Unverschämt nachgefragt: Wie ist Ihr Sex eigentlich? Ulrich Clement lädt seine Leser zur indiskreten Fragestunde ein. Wir haben uns das Buch genauer angeschaut.

Frau und Mann schauen sich im Bett tief in die Augen

Was Sie noch nie über Sex gefragt wurden – und nun endlich beantworten können

Gibt es eine Sexerfahrung, um die Sie Ihren Partner beneiden? Welches Motto könnten Sie Ihrem bisherigen Sexleben geben? Und wissen Sie, was Sie mitnehmen würden, wenn Sie zu einer Fetisch-Party eingeladen werden? Wir vermuten mal, so etwas haben Sie sich bisher eher selten gefragt.

Dann wird es vielleicht höchste Zeit: Gute Ratschläge für guten Sex lesen, das können wir alle. Aber das eigene erotische Erleben hinterfragen, das wird schon schwieriger. Weil uns erstens niemand so direkt danach fragt, zweitens detaillierte Auskünfte über bevorzugte Sexpraktiken, Selbstbefriedigungsgewohnheiten oder Sexfantasien doch eher in den Tabubereich fallen, und weil drittens oft ganz einfach die passenden Fragen fehlen. Das hat nun ein Ende: Der bekannte Paartherapeut Ulrich Clement hat in seinem wunderbar handlichen und herrlich aufdringlichen Buch 200 Fragen rund um Sex gesammelt. Die handeln ein umfangreiches Themenspektrum ab und reichen von der eigenen sexuellen Vergangenheit über Probleme im erotischen Bereich bis hin zu Fantasien und geheimen Gelüsten. Dieser außergewöhnliche Fragenkatalog ist alles andere als ein Fragebogen, es ist auch keine Analyse oder ein Verhör – es ist Ausgangsbasis für eine sehr, sehr persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität.

Buchvorstellung: Think Love: Das indiskrete Fragebuch

Darum geht´s:

Sex, schreibt Clement, sei eine sehr komplizierte Angelegenheit und nicht immer wirklich lustig. Jeder Mensch kennt Sonnen- und Schattenseiten in seinem sexuellen (Er)Leben, jeder hat Tabus und Grenzen in seiner erotischen Vita. Aber so richtig intensiv befassen sich damit wohl die Wenigsten. Mit diesem Buch wird genau das möglich: Im handlichen Paperback-Format mit Lesebändchen und Gummizug stecken neben einer Gebrauchsanweisung vom Autor thematisch sortiert die 200 Fragen, bei denen eigentlich alles zur Sprache kommt, was für Sex eine Rolle spielt. Dabei handelt es sich durch die Bank weg um unentscheidbare Fragen, das sind solche, bei denen die Antworten nicht feststehen, sondern vom Beantworter abhängen. Da gibt es also kein Richtig oder Falsch, kein Gut oder Schlecht – denn die Antworten entziehen sich einem objektiven Urteil: Niemand außer Ihnen selbst kann und soll Ihre intimen Statements beurteilen.

So ist der Inhalt strukturiert:

Ulrich Clement beginnt mit einer sehr prägnanten Einleitung und listet dann die Fragen nach Themen sortiert auf. Die einzelnen Kapitel enthalten unterschiedlich viele Fragen, pro Seite gibt es jeweils eine und gleich darunter Platz für eigene Notizen – beziehungsweise die eigenen Antworten.

  • Meine Vergangenheit: Was habe ich schon erfahren?
  • Meine sexuelle Gegenwart: Was treibe ich zurzeit?
  • Mein sexuelles Profil: Wer bin ich?
  • Meine Partnerschaft: Wen liebe ich?
  • Meine Moral: Ist alles erlaubt?
  • Meine Probleme: Wie gehe ich mit Schwierigkeiten um?
  • Meine Fantasien: Was ist ungelebt?
  • Mein Körper: Wo spüre ich Sex?
  • Paarungen: Männer und Frauen

Das steckt drinnen:

Viele, viele Fragen und damit jede Menge Anregungen für das Nachdenken über die eigene Sexualität enthält dieses Buch. Die Fragen sind sehr einfühlsam und hintergründig formulierte Sätze, die eine Auseinandersetzung mit der sexuellen Seite der eigenen Persönlichkeit in Gang setzen. Dadurch, dass es keine richtigen, also allgemein gültigen Antworten gebe, haben Sie die Freiheit, das und nur das zu antworten, was Sie für angemessen halten, schreibt Clement. Auch wie Sie das Buch einsetzen, ob Sie es heimlich im Bett für sich durchackern, es gemeinsam mit Ihrem Partner lesen, bestimmte Fragen herausnehmen und anderen stellen oder Ihrer neuen Flamme schenken, bleibt ganz Ihnen selbst überlassen.Damit ist eigentlich schon alles gesagt, wichtig ist noch das: Das Buch sollte auf keinen Fall von vorne bis hinten durchgearbeitet werden. Dazu ist es zu kostbar, denn die Fragen verdienen alle besondere Aufmerksamkeit. Clement rät dazu, sich bestimmte Fragen herauszusuchen, vielleicht auch die, die auf den ersten Blick absurd oder für Sie unbeantwortbar erscheinen. Machen Sie keinen Bogen um unangenehme Fragen und scheuen Sie sich nicht davor, manche komisch oder unangemessen zu finden. Denn dieses Buch ist einzig und allein dazu da, Sie auf die Spur Ihrer eigenen Sexempfindungen zu bringen. Das kann auch über den Weg passieren, dass Sie Fragen ablehnen oder abstoßend finden. Schriftlich zu antworten kann da ein weiterer Schritt zur erotischen Erkenntnis sein. Denn wenn Sie aufschreiben, was Sie meinen, sortieren sich Ihre Gedanken womöglich noch genauer. Natürlich, so Clement, können Sie auch das Gegenteil tun und gar nichts aufschreiben. Auch das kann erhellend sein, etwa wenn Sie sich mal fragen, warum Sie was wem verschweigen wollen…

6 hochinteressante Fragen aus dem Buch

Meine Vergangenheit, No 5: »Wurdest Du schon einmal genau so gesehen, begehrt und geliebt, wie du es dir gewünscht hast? Was war das Besondere?«

Was wir nicht bekommen haben, können wir oft schnell und präzise benennen. Was uns fehlt, wo wir unzufrieden sind, darüber können wir uns gut auslassen – aber wie ist das mit dem, was wir in Hülle und Fülle erhalten haben? Es lohnt sich mal der Blick auf das Positive, was hiermit geschehen kann: Vielleicht sind es ja Situationen in der aktuellen Partnerschaft, die Ihnen dieses gute Gefühl beschert haben? Und manch ein Bedürfnis wird sicherlich konkreter, wenn Sie sich vor Augen führen, wann Sie sich diesbezüglich schon einmal so richtig befriedigt gefühlt haben.

Meine Vergangenheit, No 10: »Wenn Du die Botschaft über Sexualität, die du von zu Hause mitbekommen hast, in einem Satz zusammenfassen würdest – wie würde dieser lauten?«

Auch in sexueller Hinsicht werden wir von unseren Eltern, unserer Familie geprägt. Das fängt ja schon mit dem Umgang mit dem eigenen Körper an: Wer sieht seine Eltern nackig, wie wurde reagiert, wenn man sich intim berührte, wie über Sex gesprochen? Ob wir wollen, oder nicht: das steckt als Botschaft in uns drinnen. Höchste Zeit, sich das mal klarzumachen. Und auf den Punkt zu bringen, welche Einstellungen zu Sex und Erotik wir mit der Muttermilch eingetrichtert bekamen – ohne dass wir sie eigentlich jetzt gutheißen.

Meine sexuelle Gegenwart, No 29 »Was ist ein besonders geiler Satz oder Ausdruck, den du beim sexuellen Zusammensein deinem Partner gerne sagst?«

Dirty Talk ist etwas sehr, sehr Intimes. Sollte man da nicht genießen und zumindest danach schweigen? Vielleicht, aber sich selbst können Sie schon Ihren schmutzigsten Scharfmachersatz anvertrauen. Der könnte Ihnen nämlich Aufschluss geben über die grundsätzliche Beschaffenheit Ihrer sexuellen Natur. Versuchen Sie´s mal.

Mein sexuelles Profil, No 52: »Worauf bist du – was dein Sexualleben betrifft – stolz?«

Geht das denn, stolz sein auf Dinge aus dem eigenen Sexleben? Genau das ist so spannend an dieser Frage: Sie wirft etliche weitere auf. Eben, ob man zum Beispiel darauf stolz sein kann, immer einen Orgasmus zu bekommen, viele Sexpartner gehabt zu haben oder im Gegenteil noch Jungfrau zu sein. So subjektiv, wie diese Einschätzung ist, sind auch die Antwortmöglichkeiten. Besonders interessant ist hier natürlich der Aspekt, dass Sie Ihr eigenes Sexleben mal unter die Lupe nehmen und eine Bewertung wagen – im positiven Sinne.

Meine Fantasien, No 148 »Angenommen, du hättest noch zwei Monate zu leben: Welche Bedeutung hätte deine Sexualität in diesem letzten Lebensabschnitt?«

Diese Frage geht eindeutig ans Eingemachte. Denn sie zielt nicht nur auf unsere grundsätzliche Einstellung zur Sexualität ab, sondern bringt auch noch unser Lebensende, ein weiteres Tabu, ins Spiel. Damit geraten Sie vielleicht in etwas tiefere Gedankensphären – und das ist recht so. Vielleicht ist Sex für Sie ja existenziell bedeutend, womöglich aber nebensächlich im Angesicht des Todes. Eventuell geht Ihnen erst bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage wirklich auf, welche Bedeutung Sex für Sie, aufs ganze Leben gesehen, hat.

Mein Körper, No 183: »Erlebst du Selbstbefriedigung als Ergänzung zum Partnersex oder als Ersatz oder als etwas ganz anderes?«

Achtung, Tabu! Auch wenn es in diesem Fragebuch vor Grenzübertretungen wimmelt, ist dies sicherlich eine der – man könnte schon sagen: aufdringlicheren Fragen. Immerhin sind die meisten von uns ja eher recht prüde, wenn es um dieses Thema und dann auch noch um Auskünfte über die eigene Selbstbefriedigungspraxis geht. Fast alle tun es irgendwie irgendwann einmal, aber welchen Stellenwert die Lust am eigenen Körper hat, darüber macht man sich eher selten Gedanken. Eher noch ein schlechtes Gewissen, etwa, wenn man sich heimlich zur erotischen Inspiration Internet-Pornos zu Gemüte führt oder im Kopfkino den sexy Nachbarn als Bettpartner antreten lässt. Dabei sollte man doch eigentlich wissen, was einem so ganz allein im stillen Kämmerlein Lust bereitet und sich der eigenen Libido nicht schämen. Oder?

Fazit: Das bringt die Lektüre

Zum Schluss zieht Clement noch so eine Art Joker aus dem Ärmel, denn Frage No 201 ist in der Aufzählung nicht gelistet und sie setzt noch so viel mehr in Gang und symbolisiert damit den Wert dieses Buches. »Welche Frage dieses Buches hat dich am meisten beschäftigt?« steht da. Und das regt wiederum zu weiteren Überlegungen an. Denn die Frage, die Sie am brennendsten interessiert hat, die Sie am unangenehmsten, unangemessensten, fiesesten, schönsten oder zutreffendsten fanden, ist die, die Sie sicherlich noch einige Zeit begleiten wird.

Selbst wenn Sie alle 200 Fragen durch haben, sind Sie noch lange nicht fertig. Denn erstens beantworten Sie manche Fragen sicherlich zu anderen Zeiten und in anderen Stimmungen ganz anders. Zweitens hat jede dieser Fragen Folgefragen auf dem Kerbholz. Und wenn Sie das Gefühl haben, fertig zu sein, dann können Sie weitermachen – etwa bei Ihrem Partner.

Dieses Buch zu lesen lohnt sich vor allem, wenn Sie…

  • … wenn Sie mehr über die Art, wie Sie Ihre Sexualität leben, herausfinden möchten
  • … wenn Sie denken, irgendetwas ist nicht in Ordnung mit Ihren Empfindungen
  • … wenn Sie es satt haben, immer nur theoretische Abhandlungen über Sex zu lesen, die nichts mit Ihnen zu tun haben
  • … wenn Sie einen anderen Blick auf Ihre Sexualität bekommen möchten
  • … wenn Sie mit, für oder von Ihrem Partner mehr über die schönste Sache der Welt erfahren möchten

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