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Seite 1: Ist die eheliche Treue überbewertet?
Hat Treue etwas mit Liebe zu tun

Verheiratet zu sein, ist nicht leicht – oder doch?

Das Webzwonull macht's möglich: Ein Seitensprung scheint im Jahr 2011 zur Ehe zu gehören wie das kostenlose WLAN zur Stammkneipe. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Frauenpsychologin Maryse Vailant. Die Französin schreibt in ihrem Buch »Les hommes, l'amour, la fidélité« (Die Männer, die Liebe, die Treue), dass Monogamie in der Ehe ein großes Opfer und langfristig ungesund für das Zusammensein sei.

Sie begründet ihre Thesen damit, dass die Institution Ehe ein von Menschen geschaffenes Konstrukt sei, das allein aufgrund der traditionellen Verpflichtung zur Monogamie unnatürlich sei. Um häusliche Harmonie und ein ausgeglic henes Miteinander leben zu können, sei es notwendig, dass der Ehemann (und nur der!) sich regelmäßig anderweitig sexuell vergnüge.

Was in den Ohren notorischer Fremdgänger und Seitensprung-Agenturen wie Musik klingt, hört sich für überzeugte Mongamisten und Feministinnen an wie ein Alptraum. Stimmt es wirklich, dass eine monogame Ehe automatisch defizitär sein muss?

Verheiratet und fremd: Ehepaare kennen sich nicht gut genug

Einer Forsa-Umfrage zufolge erwarten 80 Prozent aller fremdgehenden Männer eheliche Treue von ihren Frauen. Für 45 Prozent aller Männer und Frauen ist ein Seitensprung sogar unverzeihlich. Dem gegenüber steht eine andere Forsa-Umfrage: 57 Prozent aller Männer und 66 Prozent der befragten Frauen geben an, mit ihrem aktuellen Partner während der gesamten Beziehung noch kein einziges Mal ganz offen über sexuelle Phantasien und Wünsche gesprochen zu haben.

Und weil das unglaublich ist, noch einmal ganz langsam: Über die Hälfte aller Paare tauschen sich niemals über ihre sexuellen Präferenzen aus!

Es sind also im schlimmsten Falle zwei Menschen miteinander verheiratet, die völlig unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse und damit auch verschiedene Treuevorstellungen haben, ohne das voneinander zu wissen. Ein Auseinanderdriften der sexuellen Intimität ist hier nahezu vorprogrammiert. Bei solch schweigsamen Paaren bringt oft erst das Drama um einen Seitensprung die Diskussion ins Rollen, und falls es zu spät ist, auch den Scheidungsanwalt ans Telefon.

Wäre es da nicht ratsam, rechtzeitig über diese Themen zu sprechen? Am besten bevor beide vor den Traualtar treten? Schließlich wird über Kinderwünsche, Wohnort oder Hauskauf ebenso intensiv diskutiert. Wäre es nicht wichtig, sich vor dem Ja-Wort gut genug zu kennen, um zu wissen, ob in puncto Monogamie Einigkeit herrscht, statt dies nur stillschweigend zu vermuten?

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Dieser Artikel hat 3 Seiten. Lesen Sie auch . . .

Seite 1: Verheiratet zu sein, ist nicht leicht – oder doch?
Seite 2: Warum wir schwach werden: Einmal Fremdgänger, immer Fremdgänger
Seite 3: Der Mythos vom Erkalten der Ehe

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[Gast] Ehemann || 17.01.2011 17:31:07
Die Sache ist doch die. Wie kommuniziert man denn plötzlich nach vielen Jahren Ehe was man prickelnd findet? War man nicht von Anfang an offen, z.B. weil man sich erstmal aneinander gewöhnen wollte oder es einfach als uncharmant betrachtet hat über die intimsten Gedanken zu sprechen, so steht man irgendwann da wie angeschmirt. Die Angst schwebt mit, dass der Partner mit den geheimen Wünschen nicht umzugehen weiß, oder plötzlich das Gefühl bekommt einen ja gar nicht richtig zu kennen. Auch besteht die Angst, dass das plötzliche drüber Reden als versteckter Vorwurf "bei uns ist es mir zu langweilig" aufgefasst wird und kränkend wirkt. Und dann kommt auch noch hinzu, dass man sich sorgen macht, ob das "darüber reden" nicht in Zukunft zum völligen Verstandessex führt, weil jetzt jedes Mal wenn man Sex hat, darüber nachgedacht wird, ob man auch alles richtig macht und ob es dem anderen so wohl auch gefällt. Das ist einfach alles scheiße und verdammt heikel. Es sagt sich so leicht "man muss drüber reden", aber es braucht schon enormes psychologisches Feingefühl, dass solch ein Gespräch nach vielen Jahren Ehe nicht ohne blöde Nebenwirkungen bleibt. Irgendwie ist "Fremdgehen" da die einfachere Lösung, so schitsophrän das auch ist. Geht man fremd, ist es sexuell...und von Anfang lebt man in dem Abenteuer genau das aus, was man ausleben möchte, denn nur darum geht es ja beim Seitensprung. Während die Liebe einfach viel komplexer ist und eben nicht rein sexuell, d.h. verliebe ich mich, dann lebe ich halt eben nicht unbedingt auch von Anfang an den Sex, den im geheimen toll finde, sondern lebe den Sex, von dem ich das Gefühl habe, dass der Partner daran Freude hat, d.h. ich meiner Liebe auch gefalle und somit meine Liebe erobere/bewahre. Vielleicht schreibt Ihr dazu ja mal einen Artikel "Wie löse ich mich aus der Eheroutine, ohne Nebenwirkungen...bzw. wie kommuniziere ich nach Jahren der Ehe, dass ich eigentlich ganz andere Sehnsüchte habe als das was ich die ganze Zeit gelebt habe?"

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