Buchrezension: Liebes Geld. Vom letzten Tabu in Paarbeziehungen | Michael Mary

Ausschnitt des Buchcovers

Im Namen der Liebe: Gut über Geld reden

Vergessen Sie Sex, Konfliktpunkt Nummer eins in Beziehungen ist Geld. Es sei das letzte Tabu der Liebe, meint Michael Mary. Paare umgehen das Thema, weil sie denken, das schade ihrer Liebe. Zudem wissen viele gar nicht, wie sie überhaupt über Geld sprechen sollen. An dieses Tabu rührt Mary und klärt auf, wie Paare mit dem Thema konstruktiv umgehen können.

Wer denkt am Anfang der Liebe schon an ihr mögliches Ende? Wer es tut, gilt entweder als gefühlskalt oder pessimistisch. Dabei könnten zumindest in Bezug auf die Finanzen klare Regelungen im Vorfeld den Partnern manches Leid ersparen – nicht nur, wenn es irgendwann doch zu einer Trennung kommt. Diese Ansicht vertritt Michael Mary. Geld gehöre zu den bedeutsamsten Konfliktpunkten in Beziehungen, meint der erfahrene Paarberater. Das Schweigen darüber in Beziehungen hält er für geradezu fahrlässig. Denn Geld besitzt ein hohes Konfliktpotenzial und kann eine Partnerschaft stark belasten – sofern Gespräche darüber falsch angegangen oder gänzlich vermieden werden. Darum hat Mary ein ganzes Buch über das Thema geschrieben, das in vielen Beziehungsratgebern als ein Problem unter vielen abgehandelt wird. Ein Ratgeber ist das nicht, eher ein Buch, das praxisbezogen schildert, welche Bedeutung Geld in Beziehungen hat, wo es positiven und wo negativen Einfluss nimmt. Aber mit praktischem Hintergedanken: Mary leitet dazu an, Geld zu einem Kernthema zu machen und einen für beide Seiten guten Umgang damit zu finden, auf kurze und lange Sicht.

Die Inhalte dieser Buchrezension:

Buchvorstellung: Liebes Geld. Vom letzten Tabu in Paarbeziehungen

Darum geht´s:

Geld regiert die Welt und spielt auch in Liebesbeziehungen eine Rolle – aber die wenigsten reden offen darüber. Dabei ist es so wichtig, auch diese profanen Seiten einer Lebensgemeinschaft anzusprechen. Geld ist nämlich viel mehr als nur ein Zahlungsmittel, gerade in Liebesbeziehungen.

  • Geld ist ein wirtschaftliches und soziales Phänomen, je nachdem wo es auftaucht, erfüllt es andere Funktionen: Es kann Versprechen, Mittel und Symbol sein.
  • Geld ist außerhalb von Paarbeziehungen »kaltes Geld«, weil es unpersönlich ist. Man braucht es, um Geschäfte zwischen Fremden abzuwickeln.
  • In einer Paarbeziehung muss sich das Geld nach der Beziehung richten, muss »warm« oder sogar »heiß«, also persönlich werden.
  • Paare sollten deshalb nicht wie Geschäftsleute mit Geld umgehen, die Beziehung muss über das Geld regieren, nicht umgekehrt.
    • Partnergeld wird eingesetzt, um Leistungen für gemeinsame Lebensprojekte, beispielsweise die Familie, auszugleichen. Dabei geht es um Gleichartigkeit: Es wird nicht eins zu eins aufgerechnet, es dürfen nur Bedeutungen, nicht Werte miteinander verglichen werden.
    • Freundesgeld wird gegeben, weil man den Partner unterstützen, ihm Gutes tun und ihn glücklich machen will. Hier geht es nicht um eigene Interessen, sondern um die des anderen.
    • Liebesgeld wird bedingungslos geschenkt, es dient dem Ausdruck der Liebe, die man für den anderen empfindet.
  • Je nachdem, ob Geld als Partner-, Freundes- oder Liebesgeld zum Einsatz kommt, hat es eine andere Bedeutung.
  • Partner sollten das verstehen und die Bedeutung, die Geld für jeden einzelnen hat, anerkennen.
  • Das ist die Basis für einen guten Umgang mit Geld, der offene Gespräche, faire Vereinbarungen und klare Regeln vorsieht.

Dieses Buch ist etwas für Sie, wenn

  • …Sie sich fragen, wie Sie finanzielle Fragen im Vorfeld Ihrer Partnerschaft gut regeln können.
  • … das Thema Geld in Ihrer Partnerschaft wiederkehrendes Konfliktthema ist,
  • … Sie sachlich dargelegt bekommen wollen, wie die Liebe das Geld und Geld die Liebe beeinflusst,

So ist der Inhalt strukturiert:

Das Buch hat neun größere Abschnitte. Ein Vorwort führt in die Thematik ein, das Interview mit einer Hamburger Fachanwältin für Familienrecht bildet zusammen mit einem Nachwort den Abschluss.

1. Was ist Geld?

Mary beschreibt zunächst die Aufgaben, die wir in unserer Gesellschaft dem Geld zusprechen. Drei wesentliche Funktionen habe es:

  • Versprechen: Geld ist ein soziales Instrument, mit dem sich Ansprüche auf Dinge/Dienste erheben, ansammeln und aufbewahren lassen.
  • Mittel: Geld ist ein unpersönliches Mittel, um Überschüsse an Dingen oder Diensten anhand staatlich garantierter Versprechen zu verwalten.
  • Symbol: Geld macht nicht vergleichbare Dinge durch symbolische Zahlenwerte vergleichbar, stattet seine Besitzer mit sozialer Bedeutung aus und nimmt individuell unterschiedliche Bedeutungen an.

Fazit: Geld ist multidimensional – sämtliche dieser genannten Funktionen und Eigenschaften spielen in Paarbeziehungen hinein.

2. Was ist Liebe?

Eine einheitliche Definition der Paarliebe könne es nicht geben, denn es gebe immer mehr als einen Grund, einen Menschen zu lieben. In jeder geschichtlichen Phase wurde der Paarbeziehung eine jeweils andere soziale Aufgabe zugewiesen. Anfangs sei es um Bedürfnisbefriedigung gegangen, dann um individuelle Unterstützung und schließlich um die Bestätigung des Selbst. Mary benennt diese drei Liebesbereiche:

  • Partnerschaftliche Bindung: Liebe ist hier wie ein Tauschgeschäft. Man liebt sich, weil man einander zum Überleben und zur Alltagsbewältigung braucht, weil man sich vertraut, sich aufeinander verlässt und durchs Leben begleitet.
  • Freundschaftliche Bindung: Hier geht es allein um das psychische Wohlbefinden des anderen: Wenn Partner sich gegenseitig Wohlwollen zeigen und Wesensunterstützung geben, können sie sich dafür lieben.
  • Emotional-leidenschaftliche Bindung: Diese Liebe scheint von anderen Bedingungen befreit zu sein. Man wird vom anderen um seiner selbst geliebt, weil man so ist, wie man ist – nicht, weil man ein verlässlicher Partner ist, gleiche Interessen hat und den anderen unterstützt.

Fazit: In jedem dieser Liebesbereiche gelten unterschiedliche Verhaltensanforderungen und Handlungslogiken. Und jede Bindungsform hat laut Mary neben einem eigenen Liebesmotiv auch ihren eigenen Bezug zum Geld.

3. Die Allianz von Geld und Liebe

Es gibt drei unterschiedliche Liebesbereiche, was bedeutet, dass es auch unterschiedliche Umgangsweisen mit dem Thema Geld gibt. Dafür definiert Mary drei verschiedene Arten von Geld in Paarbeziehungen:

  • Partnergeld: Damit ist das Geld gemeint, das einem Leistungsausgleich dient. Tausch und Verhandlung spielen hier eine Rolle, auch wenn wenige Paare das klar so benennen. Die meisten Partner kalkulieren aber trotzdem ihren Einsatz, etwa wenn sie eine Familie gründen. Sie achten in der Regel genau darauf, was jeder zur Lebensgemeinschaft beiträgt. Partnergeld ist nach Mary wärmer als Geschäftsgeld, aber es bleibt kühles Geld. Denn es ist unsentimental und betont sowohl die Verbindung als auch die Distanz zwischen den Partnern.
  • Freundesgeld: Dieses Geld dient dazu, den Partner an eigenen Möglichkeiten teilhaben zu lassen und ihn in seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Damit ist zunächst einmal keine Leistung verbunden, sondern Wohlwollen. Diese Art des Geldes ist weder »kalt« noch »heiß« – eher irgendetwas in der guten Mitte. Denn damit ist kein Geschäft verbunden, es werden keine nüchternen Verhandlungen darüber geführt oder ein Leistungsausgleich dadurch angestrebt.
  • Liebesgeld: Dies dient dem Ausdruck der Liebe – beide Partner schenken sich bedingungslos Zuneigung und Aufmerksamkeit. Geld hat hier weder Leistungsausgleich noch Teilhabe im Sinn. Für Mary ist dies »heißes« Geld, das sofort auf dem Opferaltar verdampft. Es kann weder gefordert, noch erwartet werden, weil es einzig die Aufgabe erfüllt, dem Partner zu zeigen, was er einem bedeutet.

4. Die individuelle Symbolik von Geld

Geld hat für jeden eine andere Bedeutung. In einer Liebesbeziehung kommen zwei Menschen zusammen, die eine unterschiedliche Einstellung zu und einen anderen Umgang mit Geld haben – was ein erhebliches Konfliktpotenzial ergibt.

Dabei ist die individuelle Bedeutung von Geld nicht rational, sondern von Lebenserfahrungen bestimmt. Häufig offenbaren Paare voreinander nicht, welcher Stellenwert Geld für sie hat oder sie missachten die Verhaltenslogik, die sich aus dem unterschiedlichen Umgang ergibt.

5. Über Beziehungsgeld lässt sich sprechen

Zunächst einmal muss man in der Partnerschaft unterscheiden zwischen Geschäftsgeld und Beziehungsgeld – über Letzteres lässt sich sprechen, etwa mittels dieser Schritte:

  • Das Geldthema aufgreifen.
  • Geld definieren und sich über den Umgang damit auseinandersetzen.
  • Individuelle Bedeutungen des Geldes berücksichtigen.
  • Eine für beide akzeptable Lösung formulieren.

6. Die Realität: unvermeidbare Geldkomplikationen

Durch konstruktive Gespräche seien viele Komplikationen rund um das Geld in Beziehungen zwar vermeidbar, einige lassen sich laut Mary aber kaum ganz verhindern und zwar aus diesen Gründen:

  • Der Zweck einer Beziehung ist meist unbewusst: Wir gehen eine Partnerschaft in der Regel aus emotionalen, nicht aus rationalen Gründen ein. Darum bleiben so heikle Themen wie das Geld oft außen vor, bis sie zum Problem werden.
  • Beziehungsprobleme hängen sich oft am Thema Geld auf: Geldkonflikte weisen oft auf tiefer sitzende Problemlagen hin, etwa, wenn einer der Partner sich in finanziellen Dingen immer unzuverlässig verhält oder die Bedürfnisse des anderen übergeht.
  • Wenn sich etwas ändert, müssen die Karten neu gemischt werden: Ändern sich die Umstände, greifen manchmal die unbewusst getroffenen finanziellen Regelungen nicht mehr, z. B., wenn ein Partner arbeitslos oder krank wird.
  • Liebesmotive und Geldverhalten werden oft vermischt: Man nimmt Dinge hin und akzeptiert den unfairen oder unbefriedigenden Umgang mit Geld – weil man den anderen liebt und daran glaubt, dass sich das schon richten wird. Die Problematik wird unterdrückt, daraus ergeben sich Spannungen, weil das Grundproblem nicht angegangen wird.

7. Macht, Geld und Liebe

Schnell sei von Macht die Rede, wenn es um Geld gehe, schreibt Mary. Und meist wird der finanzstärkere Partner als der mächtigere angesehen. Dabei sei Macht keine Eigenschaft, sondern eine soziale Beziehung: Damit einer Macht hat, muss ein anderer sie ihm zugestehen. Geld verleiht nicht automatisch Macht, Liebe ist mindestens ebenso machtvoll.

8. Wie andere es machen

In diesem Abschnitt geht es um das tatsächliche Geldverhalten von Paaren: Mary erläutert anhand von Beispielen, wie sich Geldkonflikte in Beziehungen entwickeln und welche Lösungen gefunden werden können.

9. Wie andere es machen

Dieses Kapitel bietet eine komprimierte Übersicht der komplexen Überlegungen.

3 geldwerte Zitate aus dem Buch

»Es gibt keine sichere Möglichkeit, Geldkonflikten vorzubeugen. Beim Thema Geld verhält es sich wie bei anderen wichtigen Lebensthemen auch: Man muss erst ein Problem bekommen, um zu bemerken, dass sich etwas ändern muss.« »Nach einer Umfrage der Consorsbank kennen 41 Prozent der Deutschen das Einkommen des Partners nicht. Je jünger die Paare seien, desto weniger wüssten sie voneinander; und je höher das Einkommen sei, desto eher habe der Partner davon Kenntnis.« »Die verbreitete Überzeugung beim fahrlässigen Umgang mit Geld besagt: Weil wir uns lieben, regeln wir unsere Geldangelegenheiten fair. Aus derselben Logik ergibt sich im Trennungsfall aber auch: Weil wir uns nicht mehr lieben, brauchen wir uns auch nicht mehr fair zu verhalten.«

Fazit: Das bringt die Lektüre

Manche Themen muss man sachlich angehen, beim Geld ist das der Fall. Mary, 63 Jahre alt und Autor von mehr als 30 Büchern, setzt hier an: Nüchtern legt er dar, warum Geld in der Liebe eine so wichtige Rolle spielt und wie Paare gut darüber reden und verhandeln können.

Das muss nicht heißen, dass man sich schon beim dritten Treffen eine Gehaltsabrechnung vom potenziellen Partner zeigen lassen sollte, erfährt man in Marys Buch. Aber Paare sollten das Thema Geld nicht totschweigen, denn dann wird es irgendwann zum Problem.

Ganz nebenbei ermuntert Mary auch zu Ehrlichkeit: Ja, man kann, muss und sollte mit dem Menschen, den man liebt, über Geld sprechen. Erst dann, wenn man für beide Seiten gute und faire Regelungen gefunden hat, kann Geld der Liebe nichts mehr anhaben, sondern zwei Menschen noch inniger verbinden.

Hier geht es portofrei zum Buch –  auch als Kindle-Version erhältlich

Mehr zum Thema: Das könnte Sie auch interessieren