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Vom Umgang mit Perversionen im Alltag
sexuelle Perversionen im Alltag

Wie wird man überhaupt pervers?

Nach Ansicht von Sexualforscher Dr. Klaus M. Beier bilden sich die sexuellen Präferenzen eines Menschen hormonbedingt im Jugendalter aus und verändern sich dann für den Rest des Lebens nie wieder. Sie werden unauslöschlich abgespeichert.

Dazu gehören drei Basisinformationen: die Wahl des bevorzugten Geschlechts (hetero, homo, bi), die altersspezifischen körperlichen Merkmale des Sexualpartners (kindlich, reif, mittleres Alter) und die bevorzugten sexuellen Reize.

Die Sextherapeutin Dr. Helen Singer Kaplan geht in ihren zahlreichen wissenschaftlichen Büchern sogar noch einen Schritt weiter. Sie sagt, sexuelle Vorlieben entstehen bereits zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr! In dieser Prägungsphase erleben Kinder offenbar das erste Mal bewusst erotische Gefühle und entwickeln die dazugehörenden individuellen Präferenzen. Anhand von 7.000 Untersuchungen kam Dr. Singer Kaplan außerdem zu dem Schluss, dass jeder Mensch mit extremen masochistischen oder sadistischen Sexphantasien als Kind einer körperlichen Grausamkeit ausgesetzt worden sein muss. Singer Kaplan beschreibt den Vorgang als Flucht des kindlichen Geistes, raus aus der gewaltbeladenen Zwangslage und hinein in eine erotische Situation. Die Ausprägung einer SM-Neigung erfüllt hier sozusagen eine emotionale Schutzfunktion für das Kind.

Beide Theorien widerlegen das uralte Vorurteil, dass ungewöhnliche sexuelle Orientierungen eine bewusste Wahl darstellen, die man jederzeit ändern, wegtherapieren oder unterdrücken könne! Auch der Mythos vom verheirateten Familienvater, der mit 45 plötzlich aufwacht und merkt, dass er schwul ist, wird damit entkräftet.

Es ist vielmehr umgekehrt: Manchem fällt im fortgeschrittenen Lebensalter wie Schuppen von den Augen, dass er bisher gegen seine wahre Natur gelebt hat. Dazu kann man ihm eigentlich nur gratulieren. Besser spät als nie.

Vom Umgang mit Perversionen im Alltag

Wie in »Eyes wide shut« in wunderschönen Bildern beschrieben, können verborgene sexuelle Sehnsüchte in fast jedem Alter entdeckt, aktiviert und genussvoll erlebt werden. Sie sind Teil einer Persönlichkeit, untrennbar mit der Individualität eines Menschen verbunden.

Leider neigen manche Menschen z.B. als Folge einer sehr konservativen oder religiösen Erziehung dazu, sich dem Druck des »Normalen« zu beugen und ihre sexuelle Identität bis ins hohe Ater zu unterdrücken. Eine höchst ungesunde Einstellung! Wer seine wahre Natur verleugnet, sei es um gesellschaftliche Normen zu erfüllen, aus Angst vor Diskriminierung, oder weil er sich selbst nicht zugestehen will, pervers zu sein, macht sich unglücklich.

Ein wichtiger Schritt zur sexuellen Selbstverwirklichung ist daher, sich von den Vorstellungen des Umfelds zu lösen und das eigene Wohlbefinden nicht von der Meinung anderer abhängig zu machen. Freunde, Familie, Kollegen – jeder hat ein Recht auf seinen persönlichen Standpunkt. Mehr aber auch nicht. Ein Urteil oder gar eine Wertung sexueller Phantsien steht niemandem zu, solange er selbst dabei nicht geschädigt oder verletzt wird. Womit wir auch schon beim Fazit wären.

Nahezu jede sexuelle Vorliebe, ob pervers oder vermeintlich normal, kann einvernehmlich ausgelebt werden, wenn der oder die Partner(-in) die selben Wünsche teilen. Auch in einer langjährigen Partnerschaft ist Raum für Neues!

Entdeckt einer von beiden plötzlich verborgene (oder lange unterdrückte) sexuelle Vorlieben, kann das zwar erstmal für Unverständnis im Ehebett sorgen, aber auf Dauer die Partnerschaft durchaus beleben. Schließlich gibt es nichts Schöneres, als den geliebten Partner noch besser und noch authentischer kennenzulernen, als das bisher der Fall war. Es geht ja nicht darum, jedes noch so heftige Extrem unbedingt 1:1 auszuleben. Manchmal genügt es schon, sich in der Phantasie damit zu befassen, es verbal zusammen durchzuspielen oder eine »Light-Version« auszuprobieren...

Nicht jeder, der eine sexuelle Perversion auslebt, verletzt dabei automatisch andere Menschen oder bricht Gesetze. Und nicht jeder teilt das Werbespot-Ideal einer Reihenhausidylle mit Blümchensex im Dunkeln. Menschen sind individuell. Vielleicht ist das eine allzu naive Vorstellung, aber: Wäre es nicht schön wenn sich aus der ängstlichen Vorverurteilung dessen, was vom Mainstream abweicht, ein respektvolles, lockeres »Leben und leben lassen« entwickeln könnte?

Dieser Artikel hat 3 Seiten. Lesen Sie auch . . .

Seite 1: Ausgefallene sexuelle Vorlieben: genussvoll oder pervers?
Seite 2: Männer und Frauen berichten über ihre ausgefallenen sexuellen Neigungen
Seite 3: Vom Umgang mit Perversionen im Alltag

Welche ausgefallenen sexuellen Vorlieben und Fantasien sind für Sie »normal« und welche eher außergewöhnlich? Kommentar schreiben
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Volker Neukirchner || 24.09.2013 15:21:54

Sadomie, Verhalten, "Abweichendes Verhalten" Reize und Umwelt machen Mann und Frau zum Krüppel. Die Spielarten und Normen sind besetzt in mehrfacher Hinsicht durch amoralischen Aufsatz der Justiz und Recht und durch die Begehung des selbigen andersherum infantil bewußt gesteuert manipuliert in sadistischen Spielarten und sado masochistischem Reagenz der Ausgrenzung in Schlitzer und Fliesenleger Spiegel verkehrte monotheistischer Anspielungen. Der Körper funktioniert immer im Stoff also im direkten indirekten materiellen und immateriellen sadistischen esoterischen Angebot.

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Richtigstellung || 15.09.2011 14:00:07

Im Artikel wird behauptet, Sodomie sei verboten. Meines Wissens wurde das Verbot schon vor Jahrzehnten aufgehoben. Es ist nur strafbar, wenn dem Tier Zwang/Schmerz angetan wird oder wenn es gefilmt/geknipst und verbreitet wird. Nekrophilie ist nur insoweit strafbar, wenn der §168 anwendbar ist, d.h. es sich um Leichen oder Leichenteile im Sinne des Bestattungsgesetzes handelt. Es ändert nichts wenn man versucht, eigene Moralvorstellungen als aktuelle Gesetzeslage darzustellen!

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