Die klassischen Seitensprung-Gründe
Paartherapeutin Angelina Borgaes aus Hamburg nennt als Seitensprung Gründe die Neugier auf Sex mit einem fremden Menschen, langweiligen Sex innerhalb der Beziehung oder gar generelle Beziehungsmüdigkeit und natürlich den Wunsch, den eigenen Marktwert zu testen.Gerade in langjährigen Beziehungen, wenn die Liebe des Partners selbstverständlich geworden zu sein scheint, möchte man es vielleicht noch mal wissen. Rausfinden, ob man noch knackig und sexy genug ist für ein spontanes Abenteuer. Die vielzitierte »günstige Gelegenheit« ist deshalb nur selten Ursache, aber fast immer Anlass für den Seitensprung.
Wenn es sich also nicht nur um ein zu vernachlässigendes Erotikabenteuer handelt, sondern um etwas, dass Sie in der Beziehung thematisieren wollen, dann reden Sie mit Ihrem Partner. Verwechseln Sie ihn aber dabei nicht mit einem Therapeuten! Es ist nicht die Aufgabe ihres Partner, Ihre Schuldgefühle zu lindern. Er hat vielmehr jedes Recht, eine Weile zu toben, stinksauer, verletzt und verwirrt zu sein, Sie zu beschimpfen oder Ihren DVD-Player aus dem Fenster zu schmeißen. Halten Sie es aus und warten Sie, bis sich die Wogen geglättet haben. Dann kann es mit Gesprächen weitergehen.
Wünschen Sie sich künftig öfter mal Sex mit einem fremden Menschen? Dann versuchen Sie herauszufinden, wie Ihr Partner dazu steht, und ob die Option einer offenen Beziehung besteht. Trennen Sie in diesem Gespräch aber unbedingt die beiden Themen. Ein Seitensprung als »Aufhänger« wäre gänzlich ungeeignet, weil er die Rollen festzementiert. Sie sind automatisch der böse Fremdgänger, und Ihr Partner das betrogene Opfer. Keine gute Basis für so ein sensibles Thema.
Haben Sie sich in den Seitensprung-Partner verliebt und zweifeln an ihrer bestehenden Beziehung? Dann sind Geständnis und Beziehungsgespräch unverzichtbar. Ihr Partner muss wissen, woran er ist. Außerdem sollten Sie seine feinen Antennen nicht unterschätzen. Wer sich fremdverliebt, strahlt so viele intensive, ungewohnte Vibes aus, die sich unmöglich ignorieren lassen. Je eher Sie Ihren Partner ins Bild setzen, umso fairer. Die Frage »Hast du eine/n Andere/n?« kommt bei einem Beziehungsgespräch ohnehin so sicher wie die nächste Strompreiserhöhung. Es wäre also sinnlos, hier zu lügen.
Was tun, wenn Kinder im Spiel sind?
Manche Ratgeber favorisieren das Modell der heilen Welt, in der Partnerschaftsprobleme unter den Teppich gekehrt werden. Mit der Begründung, Scheidungskinder entwickelten eine gestörte Beziehungsfähigkeit. Andere Therapeuten behaupten genau das Gegenteil und sagen, Kinder in einem künstlichen Familienklima voller verdrängter Konflikte und Heimlichkeiten aufwachsen zu lassen, forme sie zu konfliktunfähigen Erwachsenen mit Bindungsängsten.Es könnte etwas dran sein. Kinder verfügen über eine hochsensible Metaebenen-Wahrnehmung und orten Dinge, von denen Erwachsene nichts mitbekommen. So mancher Achtjährige hat schon beim sonntäglichen Kuchenessen vor versammelter Verwandtschaft mit einer arglos geäußerten Frage die heimliche Affaire eines Elternteils auffliegen lassen! Und dadurch eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die mit Schlammschlacht und Scheidung endete.
So richtet unter Umständen die vermeintliche Rücksichtnahme eine viel größere Zerstörung an, als bei einem offenen Umgang mit dem Thema entstanden wäre. Weil das Kind das Gefühl vermittelt bekommt, schuld am Beziehungsende der Eltern zu sein. Wenn diese Erfahrung schmerzlich genug ist, wird es später nie wieder etwas offen aussprechen aus lauter Angst, diesen »Fehler« zu wiederholen. Wenn Sie es nicht so weit kommen lassen wollen, hilft nur ein Gespräch auf Augenhöhe mit Ihrem Partner. Benutzen Sie Ihre Elternrolle nicht als Ausrede, um sich Ihren Sehnsüchten nicht stellen zu müssen.
Zur Liebe gehört Ehrlichkeit
Niemand ist perfekt. Schwach werden kann unter bestimmten Umständen jeder. Ob der Seitensprung ein emotionaler Supergau oder eine wertvolle Erfahrung wird, das entscheiden keine gesellschaftlichen Konventionen oder Therapeuten-Ratschläge. Sondern allein Sie und Ihr Partner! Unter idealen Bedingungen kann ein Seitensprung sogar eine Chance auf Vertiefung und Weiterentwicklung der Beziehung sein. Dazu ist allerdings eine selbstkritische, offene Auseinandersetzung mit dem Thema notwendig, die viel Interessantes, aber auch Unbequemes zutage fördern kann.Seite 1: Seitensprung beichten – oder lieber schweigen?
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