Das Thema bewegt viele, was man auch an zahllosen Threads in einschlägigen Foren sehen kann. In Polyamorie-Communities wird das Modell der Mehrfach-Beziehung propagiert und die monogame Zweierbeziehung als überholtes Modell dargestellt. In Frauenforen wettern Ehefrauen gegen Geliebte, Next-Frauen gegen Ex-Frauen, Mütter gegen Kinderlose, Geliebte gegen Ehefrauen, und alle unisono gegen fremdgehende Männer. Im Nachbarstrang elaborieren gebundene Frauen ihre geheimen Schattenlieben, von denen wiederum der Partner nichts wissen darf. Doppelmoral? Hilflosigkeit? Zeitzeichen? In jedem Fall scheint für Liebende ein großer Kommunikationsbedarf zu bestehen.
Das Web 2.0 kultiviert hierzu eine Standarderklärung, die wie ein Mantra in den Foren rauf- und runtergebetet wird: Grund für die aushäusigen Amouren sei nicht etwa Liebe, sondern ein Riesenberg unerkannter Defizite in der Partnerschaft. Der potenzielle Affäre habe nichts damit zu tun, die vermeintliche Liebe sei reine Kompensation. Und überhaupt müsse ja mit der Basisbeziehung etwas faul sein, andernfalls könne man sich nicht fremdverlieben. Mit Verlaub, aber das ist bornierte Küchentischpsychologie. Vor allem der letzte Satz.
Natürlich gibt es Fälle, in denen Midlife-Crisis, erkaltetes Sexleben oder genereller Beziehungsfrust mit Fremdverlieben kompensiert werden, keine Frage. Aber daraus eine Formel zu stricken und im Umkehrschluss zu behaupten, die Ursache für mehrere tief empfundene Lieben sei eine defizitäre Basisbeziehung, ist eine Denkfalle. Sie verleitet dazu, die Außenliebe als Ausrutscher abzutun und zur Tagesordnung überzugehen. Was unfair und unnötig ist. Was, wenn es tatsächlich Liebe ist? Muss sie dann einer Standarderklärung geopfert und derart abgewertet werden? Betrachten wir uns lieber den Kern der »Defizit-Theorie« etwas genauer.
Seite 1: Zwischen zwei großen Lieben entscheiden
Seite 2: Echte Liebe oder nur Bedürfnis-Erfüllung
Seite 3: Kopf oder Herz: Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf
Seite 4: Außenbeziehung - Entscheidung in aller Heimlichkeit?
Seite 5: Ehrlichkeit als Liebesbeweis macht frei















