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Eine emotionale Affäre ohne Sex – ist das schon Betrug?
Emotional Cheating: Affäre ohne Sex

Emotional Cheating: Affäre ohne Sex

Das klassische körperliche Fremdgehen hat Konkurrenz bekommen: Emotional Cheating. Was soviel heißt wie »emotionaler Betrug« und nicht im Bett, sondern in der Phantasie stattfindet. Die Affäre spielt sich explizit in den Köpfen der beiden Beteiligten ab. Manchmal inklusive stundenlanger Chats und gemeinsamem Masturbieren, aber ohne reale Begegnung.

Das klingt erstmal harmlos. Chatten und deftige Dialoge, was soll daran schlimm sein? Doch das Liebesspiel im Äther birgt eine enorme Sprengkraft und kann eine Beziehung auf Dauer von innen heraus zerstören. Weil es eben nicht nur um Sex geht. Sondern um große Gefühle, die viel tiefer gehen, als es beim körperlichen Seitensprung der Fall wäre. Warum eigentlich? Und wie funktioniert die Affäre ohne Sex überhaupt?

Emotional Cheating: Versuch einer Definition

Die moderne Kommunikation macht’s möglich. Per Mail, in Chats oder Foren werden Kontakte geknüpft, manchmal ergeben sie sich auch zufällig über Dritte. Die meisten planen einen emotionalen Betrug nicht, sondern schlittern da mehr oder weniger unbemerkt rein. Das verbale Liebesspiel beginnt harmlos mit freundlichen Kommentaren und kurzen, öffentlichen Wortwechseln. Jeder von uns hat es schon erlebt. Es sind nur Worte auf dem Monitor, doch etwas daran kribbelt, ohne dass man es erklären kann...

Beruht diese spontane Anziehung auf Gegenseitigkeit, beginnt der private Mailwechsel oder Chat. Zunächst begint Emotional Cheating ganz harmlos, aber dennoch heimlich, ohne dass Partner oder Familie etwas davon mitbekommen. Weil man sehr wohl spürt, dass sich dieser Kontakt anders entwickeln wird als die üblichen virtuellen Bekanntschaften.

Das Thema Sex wird nicht offen kommuniziert. Sondern subtil, spielerisch zwischen den Zeilen eingebaut. Obwohl beide längst ahnen, wo die Reise hingeht, machen sie sich ausführlich den Hof, häufig in einer blumigen Sprache, die sie im Reallife eher albern fänden. Man tauscht sich über Alltägliches aus, über Träume und Wünsche, und erst allmählich bekommt die Kommunikation erotische Anklänge, eingebettet in intensive Zuneigungsbekundungen. Webemocams oder Telefonate kommen dabei übrigens selten bis nie zum Einsatz, im Gegenteil: Je abstrakter die Verbindung, umso mehr Raum bleibt für Phantasien!

Der Reiz liegt in der Dramaturgie. Im wohldosierten gegenseitigen Heißmachen, nicht im tatsächlichen Ausleben der Phantasien. Die gesamte Kommunikation ist mehr emotional als sexuell aufgeladen.

Genau deshalb ist die emotionale Affäre für betrogene Partner so schwer verzeihlich. Denn oft, wirklich sehr oft werden noch vor dem ersten Sex-Dialog die magischen drei Worte geschrieben: »Ich liebe Dich«. Nicht, weil sich da tatsächlich ewige Liebe entwickelt hätte, sondern weil es sich gut anfühlt und den nachfolgenden virtuellen Sex quasi legitimiert.

Fiktive Liebeserklärungen, die unendlich schmerzen können

Bei der emotionalen Affäre geht es nicht darum, sich gegenseitig kennenzulernen, sondern das widerzuspiegeln, was der Andere sucht. Bewusst oder unbewusst. Obwohl dieser Vorgang fast mechanisch abläuft, beginnt mit ihm eine erotische und aufwühlende Pseudo-Beziehung. Die in völlig anderen kommunikativen Bahnen abläuft als z.B. eine gelebte Ehe.

Aus diesem Grund schaffen es Millionen Menschen, heimliche virtuelle Beziehungen zu führen, ohne aufzufliegen. Kommt der emotionale Ausflug doch ans Licht, weil z.B. der Partner eine der meterlangen Mails entdeckt oder eine pornografische sms inklusive Liebesschwüren aus Versehen bei ihm statt beim virtuellen Partner landet, ist das Drama perfekt.

Schatz, es ist doch gar nichts gelaufen!

Falsch. Aus drei Gründen. Erstens: Wäre tatsächlich »nichts«, hätte der Kontakt nicht verheimlicht werden müssen, sondern mit Wissen des Partners stattfinden können. Vielleicht sogar zu dritt. Ein virtueller Dreier kann schließlich auch reizvoll sein, stimmt’s?

Zweitens: Für ein »Nichts« kostet Emotional Cheating auf Dauer verdammt viel Energie. Diese Energie fehlt der Basisbeziehung. Das heimliche virtuelle Erotik-Feuerwerk braucht immer neues Brennfutter, weil ja jede reale Grundlage fehlt. Stundenlange Chats, nächtliche sms und tägliche Mailwechsel sind da nur der zeitliche Aufwand. Doch der »emotionale Betrüger« investiert auch Gefühle und ist gedanklich viele Stunden täglich in seiner privaten, virtuellen Seifenblase. Zu der Außenstehende keinen Zutritt haben. Inklusive Partner und Familie.

Das hinterlässt Spuren in der partnerschaftlichen Kommunikation! Bei aller Gründlichkeit im Verwischen digitaler Spuren: Man(n) bzw. Frau spürt es einfach, wenn der geliebte Partner nur noch körperlich im Ehebett anwesend ist und mit Herz, Hirn und Lenden ganz woanders agiert...

Und drittens: Für ein »Nichts« verursacht Emotional Cheating sehr viel Schmerz. Nämlich das Gefühl, hintergangen und gedemütigt worden zu sein.

Der amerikanische Psychologe David Buss hat das Phänomen virtuellen Betruges erforscht und festgestellt, dass die hintergangenen Männer und Frauen reagieren wie bei einem »echten Betrug«: verletzt, wütend, gekränkt, verunsichert, und mit angeknackstem Selbstwertgefühl. Nicht etwa wegen des virtuellen Sexkontaktes (in dem Punkt sind wir schließlich alle keine Heiligen). Sondern wegen der großen, dramatischen Romanze drumrum.

Dieser Artikel hat 2 Seiten. Lesen Sie auch . . .

Seite 1: Emotional Cheating: die heimliche Affaire im Kopf
Seite 2: Warum fühlt sich Emotionaler Betrug so gut an?

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