Wenn Männer und Frauen ein geheimes Doppelleben führen

Faszination Doppelleben: Die Anatomie einer Affäre

Die meisten Frauen und Männer erleben es in ihrem Leben einmal – oder auch mehrfach. Besonders wer in einer langjährigen festen Beziehung oder Ehe steckt, muss sich meist irgendwann mit dem Thema Seitensprung auseinandersetzen. Entweder, weil man selbst in eine Affäre geraten ist – oder weil der Partner eine hat. Oft erschüttert das Thema Seitensprung die Partnerschaft gehörig – vor allem, wenn alles ans Tageslicht kommt.

Das Vertrauen zum Partner fällt zusammen wie ein Kartenhaus, das Ideal von der immerwährenden Treue zerbricht, das ganze Leben ist auf den Kopf gestellt. Oftmals fällt es in dieser Situation dann schwer, eine realistische Perspektive einzunehmen, die das Doppelleben nicht nur idealisiert oder verdammt. Für viele Frauen und Männer gibt es nämlich nur ein Schwarzweiß-Denken: Entweder der Seitensprung belebt die eingeschlafene Ehe oder er tötet die Liebe und vernichtet das Vertrauen zwischen Mann und Frau.

Ob Verharmlosung, Verniedlichung, Rationalisierung, Harmonisierung oder Bagatellisierung, all diese Abwehrprozesse dienen letzten Endes nur dazu, die Hintergründe der Liebesaffäre weiterhin zu verhüllen und damit den Zugang zu ihrem Verständnis zu versperren. Nicht nur vor dem betrogenen Partner, sondern auch vor sich selbst. Deshalb ist es auch so schwierig, einen angemessenen Umgang mit dem Affären-Doppelleben zu finden. Die eigene Sichtweise zu relativieren, die Dinge auch aus der Perspektive des Partners zu betrachten und offen zu sein für eine gemeinsame Entdeckungsreise zu den Wurzeln des Doppellebens, kann aber sehr heilsam sein. Es ist nicht einfach, eröffnet aber die Möglichkeit, als Paar gestärkt aus der Phase hervorzugehen und der Beziehung eine neue Qualität zu geben.

Die Themen dieses Beitrags:

Der Traum von der idealen Beziehung

Was wünschen wir uns von unserem Leben, unseren Beziehungen, worin liegt unser Traum vom Glück? Frauen und Männer haben ganz bestimmte Vorstellungen davon, wie ihr Leben verlaufen soll, wie und wo sie leben wollen, wie viele Kinder sie einmal haben möchten und wie sie die Karriere im Beruf mit der Zufriedenheit in den privaten Beziehungen in harmonischen Einklang bringen wollen. Bis es dann soweit ist und uns die Realität einholt. Wir stecken gerade mitten im Aufbau unserer beruflichen Karriere, haben geheiratet, das erste Kind ist da, und der Plan vom eigenen Häuschen nimmt langsam Formen an. Ganz schön viel auf einmal. Und ganz schön viele Probleme, die plötzlich auf uns und unseren Partner zukommen. Stress und Alltagshektik nehmen vielleicht Überhand, es kracht öfters und das große Verliebtheitsgefühl lässt langsam nach. Marotten unseres Partner, die wir früher witzig und individuell fanden, gehen uns langsam auf den Geist. Die Socken auf dem Esstisch sind auch nicht mehr originell. Ihre stundenlangen Telefonate nerven. Willkommen in der Wirklichkeit!

Runter von Wolke sieben

Wie lange und wie viel können sich zwei Menschen genügen, bevor Langeweile, Routine und mangelnde gegenseitige Herausforderung sich langsam aber vehement einschleichen und die Euphorie der Anfangszeit ersticken? Wenn die sogenannte Wirklichkeit nicht mehr mit den einstigen Idealvorstellungen übereinstimmt, dann kann es schon passieren, dass die Frau oder der Mann immer unzufriedener werden und sich letztendlich dazu entschließen, sich neue Realitäten – oder auch Traumwelten – zu erschaffen. Für manche ist es dabei zuerst mal wichtig, dem ungeliebten Alltag zu entfliehen. Und dann dauert es oft gar nicht lange, und irgendwo da draußen ist ein Retter oder eine Retterin gefunden, der/die idealisiert werden kann und aus dem täglichen Joch erlöst. Was zunächst mit einem Abenteuer beginnt, wird zu einer ernsten Beziehung, der Startschuss für ein Doppelleben welches zur Normlaität wird.

Warum haben wir überhaupt Affären?

Jeder hat eine andere Geschichte und oft sind Affären nicht geplant. Jeden kann es treffen. Gerade in langjährigen Beziehungen, wo das Feuer schon fast aus ist, ist man anfällig. Vielen geht es dabei gar nicht in erster Linie um Sex, sondern um Nähe, Intimität und wieder wahrgenommen und begehrt zu werden. Alles was man zu Hause seit langem vermisst.

Der Seitensprung als biologische Verpflichtung?

Es ist wissenschaftlich immer wieder bestätigt worden und zahlreiche Studien belegen es: Die genetische Veranlagung des Menschen ist in allererster Linie darauf ausgerichtet, die Art zu erhalten. Deshalb haben wir Triebe, deshalb gibt es Lust und diese herrlichen chemischen Prozesse, die sich in unseren verliebten oder begehrlichen Gehirnen abspielen und dafür sorgen, dass uns im Fall des Falles alles andere ziemlich egal ist. Wir sollen Sex wollen, immer wieder – und besonders im Falle der holden Männlichkeit auch mit so vielen verschiedenen Partnerinnen wie möglich. Arterhaltung! Vermehrung! Das ist das Stichwort und in vielen Fällen auch eine gern zitierte Ausrede, wenn »Mann« beim Seitensprung erwischt wird.

Auch Frauen gehen fremd und sind anfällig für biologische Launen. So besagen Studien, dass Frauen während des Eisprungs, also in ihrer fruchtbaren Phase, eher zum Seitensprung neigen und eher auf Verhütungsmittel verzichten. Dass es überhaupt noch so etwas wie Treue gibt und dass sich in unserer Gesellschaft der Monogamie-Anspruch in festen Beziehungen hartnäckig hält, haben wir unserer Sozialisation, der Erziehung – vielleicht auch religiöser Art – sowie den gesellschaftlichen Normen zu verdanken, auf die sich unsere westliche Zivilisation seit langem stützt. Um sich an diese zu halten und allen Verlockungen zum Trotz auch in langjährigen Beziehungen »treu« zu bleiben, benötigen wir entweder ein starkes Gewissen oder Anreize, die unsere Partnerschaft auf lange Sicht attraktiv erhalten. Oft kommen allerdings Gründe dazwischen, die dies verhindern ...

Wenn nichts mehr vorwärts geht: Langeweile und Stillstand in der Beziehung

Langjährige Beziehungen haben es nun einmal so an sich: Ihre Sicherheit und Verlässlichkeit ist schön – ein so berechenbares Leben kann aber auch langweilig werden. Wenn die Partner lange aufeinander eingespielt sind, das Prickeln der Verliebtheit fehlt und auch gemeinsame erotische und leidenschaftliche Ausbrüche aus dem Alltag zu kurz kommen, liegt es nahe, sich woanders etwas Abwechslung zu suchen. Ein kurzweiliger Kick, frischer Wind im Liebesleben, das Hochgefühl von Verliebtheit, Abenteuer und Unalltäglichkeit. Wir spüren uns wieder! Für viele Menschen bringt eine Affäre genau die Abwechslung, die ihnen in ihrer Hauptbeziehung fehlt.

»Ein Mensch allein kann nicht alle Bedürfnisse eines anderen erfüllen«, sagt Pit (42). »Ich führe eine gute Ehe und bin eigentlich glücklich, aber seit die Kinder da sind, hat Eva die Lust am Sex ziemlich verloren. Deshalb gönne ich mir ab und an ein kleines Abenteuer. Aber verlassen würde ich Eva nicht. Ich kann das klar trennen, und bei meinen Affären sind auch keine Gefühle im Spiel.« Pit beschreibt ein typisches Verhalten, das viele Affären charakterisiert. Man möchte sich von beiden Seiten die Rosinen herauspicken, von allem das Beste mitnehmen – aber nicht immer funktioniert ein solches Doppelleben auf Dauer. Entweder, weil uns unser Gewissen plagt, oder weil wir nachlässig werden und die Leichtfertigkeit dazu führt, dass die Affäre irgendwann auffliegen kann.

Ein ordentlicher Vitaminstoß fürs Ego

Keine Frage. Eine Affäre hat ihren besonderen Reiz. Sie erfüllt die Funktionen, die auch die erste Verliebtheitsphase mit dem Partner erfüllt hat – und die dann im Laufe der Jahre immer mehr ins Hintertreffen geraten sind. Sich gegenseitig bewundern, Komplimente machen, das Gefühl haben, für den anderen einzigartig und lebenswichtig zu sein, begehrt und umworben werden, Geschenke bekommen, die kreativsten Seiten des andern wecken, total verrückte Dinge tun und sich benehmen wie ein Teenie: Herrlich. Manchmal möchte man das wiedererleben. Und naturgemäß ist es schwierig, solche emotionalen Höhenflüge mit dem Partner zu erleben, dem man seit 15 Jahren jeden Morgen verschlafen und ungekämmt am Frühstückstisch gegenüber sitzt.

Dabei liegt gerade hierin die Kunst, auch in langjährigen Partnerschaften das Feuer aufrecht zu erhalten. So sagt auch der US-amerikanische Paartherapeut und Beziehungsforscher John Gottman in seinem Buch Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe, dass eine Partnerschaft viel Pflege braucht, wenn sie über viele Jahre gedeihen und blühen soll – und es gilt, ständig, ja täglich daran zu arbeiten, das emotionale Beziehungskonto im Plus zu halten. Gar nicht so einfach, denn nach seiner 5:1-Formel braucht es fünf positive Erlebnissse, Sympathie- oder Liebesbekundungen um ein negatives – wie z.B. Streit, eine Herabwürdigung, Unfreundlichkeit o.Ä. – auszugleichen. Und Beziehungskonten, die permanent und deutlich im Minus sind, sind anfälliger für Seitensprünge.

»Hilfe, ich habe was verpasst!«

Aber auch unsere immer weiter steigende Lebenserwartung beeinflusst unser Treueverhalten. Insofern war früher zwar nicht alles, aber doch manches leichter. Vor Jahrhunderten, als die Menschen eine wesentlich geringere Anzahl an Lebensjahren zur Verfügung hatten, bedeutete das Versprechen »Bis dass der Tod euch scheidet« eine Verpflichtung auf vielleicht 15-20 Jahre. Ein überschaubarer Zeitraum. Heute leben wir länger, und vor allem sind auch Frauen unabhängiger geworden – und können sich damit Affären eher leisten. Wer lange mit seinem Partner zusammen ist und sich nicht ausgelebt hat, stellt sich eines Tages unweigerlich die Frage: Habe ich was verpasst? Könnte ich noch andere haben? Und wie ist überhaupt mein Marktwert? Wie wäre der Sex mit dem netten Arbeitskollegen? Wen diese Ungewissheit allzusehr plagt, der wird sich vielleicht einmal in Nachbars Garten umschauen – und Neues ausprobieren. Meistens ohne die Absicht, die eigene Ehe oder Partnerschaft zu gefährden. Es darf halt nicht rauskommen – oder so spannend werden, dass das Neue wesentlich reizvoller wird als der Erhalt der bestehenden Beziehung.

Gelegenheit macht Liebe

Studien zufolge geschehen die meisten Seitensprünge ungeplant, aus einer Laune oder einer gerade günstigen Gelegenheit heraus. Die Geschäftsreise, die mit einem Flirt an der Bar und einer heißen Nacht im Hotelzimmer endet. Die Betriebsfeier, die Party mit reichlich Alkohol – viele Seitensprünge beginnen so. Manchmal entwickelt sich daraus eine länger andauernde Affäre, manchmal bleibt es beim One-Night-Stand. In den letzten 10 Jahren, mit dem explosiven Wachstum der Online-Partnersuche im Internet, geht Mann oder Frau auch ganz gezielt los, um sich eine Affäre zu suchen – und das ganz einfach: über diskret und anonym vermitteldende Seitensprung-Agenturen. Und dadurch, dass wir alle mobiler, dass die Welt kleiner geworden ist und wir uns in kürzester Zeit von A nach B bewegen oder im Internet unmittelbar mit unzähligen neuen Leuten zusammentreffen können, ergeben sich natürlich auch viel mehr Gelegenheiten.

Evolutionspsychologen wie Todd Shackelford von der Oakland University in Michigan sind überzeugt, Seitensprünge seien ein Resultat von Gelegenheiten – und des gesellschaftlichen Status. »Der beste Prädiktor für die Untreue bei Männern«, erklärte Shackelford dem amerikanischen Rundfunksender NPR, »ist die schiere Gelegenheit, und Männer mit Macht haben bemerkenswerte Gelegenheiten.«

Sind Sie ein Typ für Affären?

Es gibt hunderte von Gründen, warum wir fremdgehen? Das trifft vielleicht auf Frauen zu. Männer tun es meist nur aus einem Grund: Sex. Oder? Ganz so plakativ ist es sicher nicht. Aber tatsächlich ist bei dem weitaus größten Teil der Männer, die fremdgehen, der Sex der ausschlaggebende Faktor. Ob die Geliebte nun jünger ist, besser aussieht, eine knackigere Figur oder längere Haare als die eigene Frau hat, ist eher unwesentlich. Die meisten Männer suchen sich tatsächlich vor allem dann eine Geliebte, wenn sie zu wenig Sex in ihrer Hauptbeziehung haben.

M. Gary Neuman, ein amerikanischer Eheberater und Paartherapeut, bezieht sich in seinem Buch »Die Wahrheit über das Fremdgehen« auf eine Studie, die besagt, dass einer von 2,7 Männern fremdgeht. Tatsächlich geben 92 % der Männer in dieser Studie als Grund für den Seitensprung Sex an. Mit dem erotischen Abenteuer wollten sie einfach für einen Moment dem Alltagsstress und den tagtäglichen Sorgen und Verpflichtungen entfliehen, weg von quengelnden Kindern, unbezahlten Rechnungen und einem unaufgeräumten Keller.

Was Männer am Seitensprung besonders fasziniert ist die Tatsache, bewundert zu werden, Anerkennung zu erhalten und als Supermann dazustehen. Nicht wahrgenommen zu werden mit all seinen Unzulänglichkeiten und Schwächen, sondern wertgeschätzt zu werden ohne Wenn und Aber – das ist aber auch bei Frauen ein wichtiger Grund, sich eine Affäre zu suchen. Frauen neigen vor allem dann zu Affären, wenn sie sich unverstanden fühlen, zu wenig Zuwendung von ihrem Partner bekommen oder ihnen Kommunikation und Austausch sowie Aufmerksamkeit fehlen. Die emotionalen Bedürfnisse stehen hier also mehr im Vordergrund als die sexuellen. Aber ganz gleich ob Mann oder Frau – das Wagnis Seitensprung gehen überhaupt nur diejenigen ein, die über ein gewisses Maß an Risikobereitschaft verfügen. Hochmoralische Menschen, für die es tabu ist, ihren Partner zu belügen und zu betrügen, haben weitaus größere Hemmungen, diesen Schritt zu gehen. Beim Seitensprung findet demnach häufig eine Abwägung von Risiko und Folgen statt – für die Partnerschaft wie für das eigene Selbstwertgefühl.

Jeden Tag eine neue Sensation erleben!

Besonders anfällig für heimliche Affären sind übrigens die sogenannten Sensation-Seeker – Menschen, die viel Abwechslung brauchen und immer wieder neu auf die Suche nach dem großen erotischen Kick gehen. Wer dazu gut verdrängen und Konflikte ausblenden kann, leidet nicht mal unter Gewissensbissen. Ein fester Partner solcher Sensation-Seeker, der auf Treue Wert legt, hat es nicht leicht. Denn diesem immer wieder ein neues Abenteuer, neue Reize, neue leidenschaftliche Erlebnisse zu bieten, erfordert einiges an Einfallsreichtum.

Im Normalfall und abgeschwächter Form liegt hierin aber doch auch ein Teil der Lösung des Problems, wie man eine langjährige Beziehung und Ehe glücklich gestalten kann. Öfters, am besten täglich, dem anderen seine Wertschätzung vermitteln, ihm Komplimente machen, einfach etwas Positives sagen, das dem Ego gut tut – solche emotionalen Streicheleinheiten machen süchtig nach mehr ... und können den Wunsch nach einem Seitensprung im Zaum halten.

Lohnen sich Affären überhaupt?

Wenn man überlegt, welche Komplikationen eine aufgedeckte Affäre mit sich bringen kann – potenziell birgt sie ja immer die Gefahr, dass die Hauptbeziehung daran zerbricht –, ist die Frage berechtigt, ob man das Risiko überhaupt eingehen sollte. Zumindest theoretisch.

In der Praxis wird oft weitaus weniger an die Folgen eines Seitensprungs gedacht. Das liegt auch daran, dass der momentane Gewinn, das pure, pralle Lebensgefühl, das aus einer Affäre erwächst, sehr mächtig sein kann. Darauf zu verzichten, fällt ungeheuer schwer. Und dann gewinnt die Hoffnung, schon nicht erwischt zu werden, die Überhand. Tatsächlich müssen auch die Folgen eines solchen Doppellebens – zumindest für moralisch weniger zart besaitete Gemüter – gar nicht so schwerwiegend sein, wie man vielleicht annimmt. Für viele Menschen, die eigentlich in ihrer bestehenden Beziehung bleiben möchten, ihren Partner lieben, aber einfach auch ihre unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte ausleben wollen, ist eine heimliche Affäre eine Lösung. In etlichen Fällen kann sich dies sogar positiv auf die Partnerschaft auswirken. Und es gibt zahlreiche Fälle, in denen über die Affäre nicht offen gesprochen wird, aber ein unausgesprochenes »Gentlemen Agreement« zwischen den Partnern besteht. Einer der Partner ahnt oder weiß dabei, dass der andere sich gelegentliche Abenteuer gönnt – kann aber damit umgehen und zieht daraus auch einen gewissen Nutzen. Zum Beispiel Freiheiten auf andern Gebieten.

Zuckerbrot und Peitsche: Spezialfall Dreiecksbeziehung

Der klassische Fall: verheirateter Mann und Geliebte. Lohnt sich das? Für den Mann in aller Regel schon. Schwieriger ist die Situation für die Frau, die, ansonsten ungebunden, möglicherweise viele Emotionen in die Affäre investiert, sich am Ende noch richtig verliebt und insgeheim dann irgendwann doch hofft, dass er sich zu ihren Gunsten von seiner Frau trennt. Lohnt es sich für zu kämpfen? Eher nein, denn nur einer von 10 Männern trennt sich für die Geliebte von Frau und Kindern.»Er hat mir immer wieder gesagt, dass er sich von seiner Frau trennen wird«, erzählt Birthe. »Nur ist dann immer kurz vorher etwas dazwischen gekommen. Mal war seine Frau krank, und er konnte sie unmöglich damit belasten. Dann stand der gemeinsame Urlaub mit den Kindern an, der nicht überschattet werden sollte. Wieder ein anderes Mal musste er mit seiner Frau deren Vater in England besuchen. Es gab immer einleuchtende Vertröstungen – und es hat lange gedauert, bis ich es kapiert habe: Er wird sich nie trennen.«

Tatsächlich sind Dreiecksbeziehungen fast immer mit Verletzungen verbunden, denn je mehr Emotionen und Leidenschaft ins Spiel kommen, desto akuter wird die Frage, ob sich der andere von seinem Partner trennt. Meist steht dort aber der Reiz des Doppellebens im Vordergrund, es soll nicht eine der beiden Welten aufgegeben werden, sondern die beiden ergänzen sich ideal. Zudem sind gerade Männer zurückhaltend, wenn es darum geht, eine langjährige Beziehung für eine ungewisse neue Zukunft aufzugeben. Denn nach dem ganzen Stress einer Scheidung, den finanziellen und menschlichen Belastungen – gerade wenn Kinder im Spiel sind – steht am Ende die Frage, ob sich der ganze Wirbel überhaupt gelohnt hat. Es kann ja niemand voraussagen, ob ein Alltagsleben mit der Geliebten genauso leidenschaftlich verlaufen würde und auch auf lange Sicht Bestand hätte.

Ist die Affäre der »eigentliche« Betrug an der Partnerschaft?

Auch wenn es viele Ähnlichkeiten gibt zwischen Affären: Jede ist doch ganz eigen und der ganz individuelle Spiegel der Beziehungen, Bedürfnisse und Wünsche, aber auch Probleme, die dahinterstehen. Kaum jemand plant vorsätzlich eine Affäre, und niemand ist davor gefeit, dass es ihn nicht auch eines Tages erwischt. Entweder als aktiver Part oder als »Betrogener«. Gerade in langjährigen Beziehungen, in denen das Feuer schon ziemlich auf Sparflamme heruntergefahren ist, besteht immer die Möglichkeit, dass einer der beiden Partner in eine heimliche Affäre gerät – oder beide. Und nicht immer geht es dabei in erster Linie um Sex, sondern um Nähe, Intimität und den Wunsch, wieder wahrgenommen und begehrt zu werden. Eben all die Dinge zu erleben, die man zu Hause seit langem vermisst.

Aber kann man Seitensprüngen eigentlich auch vorbeugen? Oder zumindest den Heimlichkeiten, dem Betrug und den Verletzungen an der Partnerschaft, die entstehen, wenn die Affäre auffliegt? Eine Lösung gibt es schon. Sie erfordert die Bereitschaft zu Veränderung, zum Arbeiten an der bestehenden Beziehung, zu einem gemeinsamen Wachsen, das sowohl die individuelle als auch gemeinsame Selbstverwirklichung ermöglicht. Beziehungsgerechtigkeit, die Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen und das Gefühl der Fairness in einer Beziehung sind wesentliche Bedingungen für die Zufriedenheit in einer Partnerschaft – und damit auch für ihre Stabilität. Man könnte auch sagen: Nicht die Affäre an sich ist der Betrug – der eigentliche Betrug beginnt viel früher. Nämlich dann, wenn man sich seiner Partnerschaft nicht genug widmet, sie einschlafen oder erstarren lässt ...

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