Dabei halten fast 80 Prozent der Deutschen Treue für den wichtigsten Wert in ihrem Leben. Dessen ungeachtet hatten 60 Prozent von ihnen langfristige Seitensprünge zwischen einem und sechs Monaten. Fast die Hälfte der Befragten gab an, mehr oder weniger regelmäßig fremd zu gehen - ein wahrer Volksport. Da liegt der Verdacht nahe, dass Vorstellung und Wirklichkeit weit auseinander liegen. Die meisten von uns nehmen es mit der Treue nicht so genau. Frust, Lügen und Seitensprünge sind Alltag in Deutschlands Betten.
Es ist eine alt bekannte Tatsache unter Paarforschern und -therapeuten: Langfristige Beziehung und aufregender Sex vertragen sich einfach nicht gut. Eine langfristige Beziehung gibt uns Sicherheit, Geborgenheit, die Möglichkeit, uns auch mal »gehen« zu lassen. Ein Aufregender Seitensprung lebt von Unsicherheit, Neugier, Erwartung und Erwartungsängsten, Spannung. Das beißt sich, das sieht man auf den ersten Blick.
Heute dauert die Ehe – statistisch gesehen – 43 Jahre. 43 Jahre denselben Sex mit dem gleichen Partner, denselben Schnaufern, denselben Stellungen. Irgendwann wächst keine neue Lust mehr nach. Nur die Orangenhaut der Gattin und die Speckrolle des Gatten nehmen zu. Irgendwann ist dann die Kollegin aus der Devisenabteilung spannender. Oder der Typ mit dem strammen Hintern, den man regelmäßig mit seinem Fahrrad im Zugabteil trifft.
Wer länger liiert ist – Ausnahmen bestätigen die Regel - hat Lust auf Abwechslung. So lange es Beziehungen gibt, so lange gibt es auch den Seitensprung. Wer es nicht tut, träumt davon. Wir ernähern uns auch nicht ausschließlich von Salat, reisen nicht jedes Jahr nach Sylt, tragen nicht gleiche Mode. Wir variieren. Wir sind flexibel, neugierig und wissensbedürftig. Wer sich auf eine längere Partnerschaft einlässt, für den gehört ein Seitensprung des Partners zum normalen Lebensrisiko. Fast so normal wie ein Blechschaden am Auto.













