Erotisch neu durchstarten nach 34 Jahren Ehe: Helen (52) suchte online nach unverbindlichen Kontakten und fand ganz neue Erfahrungen. Davon berichtet sie hier.

»Ich bleibe mir und meinen Entscheidungen treu«

Sex und Zuwendung vermisste sie sehnlich. Darum suchte Helen S. (52) nach 34 Jahren Ehe auf speziellen Online-Portalen unverbindlich nach erotischen Kontakten. Und sie wurde fündig, machte dabei aber Erfahrungen, die sie überraschten. Hier erzählt sie selbst, was sie erlebt hat.

In diesem Erfahrungsbericht lesen Sie unter anderem:

»34 Jahre war ich verheiratet, dann trennte ich mich von meinem Mann. Er hatte psychische Probleme, es ging einfach nicht mehr. Für mich war das wie eine Befreiung, aber ich war auch unsicher. Nach der langen Zeit musste ich mich ganz neu orientieren. Viele Jahre war ich nur für meinen Mann, die Familie und Freunde da gewesen. Ich hatte es nie gelernt, mir selbst wichtig zu sein und meine Bedürfnisse wahrzunehmen.«

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Bewusst gesucht: einen verheirateter Mann

»Ich fing dann an, auf Dating-Portalen zu suchen. Eigentlich wollte ich aus meiner gewohnten Welt ausbrechen, Sex und Zuwendung bekommen, was Neues anfangen, aber ohne gleich wieder in eine Beziehung zu rutschen. Das war neu für mich, ich musste ganz von vorn anfangen. Einen festen Partner suchte ich nicht. Eher jemanden, der mir das geben konnte, was mir fehlte. Eine Affäre mit einem verheirateten Mann, das schwebte mir vor. In meinem Umfeld wollte ich mich nicht danach umschauen, so weit war ich noch nicht. Das wäre irgendwie zu greifbar gewesen, auch weil ich in einem kleinen Dorf lebe, wo das immer mit Problemen behaftet ist.

Ich war kaum im Portal angemeldet, da kamen gleich einige Nachrichten rein. Ich war überrascht. Gleichzeitig machte es mir Angst, das ging so schnell und ich wollte nicht an den Falschen geraten, in Ruhe eine Auswahl treffen und nicht voreilig zu jemandem Kontakt aufnehmen. Und da war dann ein Profil, das ich etwas ungewöhnlich fand. Das verdeckte Bild machte mich neugierig. Das, was ich sehen konnte, war ganz meins. Außerdem handelte es sich um einen verheirateten Mann, der Erotik suchte. Ich wollte ja einen »Vergebenen«, weil ich dachte, dass ich dann freier sein könnte, mich nicht gleich binden und schneller wieder davon loskommen würde. Außerdem war ich auch neugierig, ich kannte mich ja gar nicht so und wusste nicht, ob ich tatsächlich mit einer flüchtigen Bekanntschaft Sex haben könnte.«

»Meine Reaktion war mir selbst fremd«

»Mit meinem Online-Kontakt verabredete ich mich dann auch erst einmal für ein Treffen zum Kaffee. Ich saß noch im Auto, da hab ich ihn gesehen und er hat mich umgehauen. Ihm ging es genauso, irgendwie lag Magie in der Luft. Unfassbar war dieser Moment, weil er so unvermutet kam und meine Reaktion mir selbst fremd war. So kannte ich mich gar nicht, und dass dann noch beim ersten Date.

Ich hatte echt Mühe, mir nichts anmerken zu lassen. Wir haben dann brav Kaffee getrunken, ruck, zuck vergingen drei Stunden und ich war wie hypnotisiert. In meinem Profil auf dem Online-Portal hatte ich geschrieben, dass für mich der erste Kuss darüber entscheidet, wie es weitergeht. Bei der Verabschiedung hatte ich das nicht mehr im Kopf. Aber er. Ihm war es ganz wichtig, mir da einen Kuss zu geben. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm genauso geht wie mir. Es fühlte sich alles so gut, so richtig an. Für den zwanzigminütigen Hinweg brauchte ich zwei Stunden zurück. Ich war so in Gedanken versunken und überwältigt von meinen Gefühlen, dass ich mehrmals vergessen hatte, abzubiegen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es fiel mir richtig schwer, so schnell damit klarzukommen.

Nach der ersten Verabredung hatten wir ständigen Kontakt. Wenn wir uns trafen, blieb es dann bald nicht mehr beim unverbindlichen Kaffeetrinken. Und nachdem auch der Sex einfach nur schön war, habe ich ihm meine Gefühle gestanden. Mir war wichtig, dass er weiß, wie ich fühle, dass bei mir mehr ist. Ich wollte, dass er die Sache beendet, wenn es für ihn anders ist. Er war sehr einfühlsam und verständnisvoll. Aber er hat mir gesagt, dass er keine Beziehung sucht. Ich ja eigentlich auch nicht. An meinen Verliebtheitsgefühlen hat das aber nichts geändert. Gegen die konnte ich mich einfach nicht wehren.

Er hat mir dann erklärt, warum er fremdgeht. Eigentlich wollte er nie heiraten, hat es dann aber doch getan, und bald schon eine Affäre gehabt. Er sagte mir das ganz offen. Was ich auch gut fand, so wusste ich, woran ich war. Ich habe dann mehrfach versucht, unsere Affäre zu beenden, aber irgendwie blieb es nie dabei. Wir kommen nicht voneinander los. Auch er ist immer erleichtert, wenn wir uns wiedersehen.

Es fällt ihm schwer, wirklich über seine Gefühle zu sprechen. Das habe ich schnell gemerkt. Nachdem wir unsere Affäre das letzte Mal »beendet« hatten, ging es mir dann ganz schlecht. Dieses Hin- und Her war zwar auf der einen Seite aufregend, aber auch anstrengend. Eine Freundin hat mir dann geraten, dass ich es doch einfach genießen soll. Damit hatte sie recht, das hat mir geholfen, dass ich es schaffe, mich wieder mit mir selbst zu beschäftigen.«

Wie geht eine Affäre?

»Ich hatte ja auch gar keine Erfahrung im Umgang mit einer Affäre. Gefühlsmäßig nicht, aber auch sonst nicht. Es war doch mein erstes Mal. In einem intensiven Gespräch mit ihm habe ich alle möglichen Fragen gestellt. Das war wichtig für mich, ich wollte wissen, wer dieser Mann eigentlich ist und wie er mit unserem Verhältnis umgeht. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und sieht seine Ehe ziemlich nüchtern. Er kann das alles sehr gut trennen, sagt er. Er hält sich für beziehungsfähig, braucht aber die Abwechslung. Über seine Familie wollte ich ihn eigentlich nicht ausquetschen. Aber weil er sie mit keinem Wort erwähnte, wurde ich neugierig, fragte nach. Manchmal dachte ich sogar, dass er vielleicht gar nicht verheiratet ist, sich so nur vor einer Beziehung schützen will. Nach seinen Gefühlen für mich fragte ich ihn nicht. Das wollte ich nicht. Liebesgeständnisse kann man nicht erzwingen, die sollten von selbst und freiwillig aus seinem Mund kommen. Mir war klar, dass ich sonst mit Lügen rechnen müsste. Auch er hatte darüber nachgedacht und sagte, wenn ich ihm Fragen stellen würde, müsste ich mich auf Antworten gefasst machen, die ich vielleicht nicht hören will. Unterbewusst war mir das schon klar.«

Die Hoffnung auf mehr bleibt

Losgelassen hat mich das nicht. Im Internet habe ich recherchiert, um herauszufinden, ob er auch verliebt ist in mich. Ich habe auch in Erfahrungsberichten gelesen, um mir Unterstützung zu holen, in einem Forum versuchte ich, neue Denkwege zu finden. Ich weiß, dass das heikel ist. Das Forum und die Erfahrungsberichte sind eigentlich nur negativ, Positives ist da total selten. Wenn es gut läuft, outet sich niemand, nur wenn das Ergebnis enttäuschend ist, suchen Menschen Beistand und wollen, dass andere ihnen gut zureden.

Für mich steht fest: Ich selbst muss für mich bestimmen, was ich in der Affäre will und kann und wo meine Grenzen liegen. Somit kann ich nur jedem raten: Egal welche Konstellation deine Beziehung hat, sie ist immer individuell und du musst dich immer selbst dafür oder dagegen entscheiden.

Lange habe ich mich mit meiner Affäre und mit meinen Fragen beschäftigt. Dadurch habe ich mich ein Stück weit lösen können. Ich konzentriere mich wieder auf mein eigenes Leben, genieße jetzt tatsächlich diese Treffen, die nicht nur Sex bedeuten, und bin offen für all das Schöne im Leben. Ja, wir haben noch Kontakt und ja: ich habe noch die Hoffnung, dass aus der Affäre eine Beziehung wird. Weil mich meine eigenen Gefühle überrumpelt haben und er doch so etwas wie mein Traummann ist.«

»Aber diese Hoffnung macht mich nicht fertig.«

»Ich hab die Fäden, nämlich meine, wieder in der Hand. Er wird bald merken, dass ich nicht mehr so selbstverständlich zur Verfügung stehe. Dann liegt es an ihm, zu welcher Seite die Tür aufgeht, oder ob ich sie ganz schließe. Eines ist auf jeden Fall klar. Mit meinen Gefühlen spielt man(n) nicht. Das ist auch das Gute, ich sehe mich nicht als Opfer, ich habe bewusst nach einem vergebenen Mann gesucht, dass ich mehr für ihn empfinde, als ich wollte, ist halt so. Wichtig ist, dass ich mich davon nicht unglücklich machen lasse.

Ich hoffe, mit meiner Geschichte anderen Frauen helfen zu können. Für mich ist es ein Weg, der letztlich zu mir führt. Ich habe entdeckt, was ich kann, und wo ich auf meine ganz eigenen Wiederstände treffe. Ich bleibe mir und meinen Entscheidungen treu. So war ich ja vorher auch. Jeder Mensch ändert sich mit seinen Erfahrungen. So kann es ja auch sein, dass er sich verändert. Wer weiß das schon.

Manchmal schaue ich noch auf den Internet-Portalen, aber wenig und Treffen lasse ich nicht zu. Wenn ich daran denke, wo ich mich in 10 Jahren sehe, ist da die große Hoffnung, dann, mit 62 Jahren, immer noch eine nette Zeit zu verbringen – mit dem richtigen Mann, wer auch immer das ist.«