Wie mögen Sie eigentlich Ihren Sex? Fragen Sie sich das doch mal selbst – Anregungen dafür gibt Ihnen »Think love« von Ulrich Clement. Wir auch!

Paar redet über Sex

Über Sex reden: Auf zu erotischer Selbsterkenntnis!

Träumen Sie von einem flotten Dreier oder würden Sie gerne mal ein aufregendes Rollenspiel inszenieren? Und haben Sie mit Ihrem Partner schon darüber gesprochen?

Wir vermuten mal: eher nein. Zu dieser Erkenntnis kommt ebenfalls die Paarsex-Studie 2015 in welcher 1.013 Deutsche über ihre Wünsche und die Wirklichkeit in ihren Beziehungen befragt wurden. Derzufolge haben zwar viele Deutsche erotische Phantasien, aber rund ein Viertel aller Männer und Frauen verrät seinem Partner gar nichts von diesen geheimen Gelüsten! Die Gute Nachricht: Beinah doppelt so viele sexuelle Wünsche könnten erfüllt werden – wenn der Partner nur davon wüsste. Denn ein beachtlicher Teil der Erotik-Probleme kann auf das bloße Fehlen von Wissen über die sexuellen Wünsche des Partners zurückgeführt werden.

6 Fragen, die Sie sich unbedingt mal selbst beantworten sollten

Buchcover: Thnik Love: Das indiskrete FragebuchMan nehme: Viele verschiedene Fragen zu Sex, ein stilles Kämmerlein und ausreichend Zeit – fertig ist die perfekte Ausgangsbasis für erotische Selbsterkenntnis. Nur wer sich intensiver mit den eigenen Bedürfnissen beschäftigt, weiß, was er wirklich will. Das findet auch Ulrich Clement, Psychologieprofessor und Paartherapeut. Neugier würde frisch halten, meint er, neue Fragen zu stellen, sei eine inspirierende Methode, um Sex lebendig zu halten. Noch besser sind seiner Meinung nach solche Fragen, an die wir uns bisher noch gar nicht rangetraut haben, weil sie zu intim, pikant oder kontrovers sind. Darum hat er in Think Love 200 Fragen aller Art gesammelt, die eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität anregen. Wir haben ein paar herausgepickt:

»Mit wem fällt es Dir – abgesehen von deinem Partner – am leichtesten, über Deine Sexualität zu sprechen? Und warum gerade mit dieser Person?«

Ha! Erwischt! Wenn so viele – wie die oben erwähnten Studien ja beweisen – gar nicht mit ihrem Partner über ihre Sexbedürfnisse sprechen, wie sollten sie dann dazu kommen, mit einer dritten Person die ganze Sache zu bequatschen? Da stimmt doch was mit der Logik nicht. Nicht unbedingt: Oft fällt es besonders schwer, mit dem Menschen Klartext zu reden, der einem am nächsten steht. Wenn Sie ihm sagen, dass Ihnen Sex zu langweilig ist oder Sie auch gerne etwas anderes ausprobieren würden im Bett, gehen Sie das Risiko ein, den Partner zu verletzten oder gar abzustoßen. Unsere natürliche Scham hält uns vielleicht davon ab, hier allzu offen zu sein. Mit der besten Freundin ist das schon eine andere Sache: Die muss ja nichts ändern, nichts schlucken oder Kritik verarbeiten. Als nahezu neutrale Kontaktperson kann sie zuhören und aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz das ein oder andere beitragen. Also Hand aufs Herz: Mit wem tun Sie es wie am liebsten, wenn Sie es überhaupt tun?

»Wenn Dich eine andere Person als dein Partner erotisch stark anzieht – was machst du dann?«

Würden Sie so etwas Ihren Partner überhaupt fragen? Wenn Sie das tun, könnte es sein, dass Sie die Antwort schon wissen, beziehungsweise eine ganz bestimmte haben wollen. Etwa die »Das geht gar nicht!« oder »Gar nichts, ich liebe ja nur dich«. Alles andere wäre doch eine Kränkung, ein Geständnis oder gar Bekenntnis zur Untreue. Aber wenn Sie mal in sich hineinhorchen, kommen Sie vielleicht zur Erkenntnis, dass Sie entweder nicht wissen, wie Sie reagieren, wenn Sie jemanden anziehend finden, oder womöglich nicht widerstehen könnten. Und das ist dann wirklich ehrlich. Und übrigens auch ziemlich menschlich: Fremdflirten zum Beispiel liegt uns quasi in den Genen, auf diese spielerische Art überprüfen viele von uns ab und an ihren erotischen Wert. In einer Studie (seitensprung-fibel.de) zum Thema Fremdflirten gaben 64 Prozent der Befragten an, sie würden sich bestätigt fühlen, wenn Sie angeflirtet werden. Das daraus erwachsende Selbstbewusstsein kann sich durchaus positiv auf die eigene Beziehung auswirken: So meinen rund 29 Prozent der Deutschen, Flirts mit Dritten tun ihrer Beziehung eher gut als schlecht.

»Wenn Du erotisch in bester Laune bist – was machst du dann?«

Porno-Filmchen gucken, selbst Hand anlegen, Shoppen gehen oder Duschen – bevor Sie hier antworten, könnten Sie sich ja erstmal fragen, wie sich Ihre erotische Hochstimmung eigentlich äußert. Schauen Sie dann jedem Rock hinterher oder schmelzen beim Anblick von Daniel Craig dahin? Wollen Sie dann nichts wie ab ins Bett oder setzen Sie sich so am liebsten an den Schreibtisch und sind kreativ? Ganz gleich, wie sich die erotische Laune bemerkbar macht – forschen Sie mal nach was Sie aus dieser Laune so alles machen können.

»Reizt Dich die Vorstellung, dich sexuell jemandem so auszuliefern, dass er/sie mit dir nach Belieben tun kann, was er/sie möchte?«

Frauen, aufgehorcht: Diese Frage könnte vor allem Sie bewegen. Denn Untersuchungen zu weiblichen Sexfantasien brachten Erstaunliches ans Tageslicht: Ein Großteil der Damen träumt davon, von einem Unbekannten erotisch überwältigt zu werden. Eine kanadische Studie untersuchte, welche Fantasien Männer und Frauen so haben und wie sie sich die Wunschvorstellungen in Sachen Sex unterscheiden. Das Ergebnis: Fantasien von Sex mit Prostituierten oder Cross-Dressing, Oralsex und Sex mit mehreren Partnern gehören eher zum heimlichen Wunschrepertoire von Männern, während Frauen häufiger über Dominanzspiele und Unterwerfung fantasieren. Die Damen reizt also die Vorstellung, dass sie sich einem Sexpartner genussvoll ausliefern. Und wie sieht es da bei Ihnen aus?

»Angenommen, Du kannst beim Sex mit einem Partner nur schwer einen Orgasmus bekommen (bei der Selbstbefriedigung dagegen fällt es dir leicht): Wie gehst Du damit um?«

Das Einfachste in so einem Fall: Sie tun einfach so, als ob. Damit gehen Sie lästigen Nachfragen, unangenehmen Rechtfertigungen und einem gekränkten Partner aus dem Weg. Schließlich ist für viele Menschen der Orgasmus der Beweis dafür, dass der Sex Spaß gemacht hat. Bleibt er (aus welchen Gründen auch immer) aus, kann das durchaus als Versagen gewertet werden. Eine im Auftrag des ZDF durchgeführte Sexstudie, bei der die Macher vorgaben, einen Lügendetektor einzusetzen, ermittelte, dass – festhalten – 84 Prozent aller Frauen schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht haben. Andere einschlägige Untersuchungen kommen zum Schluss, dass rund 90 Prozent den Höhepunkt schon mal gespielt und sogar zwei Drittel aller Männer einen Orgasmus schon mal gefälscht haben. Andere Umgangsmöglichkeit: Sie reden darüber. Gerade bei Frauen ist das mit dem Orgasmus oft ein Mysterium, neun Prozent sollen noch niemals einen Höhepunkt erlebt haben. Und da kann oft der Partner wenig dafür. Stress, Leistungsdruck, Sorgen – es gibt viele Gründe, die den lustvollen Sexabschluss vereiteln können. Bevor Sie nun im Fall eines Falles etwas tun – beantworten Sie doch diese Frage mal unter diesem Gesichtspunkt.

»Wenn dein Partner (deine Partnerin) dauernd im Internet in Sex-Chats aktiv ist, würde dich das stören, oder kannst du dem etwas Positives abgewinnen?«

Wie finden Sie diese Frage? Auf den ersten Blick klingt sie seltsam – was, bitte schön, sollten Sie daran positiv finden, wenn Ihr Freund jeden Tag mit seinen heißen Kontakten im Internet beschäftigt ist? Soll Sie das eifersüchtig machen und so Ihre Beziehung aufpeppen? Soll es Sie heiß machen, die Vorstellung, dass er erotische Intimitäten online austauscht? Oder sollen womöglich Sie selbst auf den Geschmack kommen? Vermutlich ist das eine der provokativen Fragen, die Sie mächtig zum Nachdenken bringen könnte. Umso interessanter ist das, etwa vor dem Hintergrund, dass viele Menschen nicht willens sind, erotische Internetaktivitäten ihres Partners zu tolerieren. Beim harmlosen Online-Flirt geben sich zwar viele noch recht verständnisvoll – 46 Prozent der deutschen Internetnutzer geben an online fremdgeflirtet zu haben – und ganze 55 Prozent der Befragten findet das normal und menschlich. Aber spätestens, wenn es heißer wird, hört der Spaß auf: Eine weitere Umfrage ergab, dass das Austauschen erotischer Fotos, sogenanntes Sexting, und das Anlegen eines Profils auf einer Dating-Plattform besonders von Frauen ziemlich krumm genommen wird. Ist ja auch nicht schön, wenn der Partner sich lieber im Netz herumtreibt, als es mit einem selbst zu treiben. Aber vielleicht denken Sie ja mal nach: Warum tut er oder sie es denn? Was geht Ihnen dadurch verloren? Und was bringt es Ihnen vielleicht? Kann ja sein, Ihr Partner braucht das bisschen Erotik-Chat für sein sexuelles Ego, er oder sie holt sich hier Bestätigung, die Sie ihm oder ihr so nicht geben können. Darüber könnten Sie mal grübeln.

Fazit: Raus mit der Sprache: Reden Sie endlich über Ihren Sex!

Wir alle können recht offen über Sex reden – in der dritten Person, gerne auch vage. Als Partykonversation eignen sich seltsame Begierden (der steht doch auf Sado-Maso), Eskapaden von Promis (weißt Du noch: Boris Becker und die Besenkammer?) oder Ex-Lover (war der eine Niete im Bett). Aber freizügig über die eigenen sexuellen Begierden und Phantasien zu plaudern, fällt schwer.

Wir neigen auch dazu, ein möglichst einwandfreies Bild von uns abzugeben. Dazu gehört, dass wir häufig Sex haben (wir sind ja attraktiv), normale Praktiken bevorzugen (wir sind ja nicht pervers) und niemals fremdgehen (wir sind doch moralisch integer). Das, was wir da von uns preisgeben, stimmt oft aber nur annäherungsweise mit der Realität überein. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, uns selbst ehrlich einzugestehen, wo wir in Sachen Sex stehen. Denn je mehr wir über die eigenen Bedürfnisse wissen, je genauer wir umschreiben können, was uns anzieht, abstößt oder aufgeilt, umso befriedigender können wir das erotische Leben mit anderen gestalten. Einen ersten Schritt dazu können Sie mit dem Buch von Ulrich Clement tun – es kann Sie auf ziemlich scharfsinnige Gedanken bringen.

Hier geht es portofrei zum Buch

2 Minuten für die Wissenschaft

Mehr zum Thema: Das könnte Sie auch interessieren