SEXMANGEL: FÜR JEDEN ZEHNTEN EIN TRENNUNGSGRUND

Unglückliches Paar mittleren Alters im Schlafzimmer. Schwarz und weiß.

Sexkiller in der Ehe – Verfügbarkeitsfalle und Leistungsdruck

Zu geringerem sexuellen Verlangen tragen auch die alltäglichen Stress-Faktoren bei. Sorgen und Ärger haben auf beide Partner stärkere negative Auswirkungen. Wer vermutet, daß seine Libido durch Stress beeinträchtigt ist, sollte sich Zeit für Entspannung nehmen – zum Beispiel für ein schönes Bad oder einen langen Spaziergang am frühen Abend.

Sexkiller Nr. 1: die Verfügbarkeitsfalle

Der Partner ist Lebensgefährte, Kumpel, Elternteil, starke Schulter zum Anlehnen, bester Freund, Ernährer, Sexpartner und manchmal sogar Arbeitskollege in Personalunion. Was für ein Wahnsinnsjob!

Ganz profan gefragt: Wo soll das Kribbeln denn auch herkommen, wenn man sich ununterbrochen so nahe ist? In der Physik wirkt Anziehungskraft wirkt am stärksten, wenn sich beide Pole in bestimmter Entfernung zueinander befinden. Sobald sie sich berühren, hebt sich die gegenseitige Anziehung auf - Ende. Nein, das soll kein Plädoyer für mehr Distanz sein. Vertrautheit kann man glücklicherweise nicht rückgängig machen. Doch wie wäre es mit etwas mehr Freiheit, um der Anziehungskraft Raum zu geben? Die Unlust betrifft übrigens Männer und Frauen gleichermaßen. Das Bild vom omnipotenten Mann, dessen Frau sich mit »nö Schatz, ich hab Kopfweh« aus dem Ehebett verabschiedet, ist ein Mythos. Das wenig antörnende Bild des Gatten, der nach einem stressigen Arbeitstag entnervt den Anzug gegen die verbeulte Jogginghose tauscht, die Füße auf dem Couchtisch parkt und in Ruhe gelassen werden will, ist ebenso verbreitet wie das der unlustigen Ehefrau, die zwischen Kindergeschrei, Elternabend und Bügelwäsche wenig Lust auf Erotik verspürt. Und von der ehemals geistreichen, funkensprühenden Kommunikation ist auch nichts mehr übrig.

Sexkiller Nr.2: Leistungsdruck

Betrachtet man sich Pornoseiten im Internet oder auch manche Werbespots, könnten wir allesamt Komplexe bekommen. Sex wurde entmystifiziert, abgekoppelt von der Liebe. »Man« kann immer, jederzeit und mit 1A-Haltungsnoten, besitzt kein Gramm Fett an falscher Stelle, und eine Beißschiene oder Lockenwickler trägt auch niemand im Bett. Diese unrealistischen Abziehbilder von allzeit paarungsbereiten Bilderbuchmenschen, sie sickern ins Unterbewusstsein und erzeugen Leistungsdruck. Dem normal sterbliche Paare natürlich niemals gerecht werden können, ob mit oder ohne Viagra.

Gleichzeitig verleiten solche »Vorlagen« natürlich auch zu Vergleichen mit dem eigenen Sexleben, besonders, wenn hier bereits ein gewisses Frustpotenzial latent vorhanden ist. So unfair diese Vergleiche sind, so gefährlich können sie sein, denn mit ihnen beginnt ein Domino-Effekt. Kommt der eigene Partner im Vergleich mit den vorgelebten »Soll«-Beschreibungen zu schlecht weg, fängt die gedankliche Suche nach Alternativen an. Die eigene Beziehung wird als defizitär empfunden. Dieses wiederum spürt der Partner sehr genau und reagiert verunsichert, verärgert – oder gar nicht und zieht sich seinerseits zurück. Woraus noch mehr Unzufriedenheit wächst. Das Gefühl, nicht mehr attraktiv genug zu sein, korrespondiert direkt mit dem Wunsch des Partners nach mehr Sex. Oft wird in dieser Phase die Empfänglichkeit für erotische Bestätigung vom Partner weg ins Außen verlagert – wo früher oder später auch jemand darauf reagiert. Möglicherweise mit einem Seitensprung.

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