eine Affäre muss nicht das Ende einer Partnerschaft bedeuten

Paar vershnt sich nach dem Seitensprung

Wenn eine Affäre zum Beziehungsretter wird

Eine Beziehung baut immer auf Vertrauen auf. Ist das Vertrauen zerstört, bleibt einem Paar eigentlich nur die Trennung. Bisher dachte man immer, dass eine Affäre bzw. das Hintergehen des eigenen Partners mit einem One-Night-Stand eine »sicheres Mittel« ist eine Beziehung unwiderruflich gegen die Wand zu fahren. Dieser These hält die Paarpsychologin Mira Kirshenbaum eigene Erfahrungen aus ihrer Arbeit entgegen und meint, dass eine Affäre nicht das Ende einer Partnerschaft bedeuten muss. Gewagte These oder empirisch belegbare Aussage?

Das Betrügen des eigenen Partners mit einer Affäre bedeutet in vielen Fällen das »Aus« für die gemeinsame Liebe bzw. Zukunft. Mira Kirshenbaum, bekannt durch zahlreiche Buchveröffentlichungen zu Beziehungsfragen, sieht dies aber ganz anders:

»Ich sage ja nicht, komm betrüge Deinen Partner, aber wenn es passiert ist, dann ist diese Zensur auch eine Möglichkeit für einen Neuanfang, für ein Reset der Beziehung. Der Seitensprung geschieht nicht aus Bösartigkeit oder Gier des Partners, sondern ist ein Symptom dafür, dass dem Partner in der Beziehung etwas fehlt und genau das kann man in Gesprächen mit dem Paar herausarbeiten.«

Nach Kirshenbaums These kann es gelingen die Missstände in der Beziehung aufzudecken und den »Missing Link«, das fehlende Ding, das unbefriedigte Bedürfnis zu finden. »Wenn wir es dann gefunden haben, dann können wir daran arbeiten«, so Krishenbaum.

Die Lust kommt zurück

Eine Affäre wird so zu einer Chance für die Beziehung. Zuviel Routine und der Alltagstrott können auch die glücklichsten Beziehungen auf lange Sicht hin schädigen und sogar zerstören. Eine Beziehung lebt durch neue Erfahrungen und durch viel Erotik. Gerade der Sex geht oft in langjährigen Beziehungen verloren und genau dieses Lustprinzip kann durch den Kick mit der fremden Haut wieder neu entfacht werden. Laut der Psychotherapeutin wird die Lusterfahrung mit einer Affäre oft ohne Probleme auf die eigentliche Partnerin bzw. den eigentlichen Partner übertragen und sorgt so für einen neuen Kick in der alten Beziehung. Die verloren geglaubte erotische Liebe kehrt so wieder zurück.

Das »Alles-oder-Nichts-Prinzip«

Wird eine ehemals gesunde Beziehung durch Streit, Nörgeleien und der unausgesprochenen Unzufriedenheit zu einer Hängepartie, bei der man sich fragt, ob man das Seil durchschneiden und in die Arme einer neuen Liebe gleiten soll oder ob man den erneuten Aufstieg bzw. den Neuanfang wagt, dann ist man dort angekommen, wo eine Affäre immer wahrscheinlicher wird. Diesen Punkt der Entscheidung kennen viele Paare. Darin kann aber auch eine neue Chance für die alte Liebe liegen. Bleiben wir oder gehen wir? Wer jetzt seinen Partner betrügt, legt es auf »Alles oder Nichts« an. Diese Art der Affäre setzt alles auf eine Karte und wie jede Karte hat auch diese zwei Seiten.

Die »By-the-Way«-Affäre

Wer in einer glücklichen Beziehung lebt und fremdgeht, der begeht den Seitensprung nicht aus Unzufriedenheit, sondern einfach aus »Versehen«. Ein Glas zuviel auf der Betriebsfeier oder einfach die Lust am Sex mit dem fremden Menschen lässt uns manchmal in fremden Betten landen. Es wird einem aber schnell bewusst, dass man hier einen schrecklichen Fehler begangen hat, den man schnellstmöglich vergessen bzw. ungeschehen machen möchte. Gerade diese »Aussetzer« können die Chance für die alte Beziehung sein. In solchen Situationen erkennt der untreue Partner oftmals wie sehr er an dem geliebten Menschen hängt und sieht, dass er diesen nicht verlieren möchte. Oft führt dieses »schlechte Gewissen« zu einem liebevollerem Umgang mit dem Gegenüber und so zu einer Stärkung der Beziehung.

Seitensprung nur aus Rache

Viele Frauen verzeihen ihrem Mann zwar eine Affäre, begehen aber einen Seitensprung aus Rache.

Erika, 32: »Ich liebe meinem Mann ja und ich musste ihm den Fehltritt verzeihen, da ich ihn nicht ganz verlieren wollte, trotzdem hatte ich in mir dieses starke Gefühl der Rache. Ich wollte es ihm einfach heimzahlen«.

Der betrogene Partner glaubt, dass man nicht ganz quitt ist und so »auch mal darf«. Wenn man dieses Gefühl nicht kontrollieren kann, dann sollte man es auch durchziehen und den Betrüger zum Betrogenen machen. Danach sieht die Welt meist ganz anders aus und man hat in seiner Beziehung wieder das Gefühl der Konsonanz, des Einklangs, des Ausgleichs hergestellt und kann so in eine neue gemeinsame Zukunft starten.

Eine Affäre aus Selbstbestätigung

Mit den Jahren kehrt in jeder Beziehung die Häuslichkeit ein und aus prickelnder Erotik wird oft Alltag und das Gefühl »Meinen Partner, meine Partnerin habe ich eh sicher«. Die Liebe wird als selbstverständlich wahrgenommen und man glaubt, dass man für die Liebe und für die Beziehung nichts mehr tun muss. Oft erwächst aus diesen Gefühlen der Wunsch eine neue Eroberung machen zu wollen. Gerade Männer suchen den neuen Kick und die Selbstbestätigung der eigenen Männlichkeit in einer Geliebten. Gelingt das Fremdgehen, dann ist das Balsam für das Ego. Die Therapeutin Kirshenbaum rät:

»Tragen Sie das neu gewonne Selbstbewusstsein in das eigene Bett und leben Sie diesen »Stolz« zukünftig mit ihrem eigenen Partner aus«.

Mehr zum Thema – Das könnte Sie auch interessieren:

    Buchrezensionen: Fundierter Rat zum Thema

  • Warum hast Du mir das angetan? Dr. Hans Jellouschek analysiert, wie es zum Seitensprung kommen kann und was die Beteiligten daraus gewinnen können
  • Die Kirschen in Nachbars Garten Die Psychologin Julia Onken räumt mit der Annahme auf, dass Fremdgehen in irgendein zwischenmenschliches Raster passe
  • Wenn Liebe fremdgeht Dieses Buch ist für Paare, die trotz Affäre zusammenbleiben wollen – aber nicht wissen, wie sie das bewerkstelligen können
  • Weitere Bücher