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Was überwiegt: körperlicher oder emotionaler Betrug?
Emotional Cheating: Affäre ohne Sex

Warum fühlt sich Emotional Cheating so gut an?

Jeder sehnt sich ab und zu nach ein wenig Drama. Nach dem ganz großen Liebesfilm im Kopf. Entweder, um einen allzu gemütlich dahinplätschernden Alltag aufzupeppen, oder umgekehrt: als Realitätsflucht aus einem belastenden Alltag. Mit dem Gefühlspartner im Cyberspace werden turbulente Situationen inszeniert: Streit und Versöhnung, tiefenpsychologische Dialoge, tragische Geständnisse, Albernheiten, Sex, Egopolitur, Selbstbestätigung – eben alles, was Gefühle triggert, die im Alltag so intensiv nicht mehr vorhanden sind.

Natürlich können diese Schein-Beziehungen niemals in die Wirklichkeit überführt werden. Die Möglichkeit, das virtuelle Liebesspiel in einem Hotelzimmer oder Swingerclub auszuleben, existiert nicht und wird auch bewusst nie in Erwägung gezogen. Weil bereits bei der ersten Begegnung der beiden Hauptakteure die Illusion zusammenbrechen würde.

Eine Illusion mit eingebautem Verfallsdatum

Das Bild, das sich beide voneinander gezaubert haben, hat nichts mit der Realität zu tun. Wer würde schon bei einem virtuellen Liebesdialog zugeben, dass das Profilbild zehn Jahre alt ist oder kräftig retuschiert wurde? Und dass die im Chat so detailliert beschriebenen, prallen Brüste eventuell längst hängen und keine C-Körbchen mehr füllen? Nein, beim virtuellen Sex sind beide Beteiligte perfekt. Niemand hat Cellulite, die Schwiegermutter zu Besuch, Schulden oder Mundgeruch.

Emotional Cheating ist also nicht nur ein Betrug am Partner, sondern auch an den Beteiligten selbst. Leider hilft dieses Wissen einem auf diese Weise hintergangenen Partner nicht weiter.

Ein »Ich liebe dich«, das vielleicht aus dem Beziehungsalltag längst verschwunden ist, aber nun inflationär an einen fremden, virtuellen Sexpartner verschleudert wird, tut weh. Es symbolisiert Verrat, Hochverrat sogar. Beim Emotional Cheating kommt der betrogene Partner meist gar nicht gut weg. Männer stellen sich in solchen Dialogen gerne als einsame Wölfe und sensible Seelen dar, die sich zum ersten Mal so richtig verstanden fühlen. Deuten an, dass sie in einer unglücklichen Ehe leben, seit Jahren keinen Sex mehr mit ihrer Partnerin haben usw. Ob das tatsächlich stimmt, ist unwichtig. Es gehört zum Drehbuch.

Frauen tun etwas Ähnliches. Stellen sich als sexuell unausgelastet dar, ihre Partnerschaft als erkaltet, und wachsen beim virtuellen Dialog über sich hinaus. Manche Frau, die ein eher konservatives Leben führt, artikuliert sich ihrem virtuellen Lover gegenüber in einer pornografischen Eloquenz, die sie bei ihrem Mann niemals an den Tag legen würde. Immer mit dabei: sehnsuchtsvolle Liebesbekundungen.

Beide erschaffen also ein Alter Ego von sich und schicken es ins virtuelle Liebesspiel. Dass dabei die Würde der jeweiligen Partner mit Füßen getreten wird, scheint keine Rolle zu spielen.

Keine Überraschung: Männer können verzeihen, Frauen nicht

David Buss hat auch dieses Thema recherchiert und bestätigt, was alle Klischees bereits vermuten lassen: 60 Prozent aller befragten Männer (international repräsentativ) erklärten, dass ein vollzogener sexueller Betrug sie mehr verletzen würde als Emotional Cheating. Bei Frauen ist es umgekehrt: 83 Prozent würden sich durch emotionalen Betrug mehr hintergangen fühlen als durch einen »normalen« Seitensprung. Um sicherzugehen, schloss Buss die Befragten sogar an einen Lügendetektor an, weil er selbst kaum glauben konnte, dass sich die gängigen Rollenklischees so deutlich bestätigen würden.

Ein Mann, der sich auf eine emotionale Affaire einlässt, muss wissen, dass er damit eher seine Beziehung riskiert als bei einem Seitensprung! Und sollte eventuell abwägen, ob das romantische Kopfkino wirklich eine handfeste Ehekrise wert ist. Vor allem, wenn man den angerichteten Schaden mit dem bei einem »harmlosen« Seitensprung vergleicht. Dieser sorgt – bei entsprechend erwachsenem Umgang – nur selten für Drama.

Die Frage lautet also: Warum sehne ich mich so nach dem emotionalen Kick? Was fehlt mir in meinem Leben, dass ich mich in eine Phantasieliebe hineinsteigere, die mich im schlimmsten Falle meine Beziehung kosten könnte?

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Kommentare
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[Gast] reggi1401 || 18.09.2011 16:43:05
ich finde, das es bei weitem einen Seitensprung übertrifft.habe bei meinen Mann alles nachlesen können.Ich bin über 30 Jahre verheiratet,aber was da an Gefühlen und Worten investiert wird ist unwahrscheinlich.Das hab ich in den Jahren nie gehört von meinen Mann.Es kommt mir vor wie zwei völlig verschiedene Menschen.
[Gast] dalmatien65 || 27.05.2011 08:43:25
,........ich führe eine "emotionale affäre", sie kostet nach 6 Monaten "emotialem Kick"!, intensive Emotionen, Zeit und Kraft,.....ein Doppelleben, das nicht so einfach zu beenden ist!
[Gast] Gast || 27.11.2009 21:08:14
Hallo, wenn du diese Scheiße mal erlebt hast, nimmst des a nimma auf die leichte Schulter.
Danke, habs bei meinen Mann erlebt, und er meint imma no, es war nix, ha ha ha
[Gast] U2-Cando || 27.10.2009 15:36:56
ja, wenn das so ist bei den Frauen, dann lieber die Finger vom Emotional Cheating lassen, lieber Seitensprüge begehen, oder beides, wenn´s nicht auffliegt...hehe.
[Gast] Svenja || 26.10.2009 17:04:46
Ich denke, dass irgenwann jede Beziehung an Spannung verliert und alles irgendwie normal wird. Da kann man sich mit dem Medium Internet - zumindest für eine Weile - ein bißchen Prickeln zurückholen. Ich selbst finde dies nicht so schlimm - würde allerdings meinen Partner einweihen und ihn daran teilhaben lassen. Das wird dann spannend für beide... und tut keinem weh!
[Gast] Fando || 26.10.2009 11:04:19
Ich sehe es Ähnlich: Ein emotionaler Betrug wäre für mich verletzender als ein körperlicher, vorrausgesetzt es war eine einmalige Sache und keine Daueraffäre. Und in diesem Falle würde ich es gar nicht wissen wollen.

Dennoch bin ich überzeugt, dass einmalige Ausrutscher eher die Seltenheit darstellen. Heutzutage dominiert die langfristige Affäre, in der es oft um mehr geht, als nur sexuelle Triebe zu befriedigen. Eine Affäre wird als Balsam für die Seele genutzt.

Was meist nur mit einem körperlichen Betrug beginnt, endet nicht selten in einem Meer voller emotionaler Gefühle, „Liebe“, Abhängigkeit und Leid. Wer ein besseres Bild bekommen möchte, der sollte die Foren der Frauen-Communities durchforsten, der Gesprächstoff „emotionaler Betrug“, sorgt immer für kontroverse Meinungen, und man glaubt es kaum, wieviele Frauen sich in dieser Position befinden.

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