Für viele Frauen ist Sex nach einer Geburt zunächst einmal nebensächlich. Als Mutter versorgen sie ihr Baby besonders intensiv, allein das Stillen sowie die Streicheleinheiten decken ihr Bedürfnis nach zärtlichen Berührungen. Darüber hinaus sind die Erschöpfung und das chronische Schlafdefizit, über das viele junge Eltern klagen, echte Lustkiller. Doch selbst dann, wenn diese Hürden überwunden sind, gibt es noch Probleme. Schließlich sind Frauen auch beim Sex selbst häufig durch die Geburt beeinträchtigt. Die Entbindung kann Folgen haben, die noch bis zu sechs Monate später spürbar sind, wie Michael Berner von der Universitätsklinik Freiburg herausgefunden hat. Gemeinsam mit einigen Kollegen berichtet Berner im Fachmagazin »Geburtshilfe und Frauenheilkunde« von den Ergebnissen einer Studie, für die insgesamt 236 Frauen befragt worden waren.
Die durchschnittlich 32 Jahre alten Frauen hatten sowohl wenige Tage nach der Geburt als auch sechs Monate später Fragen zu ihrem Sexualleben und zu ihrer Partnerschaft beantwortet. Dabei kam heraus, dass sechs Monate nach der Geburt eines Kindes immerhin 40 Prozent der jungen Mütter meinen, ihr Sexualleben sei nicht mehr so gut wie noch vor der Schwangerschaft. Fast ein Viertel der Teilnehmerinnen an der Studie sagte sogar, dass die Beziehung zum eigenen Partner nicht mehr so gut sei wie vor der Geburt.
Natürlich sind solche Zahlen lediglich ein grober Anhaltspunkt, zudem bedeuten sie gleichzeitig, dass der andere Teil der Befragten ihre Partnerschaft als genauso schön oder sogar noch befriedigender empfinden als vor dem Einschnitt der Schwangerschaft. Beim Thema Sex ist die Zahl ein wenig kleiner, doch auch hier bedeutet die Geburt eines Kindes längst nicht in allen Fällen, dass die Lust plötzlich verschwunden ist.
Nichtsdestotrotz sollte man die Ergebnisse einer solchen Umfrage keinesfalls einfach übergehen. Der Mythos, dass die Lust verschwindet, wenn das Kind kommt, ist viel mehr als ein bekanntes Klischee. Selbst dann, wenn es sich nur um kleinere Probleme handelt, sollte man als Paar doch wissen, wie man damit umgehen sollte, um Schwierigkeiten in der Partnerschaft zu vermeiden. Dabei ist die Sichtweise von Frauen und Männern naturgemäß sehr unterschiedlich, deshalb sollte man sich versuchen, so gut es geht in den Partner hineinzuversetzen, um dessen Blickwinkel zu verstehen.
Dieser Artikel hat 5 Seiten. Lesen Sie auch . . .Seite 1: Kind da, Lust weg: Nur Klischee oder Realität?
Seite 2: Hilfe, Meine Frau möchte nach der Geburt keinen Sex mehr
Seite 3: Gründe für die Sexunlust nach der Geburt
Seite 4: Fünf Mythen über Sex nach der Geburt
Seite 5: Sex-Sprechstunde: »Schlechter Sex nach Geburt«















