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Sollte man einen Seitensprung beichten, oder den Fehltritt für sich behalten?
Liebe Wegwerfgesellschaft

Nicht der Seitensprung zerstört eine Ehe, sondern die Lügen danach

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Der sexuelle Reiz des Neuen vergeht so schnell, wie er entstand. Was bleibt, ist ein emotionaler Kater. Auch hierzu hat Clement eine klare Meinung und sagt, durch Verheimlichen auf Fremdgeher-Seite und »respektvolles Wegsehen« auf Betrogenen-Seite könne man eine Affaire, die das Leben in der Partnerschaft nicht beeinträchtige, durchaus handhaben.

Respektvolles Wegsehen und Verheimlichen? Dieser Terminus sorgt für schalen Beigeschmack. Vertrauen braucht Ehrlichkeit. Wer »respektvoll wegschaut«, aber still leidet, belügt sich selbst und den fremdgehenden Partner. Ein One-Night-Stand ist in vielen Fällen verzeihlich, doch monatelanges Lügen nicht, egal in welche Richtung. Klartext: Ein Seitensprung kann jedem passieren. Da ist diese Tagung im Hotel mit lustigem Abendprogramm, die (ebenfalls verheiratete) Kollegin, die ausnahmsweise keinen Hosenanzug, sondern ein supersexy Cocktailkleid trägt, und auf die man eigentlich insgeheim schon lange scharf ist - und plötzlich ist es zwei Uhr früh, man landet im Hotelbett und hat den besten Sex seines Lebens. Leidenschaftlich, geil, menschlich, verzeihlich. Keiner von uns ist ein Heiliger. Und dann?

Bleibt es beim One-Night-Stand, und ist eine Wiederholung von beiden Beteiligten nicht vorgesehen, dann ist Schweigen hier eventuell tatsächlich Gold - immer vorausgesetzt, es wurde an den Schutz vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten gedacht!

Wird aber aus dem heißen Hotelzimmer-Sex eine längerfristige Außenbeziehung, ist ein Verheimlichen gegenüber dem Partner unentschuldbar. Denn eine heimliche Affaire entzieht der Basis-Beziehung permanent Energie und schwächt diese dadurch immens. Der Betrügende muss stets auf der Hut sein, nicht erwischt zu werden, lügt permanent, muss den Partner zuhause in Sicherheit wiegen, verändert sein Verhalten, zwar nur subtil, aber für den Partner - und Kinder, die in diesem Punkt besonders feine Antennen besitzen - durchaus spürbar.

Der betrogene Partner registriert dies natürlich, weiß es aber nicht einzuordnen, wird unsicher, misstrauisch, beginnt nachzufragen - und der Teufelskreis aus Lügen und immer neuen Unklarheiten beginnt. Dramatisch wird die Sache, wenn der Fremdgeher seinem ratlosen betrogenen Partner gar einredet, er sei paranoid, krankhaft eifersüchtig oder hätte eine falsche Wahrnehmung.

Fliegt die Lüge dann auf, ob durch E-Mails, SMS oder Kollegentratsch, so ist nicht etwa die sexuelle Affaire ein Todesstoß für die Beziehung, sondern die Gewissheit, vom geliebten Partner über Monate oder gar Jahre belogen worden zu sein. Ganz wichtig: Heimliches Fremdgehen ist immer ein Macht-Instrument, weil der Betrogene in die Defensive gedrängt wird, ohne es zu wissen. Nur wenn der Betrogene die Fakten kennt, hat er die Wahl, frei zu entscheiden, ob er die Beziehung beendet, dem »Seitenspringer« verzeiht - oder man sich gar auf ein völlig neues Beziehungsmodell einigt. Dies ist aber nur einvernehmlich möglich.

Ehrlichkeit nach allen Seiten - auch gegenüber sich selbst

Eine monogame Beziehung ermöglicht beiden Partnern, sich einander gegenseitig vollkommen zu öffnen, anders als dies beim Seitensprung möglich ist, wo es ja immer auch um ein wenig Schauspielerei geht. Liebende Partner offenbaren sich beim Sex, geben sich bis ins Intimste zu erkennen, lassen sich fallen - weil sie wissen, der andere fängt sie auf.

Besteht dennoch Lust auf fremde Haut, so nützt es weder, dieses Verlangen dem Partner zuliebe zu unterdrücken, noch sollte der Weg in die Heimlichkeit gewählt werden. Betrug und Selbstbetrug sind gleichermaßen destruktiv. Weil es eben nicht nur um Sex geht.

Es gilt daher wie bei allen anderen Beziehungsthemen: Karten auf den Tisch und reden, bevor es etwas zu beichten gibt. Vielleicht plagen den Partner ja gerade zufällig ähnliche Gedanken? Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, einen Seitensprung im »abgesicherten Modus« zu erleben, also mit Einverständnis des Partners? Vielleicht möchte der Partner ja einfach nur seinen marktwert testen? Vermisst sexuelle Bestätigung, Bewunderung, Anerkennung ohne die leidige Verknüpfung mit familiären Pflichten? Vielleicht finden sich völlig neue sexuelle Spielformen, mit denen sich die Lust auf fremde Haut stillen lässt?

Liebe und Treue lassen sich nicht mit einer »Verkehrsordnung« reglementieren, egal wie ausgeklügelt diese ist. Doch Partner, die sich einander vertrauensvoll öffnen und sich über ihre heimlichen Bedürfnisse und Sehnsüchte austauschen, genießen das Privileg, diese im Idealfall auch angstfrei und genussvoll ausleben zu können - was das beste Rezept für eine lange, stabile und glückliche Beziehung ist.

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Kommentare
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[Gast] Iche || 09.10.2011 20:35:35
Ob man einen Seitensprung beichten sollte, hängst ganz davon ab was man sich für die Zukunft erwartet. Wenn klar ist, das für Beide Beteiligten keine Beziehung miteinander in Frage kommt, und dieses vorher geklärt wurde, es also nur um die reine Lust an fremder Haut geht, sollte Man(n) oder auch Frau es lieber für sich behalten. Kommen aber Gefühle ins Spiel, sollte man mit dem Partner reden. Manchmal ist es im Leben und dann ist es besser sich aus der bestehenden Partnerschaft zu lösen. Meinstens ahnt der Partner sowieso schon etwas, da man in so einem Fall sehr feine Wahrnehmungen hat und eine Veränderung merkt.......Spreche in beiden Fällen aus eigener Erfahrung.
[Gast] sucu || 15.04.2011 23:48:50
ich habe gerade den ehemann der geliebten meines mannes über die lage der dinge aufgeklärt- jetzt sind beide ehen vor dem aus. ich denke, die frau hätte gerne beide männer am haken gehabt- das fand ich unerträglich. dass ich jetzt gar nichts mehr habe, nehme ich traurig und bewußt in kauf. mittlerweile fang ich auch an zu begreifen dass man trotz haus, schulde, vor allem kindern usw. dinge nicht mehr zurechtrücken kann- ganz unabhängig von gefühlen-liebe, liebe, liebe. wenn man dann noch ältlich ist, wirds richtig fies. was soll da noch kommen.

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