Was Frauen wirklich wollen: Die Kluft zwischen Gehirn und Vagina

Portrait der jungen sinnlichen Frau im weißen Bett

Unser Buchtipp des Autors und Journalisten Daniel Bergner

Die versteckte Lust der Frauen: Ein Forschungsbericht

Kurzbeschreibung

Buchcover: Die versteckte Lust der Frauen: Ein Forschungsbericht Frauen brauchen von Natur aus weniger Sex als Männer und sie sind für die Monogamie geschaffen – ist das tatsächlich so oder gut gehütetes Klischee? Was wäre denn, wenn Frauen viel lustvoller sind als man gemeinhin annimmt? Was, wenn sie nicht den Versorger und Ernährer suchen, sondern insgeheim auf der Jagd nach befriedigenden Orgasmen und verschiedenen Sexkontakten sind? Laut Daniel Bergner würde das einiges auf den Kopf stellen und vermutlich das Geschlechterverhältnis in einem anderen Licht zeigen. Der amerikanische Autor hat über das Mysterium der weiblichen Lust mit Sexualwissenschaftlern und Paartherapeuten gesprochen, aber auch Interviews mit Frauen geführt und Forschungsergebnisse ausgewertet. Herausgekommen ist eine aufschlussreiche Abhandlung über das geheime Verlangen von Frauen – eine in vielerlei Hinsicht anregende Lektüre!

Das erwartet Sie in dieser Buchrezension

Ausführliche Beschreibung

Was Frauen wirklich wollen: Die Kluft zwischen Gehirn und Vagina

Eine Frau Ende 50 beobachtet genussvoll, wie einige Männer eine Blondine sexuell verwöhnen, eine Geschiedene wünscht sich sehnlich einen Dreier mit ihrem Freund und einer Latina mit Körpchengröße C und eine 24-Jährige träumt davon, in einem dunklen Hinterhof von einem Unbekannten überwältigt zu werden. All das sind keine erfundenen Sexfantasien, sondern erotische Träume von echten Frauen. Der amerikanische Autor Daniel Bergner hat sie für sein Buch »Die versteckte Lust der Frauen« zusammengetragen. In seinem Forschungsbericht räumt er auf mit dem Klischee von der lustlosen Frau und zeigt, wie geheimnisvoll und komplex weibliche Begierden sind. Und wie wenig wir eigentlich darüber wissen.

Was will eine Frau? Schon der große Sigmund Freud zermarterte sich mit dieser Frage das Hirn. Auch heute noch rätseln Wissenschaftler und Forscher beiderlei Geschlechts, was die Damen der Schöpfung eigentlich sexuell im Schilde führen.

Ist Sex für Frauen nur Mittel zum Zweck, um nämlich einen Mann langfrsitig an sich zu binden? Ist die weibliche Libido einfach schwer stimulierbar, ist sexuelle Befriedigung für Frauen eher nebensächlich? Interessanterweise haben sich der Beantwortung dieser Fragen eher Männer gewidmet, die Erforschung des weiblichen Sextriebes war schon immer mehr eine Männerdomäne und ist es eigentlich immer noch, schreibt Daniel Bergner.

Darum sei die Geschichte der weiblichen Sexualität auch eine Disziplin der Bruchstücke, fasst Bergner zusammen. Bis auf wenige Ausnahmen beruhen die Erkenntnisse über weibliches Verlangen auf überlieferten Äußerungen von Männern, durch die wir ein fragmentarisches Bild der weiblichen Lust erhalten. Und das ist geprägt von einer gewaltigen Ungleichheit: Nämlich der zwischen Akzeptanz oder sogar Verherrlichung von Verlangen und Trieb einerseits und einer wahnsinnigen Furcht vor der Lust auf der anderen Seite. Männerlust und der männliche Sexualtrieb wurden stets offener und selbstverständlicher thematisert. Die weibliche Sexualität dagegen behandelte man jahrhundertelang wie ein Mysterium.

Frauen – das asexuelle Geschlecht?

In den letzten 100 Jahren sind wir laut Bergner in Sachen Sexforschung bei Frauen nicht viel weiter gekommen. Es ist irgendwie theoriemäßig alles schön beim Alten geblieben. Nur ein Beispiel: In Materialen zur Gesundheitserziehung wird nach wie vor bei der Aufzählung der fünf wichtigsten Bedürfnisse von Frauen Zuneigung und Gespräch ganz weit oben angesetzt. Sex dagegen kommt gar nicht vor. Bei Männern allerdings wird die Liste von sexueller Erfüllung angeführt.

Und da ist sie wieder: Die altbackene Mär vom dauererregten Mann und der sittsamen Frau. Gestützt wird das von verschiedenen Seiten, auch die Evolutionspsychologie trägt ihren Teil dazu bei, erklärt Bergner. Sie nehme einen sehr konservativen Einfluss, indem sie immer wieder versuche, mit darwinistischen Prinzipien die Charakteristika der menschlichen Seele zu erhellen. Demnach sind die Unterschiede im sexuellen Erleben von Frauen und Männern genetisch und evolutionsbiologisch angelegt.

Auch die Theorie des elterlichen Investments wird gerne herangezogen, um die Theorie von der weiblichen Lustlosigkeit aufrechtzuerhalten: Diese besagt, dass Männer über eine unbegrenzte Spermienmenge verfügen, während Frauen nur eine begrenzte Anzahl von Eizellen haben. Daher müssen Männer nicht viel in die Fortpflanzung investieren, während Frauen ja nicht nur eine Eizelle, sondern gleich ihren ganzen Körper zur Verfügung stellen. Und das für geraume Zeit, rechnet man Schwangerschaft und Stillzeit mit ein.

Bei Männern ist die Lust ein natürlicher und somit guter Antrieb zur Fortpflanzung. Sie können sich gefahrlos vergnügen, ihr Verlangen kann befriedigt werden, ohne dass sie um zu hohe Kosten bangen müssen. Für Frauen ist Lust aber gefährlich – denn sie kann zu einer Schwangerschaft und damit einer hohen Investition führen. Ist es wirklich so einfach?

Mit dem Plethysmographen auf der Spur der Frauenlust

Diese simple Theorie befriedige einen unserer dringendsten Wünsche, schreibt Bergner: den nach einfachen Antworten auf die Frage, wie wir zu dem wurden, was wir sind. Dass es in Wirklichkeit viel komplexer ist, ahnen wir zwar, scheuen aber die Suche nach differenzierten Aussagen. Am einfachsten ist es ja, wenn wir unsere Wissenschubladen aufmachen und ordentlich einräumen. Dann haben wir alles unter Kontrolle, können Verhalten korrekt interpretieren und irgendwie beherrschen. Frauen sind das enthaltsamere Geschlecht, weil sie von Natur aus weniger Spaß am Sex haben – womöglich ist diese Theorie ja weniger den biologischen Fakten geschuldet als vielmehr der weltweiten Vorherrschaft männlich dominierter Gesellschaften und der Furcht vor der weiblichen Sexualität, mutmasst Bergner.

Denn die ist viel stärker ausgeprägt, als wir denken. Mittlerweile gibt es dafür auch Beweise, die mehr Aufschluss über erotische Dispoitisonen geben als Selbstauskünfte und andere Untersuchungen.

Wissen Sie zum Beispiel, was ein Plethysmograph ist? Der Apparat ist eine Konstruktion aus Miniglühbirne und Lichtsensor, den man in die Vagina einführt. Dort wirft die etwa fünf Zentimeter lange Röhre Licht gegen die Scheidenwände und misst die vaginale Durchblutung und damit das Erregungsniveau der dazugehörigen Dame. Eine kanadische Forscherin entwickelte das Messgerät, um herauszufinden, was Frauen wirklich anmacht.

Sie zeigte in ihrer Studie Frauen, die das Messgerät in ihre Vagina eingeführt hatten, verschiedene Porno-Clips. Zu sehen war die große Bandbreite erotischer Unterhaltung: Oral, anal, heterosexuelle Paare oder Homosexuelle, Masturbationsszenen, ansatzweise erotische Bilder, Sequenzen mit Gewaltansätzen, sogar Tiersex wurde gezeigt.

Der weibliche Verstand verleugnet die Vagina

Die Ergebnisse waren erstaunlich: Durch die objektive Messung der vaginalen Durchblutung konnte die Wissenschaftlerin präzise ermitteln, was die Frauen tatsächlich erregte. Und hier offenbarte sich eine riesige Kluft zwischen Gehirn und Vagina: Denn oft gaben die Frauen etwas ganz anderes an, als sie den Messungen zufolge empfanden. Die Frauen bewerteten nämlich parallel zu den Messungen über eine Tastatur ihre Empfindungen. Und diese standen in völligem Widerspruch zu dem, was das Gerät messen konnte.

Der Plethsymograph sammelte Datenmassen, die der Wissenschaftlerin ein Bild anarchischer Erregung zeigten:

  • Die vaginale Durchblutung stieg bei allen Bildern, egal was die Menschen miteinander oder mit sich selbst taten
  • Die Bilder mit kopulierenden Zwergschimpansen erzeugten eine schwächere Durchblutung als die Pornos mit Menschen. Mit einer Ausnahme: Bei allen Frauen schnitt der attraktive, allein über den Strand spazierende Mann schlechter ab als der Affensex
  • Im Unterschied zu den Männern, bei denen ähnliche Untersuchungen eine hohe Übereinstimmung zwischen der Selbsteinschätzung und den Körpervorgängen aufzeigte, schienen der Wissenschaftlerin zufolge die Frauen ihre sexuellen Gefühle verstandesmäßig eher zu unterdrücken, als dürften sie sich nicht eingestehen, dass die gezeigten Bilder sie scharf machen.

Die Angst der Männer vor der Geilheit der Frauen

Auch wenn Frauen im Hintergrund und immer mehr auch ganz weit vorne die Strippen ziehen, hat der männliche Blick schon immer die Sichtweise auf Frauen bestimmt. Und da der Sextrieb stets etwas latent Bedrohliches hatte, und im Verdacht stand, als entfesselte Kraft ganze Gesellschaftsgefüge auseinanderzureißen, war die Beherrschung dieser gewaltigen Urkraft schon immer wichtiges Thema.

Und das wurde gerne mal den Frauen überlassen. Die Unterdrückung von Lust und Eros und die Ausrichtung der Libido auf Leistung wurde als weibliche Aufgabe angesehen. Sexuelle Restriktion oblag früher eher den Damen als den Herren, die frau bitte schön nicht in Versuchung führen sollte. Und das, weil man das Bild vom urgeilen Mann, der gar nicht anders kann, als seinem Trieb und damit seiner biologischen Bestimmung – nämlich der Fortpflanzung – nachzukommen, aufrechterhielt und dagegen das Ideal von der keuschen, auf Sittsamkeit gepolten Frau hochielt.

Aber genau dieses Bild ist mehr Klischee als Abbild der Wirklichkeit. Frauen sind nämlich viel lustvoller und geiler, als Männer das vielleicht wahrhaben wollen. Von den Frauen selbst mal ganz abgesehen. Denn auch die, das belegt Bergner anschaulich, sind so erzogen, sozialisiert und biologisch geeicht, dass sie das eigene Begehren geschickt vor sich selbst verbergen.

Gewaltiges Lustpotenzial

Frauen, die ihre sexuellen Fanatsien in Schach halten, frustrierte Gattinnen, die sich verschiedene Sexpartner wünschen, Langzeitpartnerinnen, die sich durch Libidopillen eine Rückkehr der Leidenschaft erhoffen und Damen, die nach Gewaltakten lechzen – Daniel Bergner schildert etliche Beispiele von Frauenlust.

Diese ist viel gewaltiger, beherrschender und vielseitiger, als uns das weisgemacht wird. Das weibliche Verlangen scheint noch immer ein dunkler Kontinent zu sein, den es zu erforschen gilt. Wer sich hineinwagt in den Dschungel der Frauenlust, wird überraschende, manchmal auch beängstigende Entdeckungen machen, lehrt uns Bergners Übersicht. Denn dann lässt sich der Mythos vom zurückhaltenden, auf emotional bedingter Liebe und Fürsorge basierender Frauensexualtrieb kaum aufrechterhalten.

Was aber kein Grund zur Panik ist, ganz im Gegenteil: Vielleicht muss die weibliche Lust erst richtig erforscht werden, um das Zusammenspiel der Geschlechter in erotischer Bedürfnishinsicht etwas harmonischer zu gestalten. Denn eine der häufigsten Klagen in Langzeitbeziehung ist ja die über mangelnden Sex. Und dass der irgendwann keine Rolle mehr spielt, wird oft noch den Frauen angelastet – weil die angeblich weniger Sex brauchen als Männer. Dass dem aber nicht pauschal so ist, enthüllt Bergners Buch. Frauen sind viel geiler, als Mann denkt – Mann muss das nur richtig wahrnehmen.

Erkenntnisse aus diesem Sachbuch

  • Die weibliche Libido ist ein Allesfresser – sie reagiert auf sexuelle Reize jeder Art
  • Frauen wurden von jeher dazu angehalten, ihre Lust zu unterdrücken
  • Das weibliche Verlangen ist eine unterschätzte und unterdrückte Kraft in unserer eigentlich übersexualisierten und freizügigen Zeit
  • Frauen gelten als natürliche Verbündete der Monogamie, weil ihr Geschlecht angeblich rein biologisch zur Treue neigt
  • Dass weibliche Lust eher zur monogamen Beziehung taugt als die männliche Libido, ist ein Märchen
  • Frauen sind viel polygamer, als man ihnen nachsagt. Sie können es nur nicht wirklich ausleben
  • Frauen sind mit den Empfindungen ihres Körpers weniger verbunden und sich ihrer weniger bewusst als Männer. Und das nicht nur in erotischer Hinsicht

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