Wenn ja, haben Sie den Seitensprung gebeichtet? Wie hat Ihr Partner reagiert? Und wie würden Sie umgekehrt reagieren? Möchten Sie es wissen, wenn Ihr Partner einen One-Night-Stand hatte? Oder gehören Sie zur »was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß«-Fraktion? Welche Auswirkungen hat das auf die Beziehung? Wohin mit den Schuldgefühlen? Und warum benutzen wir eigentlich so gewichtige Worte wie »Beichte«, »Sünde« und »Vergebung« für eine Sache, die doch genussvoll und schön zu sein hat?
Genau in diesen Fragen verheddern sich viele Fremdgänger. Und als ob es nicht schon schwer genug wäre, eine Entscheidung zu treffen, wird man von allen Seiten mit Empfehlungen bombardiert. Freunde, Medien, Familie, Psychologen – jeder vertritt eine andere Meinung darüber, was »das Richtige« sei. Als Garnitur obendrauf gibt’s Schuldgefühle und den moralischen Zeigefinger – keine große Hilfe. Machen wir uns also auf die Suche nach ein paar sinnvollen Antworten.
Es ist passiert. Und jetzt?
Die Beichte im klerikalen Sinne bedeutet das Gestehen einer begangenen weltlichen Sünde mit anschließender Buße und Lossprechung von der Schuld durch einen Priester. Ein Gespräch mit dem Lebenspartner als »Beichte« zu bezeichnen, ist also faktisch Unsinn. Dass es umgangssprachlich dennoch so viele tun, zeigt deutlich, wie sehr der Seitensprung als schwerwiegender »Sündenfall« empfunden und entsprechend überhöht wird.Paare, die bereits eine Vereinbarung bezüglich des Umgangs mit Seitensprüngen getroffen haben, sind zu beneiden. Sie kommen ohne diese bedrohlichen Vokabeln aus. Hier existieren feste Strukturen, die Verletzungen zwar nicht immer ausschließen, aber zumindest den emotionalen Sprengstoff aus der Situation nehmen.
Ebenfalls zu »beneiden«, wenn auch aus anderen Gründen, sind notorische heimliche Fremdgänger. Beichten oder schweigen stehen gar nicht zur Debatte. Es geht auch nicht um Schuldgefühle oder eine Bestandsaufnahme der Beziehung. Sondern darum, ein Doppelleben reibungslos zu organisieren und den Partner möglichst überzeugend anzulügen. Die Beziehung dient nur als bequeme Homebase für heimliche Seitensprünge. Fragt man diese notorischen Seitenspringer, warum sie fairerweise nicht lieber eine offene Beziehung leben oder sich trennen, kommen übrigens fast immer Schutzbehauptungen à la »ich könnte das meiner Frau nie antun, das würde sie zu sehr verletzen«. Ist es nicht viel verletzender, erkennen zu müssen, dass der Partner einem jahrelang ins Geicht gelogen hat?
Jedenfalls: Notorische Fremdgänger und Paare mit klaren Regeln sind raus aus der Zwickmühle. Übrig bleiben Seitenspringer, die Monogamie als Basis ihrer Partnerschaft vereinbart haben und sich zum ersten Mal mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Sie stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. Beichten? Schweigen? Was, wenn es durch Zufall oder Dritte ans Licht kommt? Besteht gar die Gefahr einer Wiederholung? Und wenn ja, warum?
Die Münchener Paarberaterin Gabriele Leipold rät Seitenspringern, die sich in Form eines einmaligen Ausrutschers in ein fremdes Bett verirrt haben, den Partner nicht damit zu belasten. Nur wenn tiefere Gefühle im Spiel sind, ist ein Gespräch unumgänglich.
Eine praktische erste Hilfe bietet die Partnerberatungs-Plattform Theratalk. Hier steht ein kostenloser, therapeutisch ausgeklügelter Fragebogen für Seitenspringer und deren Partner zur Verfügung, der nach dem Ausfüllen ausgewertet wird. Wichtiger als die Auswertungsergebnisse sind allerdings die Fragen selbst, die den Betroffenen ermöglichen, sich strukturiert mit ihrer Situation auseinanderzusetzen, statt sich in kopflosen »Schuld und Sühne«-Dramen zu verlieren. Für Paare, denen die Kommunikationsfähigkeit abhanden gekommen ist, kann der Fragebogen ein guter Leitfaden für ein Gespräch sein!
Diplom-Psychologe Ragnar Beer von »Theratalk« empfiehlt grundsätzlich eine Aussprache, auch bei einem One-Night-Stand. Allein um zu verhindern, dass der Betrogene zufällig davon erfährt. Die Welt ist klein. Und wenn zum Vertrauensbruch auch noch Schamgefühl beim Betrogenen kommt, kann größerer Beziehungsschaden entstehen als durch den Seitensprung selbst. Laut einer Forsa-Umfrage würden von 500 befragten Frauen 60% ihrem Partner den Seitensprung verzeihen, wenn er ihn von sich aus gesteht. Käme er durch Zufall über Dritte ans Licht, wäre ein Verzeihen ausgeschlossen.
Seite 1: Seitensprung beichten – oder lieber schweigen?
Seite 2: Seitensprung gestehen – Fallen beim Geständnis
Seite 3: Seitensprung und Geständnis als Chance















