Fremdgegangen: Schuldgefühle nach dem Seitensprung

Gewissensbisse, Unsicherheit und moralisches Dilemma

Das gute schlechte Gewissen:
wie Sie nach dem Seitensprung damit umgehen können

Nach dem Seitensprung ist vor dem schlechten Gewissen? Nicht unbedingt! Umfragen zeigen, dass viele fremdgehende Männer und Frauen kaum von ihrem Gewissen geplagt werden. Doch manchen macht die eigene Untreue doch zu schaffen. Gut oder schlecht?

Sie hatten eine heimliche Affäre und jetzt quälen Sie Gewissensbisse? Wenn dem so ist, dann gehören Sie zu den Untreuen, die nach dem Liebesdelikt das schlechte Gewissen packt. Zur Mehrheit zählen Sie dadurch aber nicht unbedingt. Eine Emnid-Studie belegt nämlich, dass 75 Prozent aller untreuen Frauen kein schlechtes Gewissen haben und 42 Prozent der Männer ihren Seitensprung nicht bereuen.

Offensichtlich spielt das Gewissen danach eine eher untergeordnete Rolle. Erstaunlich ist auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen, so wird der hohe Anteil der Damen mit reinem Gewissen nach dem Fremdsex interpretiert, suchen Gefühle und Nähe, wenn sie fremdgehen. Ihr schlechtes Gewissen hält sich eher in Grenzen, denn sie haben ja subjektiv als berechtigt empfundene Gründe für ihren Seitensprung. Männern dagegen wird nachgesagt, sie suchten beim Fremdgehen eher den Erotikkick. Die flotte Sexnummer lässt sich da angeblich nicht ganz so leicht mit dem Gewissen vereinbaren.

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Eine Frage des Gewissens?

Aber egal ob Männlein oder Weiblein: Interessant ist die Frage, welche Rolle das Gewissen beim Fremdgehen überhaupt spielt. Aus dem Ethikunterricht wissen wir: Das Gewissen ist eine abstrakte Sache und bei jedem Menschen anders ausgeprägt. Im Idealfall sollte es uns davon abhalten, Dinge zu tun, die anderen schaden. Oder zumindest im Nachhinein Läuterung durch Reuegefühle bringen. Das Gewissen ist der Part in uns, der alle moralischen und ethischen Regeln aus unserem Umfeld verinnerlicht hat. Als eine Art Kontrollinstanz kann es uns zur Ordnung rufen, wenn wir uns mal daneben benehmen. Und ermahnt uns als innere Stimme in brenzligen Situationen oder stellt uns danach in den Senkel.

Wenigstens ein schlechtes Gewissen sollte ein Untreuer haben – viele meinen, Schuldgefühle nach einem Seitensprung seien das Mindeste an Strafe, was einem Betrüger zustehen sollte. Als moralische Folge muss sich der Fremdgeher möglichst schlecht fühlen. Seine Gewissensbisse sollen ihm das erotische Abenteuer vergällen – dann wäre zumindest pro forma der Gerechtigkeit Genüge getan. Sehen Sie das auch so?

Schuldgefühle hin oder her: die Moral vom Fremdgehen

»Das tut man nicht!« ist einer der Grundsätze, die wir von Kindesbeinen an lernen. In Bezug auf unser Liebesleben ist damit gemeint, dass man nur eine Person zur gleichen Zeit liebt. Monogamie ist der moralische Richtwert, an dem wir uns orientieren sollen.

Buchcover: Lob der offenen Beziehung: Über Liebe, Sex, Vernunft und Glück von Oliver Schott Treue in Beziehungen sei die Norm, meint Oliver Schott. Der Berliner Philosoph schreibt in Lob der offenen Beziehung, wir würden überall bombardiert mit Darstellungen eines monogamen Beziehungsmodells und Tipps, wie wir in der Liebe alles richtig machen können. Richtig meint: ausschließlich eine Person, moralisch sauber, von allen akzeptiert, reinen Gewissens.

Wer seinem Partner fremdgeht, begeht nach allgemeiner Definition einen moralischen Fehltritt – den er bereuen soll. Tut er es nicht, spricht man ihm die Existenz eines funktionstüchtigen Gewissens ab. Sind also Schuldgefühle nach einem Seitensprung Zeichen für moralische Erhabenheit?

Buchcover: Lob der Untreue. Eine Unverschämtheit. von Prof. Franz Josef Wetz Nein, würde Franz-Josef Wetz wohl antworten. Zumindest dann nicht, wenn das schlechte Gewissen den Fremdgänger dazu antreibt, dem Partner die Affäre auf Teufel komm raus zu beichten. In Lob der Untreue schreibt Wetz, Seitensprünge würden zwar auch vom Reiz des Heimlichen leben, viele Untreue würden aber den Drang verspüren, den Partner über den Seitensprung ausgiebig zu informieren – um ihr Gewissen zu erleichtern. Und zwar ungeachtet der Tatsache, dass eine Beichte irreparable Beziehungsschäden anrichten kann.

3 Argumente gegen ein schlechtes Gewissen

  • Sie haben sich verliebt: Falls Sie es nicht auf einen Seitensprung angelegt haben, sondern kalt erwischt wurden von Verliebtheitsgefühlen, können wir Ihnen zwar nicht sofort Absolution erteilen, zur Besänftigung ihres schlechten Gewissens sollte es aber reichen. Denn gegen Ihre Gefühle kommen Sie selbst bei aufrechtester Gesinnung nicht an. Vielleicht können Sie ja gar nichts für Ihr Fremdgehen?
  • Ihre Beziehung ist am Ende: Sie sind seit Monaten frustriert, Ihre Partnerin droht mit Trennung oder gar Liebesbetrug – was macht es da schon, wenn Sie selbst sich einen Seitensprung gönnen? Der kann nämlich auch das längst fällige Beziehungsaus einleiten und somit eine klärende Funktion haben.
  • Es war wirklich nur Sex: Klingt nach billiger Ausrede, für viele Fremdgeher ist der Seitensprung aber tatsächlich ein einmaliger Sextrip, der für die Beziehung nichts zu bedeuten hat. Weder führt er zu Gefühlschaos, noch beeinträchtigt er das beziehungsinterne Sexleben. Vielleicht sogar im Gegenteil: Manch eine Partnerschaft profitiert von derartigen Sexerfahrungen.

3 Argumente für ein schlechtes Gewissen

  • Sie lügen: Wenn Sie ohne Wissen oder Erlaubnis Ihres Partners fremdgehen, müssen Sie sich allerhand einfallen lassen. Sprich, ein plausibles Lügengerüst konstruieren, um Ihre Eskapaden zu vertuschen. Sie müssen zwangsläufig lügen, betrügen und verheimlichen. Grund genug für ein schlechtes Gewissen. Denn auch wenn Sie Ihre Täuschungsmanöver noch so clever inszenieren, wird sich Ihr Partner hintergegangen fühlen.
  • Sie begehen einen Vertrauensbruch: Vertrauen, das zeigen Umfragen, ist eine der wichtigsten Säulen von Liebesbeziehungen. Kaum jemand wünscht sich einen Partner, dem er nicht über den Weg trauen kann. Die Theratalk-Studie etwa fand heraus, dass für viele Betrogene der Vertrauensbruch des Partners schlimmer ist als der Fremdsex.
  • Sie werden intim mit einem Dritten: Sex ist etwas sehr Intimes, nicht zuletzt tauschen Sie ja auch Körperflüssigkeiten aus. Zudem vergisst man bisweilen im Lustrausch die Basics, wie etwa Kondome. Und je nachdem, wie sich Ihr Seitensprung ergeben hat, wissen Sie vielleicht kaum etwas über Ihren Sexpartner – wer weiß, welche Geschlechtskrankheiten er Ihnen, und damit im schlimmsten Fall auch Ihrem Partner, vermacht? Der Akt an sich kann Anlass genug für Gewissensbisse sein.

4 Gründe, warum Schuldgefühle nach dem Seitensprung schlecht sein können

  • Weil es Sie dazu treibt, ohne Not zu beichten: Ein harmloser One-Night-Stand, eine einmalige Sexbegegnung – für Sie kein Grund, die Beziehung hinzuschmeißen. Wenn Ihr Gewissen Ihnen einbläut, Sie müssten gestehen, um sich von der moralischen Last Ihres »Vergehens« zu befreien, richten Sie womöglich mehr Unheil an, als mit dem Seitensprung an sich.
  • Weil es Sie zum Sünder herabwürdigt: »Verzeih mir, ich hab Schuld auf mich geladen!«, das klingt nach Bibelspruch. Manchen geht es aber genau so, vor lauter Schuldgefühlen verstreuen sie schon mal vorsorglich Asche auf ihrem sündigen Haupt. Damit ist vielleicht der Tat an sich Genüge getan. An den wirklichen Problemen ändert es allerdings nichts. Es ist gut, wenn Sie Verantwortung für Ihre Untreue übernehmen. Wenn aber Ihr schlechtes Gewissen Sie dazu verdonnert, alle Schuld auf sich zu nehmen und sich als böser Sünder zu schämen, sollten Sie ihm Einhalt gebieten.
  • Weil es Ihrem Partner nichts bringt: Sie gestehen, Sie bereuen, Sie schwören – nach einem Seitensprung wird Ihr schlechtes Gewissen Sie vielleicht zu diversen Zugeständnissen nötigen. Aber stehen Sie wirklich zu all dem, was Sie angesichts Ihrer Schuldgefühle so von sich geben? Ihr schlechtes Gewissen bringt Ihrem Partner wenig. Sie können alles Mögliche erzählen, Tatsache bleibt: Als es darauf ankam – nämlich bevor Sie Fremdsex hatten – schwieg Ihr Gewissen offensichtlich.
  • Weil es egoistisch ist: Sie haben ES getan und fühlen sich richtig mies? Der kleine Moralapostel in Ihnen schüttelt den Kopf über Ihr unsägliches Verhalten? Sie würden ihn und Ihre Schuldgefühle am liebsten sofort loswerden? Ihr schlechtes Gewissen kann in diesem Fall ein ziemlich schlechter Ratgeber sein. Denn wenn es Ihnen einsäuselt, ein reuiges Geständnis etwa verschaffe Ihnen Vergebung, dann lügt es Ihnen das Blaue vom Himmel herunter. Bisweilen kann so ein schlechtes Gewissen nämlich nur bewirken, dass man sich selbst von aller Schuld freispricht, um sich besser zu fühlen. Was aber ist mit Ihrem Partner?

Fazit: Wege aus der Gewissensfalle

Manchmal sollten Sie auch in Beziehungsfragen auf Ihre (strenge) innere Stimme hören. Denn grundsätzlich hat unser Gewissen eine gute Funktion. Beim Fremdgehen kann man das aber nicht so pauschal sagen. Wem bringen Reue und Schuldgefühle wirklich etwas, wer profitiert von moralischen Schuldeingeständnissen, wer hat was von Gewissensbissen des Untreuen?

Wer seinem Partner Kummer bereitet, indem er ihn betrügt, hat aus Sicht vieler Menschen ein schlechtes Gewissen verdient. Allerdings können Schuldgefühle auch von der Tat an sich ablenken und die wahren Beweggründe für die Untreue verschleiern.

Statistisch erfasst ist zwar nicht, wie viele Affären durch vorweggenommene Gewissensbisse verhindert wurden. Aber wenn es nun mal geschehen ist, müssen Sie mit Ihrem Gewissen leben – Jammern und Selbstmitleid sind hier fehl am Platze. Das kann zu einer Falle werden, aus der Sie schwer herausfinden. Und dann wird aus einem eigentlich unbedeutenden Ausrutscher eine gewaltige Beziehungslawine. Schuldgefühle, Gewissenbisse und Reue nach einem Seitensprung sind berechtigte Emotionen. Verstecken Sie sich aber nicht dahinter und versuchen Sie, den Dingen auf den Grund zu gehen. Übernehmen Sie – heimlich oder offen – Verantwortung für Ihre Untreue. Vielleicht helfen Ihnen diese Anregungen:

  • Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Warum sind Sie untreu geworden? War es eine Laune oder steckt mehr dahinter? Bevor Sie vor schlechtem Gewissen vergehen, sollten Sie sich fragen, warum es zum Seitensprung gekommen ist. Vielleicht erübrigt sich das mit dem schlechten Gewissen ja, weil Sie sich nunmal verliebt haben und lange schon mit Ihrer Beziehung unzufrieden sind. Damit ist aber nicht gemeint, dass Sie sich in eine bequeme Verteidigungshaltung begeben und Ihre Untreue als berechtigt darstellen sollen. Überlegen Sie vielmehr, welche Motive Ihrem Seitensprung zugrundeliegen.
  • Versuchen Sie, dem Seitensprung Positives abzugewinnen: Manchmal muss man ausbrechen, um zurückzukehren – manch einer, der untreu wird, weiß erst danach, was er am Partner eigentlich hat. Nicht dass man Affären als Rettungsanker für brüchige Beziehungen sehen sollte, aber bisweilen kann ein Seitensprung die Partnerschaft aus Ihrem Dornröschenschlaf reißen und ihr neuen Pepp verleihen. Auch andersherum wird ein Schuh draus: Vielleicht führt Ihr Seitensprung dazu, dass Sie sich und Ihren Partner endlich aus einer unglücklichen Beziehung befreien.
  • Wie wär´s mit Wiedergutmachung? 1.000 Euro oder ein Wochenendtrip nach Mallorca, eine schicke Handtasche oder ein schmucker Goldring – ein Seitensprung lässt sich sicherlich nicht mit Materiellem aufwiegen. Es ist ja auch ein uraltes Klischee, dass der betrügende Ehegatte plötzlich mal wieder mit Blumen vor der Tür steht. Aus schlechtem Gewissen. Wahrscheinlich kann es kaum gelingen, durch solche Schenkungsgesten das Kräfteverhältnis in einer Partnerschaft geradezubiegen. Ganz im Gegenteil: Einem heimlichen Seitensprung könnte Ihre bessere Hälfte durch so ein verdächtiges Verhalten auf die Spur kommen. Aber auf ideeler Basis können Sie vielleicht doch so etwas wie Wiedergutmachung erwirken: indem Sie sich mehr auf Ihre Beziehung konzentrieren, Ihrem Partner neue Aufmerksamkeit schenken und wieder richtig in Ihre Partnerschaft investieren.

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