Beziehungsvorsätze: Wie wär´s 2015 denn mal mit mehr Streit und weniger Sex?

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Streiten Sie sich, verzichten Sie auf Sex und flirten Sie fremd: wir haben ein paar todsichere Tipps, mit denen Ihre Beziehung 2015 boomt.

»Also nächstes Jahr mache ich definitiv mehr Sport, specke mindestens 4 Kilo ab und hör endlich mit dem Rauchen auf!« Gäääähn! Die Kassette kennen wir, die wird doch immer Ende Dezember irgendwo abgespult. Und dann wird’s doch nix mit den ganzen guten Vorsätzen. Vielleicht liegt es ja genau an denselben?

Das neue Jahr bricht an und Sie wollen endlich mit schlechten Beziehungsgewohnheiten brechen? Edle Vorsätze bieten sich da als Handlungsrichtlinie an. Aber oft taugen die für bessere Liebe wenig. Wir kennen sie alle, wir verstehen sie alle – und wir HASSEN sie in der Regel: Nicht zoffen, viel Sex, Respekt, freundlicher Umgang und so weiter, und so fort. Denn ist es nicht so: Viele von uns nehmen sich viel vor, einige davon ziehen die Sache auch eine Weile durch. Aber spätestens nach einigen Wochen werden die löblichen Vorsätze reine Routine – und dadurch zu hohlen Vorhaben. Daran können Sie sich abarbeiten, oder aber Sie hängen die Messlatte entweder ein bisschen herunter oder gleich ganz ab.

2015 wird ganz lieb: 5 gute Vorsätze für Ihre Beziehung

Guter Vorsatz Nummer 1: mehr Streit

Wissen Sie, was das Allerschlimmste in Beziehungen ist? GAR NICHT streiten! Dieses Harmoniegeschwafel ist ein alter Murks, richtig fetziger Zoff ist wahrer Zündstoff für eine Beziehung.

Buchcover: Was Paare zusammenhält: Warum man sich riechen können muss und Sex überschätzt wird Das glauben Sie nicht? Ist aber wissenschaftlich erwiesen. Das erklärt Werner Bartens in Was Paare zusammenhält. Darin ist nachzulesen, dass selbst in einer erkalteten Beziehung Streit ein positives Zeichen sein kann. Immerhin verbinden Ärger und Wut beide Partner wieder stärker miteinander. Denn wer sich auf einen Streit mit dem Partner einlässt, dem liegt eine Menge am anderen. Streit signalisiert, dass man sich nicht gleichgültig ist. Wer Konflikte vermeidet, der bringt offensichtlich nicht mal mehr Energie und Anteilnahme auf, sich über den anderen zu ärgern und sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Aber halt: Wichtig ist nicht nur, dass Sie sich überhaupt zoffen, sondern vor allem, wie Sie sich streiten, das ermittelte der amerikanische Psychologe John Gottman. In Die Vermessung der Liebe erläutert er, was gutes Streiten ausmacht. Oberstes Gebot: Es muss immer noch Zuneigung durchschimmern und der Streit darf nicht in eine fiese Sackgasse münden, wo nur noch »Du bist immer so... und »Warum kannst Du nie«... Vorwürfe ausgetauscht werden.

Schreiben Sie sich also konstruktive Konflikte mal auf Ihre Liste der Vorsätze. Gehen Sie unangenehmen Auseinanderstzungen nicht aus dem Weg (gilt vor allem für Männer) und quasseln sie den anderen nicht gleich an die Wand (gilt insbesondere für Frauen). Zanken Sie freundschaftlich, lassen Sie kleine Fetzereien nicht eskalieren und denken Sie daran: Zoff ist Zeichen dafür, dass noch eine Menge Leidenschaft vorhanden ist. Zumindest, wenn Sie sich danach wieder versöhnen.

Guter Vorsatz Nummer 2: mehr Haushalt

Kein Witz: Die Haushaltsarbeit ist der Lustkiller, Streitfaktor und Trennungsvorbote schlechthin. Okay, okay, da haben wir jetzt mal ein kleines Bisschen übertrieben. Aber Tatsache ist: Wer was Zuhause mit welchem Zeitaufwand macht, ist sehr wichtig für eine Beziehung.

Nach 14 Ehejahren sind fast 85 Prozent der Paare so organisiert, dass die Frau den Löwenanteil in Haushalt und Kindererziehung übernimmt und der Mann sich höchstens noch um ein paar handwerkliche Aufgaben kümmert, schreibt Werner Bartens. Da demnach der häusliche Bereich doch meist in weiblicher Hand liegt, sollte hier der Mann öfter mal zugreifen. Also das Geschirrtuch ergreifen, den Müll runtertragen und sich auch ansonsten richtig nützlich machen. Der Frau dagegen sei angeraten, auch mal etwas abzugeben, z. B. den Abwasch oder den Einkauf.

Dr. Wolfgang Krüger Vergessen Sie Sex, Aussehen und Treue – in der gerechten Aufgabenverteilung im Alltag sieht auch Wolfgang Krüger eine der größten Herausforderungen für Paare. Die eigentliche Belastungsprobe für die Liebe liege immer im häuslichen Bereich, sagt Krüger. Untersuchungen haben ihm zufolge gezeigt, dass Männer für Frauen attraktiver werden, wenn sie sich aktiver an der Hausarbeit beteiligen. Und – aufgepasst, liebe Männer – es gebe sogar einen Zusammenhang zwischen der männlichen Beteiligung am Haushalt und Sex. Unterstützt er sie beim häuslichen Schuften, honoriert sie das womöglich durch erotisches Entgegenkommen. Also nichts wie ran an den Abwasch...

Guter Vorsatz Nummer 3: mehr Offenheit

Hier geht’s nicht um Nacktbaden oder Befindlichkeitsmonologe. Sondern um Offenheit gegenüber Neuem. Jede Beziehung kommt über kurz oder lang an einen Punkt, wo Sex und Liebe zur Gewohnheit werden. Dann kommt der Wunsch nach unbedingter Zweisamkeit weniger aus uns selbst heraus, sondern wird mehr von Konventionen gelenkt.

Oliver Schott Und dann zeigt sich doch, dass wir alle Treuejünger sind. Oliver Schott schreibt in Lob der offenen Beziehung, wir hielten monogame Beziehungen für den Standard, alles andere finden wir komisch. Dabei ist der Wunsch danach, dass ein Mensch uns für immer und ewig mit Haut und Haaren gehört, vermessen bis verrückt. Der übertriebene Exklusivitätsgedanke, laut Schott Grundlage der Treue, führt dazu, dass wir denken: Der andere gehört mir, er darf nur mit mir sexuelle oder andere Liebeserfahrungen machen. Sonst geht er fremd, betrügt mich und liebt mich nicht mehr. Basta.

Genau hier kommt Offenheit ins Spiel: Öffnen Sie sich doch mal für andere Gedankengänge, definieren Sie für sich wahre Liebe neu. Etwa, indem Sie sich vor Augen halten, dass es absurd ist, von jemandem zu verlangen, dass er nur Sie und niemand anderen auf der Welt attraktiv findet, geschweige denn liebt. Immerhin leben wir in Zeiten der seriellen Monogamie, in denen wir im Laufe eines Lebens mehrere Beziehungen haben – nacheinander zwar, aber dennoch einige und nicht nur eine.

Wer sich vom Zwang der Ausschließlichkeit befreit und dem Partner womöglich Seitensprünge oder sonstige außerpartnerschaftliche Abenteuer gönnt, profitiert unter Umständen von dieser Offenheit. Und bisweilen gewinnen beide Partner viel dabei, beispielsweise, wenn sie gemeinsam ihre erotischen Träume wahr machen.

Guter Vorsatz Nummer 4: mehr Flirts

Flirten tut gut, Flirten macht Spaß und Flirten liegt uns irgendwie im Blut, wenn nicht gar in den Genen. Immerhin haben Forscher herausgefunden, dass die Kontaktaufnahme über Blicke und Turteln zu unserem evolutionären Erbe gehört, quasi als Vorstufe zur Fortpflanzung.

Aber sobald wir in einer festen Beziehung stecken, scheint das Herumpoussieren mit Dritten tabu zu sein. Dabei können sich unserer repräsentativen Umfrage über ein Marktforschungs-Panel zum Thema Online-Dating zufolge 44,4 Prozent der Befragten nicht vorstellen, nie wieder mit anderen Menschen flirten zu dürfen, nur weil sie einen Beziehungspartner haben. 55,6 Prozent gaben allerdings an, sie würden für ihre Beziehung ganz auf Flirts verzichten. Und dabei kann ein Fremdflirt die Beziehung aufpeppen, heißt es in Partnerschafts-Ratgebern. Und tut es nicht gut, den eigenen Marktwert auf dezente Art zu testen und den Pusch fürs Ego via Flirten einzusacken?

Eine kanadische Untersuchung kommt auch zu dem Ergebnis, dass vor allem bei Frauen das kurze Schäkern die Partnerschaft stärkt. Wer nämlich lustvolle Blicke mit einem Fremden austauscht, produziert Glückshormone, die wiederum das eigene Wohlbefinden fördern – und wer sich gut fühlt, hat womöglich auch mehr Lust auf die eigene Partnerschaft. Übrigens hat Fremdflirten nicht so viel mit Untreue zu tun, wie manche denken – wir alle werfen bisweilen ein interessiertes Auge auf attraktive Zeitgenossen. Genau das sollten Sie in Maßen vielleicht im neuen Jahr tun. Der Kick fürs Ego ist vielleicht ein Kick für Ihre Partnerschaft.

Guter Vorsatz Nummer 5: weniger Sex

Die meisten Paare sind total enttäuscht, wenn sie feststellen, dass die Leidenschaft futsch ist. War man anfangs dauerscharf aufeinander, sitzt man bald müde vorm Fernseher und hat so gar keine Lust. Nach drei bis fünf Jahren ist in der Mehrzahl der Beziehungen die erotische Luft raus, das belegen Untersuchungen.

Für viele ist das der Anfang vom Ende, Umfragen zufolge können sich die meisten Deutschen eine Partnerschaft mit ganz wenig Sex nicht vorstellen. Aber die meisten haben so eine! Umfragen und Untersuchungen beweisen, dass Paare nach drei Jahren nur noch ungefähr halb so viel Sex haben wie zu Beginn. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass ein hoher Prozentsatz der über 45-Jährigen in ihrer Partnerschaft so gut wie keinen Sex mehr hat.

Buchcover: Wahre Liebe lässt frei! Wie Frau und Mann zu sich selbst und zueinander findenUnd was ist nun so schlimm daran? Robert Betz hält leidenschaftlichen Sex in einer Partnerschaft zwar für möglich, aber nicht unbedingt für nötig. In Wahre Liebe lässt frei schreibt er, es sei völlig wurscht, wie oft Paare Sex hätten. Intimität und Nähe seien wichtig für die Liebe, der erotische Körperkontakt aber nicht ausschlaggebend. Sex wird nämlich total überschätzt. Und daher rührt auch unser Frust: Wir meinen, Sex sei Indikator unserer Liebe, wer es oft miteinander treibt, der hat eine gute Beziehung. Das stimmt so aber nicht. Denn je länger man zusammen ist, umso wichtiger werden andere Dinge wie Geborgenheit, Respekt und Freundschaft. Sex ist dann nicht die alleinige Voraussetzung für eine erfüllte Partnerschaft.

Wenn Sie mit Ihrem Sexleben unzufrieden sind, denken, Sie würden zu selten in der Beziehung zum Zuge kommen und sehnen sich nach häufigeren erotischen Höhepunkten, dann gehen Sie doch mal anders an die Sache heran: Nehmen Sie sich für 2015 einfach mal vor, weniger Sex in Ihrer Beziehung zu haben. So entlasten Sie sich von dem von außen getriggerten Leistungsdruck. Denn Lust auf Kommando oder Begehren auf Zuruf funktionieren nun mal nicht. Damit erotische Stimmung aufkommen kann, muss eine lockere Atmosphäre herrschen. Unter Druck und mit Krampf geht das garantiert schief. Also machen Sie sich locker und fassen Sie den folgenreichen Vorsatz: 2015 werde ich weniger Sex haben. Der Schuss geht bestimmt nach hinten los.

Fazit: Kommen Sie beziehungsentspannt ins neue Jahr

Fassen wir doch noch einmal zusammen: Zoffen Sie sich regelmäßig heftig, aber gesittet mit Ihrer besseren Hälfte, verteilen Sie die Hausarbeit gerecht, flirten Sie zart mit Dritten, denken Sie auch mal über Alternativen wie erlaubtes Fremdgehen oder über einen gemeinsamen Besuch im Swingerclubs nach und machen Sie Sex zu einer raren Kostbarkeit – vielleicht klappt´s so 2015 besser mit Ihrer Beziehung.

Buchcover: Lob der Vernunftehe: Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe Das Wichtigste aber ist, dass Sie sich frei machen von Zwängen, setzen Sie sich bei der Liebe nicht unter Erfolgsdruck und beim Sex schon gar nicht. Sonst geht es Ihnen wie vielen Menschen: Sie halten dem Dauerdruck nicht stand. Arnold Retzer schreibt in Lob der Vernunftehe, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung sei für viele mittlerweile eine Pflicht geworden, auch die Anspruchshaltung bei Beziehungen sei gestiegen. Dabei kann man diese niemals über einen Kamm scheren, jede Liebe ist anders, jede Partnerschaft individuell.

Wem es gelingt, die Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit auszutarieren, der kann zufriedener werden. Unsere guten Vorsätze könnten da ein Anfang sein. In diesem Sinne: Wir wünschen Ihnen von Herzen ein frohes neues Jahr!

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