Seite empfehlen  |   Mitglieder Login » 
»

Genussvolles Rollenspiel, knallhartes Business oder emotionale Verrohung?
Im Kopf des Freiers

Prostitution – Sex als Ware

Viele tun es, kaum jemand spricht ehrlich darüber: Sex mit Prostituierten. Laut der Interessenvertretung und Selbsthilfegruppe Hydra e.V. nehmen geschätzte 75% aller Männer in Deutschland die Dienste von professionellen Liebesdienerinnen in Anspruch. Über die Frauenquote unter den Kunden gibt es leider noch keine Angaben. Die Freier stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten, eine »typische« Prostituierten-Kundschaft gibt es nicht.

In Deutschland arbeiten ca. 400.000 Frauen offiziell als Prostituierte, wobei die vermutete Dunkelziffer doppelt so hoch liegt. Jährlich werden mit Prostitution alleine in Deutschland 14,5 Milliarden Euro umgesetzt. Die Damen verlangen für ihre Dienstleistungen zwischen 30 und 1.000 Euro, je nach Dauer, Zuhälteranteil und Praktiken. Und damit sind wir auch schon beim Kern des Themas: Sex als käufliche Dienstleistung. Diese reicht vom 10-Minuten-Blowjob – inklusive Aus- und Anziehen – bis hin zu mehrstündigen Sex-Marathons. Was treibt Männer in die Arme einer professionellen Sexpartnerin? Wo liegt der Reiz beim käuflichen Sex auf Knopfdruck, so ganz ohne Liebe und emotionale Bindung?

Unsterblich: Der Mythos »heilige Hure«

Die
Mystifizierung von Prostitution vergleichen Kulturwissenschaftler gerne mit dem über 2700 Jahre alten Gilgamesh-Mythos. Die Hure opftert sich, reinigt den mächtigen Enkidu im sexuellen Akt von destruktiven Energien und gilt fortan als heilig. Diese Metapher wird nahezu unverändert auch heute inszeniert: zum Beispiel durch allgemeines Verständnis für den netten, bürgerlichen, aber unglücklichen Mann, der angeblich von seiner Ehefrau abgewiesen und daher in die Arme einer Prostituierten getrieben wird, um sich dort als ganzer Kerl fühlen zu dürfen. Die gesellschaftliche Anerkennung von Prostitution als Normalität, ja gar als Notwendigkeit in Deutschland wurde nicht zuletzt durch eine liberale, verharmlosende Berichterstattung in den Medien begünstigt. Raus aus der Schmuddelecke, rein ins Vorabendprogramm. Sex gegen Geld ist salonfähig, eine saubere Sache, eine normale Dienstleistung. Kritiker werden als spießig und Moralapostel diskreditiert.

Hinter Latexstiefeln und Spitzendessous

Kaum eine Prostituierte spricht offen über die Begleitumstände ihres Berufes. Statt dessen geben die Damen in vermeintlich »investigativen Reportagen« die toughe Überlebenskünstlerin, die freiwillig ihren Körper verkauft, dies auch keineswegs als entwürdigend empfindet, sondern vielmehr Spaß daran hat. Alles easy, alles einvernehmlich, alles gelogen. Reine Promotion, um das Geschäft am Laufen zu halten.

Denn viele Männer glauben diesen Unsinn. Weil es sich nun einmal bei den meisten Bordellbesuchern nicht um gefühlskalte Sexkonsumenten handelt, sondern um ganz normale Männer mit ganz normalen Bedürfnissen, dem einen oder anderen Fetisch und der Sehnsucht nach sexueller Anerkennung, mit einem leichten Hang zur Romantik. Viele Freier wollen einfach glauben, dass die Dame der Wahl den Job macht, weil sie Spaß daran hat. Der Gedanke hilft gegen Schuldgefühle und moralische Zweifel. Genau hier setzt das Kundenbindungsprogramm erfahrener Prostituierten an!

Von 600 befragten Freiern beschreiben fast alle ihre Stamm-Prostituierte als »klug, charmant, offen und selbstbewusst«, sprechen gar von »emotionalen Bindungen« und einer »echten, vertrauensvollen Beziehung«. Das beweist, wie gut die Show funktioniert. Denn selbstverständlich existiert diese emotionale Bindung nur im Kopf des Freiers. Eine Prostituierte, die ihren Job hauptberuflich länger als ein paar Wochen macht, geht ebensowenig eine emotionale Bindung zu ihren Freiern ein wie Käptn Iglo zu seinen Fischstäbchen.

Warum halten viele Männer dennoch an der Vorstellung von persönlicher Nähe beim käuflichen Sex fest? Vielleicht, weil sie einer idealisierten Vorstellung von Frauen folgen, die sie im realen Leben nicht finden. Die toughe Überfrau mit sensationellem Sex-Know-How und einer starken Schulter zum Anlehnen ist ein Wunschbild, nach dem sich fast jeder Mann ab und zu sehnt. Also wird projiziert. Heftig. Prostituierte bilden eine ideale Projektionsfläche, weil »Mann« keinen Alltag mit ihnen teilt, sondern nur kurze, diskrete Begegnungen gegen Cash. Eine kluge Prostituierte befeuert die Illusion von emotionaler Nähe mit scheinbar exklusiven Zuwendungen (»Du bist so ein toller Mann. Du schaffst es, dass ich komme, wenn du mich fickst, das passiert mir bei keinem anderen Kunden. In dich könnt' ich mich verlieben. Ich glaube, in einem anderen Leben wären wir ein Paar...«), die jedem Freier das Gefühl vermitteln, er sei der Größte. Kundenservice ist alles.

Über Psychotricks, Abhängigkeitsverhältnisse, Zwangsprostitution, Drogen und Misshandlungen hinter den Kulissen tauschen sich die Damen nur heimlich untereinander aus, nach außen hin wird eisern geschwiegen. Prostituierte sind nämlich nicht nur professionelle Sexpartnerinnen, sondern auch gute Schauspielerinnen.

Dieser Artikel hat 2 Seiten. Lesen Sie auch . . .

Seite 1: Prostitution – Sex als Ware
Seite 2: Vorsicht Falle – Freier mit Beschützerinstinkt

Ob auf der Reeperbahn oder im nächsten Dorf – überall findet man Menschen, die ihren Körper für Geld anbieten. Ebenfalls gibt es natürlich diejenigen, die für körperliche Nähe zahlen. Ist die »käufliche Liebe« ein Thema für Sie? Jetzt abstimmen
Kommentare
Benutzername

Kommentareingabe

Bitte geben Sie folgenden Sicherheitscode in das Feld ein: 765   
 

ballonpiekser || 01.04.2015 08:01:09

Danke! Danke fr diesen Artikel. Es herrscht zum Teil groes Leid auf Seiten der Prostituierten, und viele Freier wissen davon nicht oder verschlieen die Augen.

Die Zahlen von Hydra glaube ich nicht. berhaupt ein schrger Verein, wollen sie doch lieber Einstiegshilfen statt Ausstiegshilfen vermitteln und haben sich gegen Kondompflicht, Pflicht zur Gesundheitsuntersuchung und gegen hrtere Gesetze gegen Menschenhandel eingesetzt. WTF

kommentieren

Nymphe || 18.01.2010 01:47:44

Nunja. Das ist die typische Schwarzer-Totschlagargumentation: Eine Sexarbeiterin, die behauptet, ihren Beruf gern auszuben, belgt entweder ihr Gegenber oder sich selbst. Vielen Dank fr das Gesprch.

Ich persnlich lache gern und oft mit meinen Gsten. Aber ich verga: Das ist ja alles nur Teil der Inszenierung.

kommentieren

fan || 07.12.2009 20:53:46

Es ist was es ist: Ein Handel mit der menschlichen Sinnlichkeit, welches insbesonders ein groes Problem im Zusammenhang mit Menschenhandel darstellt:

Nach Schtzungen der Vereinten Nationen werden allein in Europa jhrlich 500.000, meist osteuropische, Frauen und Mdchen verschleppt und zur Prostitution GEZWUNGEN. Der Jahresumsatz, der mit Frauenhandel gemacht wird, wird auf rund zehn Milliarden Euro geschtzt.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot... und es sind die Freier, die das Geschft durch ihre Bedrfnisse am Laufen halten...

Und noch ein paar Fakten: Quelle: Marco F. Rotlicht-Insider
ber die Hlfte der Sex-Arbeiterinnen in Deutschland sind Migrantinnen, in Hamburg bis zu 70%
Der Lwenanteil des Geldes fliet in die Taschen der Zuhlter. Einem Zuhlter bringt eine Prostituierte jhrlich im Durchschnitt 107.000 Euro ein.

@Sina
Wenn es Dir Spa macht, umso besser. Es ist immer von erfllender Spa mit Beruf zu verbinden. Dennoch vetrete ich die Meinung, dass Deine Einstellung und berzeugung eine Ausnahme in diesem Geschft darstellt.

kommentieren

Sina || 07.12.2009 19:16:07

Ich lasse mich eigentlich meistens auf meine Kunden ein..wenn ich etwas sage, dann meine ich es auch tatschlich, wenn ich komme ist es echt. Die Konsequenz davon ist natrlich, dass ich nicht ber alle witze lache, nicht massenhaft Komplimente mache, und manchmal auch nicht komme und nicht so tue als wre ich. Spass macht es mir aber definitiv.
Ich kann und will nicht Schauspielern. Ob das unprofessionell ist- vielleicht. Aber fr mich bedeutet professionalitt auch, dass ich auf mich selbst achte und mich so verhalte wie sonst auch, denn lgen und unaufrichtigkeit belasten mich. Aber jede/r hat natrlich den eigenen Weg, wie man am liebsten arbeitet.

kommentieren

Wolfi || 06.12.2009 05:22:12

FKK-Clubs sind Bordelle. Und dioe Frauen sind dort nicht angestellt, sondern Selbstndige.

Und im Bordell wird auch hetzhaft gelacht...

kommentieren


Benachrichtige mich über weitere Kommentare. E-Mail-Adresse:
Seitensprung Agenturen im Vergleich
mehr zum Thema
Ja zur Prostitution?
Ist die kufliche Liebe ein Thema fr Sie?
Ja, ich biete meinen Krper fr Geld an

Ja, ich wrde meinen Krper fr Geld verkaufen

Ja, ich bin bereit fr Sex zu bezahlen

Ja, ich habe bereits fr Sex bezahlt

Nein, absolut nicht