Die Amerikanerin Susan Forward deckt auf, wie Menschen Gefühle als Druckmittel in Beziehungen einsetzen und was dagegen hilft – wir stellen ihr Buch vor.

Hübsche, junge Frau schmollt

Wenn Du mich wirklich liebst… das nette Gesicht der emotionalen Erpressung

Wie kommt es, dass es manchen Menschen gelingt, andere emotional zu überwältigen? In diesem Buch erfahren Sie es: Susan Forward klärt auf über emotionale Erpresser, die Ihnen mit Zuckerbrot und Peitsche das Beziehungsleben ganz schön schwer machen können.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Sie belohnen mit Liebe, wenn sie bekommen, was sie wollen. Aber sie drohen mit Liebesentzug, wenn sie nicht kriegen, was sie möchten: Das ist mehr als ein unschöner Charakterzug oder eine schlechte Angewohnheit. Wenn einer den anderen unter Druck setzt, indem er mit negativen Gefühlen droht, dann ist das nichts anderes als Erpressung – das behauptet Susan Forward. Viele Jahre Erfahrung als Therapeutin, unzählige Beratungen und Beobachtungen brachten die amerikanische Psychologin darauf, dass emotionale Erpressung ein wesentlicher Stressfaktor in Beziehungen ist. Mit ihrem Buch öffnet sie dafür die Augen und erklärt, hinter welchen Verhaltensweisen emotionale Erpressung steckt, wie sie abläuft, warum sie funktioniert und was sie gefährlich macht.

Das tut sie, um für das Thema zu sensibilisieren und eine Basis zu legen für eine ausführliche Anleitung, was man gegen emotionale Erpressung tun kann. Auch wenn das streckenweise sehr nach Opfer-Täter-Schema klingt, gibt Forward vor allem durch viele Fallbeispiele und Szenen aus dem Beziehungsalltag Anregungen für eine Auseinandersetzung mit den Machtspielchen, die in jeder Beziehung mehr oder weniger präsent sind.

Buchvorstellung: Emotionale Erpressung. Wenn andere mit Gefühlen drohen.

Darum geht´s:

  • »Schade, dass Du das nicht für mich tust.«
  • »Wenn Du nicht endlich mehr Zeit für mich hast, dann suche ich mir halt jemand anders.«
  • »Wenn Du mich wirklich liebst, dann bringst Du dieses kleine Opfer.«

Was haben diese drei Sätze gemeinsam? Es sind einmal Aussprüche, die in jeder Beziehung fallen können. Bei genauerer Betrachtung und unter gewissen Umständen können sich dahinter aber subtile Manipulationen verbergen. Oder um es mit Susan Forward zu sagen: emotionale Erpressung. Sie fasst unter diesem starken Begriff die Verhaltensweisen eines Menschen zusammen, die nur dazu dienen, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse auf Kosten eines anderen durchzusetzen. Es sei eine schwerwiegende Form von Manipulation, bei der nahestehende Menschen direkt oder indirekt damit drohen, den anderen zu bestrafen, wenn der nicht tut, was sie wollen. Zwang, Druck, Kontrolle – Forward fährt scharfe Geschütze auf. Das tut sie aber nicht, um das Thema aufzubauschen, sondern um deutlich zu machen, wie massiv die zwischenmenschlichen Mechanismen wirken und welch schlimme Folgen sie haben können. Ihrer Ansicht nach ist Erpressung das einzige Wort, das es auf den Punkt bringt.

So ist der Inhalt strukturiert:

Neben einem Vor- und einem Nachwort hat das Buch zwei große Teile:

  • Was ist emotionale Erpressung, wieso setzen manche Menschen sie ein, warum werden andere oft Opfer dieser subtilen Gefühlsattacken – solche und weitere grundsätzliche Fragen werden in sieben Kapiteln beantwortet. Dabei beschreibt Forward die unterschiedlichen Erpressertypen und deren Druckmittel. Außerdem beleuchtet sie die Beweggründe desjenigen, der mit Gefühlen droht, aber auch das Innenleben des Erpressten. Zudem erfahren Sie, welche Auswirkungen emotionale Erpressung haben kann.
  • Was können Sie gegen emotionale Erpressung tun? Das steht im Fokus dieses Teils. Hier geht es um Veränderungen, die Sie anstreben sollten, wenn Ihnen emotionale Erpressung zu schaffen macht. Die vier Kapitel sind praktisch ausgerichtet: Forward erläutert Strategien, mit denen Sie sich zur Wehr setzen können, und erklärt, wie es gelingen kann, der Angst sowie den Pflicht- und Schuldgefühlen zu entkommen, die emotionale Erpressung möglich machen.

Das steckt drinnen:

In der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und ganz besonders in Liebesbeziehungen begegnen wir dieser Art des Terrors – oft ohne es zu bemerken. Denn ein Erpresser braucht auch ein Opfer, also jemanden, der sich erpressen lässt. Da sich in diesem Szenario beide sehr nahe stehen, bilden sie mitunter ein perfekt aufeinander eingespieltes Duo: Wo der eine droht, gibt der andere nach. Daraus ergeben sich Konstellationen, die viel Beziehungsunglück verursachen können. Das hört sich ganz schön wüst an, müssten wir also nicht sofort aufbegehren, schon allein aus Reflex? Eben das können wir häufig nicht, behauptet Susan Forward, weil wir nicht begreifen, dass wir emotional manipuliert werden. Hier setzt Forwards Buch an, das den Sachverhalt sehr pragmatisch behandelt: Aufklärung, Erkenntnis, Veränderung – das sind die drei Schritte, die Forward anpeilt. Denn sie ist der Meinung, dass emotionale Erpressung großen Schaden in Beziehungen und in den Betroffenen anrichten kann und darum mit allen Mitteln bekämpft werden sollte.

Dieses Buch zu lesen lohnt sich vor allem wenn …

  • wenn Sie häufig den Eindruck haben, in Beziehungen den Kürzeren zu ziehen und von den Gefühlen und Bedürfnissen anderer überwältigt zu werden.
  • Sie glauben, Sie müssten sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten, damit Sie geliebt werden
  • Sie in der Familie, in der Partnerschaft oder im Freundeskreis immer ein schlechtes Gewissen mit sich herumtragen
  • es Sie grundsätzlich interessiert, was emotionale Erpressung ist und ob Sie davon betroffen sind.

Fazit: Das bringt die Lektüre

Klarheit, Übersicht, Handlungsoptionen – diesen Gewinn können Sie aus der Lektüre dieses Buches ziehen. Forward macht klar, was es mit emotionaler Erpressung auf sich hat. Kann sein, Sie haben bisher in Ihrer Beziehung nur so ein ungutes Gefühl, womöglich ist Ihnen gar nicht bewusst, was da abgeht und warum Sie sich häufig unterlegen fühlen. Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, wissen Sie vielleicht, dass Sie ein Opfer von emotionaler Erpressung sind und können sich endlich dagegen wehren.

Wie Sie emotionale Erpressung erkennen

Wir halten emotionale Erpressung oft für normal, mutmaßen nicht, dass dahinter unlautere Motive stecken. Der Erpresser, so erklärt Forward, mache es seinem Opfer fast unmöglich zu durchschauen, wie er es manipuliert, weil er einen dicken Nebel verbreitet, der seine Handlungen verschleiert. Er gibt sich also nicht offen zu erkennen als böser Manipulator, sondern agiert im Verborgenen. Forward stellt dafür eine Checkliste zur Verfügung, hier sind Auszüge daraus.

6 Indizien dafür, dass Sie erpresst werden

  • Drohen nahestehende Menschen, Ihnen das Leben schwerzumachen, wenn Sie nicht tun, was sie wollen?
  • Sagen sie Ihnen, dass Sie die Beziehung zu Ihnen abbrechen müssen, wenn Sie nicht auf ihre Wünsche eingehen?
  • Übersehen oder missachten sie regelmäßig ihre Gefühle und Bedürfnisse?
  • Machen Sie Ihnen großartige, verheißungsvolle Versprechen, deren Einlösung sie jedoch von Ihrem guten Verhalten abhängig machen?
  • Bezeichnen Sie diese Menschen oft als herzlos, selbstsüchtig, gefühllos oder gierig, wenn Sie nicht einlenken?
  • Werden Sie von Lob überschüttet, wenn Sie nachgeben und wird Ihnen Anerkennung entzogen, wenn Sie nicht parieren?

Haben Sie nur eine dieser Fragen mit Ja beantwortet? Dann lautet Forwards Diagnose: Sie werden definitiv emotional erpresst. Wichtig ist ihrer Ansicht nach, dass Sie das zunächst verstehen – dann können Sie wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergreifen, um die emotionale Erpressung zu beenden.

Was sind die Mittel emotionaler Erpressung?

Forward zufolge bedient sich der emotionale Erpresse solider Werkzeuge, indem er an 3 fundamentale Gefühle andockt, um an sein Ziel zu gelangen.

Angst

Angst, verlassen zu werden, nicht zu genügen, zu leiden – es gibt viele Varianten dieser starken Emotion, die sich der Erpresser zunutze machen kann. Im Vordergrund steht die Androhung, die Nichterfüllung bestimmter Forderungen mit Liebesentzug zu ahnden.

Pflichtgefühl

Wir alle versuchen, verschiedenen Verpflichtungen gerecht zu werden. Daran appelliert der emotionale Erpresser. »Das kannst Du doch nicht tun«, redet uns gerne der Vollstrecker guten Pflichtgefühls ein, unser Gewissen. Daran kann der emotionale Erpresser immer anknüpfen – er weiß ja, wie es funktioniert.

Schuldgefühle

Wer will schon Schuld daran sein, dass der andere unglücklich ist? In der Liebe wollen wir gerade das Gegenteil: den anderen mit unserem Verhalten beglücken. Unfairerweise koppelt der emotionale Erpresser das eigene Wohlbefinden an Ihr Verhalten. Er weiß, dass Sie schlecht mit dem Gefühl leben können, die Verantwortung für sein Unglück zu tragen. Er schafft es, dass sich der Erpresste im Unrecht glaubt, meint, Schuld zu sein und sich verpflichtet fühlt, nachzugeben.

Was sind die Motive der emotionalen Erpresser?

Wer ist das, der sich so über den anderen hinwegsetzt, wie fühlt er sich, was treibt ihn an? Widerstreitende Gefühle, schreibt Forward. Oft steckt gar nicht mal eine konkret formulierte Absicht dahinter, auch der Täter handelt aus einer gewissen Intuition heraus – und vor dem Hintergrund erlernten Verhaltens. Denn der Erpresser kann nur auf Dauer einer bleiben, wenn er damit durchkommt. Er merkt, dass seine Masche zieht, dass Sie kleinbeigeben, wenn er droht, dass Sie einknicken, wenn er wütet. Folglich sieht sich der Erpresser bestätigt in seinem Verhalten – und macht weiter so.

Die Wurzeln liegen aber tiefer, erklärt Forward. Auch hier spiele Angst eine übermächtige Rolle, die Angst nämlich vor dem Verlieren. Jeder von uns muss im Laufe seines Lebens lernen, mit Niederlagen umzugehen. Im Idealfall gewinnen wir aus unseren Rückschlägen wertvolle Erfahrungen, die uns vorbereiten auf andere Lebenskämpfe. Emotionale Erpresser allerdings lassen sich schnell durch Niederlagen verunsichern, sind frustriert, wenn sie etwas nicht erreichen und ertragen Kontrollverlust schlecht. Also tun sie alles in ihrer Macht stehende, um nicht in Situationen zu geraten, in denen sie unterlegen sind. Überheblichkeit, Selbstunsicherheit, Verlustängste – hinter Erpressungstaktiken stecke oft ein Gemisch an Ursachen. Bloße Böswilligkeit ist es selten, meist hat das Verhalten mehr mit dem Erpresser selbst als mit dem Opfer zu tun.

Die vier Gesichter der Erpressung

Es gebe nicht die eine emotionale Erpressung – es handele sich um vier recht verschiedene Verhaltensweisen, schreibt Forward.

  • Der Bestrafer ist der häufigste und auffälligste Erpressertypus. Er macht aus seinen Motiven kein Geheimnis, sagt klipp und klar, mit welchen Konsequenzen Sie rechnen müssen, wenn Sie nicht tun, was er will. Ein typischer Ausspruch: Wenn Du nicht einen Tanzkurs machst, dann verlasse ich Dich.
  • Der Selbstbestrafer macht seinem Opfer klar, dass er sich aufregen, sich etwas antun oder sich schaden wird, wenn der andere ihm nicht gibt, was er will. Perfide ist diese Taktik, weil sie auf Schuldbewusstsein und Verantwortungsgefühl des anderen abzielt: Denn der wird als der Schuldige hingestellt, wenn es dem Erpresser nicht gut geht. Ein typischer Ausspruch: Wenn Du mich verlässt, dann bringe ich mich um.
  • Der Leider verzichtet auf klar formulierte Drohungen zu Gunsten subtiler Bestechungsmanöver. Er macht seinem Opfer unmissverständlich klar, dass er leiden muss, wenn es nicht seine Wünsche erfüllt – und damit Schuld trägt. Ein typischer Ausspruch: Das kannst Du mir doch nicht antun!
  • Der Verführer bestärkt sein Opfer in dem Gefühl, dass es auch für es selbst besser ist, zu tun, was der Erpresser will. Beruflicher Erfolg, toller Sex, viele Geschenke – der Verführer stellt erstrebenswerte Dinge in Aussicht, aber nur unter der Voraussetzung, dass der andere etwas dafür tut: nämlich nach seiner Pfeife tanzt. Ein typischer Ausspruch: Natürlich kann ich Dir mit dem Auto helfen, aber schön wäre es, wenn Du dafür meine Steuererklärung machst.

Machen Sie sich nicht erpressbar: Wie Sie aus der Opferrolle herausfinden

Es gebe zwischen den einzelnen Formen emotionaler Erpressung keine strengen Grenzen, erklärt Forward. Viele Erpresser würden sie kombinieren oder abwechselnd einsetzen. Hat das mit der Verführung nicht geklappt, versucht er es mit Bestrafung, wenn die nicht greift, greift er vielleicht auf die Selbstbestrafung zurück. Hauptsache, der emotionale Erpresser erreicht sein Ziel: seine Bedürfnisse auf Teufel-komm-raus durchzudrücken. Sie können etwas dagegen tun, sagt Susan Forward. Das gehe schrittweise, Veränderungen seien ein weiter Weg, der sich aber lohne – immerhin stehe am Ende die Befreiung von emotionaler Erpressung und damit die Chance auf eine befriedigende Beziehung. Diese Spielregeln formuliert Susan Forward für den konkreten Umgang mit emotionaler Erpressung:

Erster Schritt: Halten Sie inne

Ihr Partner stellt unmäßige Forderungen, dann tun Sie etwas: nichts. Forward empfiehlt, keine Entscheidung darüber zu treffen, wie Sie darauf reagieren, also weder Zustimmung noch Abwehr zu signalisieren. Sagen Sie Ihrem Partner, dass Sie momentan nicht auf seine Frage antworten können. So gewinnen Sie Zeit, um Ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen.

Zweiter Schritt: Werden Sie zum Beobachter

Was will der andere wirklich von Ihnen, wie hat er darum gebeten, was wollen Sie erfüllen, was überschreitet Grenzen? Gehen Sie an die Sache heran wie ein neutraler Beobachter und sammeln Sie Pro und Contra – aber nach Ihren Bedürfnissen und Vorstellungen.

Dritter Schritt: Wenden Sie wirkungsvolle Strategien an

  • Achten Sie auf nichtdefensive Kommunikation: Reagieren Sie mit Äußerungen wie »Tut mir leid, dass Du Dich aufregst«. Oder »Du hast Recht«. So nehmen Sie dem Erpresser den Wind aus den Segeln und bewahren sich davor, in die Verteidigungs- und damit in die unterlegene Position zu geraten.
  • Gewinnen Sie Ihren Gegner als Verbündeten: Holen Sie den Erpresser an Bord – indem Sie Empathie bei ihm erzeugen. Bauen Sie Feindseligkeit und Spannung ab, indem Sie den anderen in Ihre Gefühle einweihen, ihm Ihre Sicht verständlich machen. Forward preist noch eine Art Wundermittel an: Ermutigen Sie den anderen dazu, sich gemeinsam mit Ihnen eine mögliche Lösung vorzustellen.
  • Gehen Sie einen Tauschhandel ein: Reduzieren Sie emotionale Erpressung, indem Sie eine Gegenleistung einklagen, anstatt ganz nachzugeben. »Wie Du mir, so ich Dir« – gehen Sie nicht einfach so auf die Wünsche des anderen ein, fordern Sie dafür etwas zurück. Damit katapultieren Sie sich aus der Rolle des hilflosen Opfers – und machen dem anderen vielleicht klar, wie unangemessen seine Forderungen sind.
  • Setzen Sie Humor ein: Auslachen, lächerlich machen oder abwerten – das ist kontraproduktiv. Aber Sie können kritische Situationen entschärfen, indem Sie sich selbst auf die Schippe und nicht alles gleich bierernst nehmen. So kann es Ihnen gelingen, die Drohgebärden des anderen zu entkräften – und damit sein größtes Druckmittel auszuschalten.

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