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SEITE 6: Nie mehr Zweite sein – von der Geliebten zur Liebe
von der Geliebten zur Liebe

Falle Nr. 5: Angst vor dem wahren Leben

»Wenn ich nicht ständig für ihn da sein hätte müssen, hätte ich auf jeden Fall Karriere gemacht. Aber ich war ja nicht frei. Nicht einmal dazu, dass ich einen eigenen Freundeskreis und sinnvolle Interessen entwickeln hätte können. »Es war seltsam. Ich habe mich bei allen Vorstellungsgesprächen ganz ungeschickt verhalten. Einmal war ich zu pampig, ein anderes Mal viel zu linkisch. So bin ich in Wirklichkeit gar nicht.«

So beschreiben zwei Frauen in Prof. Dr. Gerti Sengers Buch Schattenliebe, (ersch. 1997 im Amalthea Signum Verlag, Wien), wie sie sich selbst während der heimlichen Beziehung erlebt haben. Blockiert, voller Angst vor Veränderung und vor dem Alleinsein. Halbherzige Versuche, aus der Schattenliebe bzw. der Beziehungsdreieck auszubrechen, werden unbewusst selbst sabotiert. Durch unprofessionelles Verhalten bei Bewerbungsgesprächen, durch selbst verursachte Verkehrsunfälle (!), durch Selbstverletzungen und sogar durch vom Zaun gebrochene, völlig überflüssige Streits mit besten Freunden. Durch diese »Selbstverstümmelungs-Maßnahmen« wird die Schattenbeziehung gefestigt, weil der heimliche Geliebte die einzige vermeintliche Vertrauensperson bleibt. Dieses von außen betrachtet konfus wirkende Fehlverhalten ist das Ergebnis ständiger Angst. Gerti Senger hat Angst als zentrales Element in Schattenbeziehungen ausgemacht.

Auch Ehefrauen neigen zum unbewussten Selbstboykott durch Angst. Beispiel Ulrike. Als sie mit 35 heiratete, gab sie ihren Beruf als Geschäftsführerin einer IT-Firma auf, um ganz für ihren Mann und die geplanten Kinder da sein zu können. Ihr Mann warnte sie davor und gab ihr zu verstehen, dass ein beruflicher Komplett-Ausstieg in diesen Zeiten gefährlich sein könnte und sie sich das noch einmal überlegen sollte. Ulrike verstand das falsch und wertete diese Aussage als versteckte Drohung, dass er womöglich keine Lust auf Familie und Vaterpflichten habe. Ausgelöst wurde diese Fehlinterpretation durch Ulrikes tiefsitzende Verlustangst. Statt den Rat ihres Mannes zu beherzigen, klammerte sie sich noch stärker an die Rolle als Hausfrau und künftige Mutter. Sie versuchte, ihren Mann in die Rolle des Ernährers zu manövrieren. Die irrationale Angst, ohne Ehemann dazustehen, war stärker als die Angst vor beruflichen Nachteilen.

Nur drei Jahre später erfuhr sie, dass ihr Mann eine heimliche Geliebte hatte, und zwar bereits seit Anbeginn der Ehe. Statt die Situation zu klären oder kurz entschlossen zu gehen, harrte Ulrike aus, vergrub sich immer mehr in die Rolle der opferbereiten Ehefrau und hoffte sieben Jahre darauf, dass ihr Gatte die Schattenliebe beendete. Was er auch tat – aber nicht aus Liebe zur Ehefrau, sondern weil er sich in eine andere Schattenfrau verliebt hatte. Nach zehn unglücklichen Ehejahren machte Ulrike ihrem Mann bitterste Vorwürfe, weil sie ihre Karriere für ihn geopfert hatte. In der nachfolgenden Therapie stellte sich heraus, dass das eine glatte Selbsttäuschung war. Ulrike musste akzeptieren, dass sie schon seit ihrem Studium unter fürchterlichen beruflichen Selbstzweifeln und Versagensängsten leidet und unbewusst der harten Konkurrenz in der IT-Branche aus dem Weg ging, indem sie sich in die Ehefrauen-Rolle flüchtete.

Ein ähnliches Fluchtverhalten vor der Realität legen viele Schattenfrauen an den Tag, die sich vor allem fürchten, was das »echte Leben« definiert: Nähe, intensive Gefühle, Konsequenzen, Aufrichtigkeit, Konflikte, Glück, Trennungen. Nicht in einer heimlichen, sicheren Seifenblase, sondern echt. Dieses echte Alltags-Erleben kann dauerhaft ausgeblendet werden, in dem die Schattenliebe als Fluchtburg zweckentfremdet wird!

Gerti Senger: »Empfehlenswert ist diese Strategie nicht. Das Leben in Abhängigkeit vom geheimen Geliebten kann zu einem Persönlichkeitsabbau führen, zu dem es nicht gekommen wäre, hätte sich die Schattenfrau ihren Ängsten gestellt und Herausforderungen an ihre Autonomie angenommen.«

Dieser Artikel hat 11 Seiten. Lesen Sie auch . . .

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Seite   2: Falle Nr. 1: Hoffnung auf ein Happy End
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Seite   4: Falle Nr. 3: Abwehrmechanismen und Selbsttäuschung
Seite   5: Falle Nr. 4: Selbstkränkung und Kleinmachen
Seite   6: Falle Nr. 5: Angst vor dem wahren Leben
Seite   7: Falle Nr. 6: Bindung durch unvereinbare Merkmale
Seite   8: Falle Nr. 7: Abschiedssex
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Seite 10: Falle Nr. 9: Zuviel des Guten
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