Dann holen Sie tief Luft und stellen Sie sich ein paar Fragen. Worum ging es bei dem Seitensprung: um einen einmaligen sexuellen Ausrutscher ohne emotionale Bedeutung? Oder um Verliebtheit mit Wiederholungsabsichten? Um ein Ventil für allgemeine Aggressionen, Stress oder sexuellen Frust? Oder sind Sie unzufrieden in der Partnerschaft, und der Seitensprung ist nur ein Symptom, nicht aber das eigentliche Problem?
Über diese Fragen nachzudenken, kann dabei helfen, nicht in eine der klassischen »Après Seitensprung«-Fallen zu tappen.
Falle Nr. 1: Schweigen, um den Partner zu schützen
Diesen Satz hört man immer wieder. Ein wahrer Kern steckt natürlich drin. Bei einem harmlosen sexuellen Ausrutscher sollte man seinen Partner nicht unbedingt mit einem verletzenden Geständnis behelligen. Harmlos heißt, die Sache ist abgeschlossen, es war safe Sex ohne gesundheitliche Risiken, und es besteht kein Kontakt mehr mit dem Seitensprung-Partner.Wenn Sie aber nicht sicher sind, ob Sie aus Rücksicht oder Feigheit schweigen, fragen Sie sich: War es wirklich nur ein einmaliges Sex-Erlebnis? Oder geht da vielleicht noch mehr, und Sie möchten durch Ihr Schweigen nicht den Partner, sondern sich selbst schützen? Ihr Abenteuer ungestört ausleben und sich den unangenehmen Konsequenzen eines Geständnisses lieber nicht stellen, z.B. Beschimpfungen, Tränen, eventuell sogar einer Trennung? So nachvollziehbar und menschlich das wäre, aber zwischen rücksichtsvoll und feige besteht ein himmelweiter Unterschied. Ebenso wie zwischen spontanem One-Night-Stand und einem geplanten Seitensprung.
Falle Nr. 2: Beichte aus Schuldgefühlen
Wenn das Gewissen drückt, möchte man am liebsten mit der Wahrheit herausplatzen. Verständlich. Aber Vorsicht! Wenn Sie nur reden wollen, um sich besser zu fühlen, dann missbrauchen Sie bitte Ihren Partner nicht als seelischen Mülleimer. Sie würden ihm nämlich zur sexuellen Untreue auch noch Ihre Schuldgefühle aufbürden.Fragen Sie sich: Warum spüre ich den Drang zu beichten? Geht es mir wirklich um Ehrlichkeit in der Beziehung – oder möchte ich mir nur Absolution erteilen lassen? In diesem Falle wäre es besser, die Dinge zu trennen. Also mit einem Therapeuten, Priester oder (verschwiegenen!) guten Freund über den Seitensprung zu sprechen, und mit dem Partner über Ihre Beziehung.
Der Vorteil bei Priestern und Therapeuten ist, dass beide unter Schweigepflicht stehen, während bei Freunden immer das Risiko besteht, dass der Mitwisser sich im falschen Moment verplappert. Außerdem kann es eine Freundschaft belasten, wenn man auf Dauer zum Geheimnisträger gemacht wird.
Falle Nr. 3: Verantwortung abschieben
Natürlich gehören immer zwei dazu, eine Beziehung erfüllend zu gestalten. Und wenn im Ehebett Flaute herrscht, sind dafür ebenfalls beide Partner verantwortlich. Aber! Daraus eine Umkehrlogik zu stricken und zu behaupten, an einem Seitensprung sei automatisch der betrogene Partner schuld, ist unfair und faktisch falsch. Leider wird genau diese Behauptung gerne von Seitenspringern strapaziert, die mit ihrer mangelnden Impulskontrolle und der Verantwortung für ihr Handeln nicht klarkommen und beides auf den Partner abwälzen möchten.Es gilt also, die Kausalitäten sauber zu trennen. Läuft eine Beziehung sexuell auf Sparflamme, und leidet einer von beiden darunter, sollte der erste Schritt nicht gleich in fremde Arme führen, sondern auf den Partner zu. Schaltet der auf stur und lässt sich auf keinerlei »Wiederbelebungsversuche« des gemeinsamen Sexlebens ein, kann ein Seitensprung eine nachvollziehbare Alternative sein. Nur ist es in diesem Falle angebracht, das dem Partner auch mitzuteilen. Damit er weiß, woran er ist und für sich Konsequenzen ziehen kann. Vielleicht möchte er sich ja auch anderweitig orientieren? Oder Sie treffen eine neue Absprache, die regelmäßige Seitensprünge gestattet? Soviel Fairness muss einfach sein.
Wenn Ihnen an Ihrer Beziehung etwas liegt, dann verzichten Sie auf schuldbefreiende Alibis und übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln. Ihr Partner wird Sie dafür respektieren und eher auf Sie zugehen, als wenn Sie sich in Ausreden verstricken oder als Opfer darstellen.
Falle Nr. 4: Seitensprung nachträglich legitimieren
Schuldgefühle lassen sich leichter ertragen, wenn man sie mit einer beziehungsfreundlichen Erklärung unterfüttert. Ein Klassiker ist die Aufrechnung: »Nun verzeih mir endlich und mach kein Drama draus. Ich würde dir umgekehrt einen Seitensprung auch nicht übel nehmen.«Diese Großzügigkeit ist nur dann authentisch, wenn sie VOR dem Seitensprung gemeinsam vereinbart wurde. Im Nachhinein damit aufzuwarten, stellt eine lupenreine emotionale Erpressung dar. Man nennt das auch Inversargumentation. Sie ist deshalb so fies, weil sie dem Betrogenen jedes Recht abspricht, sich verletzt zu fühlen!
Natürlich kann es eine Überlegung wert sein, über Alternativen zur Monogamie nachzudenken. Diese Diskussion sollte aber nicht im wilden Fahrwasser eines Betrugs stattfinden, sondern einvernehmlich, liebevoll und unabhängig von potenziellen Außenbeziehungen.
Lieben Sie Ihren Partner? Dann stülpen Sie ihm nicht beim Geständnis gleich Ihre Erwartungen oder neu entdeckten Vorlieben über, sondern nehmen seine verletzten Gefühle ernst. Sie möchten ja auch ernst genommen und nicht als, pardon, hormongesteuerter Fremdgänger abgestempelt werden, oder?
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