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Ein Seitensprung sagt über den Zustand einer Ehe absolut nichts aus
Sind unglückliche Paare eher untreu?

Sind Affairen ein Symptom für schlechte Beziehungen?

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Unter Fremdgängern die Pauschalbegründung für einen Seitensprung finden zu wollen, scheint auf den ersten Blick so sinnvoll, wie ein Eichhörnchen nach dem Rezept für Nussmakronen zu fragen. Dennoch lohnt es sich, der Frage nachzuspüren. Ganz besonders, weil im Augenblick ein medialer Rücksturz in die sexuelle Verklemmtheit der 50er Jahre stattzufinden scheint.

Tiefergehende Reflektion über individuelle Bedürfnisse und Sehnsüchte ist scheinbar out. TV und Psychobücher verkünden einhellig: Wer fremdgeht, lebt auf jeden Fall in einer schlechten Beziehung. Und als sei das noch nicht absurd genug, erklärt uns Autor Ulrich Clement, dass man seinem Partner gegenüber so, »respektvoll« sein sollte und den Seitensprung verheimlichen. So einfach geht die Welt. Passt, wackelt und benutzt (hoffentlich) Kondome.

Das riecht nicht nur nach Klischeealarm, es ist auch eine doppelbödige, ziemlich feige Art, mit dem Thema umzugehen. Weil in dieser zweidimensionalen Denke kein Raum für Zwischentöne bleibt. Als da wären: das sexuelle Klima einer Ehe, bewusste oder unbewusste unerfüllte Bedürfnisse, die private Kommunikationskultur des Paares, und nicht zuletzt die umwerfende Wirkung einer Neubekanntschaft, mit der es selbst aus einer glücklichen Ehe heraus zum Seitensprung kommen kann.

All das sind höchst individuelle, sensible Themen, die zwei Menschen betreffen und sich nicht in starre Verhaltensregeln quetschen lassen. Das beweisen auch zahlreiche Studien. Bei denen weniger die Ergebnisse verblüffen, als die Tatsache, dass sie sich zum Teil heftig widersprechen!

Widersprüchliche Statistiken, die Licht ins Dunkel bringen

Laut Glass & Wright nannten im Jahr 1992 nur 30 Prozent aller fremdgehenden Männer Eheprobleme als Grund für eine Affaire. Bei den befragten Frauen waren es doppelt so viele. 60 Prozent aller fremdgehenden Frauen gaben zu, aus ehelichem Frust fremdgegangen zu sein. Zumindest an diesem 2:1 Verhältnis scheint sich nicht viel geändert zu haben: Auch 2009 gehen 33 Prozent der weiblichen und nur 16 Prozent der männlichen Seitenspringer aus Partnerschaftsfrust heraus fremd. Angeblich.

Eine andere Statistik besagt, dass sich 70 Prozent der Frauen und sogar 88 Prozent der Männer sexuell vom Seitensprung-Partner angezogen fühlten und ausschließlich deshalb mit ihm intim wurden. Dem vielzitierten Reiz des Neuen verfielen 80 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen. Kein Wort von Beziehungsfrust als Auslöser.

Eine Studie des Internet-Therapieforums Theratalk unter der Leitung von Dr. Ragner Baer an der Georg-August-Universität kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Von 219 Teilnehmern nennen 79 Prozent aller Männer und 84 Prozent der Frauen sexuellen Beziehungsfrust als Motiv für ihren Seitensprung.

Dass dies kein neues Phänomen ist, bestätigt eine Studie von Spanier & Margolis aus dem Jahr 1983, nach der 70 Prozent aller Fremdgänger dies aus ehelichem Frust heraus in fremde Betten flüchteten. Also doch ein Symptom für eheliche Defizite?

Anhand dieser Abweichungen wird eines deutlich: die Schwierigkeit einer Abgrenzung bei der Ursachenforschung. Es gibt Ich-Themen, und es gibt Paar-Themen. Je nachdem, wie unsicher oder eventuell konfliktscheu ein Paar in seiner Kommunikationskultur ist, umso schwieriger wird es, die Themen klar voneinander zu trennen. Genau hier liegt auch die Antwort zu unserer Frage begraben.

Wer also nach dem tieferen Grund für einen Seitensprung gefragt wird, müsste sich korrekterweise erst fragen: Habe ich ein persönliches Thema am Laufen, oder gibt es ein Paar-Thema, das auf den Tisch gehört?

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Seite 2: Tarnt sich das Ehefrust-Symptom als Ausrutscher?
Seite 3: Sind unglückliche Eheleute zum Fremdgehen prädestiniert?

Sind Sie schon mal fremdgegangen? Wenn ja, welcher Grund war für die außereheliche Beziehung verantwortlich? Was sind Ihre Empfehlungen um einen Seitensprung vorzubeugen? Jetzt berichten
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Kommentare
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[Gast] U2CanDo || 17.11.2009 11:17:50
Denke schon, dass eine Affäre oder One-Night-Stand große Indikatoren dafür sein können, dass in der ehelichen Partnerschaft nicht alles und vor allem nicht über die ganze Zeit prima läuft. Die erwähnten Statistiken belegen dies eindeutig. Andererseits bedarf es meiner Meinung nach eines längeren Prozesses und fehlender offener Kommunikation sowie fehlender gegenseitiger Wertschätzung bis es zu einer Projektion und Ausleben des Fehlenden mit einem Affärepartner kommt.
Die verschiedenen Umgangsformen des Beichtens oder Nicht-Beichtens eines Seitensprungs wurden sehr offen und genau erläutern. Abhängig von der jeweiligen Situation in einer Partnerschaft oder Ehe sollte dann jeder einzelne entscheiden, wie er es dem betrogenem Partner beibringt oder einfach den Mund hält und seine schönen und kurzlebigen Erfahrungen mit dem Fremden für sich beibehält.
[Gast] Luna || 17.11.2009 10:34:18
Sogar wenn man glücklich lieert ist und im Bett alles stimmt, kann man Sex "außerhalb" haben - einfach, weil es eine Bereicherung ist! Und nicht, weil man eine schlechte Beziehung hat... Ich würde es dann nicht als Ausrutscher bezeichnen, sondern als bewußt darauf angelegt. Außerdem hat es etwas mit dem Alter und der Reife zutun, ob und wie man mit seinem Partner darüber spricht und wie man es selber (er)lebt.

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