunder. So wie du dich gehen lässt. Aber es gibt bestimmt jemanden, der auf Schmerbäuche steht.«
Oder: »Klar sind da eine Menge toller Frauen, die hat XY nur für dich eingeladen. Jeder weiß doch, dass du gerne alles angräbst, was nicht bei 3 auf dem Baum ist.«
Und so weiter. Erinnert ein bisschen an Kathleen Turner und Michael Douglas im »Rosenkrieg«, nicht wahr?
Auch rüde Totschläger wie »jetzt halt den Mund« oder »lass mich doch in Ruhe« drücken Verachtung aus. Ganz besonders, wenn Sie Ihren Partner mitten im Satz unterbrechen. Vielleicht denken Sie beim Lesen jetzt, dass Sie sich niemals so rabiat ausdrücken würden. Wirklich nicht? Manchmal schleichen sich die verächtlichen Attacken ein, ohne dass man sie bewusst wahrnimmt, zum Beispiel als gemurmelter oder geseufzter Halbsatz, während Sie aus dem Zimmer gehen. Vielleicht noch garniert mit einem abschätzigen Blick oder einem spöttischen Lachen? Oder einer zugeknallten Tür? Seien Sie ehrlich: Das ist Ihnen auch schon passiert, oder? Weil Sie felsenfest überzeugt waren, im Recht zu sein.
















