Wir stellen das Buch »Der Beziehungscode« von Paarberater Michael Mary vor

Glückliches Senioren-Paar beim Radfahren

Geht doch: Wie Sie als Frau Ihre Partnerschaft zufriedener machen können, ohne sich am Mann abzuarbeiten

Eine Beziehung ist eine Gleichung mit zwei Unbekannten – und oft geht sie einfach nicht auf, trotz aller Bemühungen. Woran liegt´s? Oft an unseren festgefahrenen Denkmustern, sagt Michael Mary. Männer sind so, Frauen eben anders, das passt nicht, darum ziehen sich die einen (Frauen) in die Meckerecke zurück, die anderen (Männer) machen dicht. So geht’s ja wohl nicht. Aber anders, wie Paarberater Mary in seinem neuen Buch zeigt: Nur wer sein Verhalten ändert, bewirkt eine Verhaltensänderung beim anderen. Klingt gut – und ist tatsächlich gar nicht so schwer.

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in Kürze

Dieses Buch gehört in Frauenköpfe, aber auch in Männerhände: Paarberater Michael Mary räumt darin auf mit Geschlechterklischees und geht ganz pragmatisch die wichtige Frage an: Wie können es Mann und Frau in Beziehungen miteinander aushalten? Gar nicht so schwer, meint Mary, der viele Bücher über die Liebe verfasst hat. Man...pardon....in diesem Fall: frau muss begreifen, dass ewiges Rumgezerre am Partner ins leidenschaftliche Nirvana führt und einzig eine eigene Verhaltensänderung positive Ergebnisse zeitigt. Marys motivierender Appell lautet: Frauen, hört auf, Eure Männer ändern zu wollen! Ändert Euer Verhalten, dann klappt´s auch besser mit der Liebe. Wie genau das funktioniert, erklärt Mary auch: Nach einer prägnanten Einleitung, die uns vor Augen hält, wie eingefahren die Meinungen über Mann und Frau so sind, analysiert Mary 15 störende Verhaltensweisen von Männern in Beziehungen, sagt, was dahinterstecken kann und gibt Frauen konkrete Ratschläge, wie sie durch verändertes Verhalten ihren Partner zu einer Verhaltensänderung anspornen können. So deutlich, so komprimiert, so zielführend liest man das selten.

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Männer sind anders, Frauen auch: Die Mär von typischen Verhaltensweisen

Warum sind Männer eher an Autos interessiert und reden nicht so viel? Und warum müssen Frauen so viel telefonieren und gehen leidenschaftlich gern shoppen? Weil sie eben Männer bzw. Frauen sind?

Oh nein, Mary klärt uns auf: Dass wir den Geschlechtern bestimmte Verhaltensweisen unterstellen, liege an der Gesellschaft und ihrer Entwicklung. Männer sind nämlich gar nicht so, Frauen ebenso wenig. Welche Fähigkeiten wer entwickelt, hänge von den jeweiligen Umständen ab, schreibt Mary. Und die seien in unseren Breitengraden noch immer von sehr eng gefassten Rollenmodellen bestimmt: Frauen kümmern sich um das Zuhause und die Kinder, sie sind emotional, handwerklich unterbegabt, extrem kommunikativ und eher schwach (was auch immer das heißen mag). Männer dagegen sorgen für materielle Sicherheit, sie sind nicht so gefühlsgesteuert, praktisch veranlagt, wortkarg und eher stark (wie auch immer sich das zeigt). Auf diese Rollen seien wir von klein auf fixiert, kein Wunder, dass wir sie in unsere Liebesbeziehungen hineintragen.

Genau hier, bei diesen stereotypen Zuschreibungen, beginnt die Misere, meint Mary. Typisch Mann – typisch Frau müsse herhalten als Erklärung für viele Probleme. Dann ist eben störendes Männerverhalten typisch für die Kerle und nerviges Frauengehabe typisch Zicke. Wunderbar: So haben wir immer einen Schuldigen, entweder sie war´s oder er. Dass die Sache aber viel komplexer ist, missachten wir systematisch. Die Schuldfrage und deren geschlechterorientierte Beantwortung blockiert uns aber so, dass wir in einem unbefriedigenden Zustand verharren und glauben, eh nichts daran ändern zu können.

Der Code-Knacker: Mach Du was anders, dann ändert der andere was!

Und genau das stimmt nicht, mahnt Mary. Es gibt gar keine Schuld, an Konflikten sind immer beide beteiligt. Jedes Verhalten bedingt eine Reaktion, dieses sensible Zusammenspiel wird in Partnerschaften (gerade in denen der längeren Sorte) oft zu einem Missklang, der sich wechselseitig verstärkt. Und hier liegt der Hase im Pfeffer begraben: Solange Sie (Frau) sich darauf versteifen, dass Probleme immer entstehen, weil er (Ihr Mann) immer so ist, bleiben Sie stecken und werden immer wieder im Beziehungsfrust landen. Es ist immer leichter, dem anderen die Schuld zuzuschieben, dann muss man selber ja nichts ändern. Aber genau das ist das wichtige Schräubchen, an dem Sie drehen können! 15 Verhaltensweisen, die vornehmlich Männer an den Tag legen und damit Ihre Frauen auf die Palme oder auch an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen, listet Mary auf. Und er bietet lösungsorientierte, sehr leicht umsetzbare Ratschläge, wie Sie aus der Nummer viel glücklicher herauskommen. Nämlich, indem Sie Ihr Verhalten leicht ändern und damit schwerwiegend positive Reaktionen bei Ihrem Partner auslösen.

Wir stellen Ihnen mal drei dieser Verhaltensweisen kurz vor:

Männer, die nicht zuhören oder nichts sehen

Ein Klassiker: Die Frau kommt vom Friseur nach Hause und der Mann sieht – nichts. Noch so eine Schote: Die Frau informiert im Plauderton über wichtige Termine und der Mann hört – nicht zu. Erste wichtige Erkenntnis: Das liegt weder an der Sehstärke, noch an der Hörfähigkeit der Männer – die sind nicht mit Blindheit geschlagen oder mit Taubheit gestraft. Und als typisch männlich mag dieses Verhalten zwar rüberkommen, ist es aber gar nicht.

Denn dahinter stecke eine Botschaft, sagt Mary. Viele Männer fühlten sich emotional von ihren Frauen überrollt oder eingeengt. Dagegen müssen sie sich wehren – indem sie dichtmachen. Manche Männer meinen auch, viele Informationen seien schlichtweg zu banal, um sie wahrzunehmen, ist mann doch mit wesentlich Wichtigerem beschäftigt. Oder der Göttergatte hat halt so viel um die Ohren, dass seine Aufnahmefähigkeit keine Kapazitäten mehr hat.

Ganz gleich, was dahintersteckt: Mit Beschwerden und Genörgel kommen Sie hier nicht weiter. Dann wird Ihr Mann ganz zumachen. Besser, meint Mary, sei es, wenn Sie Ihre Botschaft so klipp und klar äußern, dass Ihr Partner die Chance hat, Ihr Anliegen auch wirklich wahrzunehmen. Richtige Kommunikation sei hier das A und O, so Mary. Wenn Sie also frisch onduliert nach Hause kommen, sollten Sie nicht vor Ihrem Mann auf- und abtänzeln, in der Hoffnung, er möge doch was merken. Sondern sagen »Schatz (optional), wie findest Du meine neue Frisur?«. Kommt dann nichts, sollten Sie sagen, dass Sie sich einen Partner wünschen, der Ihnen Komplimente macht und Sie wahrnimmt. Diese Botschaft kann Ihr Mann tausendmal besser verstehen als vage Andeutungen.

Männer, die zu viel Sex wollen

Ach ja: Männer wollen immer, Frauen eher selten. Auch so ein Vorurteil, stellt Mary fest. Frauen sind genauso lustvoll und umtriebig wie ihre männlichen Gefährten – wenn man sie lässt. Sexhäufigkeit in Langzeitbeziehungen ist ein Dauerbrenner unter den Problemthemen, über das viele Paare gar nicht sprechen würden, sagt Mary. Dabei ist das umso wichtiger, je länger zwei Menschen Bett, Haus, Hof und alles andere teilen. Dann geht nämlich die leichte Leidenschaft flöten, Sex wird alltäglich und sollte spätestens dann zum Gesprächsgegenstand erhoben werden.

Aber nun zum Problem: Er will ständig, mosert rum, weil der letzte Verkehr schon wieder zwei Wochen her ist, er beklagt sich und wird miesepetrig ob des Sexentzugs. Des subjektiv empfundenen, wohlgemerkt. Wie oft, wann, wo und welche Stellung – all das ist Ansichtssache. Niemand vermag zu beurteilen, wie viel Sex in einer Ehe gut oder schlecht ist. Ebenso wenig gibt es ein Recht auf Beziehungserotik. Das ist Verhandlungssache, und hier sind wir auf dem Punkt. Ob der Mann seine von der Frau als übertrieben gewerteten Beischlafwünsche hat, weil er egoistisch ist und nur an seine Bedürfnisse denkt, mit erotischen Aktivitäten andere Defizite übertünchen will oder womöglich sexsüchtig ist, ist eigentlich egal. Entscheidend ist, wie Sie als Frau darauf reagieren: Lassen Sie die unlustige Prozedur stoisch regelmäßig über sich ergehen, haben Sie eine chronische Migräne entwickelt oder können bedauerlicherweise eigentlich nie? Oder konfrontieren Sie Ihren Mann damit, dass Sie jetzt echt keinen Bock mehr haben?

All das ist nicht wirklich gut, Zurückweisungen allgemeiner Art sind ebenso verletzend wie abwertende Ansagen – damit machen Sie die Sache nur noch schlimmer. Besser ist, Sie bringen das Thema auf den Tisch: Und zwar ganz deutlich. Sagen Sie ehrlich, wenn Sie nicht wollen, sprechen Sie über Ihre erotischen Sehnsüchte, formulieren Sie, was Sie am aktuellen Sex stört, geben Sie zu, wenn Ihnen das erotische Rumgehampele zurzeit keinen Spaß macht. Nur Mut: Tauschen Sie sich über Sex aus, nehmen Sie mal kein Blatt vor den Mund – so gewinnen Sie das Verständnis Ihres Mannes, der seine Sexforderungen dann vielleicht überdenkt.

Männer, die recht behalten wollen

Ein Mann, eine Frau – und jede Menge unterschiedliche Einstellungen, Meinungen und Interessen. Kein Wunder, dass es da bisweilen kracht. Zu Beginn einer Partnerschaft fällt es uns nicht schwer, Unterschiede zu akzeptieren, schreibt Mary. Aber nach einiger Zeit können unterschiedliche Ansichten, Meinungen oder auch abweichende Verhaltensweisen zum Streitpunkt werden, denn sie stellen laut Mary einen Angriff auf eine von uns empfundene Sicherheit dar, entweder bezüglich der eigenen Person oder der Beziehung.

Typische Kampfschauplätze ums Besserwissen seien beispielsweise Finanzen, Erziehung oder die Wahl des Wohnortes – sind die Unterschiede in diesen Bereichen stark ausgeprägt, geht es oft darum, wer sich durchsetzt. Und dann kommt bei Männern bisweilen eine Verhaltensweise zum Tragen, die als Besserwissertum und Rechthaberei Frauen zur Weißglut bringen kann: Sie erleben die Art, wie der Mann seine Meinung vertritt, als bedrängend und übergriffig und fühlen sich unter Druck gesetzt, da der Mann mit aller Kraft versucht, die Frau davon zu überzeugen, dass er recht hat. Dahinter stecke mehr als das angebliche Thema – Mary schreibt, es gehe meist um das Gefühl, etwas wert zu sein oder um bestimmte Interessen. Frauen befänden sich dann oft in einem Dilemma, meint Mary. Sie fühlten sich zum Nachgeben und damit zu einer Selbstverleugnung aufgefordert. Ein grundlegender Fehler könne bei Frauen darin bestehen, dass sie gegen die Position des Mannes ankämpfen und selbst recht haben wollen.

Die schlechte Nachricht: Sie mischen dabei gewaltig mit, denn der Besserwisser braucht Sie als Gegenpart. Solange Sie gegen ihn antreten, muss er weiter auf seinem Recht beharren, darum rät Mary, locker zu lassen. Zunächst sollten Sie als Frau Ihren Selbstwert auf keinen Fall allein von der Zustimmung Ihres Partners abhängig machen. Gehen Sie in akuten Streitsituationen auf Abstand und auf die Meta-Ebene, indem Sie etwa nicht mehr auf das Zoffthema eingehen oder sich auch mal einfach wundern, wie anders Ihre Meinungen sind. Ein Recht auf Rechthaben haben weder Ihr Mann noch Sie, aber ein Recht auf Ihre eigene Sichtweise! Deswegen, meint Mary, müssten Sie sich eigentlich mit Ihrem Mann nur auf eines einigen: darauf, dass Sie in mancherlei Hinsicht unterschiedlich denken, fühlen und handeln.

Fazit: Aktion und Reaktion – unterschiedliches Verhalten anders betrachtet

Marys Buch spricht Klartext: All dies ist eine Sache von Ihrem Partner UND Ihnen. Der Autor betrachtet noch eine ganze Reihe weiterer männlicher Verhaltensweisen, die für Frauen schwer bis kaum erträglich sind. Die Palette dieser Verhaltensweisen reicht von geizigen Männern über respektlose Geschlechtsgenossen bis hin zum Mann, der sich permanent enzieht, der ständig jammert und der, der immer nur vernünftig ist. Aber auch Verhaltensweisen, die eine Beziehung in Gefahr bringen wie Lügen oder Untreue, finden in Marys Buch Erwähnung.

Jede Frau wird die ein oder andere männliche Verhaltensweise wiedererkennen, die ihr zu schaffen macht – aber jede Frau kann einen ersten Schritt zur Verbesserung machen, indem sie ihr Verhalten ändert. Denn manchmal ist störendes Verhalten, wie Mary nervige Eigenschaften von Männern nennt, eine automatische Reaktion auf Ihren Input. Und genau den können Sie gewaltig beeinflussen. Kommunikation ist hier übrigens der entscheidende Faktor: Andeutungen, nebulöse Erwartungen, Drohungen oder dergleichen sind nicht gut. Besser dagegen stehen eindeutige Handlungen und klare Ansagen da. Manchmal bewirken schon sehr kleine Veränderungen sehr Großes – probieren Sie es doch einfach mal in Ihrer Beziehung aus.

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