Zahlen und Fakten über Online-Pornos im Web

Die Macht der Sexbilder: Wo Männer und Frauen sich erotischen Appetit holen

Nackte Busen, große Gemächte, laszive Münder – im Internet kann kaum jemand den heißen Bildchen entgehen. Und viele stehen drauf: Der Pornokonsum nimmt zu, kostenlose Webseiten mit erotischen Inhalten verzeichnen täglich Millionen Zugriffe. Studien belegen, dass jeder dritte Mann täglich Sexfilmchen konsumiert. Und Frauen ziehen nach: Spezielle Seiten, die auf Frauenbedürfnisse zugeschnitte Erotikinhalte anbieten, sind im Kommen.

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Zahlen und Fakten über Online-Pornos im Web

»Pornos anschauen? Ich doch nicht!« - das ist wohl eine der Standardantworten auf die Frage, ob man es tut. Zahlen allerdings sprechen dafür, dass ziemlich viele Deutsche es ziemlich regelmäßig tun. So hat eine Studie des Marktforschungsunternehmens SimilarWeb herausgefunden, dass die Deutschen weltweiter Spitzenreiter im Konsum von Pornoseiten sind.

  • Bei 12,47 Prozent aller von Deutschland aus aufgerufenen Websites handelt es sich um Porno-Angebote
  • 25 Prozent aller Anfragen bei Suchmaschinen wie Google oder Yahoo – also 68 Millionen pro Tag – sind pornografischer Art
  • Fast 30.000 Internetnutzer schauen sich jede Sekunde pornografisches Material an
    20 Prozent der Männer geben zu, bei der Arbeit Pornos zu schauen. Bei den Frauen sind es 13 Prozent
  • Durchschnittlich 15 Minuten pro Sitzung verbringen Internet-Nutzer mit Pornografie
  • Der Lustkick kommt fast nur noch aus dem Internet. Etwa 90 Prozent der sexuellen Bilder, Videos und Spiele konsumieren Männer online. Heftchen, DVDs und Pornokino sind Überbleibsel aus der Zeit, als es noch keine kostenlosen Internet-Clips gab

Männerdomäne Bildchengucken?!

Schon jeder dritte Mann zwischen 14 und 70 Jahren schaut täglich Pornos – meist im Internet, so eine Umfrage von Pro 7. Auch die Ergebnisse einer kanadischen Studie weisen in diese Richtung: Ein Wissenschaftler suchte junge Männer, die keine Pornoerfahrung hatten. Und siehe da: Er fand nicht einen einzigen, der noch nie einen Sexfilm geschaut hatte. Prompt beschloss der Experte aus Mangel an geeigneten Probanden mehr darüber herauszufinden, wie die Fummel-Filmchen das männliche Verhalten beeinflussen. Die Ergebnisse:

  • Singles schauen drei Mal in der Woche, insgesamt 40 Minuten
  • Männer in festen Beziehungen nur 1,7-mal für maximal 20 Minuten

Auf das Frauenbild der Männer hatte der Pornokonsum keinen Einfluss, ergab die Studie. Männer, so fand der Wissenschaftler heraus, verlagern Fantasien, die sie nicht ausleben können, in die Pornografie. Im wirklichen Leben wünschen sie sich aber keineswegs einen dauergeilen Pornostar. Sondern eine Frau aus Fleisch und Blut.

Frauen mögen Heartcore

Nur acht Prozent der Frauen schauen täglich Pornos. Was die Männer hingegen betrifft, so gibt sich jeder Dritte dem täglichen Filmgenuss hin. Das liegt vermutlich an unterschiedlichen Bedürfnissen. Denn was in den Mainstream-Filmchen oftmals gezeigt wird, entspricht seltener Frauenfantasien. Die Angebote sind meist auf männliche Sexvorlieben zugeschnitten – und da geht es bisweilen recht eindeutig zu. Dass Frauen grundsätzlich kein Interesse an erregendem Bildmaterial haben, scheint Klischee zu sein. In einer britische Studie etwa gaben 90 Prozent aller Befragten an, Porno-Fans zu sein und durch entsprechende Filme richtig in Fahrt zu kommen. Ein Drittel davon bekannte, Details aus den Filmen als Inspiration für das eigene Sexleben zu nehmen. So etabliert sich gerade auch ein neues Porno-Genre am Markt: der Heartcore-Porno. Diese Flime legen mehr Wert auf Herz als auf Mechanik. Dem Akt an sich geht eine gefühlvolle Geschichte voraus, was Frauenlust eher anfacht, als die als billig empfundenen Rammelszenen des Porno-Mainstreams.

Verpöntes Verlangen: Wenn der Partner Pornos guckt

»Hilfe, ich hab meinen Freund beim Pornogucken erwischt!«, der Online-Konsum von einschlägigem Bildmaterial kann den Partner verunsichern. Gerade Frauen reagieren irritiert, wenn sie ihren Partner beim Pornogucken ertappen. Genüge ich ihm nicht? Ist er sexuell frustriert? Diese und ähnliche Fragen gehen vielen dann durch den Kopf. Wie viel Porno okay ist, muss jeder für sich beantworten. Ebenso wie die Frage, ob Pornoschauen schon Fremdgehen ist.

Eine Studie der University of Florida fand heraus, dass junge Frauen, deren Partner regelmäßig Pornos schauen, unglücklicher sind als diejenigen, deren Freunde dies nicht tun. Die Frauen würden sich dadurch in ihrem Selbstbewusstsein erschüttert fühlen, so die Forscher. Denn sie hätten den Eindruck, sie würden ihrem Partner in sexueller Hinsicht nicht genügen.

Frustklick oder Lustkick? 5 Antworten auf Fragen zu Pornos

Stimmt es, dass alle Männer Pornos mögen?

Schenkt man Statisken Glauben, scheint das tatsächlich zuzutreffen. Denn viele Männer befassen sich regelmäßig mit pornografischen Darstellungen. Die Stimulation der Libido durch sexuell geprägte Medien ist normal - bei Männern läuft vieles über die visuelle Wahrnehmung, auf eindeutige Reize reagieren sie oft eindeutig. Männer können vielleicht gar nicht anders: Neurologische Untersuchungen belegen, dass sich im männlichen Gehirn beim Anblick stimulierender Sexbilder anderes abspielt als bei Frauen: Beim Mann werden Belohnungszentren aktiv, er fühlt sich besser. Außerdem aktivieren Sexdarstellungen bei Männern das als Mandelkern (Amygdala) bezeichnete Hirnareal, das an der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt ist. Männer suchen beim Pornoschauen auch körperliche und seelische Druckentlastung, also Entspannung, wollen unterhalten werden und Sexfantasien ausleben, die in der Partnerschaft nicht befriedigt werden können.

Ist Pornogucken schon fremdgehen?

Definiert man Fremdgehen als eine Beziehung zu einem anderen Menschen als dem eigenen Partner, fällt Pornogucken sicherlich nicht darunter. Denn hier geht es um eine personenunabhängige Stimulation der eigenen Libido. Das Wesentliche spielt sich dabei in der Fantasie ab. Genausowenig ist Selbsbefriedung Liebesbetrug. Allerdings obliegt es der Definiton des Partners, ob dieser es als Vertrauensbruch empfindet, wenn der andere sich regelmäßig Befriedigung via Internet verschafft.

Buchcover: Es war doch nur Sex: Seitensprung – ein altes Verlangen von Andrea Bräu Die Paartherapeutin Andrea Bräu hält das Überangebot an pornografischen Seiten für problematisch. In Es war doch nur Sex schreibt sie, das unaufwendig verfügbare Online-Sexangebot könne für Partnerschaften gefährlich sein. Denn sich dauerhaft und fast ausschließlich über das Internet zu befriedigen, bedeute, sich nicht mehr auf den echten Partner einzulassen. Man peile den sexuellen Höhepunkt ohne Auseinandersetzung mit einer wahren Person an. Hier gebe es zwar keinen Dritten wie beim klassischen Fremdgehen. Aber die Folgen seien vergleichbar: Der Partner lasse sich nicht mehr wirklich auf die Partnerschaft ein.

Guckt mein Freund Pornos, weil er sexuell frustriert ist?

Pornokonsum wird oft in Verbindung gebracht mit sexueller Frustration. Wer es nötig hat, sich auf einschlägigen Seiten Sexinput zu holen, der kommt wohl in der Realität kaum auf seine Kosten. Muss nicht stimmen. Denn die Bedürfnisse von Menschen variieren, auch wer sexuell voll ausgelastet ist, kann den Wunsch nach animierendem Pornostoff verspüren.

Wenn das Sexleben in der Beziehung für beide Seiten befriegend ist, spricht kaum etwas für diese These. Falls sich jedoch das Intimleben eines Partners ausschließlich auf Internetsex beschränkt, ist das sicherlich problematisch. Womöglich ist die Tatsache, dass Ihr Freund häufig sexsurft ein Hinweis darauf, dass er in Ihrer Partnerschaft Erotik vermisst.

Wie viel Pornokonsum ist normal?

Grundsätzlich verhält es sich hier wie bei anderen Aktivitäten: Solange sie nicht überhand nehmen oder das normale Leben dominieren, bewegen sie sich im Normalbereich. Genauer gesagt: Wenn Pornografie nicht als Ersatz für erotische Betätigungen in der Realität dient oder ohne Scharfmacher aus dem Reich der Online-Fantasie nichts mehr läuft, fällt es wohl aus dem Bereich dessen, was gewöhnlich ist.

Auch hier gilt: Wichtig ist, was beide Partner für tolerierbar halten. Fühlen Sie sich durch den Pornokonsum Ihres Partners gekränkt, verletzt oder zurückgewiesen, ist das nicht mehr okay. Dann sollten Sie darüber sprechen. Allerdings ist wissenschaftlich erwiesen, dass der übermäßige Konsum von Online-Pornos süchtig machen kann. Und das nicht nur Männer: Eine deutsche Studie belegt, dass die Gefahr für Pornosucht bei beiden Geschlechtern gleich groß ist. Experten sprechen von Hypersexualität, wenn dem Konsum von Online-Pornos ein extrem gesteigertes sexuelles Verlangen zugrundeliegt. Und das ist dann tatsächlich nicht mehr normal.

Beeinflussen Pornos unsere Wahrnehmung?

Zu viele Pornos verzerren unsere Sichtweise, wir bekommen ein falsches Bild von Sex und setzen uns unter Erfolgsdruck: Man muss immer können und wollen, sonst stimmt was nicht. Korrekt? Das wollten auch ein Forschungsprojekt des Max-Planck Instituts wissen und untersuchte, welche Wirkung Pornokonsum hat.

Wer sich viel pornografisches Material zu Gemüte führt, muss der Studie zufolge tatsächlich mit neurologischen Auswirkungen rechnen. Die Ergebnisse weisen nämlich darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Stunden, die jemand mit pornografischem Material verbringt, und der Größe der grauen Substanz im Gehirn gibt. Je öfter sich die Untersuchten mit Pornos vergnügten, umso kleiner wurde ihr Belohnungssystem. Daraus folgerten die Wissenschaftler: Regelmäßiger Konsum von Sexmaterial leiert das Belohnungssystem aus – wer ständig sexuell stimulierende Bilder anschaut, braucht immer stärkere Reize, um erregt zu werden. Unser Gehirn gewöhnt sich an die Stimuli und empfindet sie nicht mehr aufregend.

Fazit: Warum nicht mal gemeinsam Pornos schauen?

Fanatsie und Realität sind zwei Paar Schuhe. Wenn sich Ihr Partner im Netz Liebesspiele ansieht, heißt das noch lange nicht, dass er sie in Wirklichkeit auch haben möchte. Will heißen: Willfährige busenvergrößerte Blondinen und extrem bestückte dauerpotente Hengste regen vielleicht die Fantasie an, werden aber von vielen Kosumenten als unrealistisch eingestuft und nicht als Vorlage für das echte Sexleben genommen.

Nach drei bis fünf Beziehungsjahren ist bei den meisten Paaren die erotische Luft raus, das belegen Umfragen. Sexologen schätzen, dass ein hoher Prozentsatz der über 45-jährigen in ihrer Partnerschaft so gut wie keinen Sex mehr haben. Und wenn, dann ist es oft Kuschelsex, Aufregendes findet kaum mehr zwischen den Laken statt. Wie auch: Man kennt sich ewig, hat schon dies und das ausprobiert, die Lust verpufft im Alltag. Dann kann ein gepflegter Porno durchaus für eine frische Sexbrise sorgen. Vorausgesetzt, beide wollen es ausprobieren.

  • Pornos regen die Fantasie an: So manch ein Pärchen praktiziert es: Zum Warmmachen wird gemeinsam ein Fummel-Filmchen geschaut. Das macht nicht nur scharf, sondern bringt auch auf erotische Ideen. Ein heißer Porno kann interessante Anregungen für die gemeinsame Sexpraxis liefern.
  • Pornos können aktiv machen: Bildchengucken macht Appetit auf mehr – und aktiviert erwiesenermaßen die Libido. Beim gemeinsamen Schauen kann die Lust kommen und neue Energie freisetzen für sexuelle Aktivitäten.
  • Pornos können neuen Pepp ins Sexleben bringen: Geschmäcker sind verschieden, tauscht sich ein Paar aber genau darüber aus, kann es auch in Sachen Porno zu einem anregenden Konsens finden. Und der ist Voraussetzung für ein erfüllendes Sexleben, wie die Göttinger Theratalk-Studie ermittelte. Die Kommunikation über erotische Bedürfnisse spielt demnach eine entscheidene Rolle für die Zufriedenheit mit dem Beziehungssexleben. Ein entsprechend aufregender Film könnte eine Gesprächsbasis sein – gesetzt den Fall, beide Partner stehen darauf.

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