Unser Buchtipp der Autoren Holger Lendt und Lisa Fischbach

Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe

Kurzbeschreibung

Was wir heute gemeinhin unter Treue verstehen, ähnelt der Würgefeige, finden die Autoren. Die wunderliche Pflanze sucht sich einen Wirtsbaum, den sie überwuchert, bis er erstickt. Die Würgefeige bleibt dann wie eine hohle Kopie des Wirtsbaumes stehen und verdaut im Inneren seine fauligen Reste. Ähnlich geht es uns mit der Treue: Wir stülpen unsere Treuevorstellung über die tatsächliche Beziehung, der wir damit die Luft abschnüren. Irgendwann erstickt die Liebe daran. Was bleibt, ist eine faule Paarhülle. Für unsere heutigen Beziehungsprobleme ist Treue offensichtlich also auch keine Lösung. Damit meinen die Autoren mitnichten, dass man Treue und andere Liebeswerte in die Tonne treten sollte. Sie wollen nur klarstellen, dass viele, die an der Liebe (ver)zweifeln, das womöglich tun, weil sie sich mit ihrem Treueanspruch ein Ding der Unmöglichkeit abzuringen versuchen.

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An wen richtet sich die Buchempfehlung?

Treue wird gemeinhin überschätzt, wir überfrachten diesen althergebrachten Begriff ständig. Darum verzweifeln so viele Paare, Singles, Getrennte und Betrogene daran – für genau diese Menschen haben Holger Lendt und Lisa Fischbach ein Buch geschrieben. Die Diplompsychologen möchten alle, die mit der Treue hadern, dazu ermutigen, mal abseits der üblichen Interpretationspfade das Phänomen Treue in der Partnerschaft zu überdenken. Und auf diesem Wege vielleicht zu einer ganz eigenen Auslegung – und damit zu einem glücklicheren Liebesleben zu finden. Ob als Polyamorer, Swinger oder Monogamist.

Erkenntnisse aus diesem Sachbuch

Dies ist kein Ratgeber. Dies ist ein Thesenbuch. Sagen die Autoren. Denn mit ihren überaus fundierten Überlegungen geben sie keineswegs vor, wie man´s richtig macht. Sie regen vielmehr zu einer Auseinandersetzung mit Treue an – und stoßen diese überforderte Tugend von ihrem hohen Sockel. Dabei nehmen Lendt und Fischbach kein Blatt vor den Mund und hauen kräftig auf den Monogamie-Putz, bis das der ordentlich bröckelt. Auf den Fuß fallen soll der Gedankenwust aber niemandem. Die krassen Überlegungen zur Treue sollen kein hehres Liebesgesetz demontieren. Sondern Zweiflern, Zauderern und Unglücklichen in Sachen Liebe zu mehr Gefühlsfreiheit verhelfen.

Produktinformationen

  • Titel: Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe
  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Pendo; Auflage: 5 (29. September 2001)
  • ISBN-10: 3866123043
  • ISBN-13: 978-3866123045
  • Preis: EUR 17,99

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Ausführliche Beschreibung

Treue – die missverstandene Liebe

Treue ist etwas Theoretisch-Abstraktes, eigentlich sollte jeder die Freiheit haben, diesen Begriff ganz nach eigenem Liebesgutdünken auszulegen. Tja, aber da schiebt die soziale Moralkontrolle einen mächtigen Riegel davor. Denn die zwängt uns in enge Meinungskostüme und will uns einbläuen, dass es die richtige Einstellung zu Liebe und Treue gibt. Das sei geheuchelt und gelogen, meinen die erfahrenen Hamburger Paartherapeuten – und räumen in ihrem Thesenbuch mit dem schönen alten Treuedogma so richtig auf. Vor einigen Jahrzehnten noch hatten wir zwar längere Beziehungen, wir waren aber viel untreuer. Haben wir damals die Treue nicht richtig zu schätzen gewusst? Nein, sagen die Autoren, wir haben in der Zwischenzeit nur einen Tick vernünftige Liebeseinsicht verloren. Denn wir klammern uns zu krampfhaft an die Treue. Verliebte oder Partnersuchende geben Treue als höchstes Beziehungsgut an. Bei langjährigen Paaren dagegen rangiert sie eher auf den unteren Rängen der Erfolgskriterien. Eine weise Erkenntnis, erfahrene Liebende wissen nämlich, dass es schier unmöglich ist, mit einer Person über Jahre hinweg gleichbleibend glücklich zu sein.

Oversexed und underfucked

Liebe, Sex und Beziehungen – heutzutage ist das alles ein Riesenschlamassel. Wir sind chronisch übersexualisiert und leiden gleichzeitig an pathologischem Liebesfrust. Oversexed und underfucked lautet die zeitgenössische Diagnose: Überall wird uns eingeflüstert, wir könnten jederzeit alle Sexgelüste befriedigen, wir müssten uns dafür halt nur so richtig ins Zeug legen. Das weckt Begehrlichkeiten, die bisweilen eben nicht erfüllt werden können.

Und wie passt da Treue rein?! Leben wir monogam, dann sind wir langweilig. Treiben wir es wild nach Lust und Laune, sind wir verdorben. Der langen Rede kurzer Sinn: Das passt hinten und vorne nicht. Darum bringt es auch gar nichts, die Treue derart hochzuhängen, sagen Lendt und Fischbach. Und holen recht weit und sehr unterhaltsam aus, um zu erläutern, wie das früher so war und heute so ist mit der Treue.

Liebe und Treue: Ein Widerspruch in sich

Sehen wir es doch mal ganz nüchtern wie die Autoren: Die Ehe schafft greifbare Werte, die Zuverlässigkeit und Beständigkeit brauchen, also auf Treue im ganz engen Sinne baut. Die Liebe dagegen ist ein unberechenbares Gefühl, das sich der Konservierung auf gleichbleibendem Level hartnäckig verweigert.

Treue verlangt so etwas wie Stillstand. Die Liebe lebt von Veränderung. Beides passt also eigentlich gar nicht zusammen. Diese Erkenntnis verdrängen wir aber gerne, schreiben Lendt und Fischbach. Unsere Beziehungen würden unter der Last unserer Ansprüche ächzen, die ziemlich an der Realität vorbeigingen und ein fabelhafter Nährboden für Illusionen, Enttäuschungen, Liebeskummer und Beziehungsprobleme seien.

Wer begreift, dass Treue Definitionssache und also ein Kind der Freiheit ist, wer versteht, dass es vollkommen unsinnig ist, alle Glücks-, Liebes- und womöglich noch Versorgungsansprüche an einen einzigen Menschen zu richten, der kann befreiter an das Thema Beziehung herangehen – und vielleicht zufriedener lieben.

Apropos lieben: Kann man eigentlich mehr als nur eine Person lieben? Die Antwort darauf, sagen die Paartherapeuten, ist zugleich so was wie des Treuerätsels Lösung. Treu sein kann nämlich eigentlich nur der, der an die Exklusivität der Liebe glaubt, also nicht daran, dass man verschiedene Lieben zur gleichen Zeit haben kann. Exklusivität ist hier aber nicht gemeint als Einzigartigkeit. Sondern als Ausschließlichkeit. Und da ist der Hase im Pfeffer begraben, wie Lendt und Fischbach zeigen. Denn exklusiv kann man viele Menschen lieben, ausschließlich aber nur einen.

Und da wären wir auch schon beim Kampf der Gefühlsgiganten: Der Kopf fordert von der Liebe Ausschließlichkeit, das Herz will einzigartige Emotionen, die Hose...na, die hat es vor allem auf eines abgesehen, nämlich auf pure Lust.

Der leidige Kampf zwischen Hirn, Herz und Hose

Die Autoren nennen diese problematische Dreifaltigkeit in ihrem Beziehungsmodell »Triple Bind« beim Namen: Nämlich Hirn, Herz und Hose. Die drei Größen sind Widersacher, wenn es um die Erfüllung unserer Liebeswünsche geht.

Sie stehen im ständigen Kampf miteinander und entsprechen laut Lendt und Fischbach den Bedürfnissen unserer drei Gehirne: Das Stammhirn (Hose) will Erregung, Abwechslung und Leidenschaft, das limbische System (Herz) lechzt nach Gefühlen und das Großhirn (Hirn), Heimat von Vernunft, Sprache und Planung, will Verlässlichkeit und Dauer.

Merken Sie was? Genau: Die Wünsche aus unserer Steuerungszentrale behindern sich gegenseitig und heben sich gegenseitig sogar auf. Denn Spannung braucht Unvernunft, wohingegen Verlässlichkeit wenig Abwechslung kennt. Und dazwischen stecken unsere Gefühle, die mit diesem Dilemma klarkommen müssen.

Wir sollen beruflich erfolgreich sein, attraktiv aussehen, viele Freunde und ein schickes Auto haben, im Smalltalk glänzen, aber auch für tiefere Gespräche taugen, wir sollen Stil haben und den richtigen Geschmack – auch in der Liebe stehen wir unter Leistungsdruck. Wer mit Ende Dreißig noch kein Deckelchen für sein Töpfchen gefunden hat, wird argwöhnisch beäugt. Wer eine Beziehung nach der anderen in den Sand setzt, mit dem kann doch was nicht stimmen.

Stimmt, sagen die Autoren. Wer in der Liebe immer nur Frust und Enttäuschung erlebt, hat vielleicht einfach nur falsche Vorstellungen und sollte schleunigst mal die eigenen Ansprüche überprüfen. Denn bisweilen hält uns das insgeheime Traumbild von Liebe und Partnerschaft vom wirklichen Beziehungsleben ab. Aber das können wir ändern – indem wir uns einfach erst mal vom guten alten Liebestöter Treue verabschieden.

Warum uns AMEFI liebeskrank macht

Kennen Sie den Begriff AMEFI? Das Kunstwort steht für »Alles Mit Einem Für Immer« und ist der Liebesfluch unserer Tage. Dieser Anspruch vermurkst uns und macht uns für real existierende Beziehungen beinah untauglich. Denn die Vorstellung, man könne mit EINEM Partner in einer EINZIGEN Partnerschaft ALLES teilen und das für IMMER auf gleichbleibend hohem Niveau, ist utopischer Quatsch.

Wir alle hängen an unseren Illusionen, die uns das Lieben leichter und vor allem zu Beginn schöner machen. Darum bilden wir uns ein, wir könnten alles haben und Hirn, Herz und Hose auf einen Nenner bringen. Verabschieden Sie sich doch mal mit Hilfe von diesem Buch von diesem Illusionsbalast. Denn der ist eine der Wurzeln des Übels. Wir pochen zwar allgemein auf die Liebestreue. In Wirklichkeit lieben wir alle aber viele: Die Ehefrau, den Vater, den Kumpel, die Kinder oder die Cousine. Und jede dieser Lieben ist exklusiv, also einmalig in ihrer Stärke und Qualität.

Darum sollten wir auch aufhören, die Treue unnötig zu lobpreisen. Sondern uns auf ganz eigene Art und Weise von dieser freiheitsraubenden Untugend in Reinform verabschieben – zumindest gedanklich.

Die Quintessenz des ungemein reichhaltigen Buches lautet erstaunlich schlicht und ziemlich ergreifend: Jeder liebt für sich allein. Jeder von uns hat einen ganz eigenen amourösen Stil, der sich in individuellen Bedürfnissen, Wünschen und vor allem auch in den Beziehungen widerspiegelt. Was und wen wir wie und warum lieben, ist also eine verdammt persönliche Geschichte – also dichten Sie sich doch am besten Ihr ganz privates Treuemärchen!

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